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| ______________________________________ Kultur als öffentliche Aufgabe Das allgemeine Interesse an Kunst und Kultur steigt Qualität und Vielfalt Veranstaltungen Publikum Serviceleistungen |
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| Der neoliberale Trend zum beschleunigten Rückzug des Staates, der Länder und Kommunen aus Bereichen der Wirtschaft, des Verkehrs, der Dienstleistungen usw. hat auch die Diskussionen um das Verhältnis der öffentlichen Hand zu Kunst und Kultur erfaßt. Zweifellos ist dieses Verhältnis unter dem Gesichtspunkt des allgemeinen kulturellen Wandels zu überdenken und in vielen Fällen auch neu zu bestimmen. | |||
| Gleichberechtigte Vertragspartnerschaft zwischen öffentlichen Institutionen und Kulturschaffenden | So verstehen gerade in Österreich auf Grund spezifischer Traditionen und Voraussetzungen noch immer etliche öffentliche Kulturinstitutionen und deren Vertreter ihre Rolle als die eines Mäzenaten, als eine Anlaufstelle zur Vergabe von Unterstützungen für Kultur- und Kunstschaffende. Hier gilt es, bei allen Beteiligten ein modernes, den tatsächlichen gegenseitigen Vorteilen entsprechendes Verständnis von gleichberechtigter Vertragspartnerschaft zu entwickeln, Selbstverantwortlichkeiten zu fördern, effektives und transparentes Wirtschaften zu ermöglichen und anderes mehr. | ||
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Dieser Reformbedarf kann aber nicht gleichbedeutend sein mit einer Reduktion der Verantwortung der Gesellschaft (und damit der dafür zuständigen öffentlichen Stellen) für das Kunst- und Kulturleben. Abgesehen vom Bekenntnis zu einer aktiven, gestaltenden Kulturpolitik gibt es für das öffentliche Engagement eine Reihe von weiteren Gründen: | ||
Das allgemeine Interesse an Kunst und Kultur steigt In den letzten Jahren hat das Interesse an Kunst und Kultur breitere Teile der Bevölkerung erfaßt als je zuvor. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und können an dieser Stelle nur angedeutet werden. |
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| So spielt zum Beispiel die schon erwähnte Integration in übergeordnete Marketingstrategien von privaten Unternehmen oder im Rahmen der zunehmenden Städte-, Regionen- und Länderkonkurrenzen eine erhebliche Rolle. Kunst wurde von Firmen als Werbe- und Imagefaktor entdeckt, etliche Städte und Länder haben sich mittlerweile den Beinamen "Kulturstadt" oder "Kulturland" gegeben. | |||
| Steigende Bedeutung von Kunst und Kultur für die Identifikation mit der eigenen Stadt | Ein wichtiger Faktor ist aber auch die steigende Bedeutung von Kunst und Kultur für die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer eigenen Stadt oder Region, für die Entwicklung des Selbstbewußtseins ihrer Bürgerinnen und Bürger. Kulturelle Einrichtungen werden sehr hoch eingeschätzt - auch von jenen, die sie selbst kaum oder gar nicht nutzen. Linz ist dafür ein besonders gutes Beispiel, wie Umfragen bestätigen. | ||
| "Kulturalisierung" durch höhere Bildung | Zur "Kulturalisierung" der Gesellschaft trägt auch das allgemein höhere Bildungsniveau der Bevölkerung bei. In Verbindung mit einer Entwicklung, die in Zukunft zweifellos ein Mehr an Freizeit bzw. flexiblere Freizeitgestaltung bringen wird, entsteht dadurch ein vielfältigeres und mit mehreren Berührungspunkten versehenes Verhältnis von Kultur und Bevölkerung. | ||
| Sinnstiftung durch Kunst und Kultur | Schließlich sei als letztes Beispiel noch darauf verwiesen, daß Kunst und Kultur in Zeiten von allgemeiner Verunsicherung über zukünftige Entwicklungen oder gar bei Verlust von traditionellen Werten (Religion, gesellschaftliche Utopien...) für manche als "sinnstiftender" Ersatz dienen. | ||
Fundamentale Aufgaben der öffentlichen Hand |
Qualität und Vielfalt In der Regel sind auch private Sponsoren an der Qualität von künstlerischen Produkten interessiert, die sie selbst in Auftrag gegeben haben oder auf andere Weise unterstützen. In fast allen Fällen sind damit Strategien zur Image-Gestaltung der Unternehmen verbunden - was aus deren Sicht selbstverständlich ist, und für die Künstlerinnen und Künstler zweifellos eine gute Chance zur Finanzierung ihrer Werke darstellt. Solche zusätzlichen Möglichkeiten können aber nicht die fundamentalen Aufgaben der öffentlichen Hand auf dem Sektor Kultur, Kunst und Bildung ersetzen. Zumal sie nur wenigen offen stehen, wobei es junge, noch nicht so bekannte Künstlerinnen und Künstler besonders schwer haben. |
