NEWS AUS LINZ
18.03.2010

Linzer Wirtschaft hat Krisenjahr 2009 gut bewältigt
Die Wirtschaftskrise hat vor allem die exportorientierte Wirtschaft massiv getroffen. Die aktuellen Zahlen der Statistik Austria weisen für 2009 (vorläufige Zahlen für Jänner bis November) österreichweit einen Exportrückgang von 21,1 Prozent aus! Als exportorientierter Industriestandort waren daher Oberösterreich und besonders auch Linz von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders betroffen. Dennoch hat der Wirtschaftsstandort Linz durch die sehr gute Ausgangslage (2007 und 2008 herrschte in Linz Vollbeschäftigung), die Konjunkturpakete, die umfangreiche aktive Arbeitmarktpolitik (Kurzarbeit, Schulungen,...) und nicht zuletzt durch die positive Stimmung des Kulturhauptstadtjahres das extrem schwierige Jahr 2009 gut bewältigt.
So hat Linz trotz der gestiegenen Arbeitslosenzahlen im Jahresdurchschnitt 2009 mit einer immer noch geringen Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent abermals die niedrigste Arbeitslosigkeit aller Landeshauptstädte.
Schwierige Arbeitsmarktentwicklung 2010
Nach den überstandenen Turbulenzen des Vorjahres kann die Wirtschaft wieder auf einen leichten Aufschwung hoffen. Weniger erfreulich entwickelt sich 2010 die Lage am Linzer Arbeitsmarkt. Im Jänner und Februar sind die Arbeitslosenzahlen in Linz-Stadt gegenüber dem Vorjahr abermals stark gestiegen. Mit den ebenfalls stark gestiegenen SchulungsteilnehmerInnen sind Ende Februar in Linz-Stadt 8 302 Personen auf Jobsuche oder in Schulungen. Das sind nochmals um 1 634 Personen mehr als bereits im Februar 2009.
Angesichts der sehr hohen Zahl von Linzerinnen und Linzern, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, spricht sich Wirtschaftsstadträtin Susanne Wegscheider für ein verstärktes Engagement der Stadt Linz bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik aus. Dies sollte im Rahmen der Weiterentwicklung des im Vorjahr beschlossenen Linzer Konjunkturprogramms geschehen. Dieses 260 Millionen Euro schwere Programm sieht für die Jahre 2009 bis 2015 im Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik jährlich Ausgaben von 200 000 Euro vor.
Linz profitiert wie keine andere Stadt von der hohen Arbeitsplatzdichte des Wirtschaftsstandortes Linz. Die Kommunalsteuereinnahmen (3 Prozent der Lohnsumme) pro EinwohnerIn liegen um 50 Prozent über den Werten der anderen größeren Städte und machen Linz zur steuerreichsten Stadt Österreichs. „Linz ist eine wirtschaftlich starke Stadt und sollte daher in schwierigen Zeiten die von Arbeitslosigkeit Betroffenen mit Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zusätzlich unterstützen“, so Wegscheider.
Entwicklung der unselbstständig Beschäftigten
Die wirtschaftliche Stärke von Linz zeigt sich im enormen Jobwachstum des letzten Jahrzehnts:

Ende Jänner 2010 weist die Statistik der OÖ. Gebietskrankenkasse für Linz 171 804 unselbstständig Beschäftigte aus (Werte ohne Beamte und Selbstständige; die Jänner-Werte liegen saisonbedingt immer deutlich unter den Juli-Werten). Im Vergleich zum bisherigen Jänner-Höchstwert von 2008, mit 173 610 unselbstständig Beschäftigten, hat Linz um 1 806 Arbeitsplätze (minus 1 Prozent) weniger als noch vor zwei Jahren.
Trotz des harten Verlustes von 1 806 Arbeitsplätzen hat der Wirtschaftsstandort Linz noch immer um 6 232 Arbeitsplätze (+3,8 Prozent) mehr als noch vor fünf Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2000 hat Linz im gesamten Jahrzehnt noch immer ein Beschäftigungsplus von 17 591 Arbeitsplätzen beziehungsweise 11,4 Prozent.
Damit fiel das Jobwachstum dieses Jahrzehnts doppelt so hoch aus wie die Jobentwicklung der 90er Jahre. Von 1990 bis 2000 gab es nur ein Plus von 8 334 Arbeitsplätzen beziehungsweise 5,7 Prozent.
Beschäftigungswachstum bei den Frauen
Trotz der Wirtschaftskrise hatten im Jänner 2010 um 1 513 Frauen mehr (+1,8 Prozent) einen Arbeitsplatz in Linz als noch vor zwei Jahren. Mit 84 735 unselbstständig beschäftigten Frauen erreichte die Frauenbeschäftigung heuer einen neuen Jänner-Höchststand.

