Bei Störungen im äußeren Gehörgang oder Mittelohr kann es zu Schallleitungsschwerhörigkeit kommen. Oft handelt es sich nur um einen Cerumenpfropf und es ist eine Entfernung ausreichend. Besteht eine Perforation des Trommelfelles, ein Defekt der Kette oder eine Fixierung wie bei Otosklerose so ist ein entsprechender hörverbessernder Eingriff erforderlich.
Das Ausmaß der eventuellen Verbesserung läßt sich an Hand des präoperativen Audiogrammes (Schallleitungsanteil) prognostizieren. Eine Studie unserer Langzeitergebnisse der Steigbügelplastik hat ergeben, dass eine signifikante Hörverbesserung mehr als 10 Jahre nach solchen Eingriffen bestanden hat.
Es werden an der HNO-Abteilung jährlich ca.300 hörverbessernde Eingriffe enaural durch einen Gehörgangstrichter durchgeführt. Durch Schädigung oder Fehlen der Haarzellen kommt es zu einer Innenohrschwerhörigkeit, die zunächst mit einem Hörgerät kompensiert werden kann. Wird mit dem Hörgerät kein ausreichendes Sprachverständnis mehr erzielt, kommt die elektrische Stimulation mit dem Cochlea-Implantat (Kunstohr)zum Einsatz. Es wird auch die neue Technik der teilimplantierten Hörgeräte bzw. der knochenverankerten Hörgeräte angeboten.
Rund 300.000 Österreicher leiden unter chronischem Tinnitus. Für den chronischen otogenen Tinnitus (jener Tinnitus, der nicht auf psychischen Ursachen und auch nicht auf einer behebbaren Erkrankung basiert) gab es bisher keine Therapie, mit der kurzfristig eine signifikante Besserung erreicht werden konnte.
Im AKh Linz hat man jetzt mit einer externen Elektrostimmulation erste bemerkenswerte Erfolge erzielt. Schon lange ist bekannt, dass PatientInnen mit chronischem Tinnitus oftmals im Hochtonbereich einen Ausfall, also einen Hörverlust haben, den sie selbst vielleicht gar nicht bemerkt haben. Dieser Hörverlust kann mittels einer Hörprüfung (Audiogramm) nachgewiesen werden und weist auf einen Verlust der Sinneszellen (Haarzellen) in diesem Bereich der Gehörschnecke hin. Und exakt dort wo der „Haarausfall“ im Ohr stattgefunden hat, empfindet der Patient oft auch das nervenaufreibende Tinnitusgeräusch. So wie Schmerzen bei amputierten Gliedmaßen nicht auftreten dürften, sollte es bei fehlenden Haarzellen eigentlich auch keine Geräusche geben. Man spricht daher auch von Phantomgeräuschen.
Inspiriert durch Cochlea-Implantate, die tauben Menschen durch Elektrostimulation wieder zum Hörvermögen verhelfen können, erhielten im letzten Halbjahr im AKh Linz im Rahmen einer Studie PatientInnen mit otogenem Tinnitus ebenfalls eine Elektrostimulation in ihrem haarzellenlosen Bereich. Dabei versuchte man, mit der Elektrostimulation den Frequenzbereich zu treffen, wo das Tinnitusgeräusch empfunden wurde. Die Erfolge waren bemerkenswert.
Die im AKh Linz entwickelte und derzeit auch nur hier angebotene Stimulation mittels Gehörgangs-Elektroden wurde über 5 Tage 2x täglich je 5 Minuten durchgeführt und brachte bei mehr als der Hälfte der PatientInnen eine deutliche Verbesserung im Sinne einer deutlich verminderten Lautheit des Tinnitus.
Durch das „Kunstohr“ kann das Hörorgan teilweise ersetzt werden. Cochlearimplantate eignen sich für Erwachsene die erst ertaubt sind, nachdem sie vorher hören und sprechen gelernt haben. Durch das Neugeborenen-Hörscreening werden Hörstörungen heute in der Regel in der ersten Lebenswoche diagnostiziert und die Kinder zunächst mit Hörgeräten versorgt. Kommt es durch die Hörgeräte nicht zu einer entsprechenden Hör- und Sprachentwicklung, so werden die Kinder im ersten Lebensjahr implantiert. Es ist inzwischen unumstritten, dass eine CI- Versorgung vor dem zweiten Lebensjahr gegenüber späteren Implantationen Vorteile für die Hör- Sprachentwicklung ergibt.
Cochleaimplantationen werden an der HNO-Klinik im Linzer AKh seit 1984 durchgeführt. Studien unserer Langzeitergebnisse nach tiefer Elektrodenimplantation haben bei allen Patienten ein offenes Sprachverständnis (ohne Lippenlesen) ergeben. Bei den leichteren Test`s wie dem Freiburger Zahlen-test wurden nach nur einem Jahr Training sehr oft 100% Verständnis erreicht. Jährlich werden rund 10 Cochlea-Implantationen durchgeführt. Die laufenden erforderlichen Anpassungen der Sprachprozessoren und die Therapie werden von den spezialisierten Logopädinnen der Abteilung durchgeführt.
Das Behandlungsspektrum der Abteilung umfasst aber auch die Chirurgie der Nase und ihrer Neben-höhlen (endoskopisch), plastische Operationen an der Nase (Nasenkorrektur) sowie den Ohren (Anlegeplastik), die Behandlung von Tumoren des Kehlkopfes, Schlundes, Mundes und Zungenbodens. Diese erfolgen so weit als möglich nach etwaiger cytostatischer Induktionsbehandlung endoskopisch mit dem CO2 – Laser.
Natürlich wird die Gesamtheit aller möglichen HNO-Operationen angeboten. Als Pionierleistung im Land OÖ wurde im Jahr 2000 in enger Kooperation mit der neurologischen Abteilung bzw. der radiologischen Abteilung des Hauses eine interdisziplinäre "Schluckgruppe" ins Leben gerufen. Die primäre Intention dabei besteht in der Erfassung, Diagnose und eventueller Therapie von Schluckstörungen, welche von einfachem Fremdkörpergefühl im Hals bis zum Ansaugen von Speisebrei in die Luftröhre reichen kann. Zunehmende Bedeutung hat in den letzten Jahren auch die Behandlung des Schnarchens erlangt. Zur Lokalisationsdiagnostik wird die Schlafendoskopie angeboten.
Falls erforderlich werden an unserer Abteilung die UPPP(Uvulapalatopharyngoplastik) und laserassoziierte Varianten, sowie die gewebe-schonende Radiofrequenztherapie des Weichgaumens und des Zungengrundes durchgeführt. Darüber hinaus gibt es Spezialambulanzen für Tinnitus und Schwindel, Heuschnupfen und Allergie sowie eine phoniatrische Sprechstunde, in der der Stimmstatus erhoben wird und die PatientInnen durch unsere Logopädinnen betreut werden.
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