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Kriterien öffentlicher Förderpolitik |
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| Kunstproduktion losgelöst von reinen Markbedingungen |
Dies wiederum erlaubt den Kunst- und Kulturschaffenden, unabhängig von den eigenen materiellen Voraussetzungen, von rasch wechselnden "Moden" oder von rein quantitativ bemessenen Erfolgskriterien ("Quoten") ihre Werke, experimentelle Kunst, Programme für Minderheiten usw. losgelöst von den aktuellen Marktchancen zu entwickeln. Ein Großteil der Kunstproduktion der europäischen Geschichte hätte unter reinen Marktbedingungen gar nicht geschaffen werden können. Die jeweils zeitgenössische Kunst wurde immer nur von gesellschaftlichen Minoritäten unterstützt. Sie eroberte sich in den meisten Fällen erst viel später einen Platz im "Archiv" der Kunstgeschichte oder im Museum und damit allgemeine Anerkennung. | ||
Veranstaltungen Darin liegt letztlich auch die Legitimation von öffentlichen Institutionen als Kunst- und Kulturveranstalter begründet. Dort, wo Städte oder Regionen kaum oder gar nicht aktive Kulturpolitik betreiben, klafft die Schere zwischen rein kommerziell orientierten "Mega-Events" und faktisch unter Ausschluß der Öffentlichkeit ablaufenden künstlerischen Minderheitenprogrammen (so sie überhaupt stattfinden) nachweislich immer weiter auseinander. Der ökonomische Druck wird größer. Weder die exklusive Präsentation von zeitgenössischen Kunstformen, noch ihre Einbindung in kulturelle Großveranstaltungen würde auf Dauer von Veranstaltern mit ausschließlich wirtschaftlichen Interessen möglich sein. |
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| Qualitätssicherung | Wenn hingegen die öffentliche Hand als Veranstalterin auftritt, muß im Sinne des gesellschaftlichen Auftrags kulturelle bzw. künstlerische Qualität ein unabdingbares Kriterium sein. Sie kann bei Großveranstaltungen dafür sorgen, daß künstlerisch anspruchsvolle Programme aufgenommen werden und somit ein Vermittlungsauftrag erfüllt wird. Sie kann "Minderheitenprogramme" ohne Quotendruck durchführen. Veranstaltungen wie das Linz-Fest, Klangplatz Hauptplatz oder spezielle musikalische und literarische Reihen des Kulturamtes können in dieser Form nur von öffentlichen Institutionen ohne Qualitätsverlust durchgeführt werden. | ||
| Spezielle Kunstvermittlungsmodelle | Das kulturpolitische Gegenstück zur Privatisierung und damit Kommerzialisierung von Großveranstaltungen mit sogenanntem "Event"-Charakter ist die stärkere Partizipation von mit Kunst und Kultur befaßten Personen, Gruppen, Vereinen usw. bei der Programmierung, Durchführung und schließlich bei der Auswertung der Erfahrungen von derartigen Projekten. Öffentliche Veranstaltungen bieten sich außerdem für die Erstellung von speziellen, nachhaltig konzipierten Kunstvermittlungsmodellen an und können oft vor allem jungen Künstlerinnen und Künstlern erstmals Auftrittschancen vor einem größeren Publikum gewähren. | ||
Vielfalt und Qualität für das Publikum |
Publikum Im wesentlichen gelten dieselben Argumente auch für die Kunstkonsumenten:
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| Frei von Markt- und Einzelinteressen | können längerfristig nur von jenen Stellen gesichert werden, die keine Einzelinteressen vertreten und deren finanzielle Ausgaben keiner kurzfristigen, ausschließlich den Gesetzen des freien Marktes unterworfenen Gebarung unterliegen. Die gesellschaftspolitische Verpflichtung der Stadt liegt vielmehr darin, dafür zu sorgen, daß das Potential an Innovation, Kreativität, Experimentierfreudigkeit, geistiger und sinnlicher Herausforderung nicht austrocknet, weil dies in Perspektive auf alle anderen gesellschaftlichen Bereiche zurückfallen würde. | ||
Serviceleistungen für Kunstschaffende |
Serviceleistungen Die Forderung nach hoher künstlerischer Qualität kann nur erfüllt werden, wenn die dafür notwendigen Serviceleistungen den Kunstschaffenden zu Verfügung stehen. Dazu gehören die Einrichtung entsprechender Räumlichkeiten, Werkstätten, Studios usw., die Bereitstellung eines Gerätepools, die Entwicklung von Kultur- und Kunstvermittlungsprogrammen, Stellen zur rechtlichen Beratung und zur Information über das Veranstaltungswesen, Programme und anderes mehr (siehe dazu auch das Kapitel zur Kunst- und Kulturförderung). |
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| Alles zusammen ergibt ein Netzwerk von allgemein nutzbaren, den aktuellen Marktpreisen entzogenen Service-Angeboten, wie sie in dieser Weise nur von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt werden können. | |||