Hauptbetroffene der Krise waren Branchen mit hoher Männerbeschäftigung. Während die Männer vom Jobwachstum der Vollbeschäftigungsjahre 2007 und 2008 mit zusätzlichen 4 309 „Männerarbeitsplätzen“ überdurchschnittlich profitierten, hat es in den vergangenen beiden Jahren einen Rückgang um 3 319 Arbeitsplätzen (-3,7 Prozent) gegeben.
Insgesamt liegen die Beschäftigtenzahlen im Jänner 2010 mit 171 804 Arbeitsplätzen wieder auf dem Niveau vor drei Jahren.
Im Jänner 2010 lag die Zahl der beschäftigten Frauen nur noch 2 334 Beschäftigungsverhältnisse hinter den Männern zurück. 1990 betrug die Differenz zwischen Männer- und Frauenbeschäftigung noch knapp 18 000 Arbeitsplätze.
Beschleunigter Wandel in den Wirtschaftsbranchen
Wirtschaft ist Wandel. In der Krise beschleunigt sich dieser Wandel und es können nicht mehr genügend neue Arbeitsplätze geschaffen werden, um die verloren gegangenen Arbeitsplätze zu ersetzen.
In Summe sind im vergangenen Jahr nach der Statistik der OÖ GKK von Jänner 2009 bis Jänner 2010 1 694 Arbeitsplätze in Linz verloren gegangen. Eine Auswertung nach den verschiedenen Wirtschaftsklassen zeigt, dass in 53 Wirtschaftsklassen insgesamt 4 156 Arbeitsplätze abgebaut wurden. In 25 Wirtschaftklassen kam es dagegen zu einem Jobwachstum von 2 462 Arbeitsplätzen.
Den größten Rückgang an unselbstständig Beschäftigten gab es in der Metallerzeugung und -bearbeitung (-751) und bei den Leasingarbeitskräften
(-474) oder auch im Tiefbau (-281) und im Hochbau (-149).
Die größten Zuwächse an zusätzlichen Jobs gab es im Sozialbereich (+493), im Gesundheitswesen (+460), im Bereich Erziehung und Unterricht (+299). Rückenwind durch das Kulturhauptstadtjahr hatte auch der Einzelhandel mit einem Zuwachs von 176 Arbeitsplätzen und die Gastronomie mit einem Plus von 115 Jobs.


Analyse der Arbeitslosenzahlen
Nach dem Vollbeschäftigungsjahr 2008 mit einer Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent im AMS-Bezirk Linz (dieser umfasst Linz-Stadt und Urfahr-Umgebung) lag die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2009 noch immer bei niedrigen 4,3 Prozent. Die Stadtregion Linz hatte damit im Vorjahr noch immer die niedrigste Arbeitslosigkeit im Städtevergleich, wie auch Oberösterreich die niedrigste Quote im Bundesländervergleich aufweist.

Wie beim AMS-Bezirk Linz umfassen auch die AMS-Bezirke bei den anderen Landeshauptstädten ebenfalls das Umland. Ohne Urfahr-Umgebung weist Linz-Stadt im Jahresdurchschnitt 2009 eine Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent auf und liegt damit etwas über dem oberösterreichischen Durchschnitt mit 4,9 Prozent.
Auch im Jänner 2010 liegt der AMS-Bezirk Linz mit einer Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent noch immer vor allen anderen Landeshauptstädten. Die Frauenarbeitslosenquote beträgt nur 4,1 Prozent, bei den Männern hingegen 7,4 Prozent. Für Linz-Stadt beträgt die Arbeitslosenquote 7 Prozent. Linz-Stadt liegt damit leicht über dem Wert von Oberösterreich mit 6,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote für Österreich lag im Jänner bei 8,9 Prozent.
Nach den aktuellen Schätzungen des AMS dürfte die Quote für den AMS-Bezirk Linz im Februar 2010 bei 6 Prozent liegen. Die Quote für Linz-Stadt dürfte bei 7 Prozent liegen. Oberösterreich liegt bei 6,8 Prozent und Österreich bei 8,6 Prozent Arbeitslosenquote.
Starker Anstieg der Arbeitslosigkeit in Linz im Jänner und Februar 2010
Im Jänner und Februar sind die Arbeitslosenzahl im AMS-Bezirk Linz gegenüber den Vorjahreswerten um 20,7 beziehungsweise 20,2 Prozent stark gestiegen. Der Vergleich mit den anderen Stadtregionen zeigt, dass der Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Linz besonders hoch ausgefallen ist.

Massiver Anstieg der Schulungen gegenüber dem Vorjahr
Noch deutlicher als der Anstieg der Arbeitslosen sind die Schulungszahlen in Linz-Stadt gestiegen. Im Februar 2010 waren in Linz-Stadt 2 500 Linzerinnen und Linzer in Schulungen. Das ist ein Anstieg gegenüber Februar 2009 um 702 Personen beziehungsweise 39 Prozent.
In Linz-Stadt gab es im Februar 2010 mit den 5 802 gemeldeten Arbeitslosen insgesamt 8 302 Linzerinnen und Linzer die arbeitslos waren oder sich in Schulungen befanden. Das sind um 1 634 Personen mehr (+24,5 Prozent) als noch vor einem Jahr.
Linz hat damit auch im langjährigen Vergleich einen sehr hohen Wert an Arbeitslosen und Schulungsteilnehmern erreicht. (Für die Jahre vor 2007 liegen nur die Schulungszahlen für den Arbeitsmarktbezirk vor, bei dem bis 2003 auch Linz-Land inkludiert war. Die Schulungszahlen lagen in den 90er Jahren deutlich unter dem aktuellen Niveau.)

Auch wenn der Vergleich der Arbeitslosenquoten für die Stadtregion Linz im nationalen Vergleich noch immer sehr positiv ausfällt und ein Zeichen für die Stärke des Wirtschaftsstandortes ist, so zeigt ein differenzierterer Blick auf den Arbeitsmarkt von Linz-Stadt die schwierige Situation auf, in der sich der städtische Arbeitsmarkt zur Zeit befindet.
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz „Entwicklung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten in der Stadt Linz“ von Wirtschaftsreferentin Stadträtin Susanne Wegscheider)
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