Er eröffnet einer Stadt die Möglichkeit, sich innerhalb dieses konzentrierten Zeitraums in ihrem ganz speziellen kulturellen Selbstverständnis zu präsentieren. Der Titel ‚Europäischer Kulturmonat’ wurde 1992 ins Leben gerufen. Er wird vom Europäischen Kulturministerrat verliehen. 1998 waren gleich zwei Städte Ausrichterinnen des Europäischen Kulturmonats: die Hauptstadt Maltas, La Valetta und Linz.
Linz stellte den rasanten Wandel von Arbeit, Informationstechnologie, Wissenschaft und Gesellschaft in den Mittelpunkt des Europäischen Kulturmonats. Unter dem Schlagwort ‚job.net.gen.fun’ wurde Linz vom 28. August bis 4. Oktober zur Bühne für (heimische) zeitgenössische Kunst- und Kulturschaffende – dies war zugleich eine lebendige Demonstration des städtischen Wandlungsprozesses von der Industriestadt hin zur modernen Kulturstadt. Gezielt wurden zudem bereits bestehende internationale Kooperationen für den Europäischen Kulturmonat genutzt sowie neue künstlerische Vernetzungen auf internationaler Ebene geschaffen.
Die stillgelegte Lederfabrik, der Vorplatz des Offenen Kulturhauses O.K., das Generali Gebäude, Hafen und Donauraum wurden im Europäischen Kulturmonat zur Kulisse für ein facettenreiches Kulturereignis. Mehr als 15.000 Besucher bestaunten den ‚Donauregen’, die Inszenierung eines gigantischen Wasserfalls von der Nibelungenbrücke. Mit dem Projekt ‚Clickscape’ der Stadtwerkstatt wurde der städtische Raum per Mausklick gestaltbar. Ursula Witzany machte in ‚Zisterne. Linzer Unterwelt’ den 1944 unterhalb des Linzer Pfarrplatzes angelegten Wasserspeicher für Besucher zugänglich, In ‚Natürlich künstlich’ ließen elf KünstlerInnen vor den Toren des Offenen Kulturhauses O.K. einen künstlichen Garten erblühen. Mikis Theodorakis dirigierte ein Konzert in der Flämmereihalle der Voest. Im Hangar am Flughafen Linz waren mehr als 50 Arbeiten Hermann Nitschs ausgestellt…
Der Europäische Kulturmonat, der während des EU-Ratsvorsitzes Österreichs stattfand, war Anlass dafür, dass im Designcenter Linz vom 10. bis 12. September das informelle Treffen der EU-Kulturminister abgehalten wurde. Linz lud zu diesem Treffen auch die Kulturminister der mittel- und osteuropäischen Staaten ein. Die Konferenzteilnehmer waren Ehrengäste der Visualisierten Linzer Klangwolke ‚jobOpera’ am 11. September. Gleichzeitig wurden im Europäischen Kulturmonat auch die Weichen für eine Bewerbung von Linz als Europäischer Kulturhauptstadt gestellt. Im September 1998 wurde mit dem Diskussionsprozess um die zukünftige Ausrichtung der städtischen Kulturpolitik begonnen, die schließlich im Jahr 2000 in der Formulierung des Kulturentwicklungsplans (KEP) und der darin verankerten Leitlinien mündeten.
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