HANNES LEOPOLDSEDER: Ars Electronica Stadt Linz

Europäischer Kulturstandort

Das österreichische Wirtschaftsmagazin "trend" bezeichnet Linz in seiner Oktober-Ausgabe 1996 als "Stadt des 21. Jahrhunderts": "Eine Stadt", schreibt 'trend', "schafft den Turnaround: Linz war 40 Jahre lang das Herz der österreichischen Stahlindustrie. Heute ist Linz der High-Tech-Standort Österreichs - und damit zukunftsweisend."

Maßgeblich mitbestimmt wird diese Entwicklung durch ein Kulturereignis: durch Ars Electronica, ein Festival, das seit 1979 mit den unterschiedlichen Aktivitäten das Profil der Landeshauptstadt Linz zukunftsorientiert mitprägt.

Im nächsten Jahrzehnt wird es darum gehen, zum Wirtschaftsstandort Linz das Format des Kulturstandortes Linz zu bestimmen.

Als Zielsetzung muß gelten, sich als europäische Kulturstadt zu begreifen und die entsprechende kulturelle Corporate Identity aufzubauen, um innerhalb der Konkurrenz der Städte in Europa eine entsprechende Position erringen und halten zu können.

Mit Ars Electronica (im folgenden jeweils als Gesamtkomplex inklusive Prix Ars Electronica und Ars Electronica Center verstanden) verfügt heute Linz unter allen österreichischen Landeshauptstädten über das entwicklungsfähigste Potential, da sich die digitale Kultur insgesamt erst zu entfalten beginnt.

Die Ausrichtung der Kulturpolitik auf die Diversifizierung der Corporate Identity als Ars Electronica Stadt muß daher über die bisherigen direkten Ars Electronica Aktivitäten hinausgehen und alle Bereiche des kulturellen Lebens, in unterschiedlicher Abstufung, miteinbeziehen:

Das Format der Ars Electronica Stadt Linz als "Stadt der Zukunft", als "Stadt der digitalen Kultur", als "Stadt des Wissens", als "Stadt der intelligenten Produkte", als "Stadt der digitalen Medien" etc. ist im gesamten Kulturbereich, sowie in der Corporate Identity, zu beschreiben und klar zu definieren.

Zielsetzungen müssen sein: einerseits eine stärkere Durchdringung der städtischen Kultureinrichtungen mit der Thematik der digitalen Technologieentwicklung, andererseits die Initiative zu Ereignissen von europäischem Format.

ANDREAS LUGER: Jugendkultur

Laut div. Lexika ist unter Kultur alles zu verstehen, was dem bewußten freien Schaffen des Menschen entspricht, wobei nur äußere Sachgüter der Kultur vererbt werden können, die persönliche Kultur hingegen stets neu zu erwerben ist.

Aus dieser Definition, insbesondere aus den Termini "bewußtes, freies Schaffen" und "persönliche Kultur" kann der Schluß gezogen werden, daß sich jeder Mensch seine eigene Kultur bzw. sein eigenes Kulturverständnis zu erarbeiten hat.

Es würde das Thema Jugendkultur bei weitem sprengen, würde man versuchen, die Geschichte der Entwicklung der verschiedenen Kulturkreise hier darzustellen, es ist jedoch anzumerken, daß diese gewachsenen Kulturen, die sich je nach Region, sozialen Merkmalen etc. unterscheiden, Einfluß auf die kulturelle Entwicklung des heranreifenden Jugendlichen haben. Als Beispiele seien hier z.B. Sprache, Bildung, Religion und Kunst aufgezählt.

Als weitere wichtige Einflüsse sind die rasante technische Entwicklung der letzten 100 Jahre, die globale, mediale Vernetzung sowie die leichte Zugänglichkeit zu einer Vernetzung aufgezählt, wobei anzumerken ist, daß diese Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist (z.B. Internet).

Um nun wieder zu meiner persönlichen Definition von Jugendkultur zurückzukommen, wäre auch ein kurzer Abstecher in die Psychologie notwendig. Der Prozeß des Erwachsenwerdens mit all seinen Facetten (Identitätsfindung, in Frage stellen alter Werte, Platz schaffen für neue Ideen, anders sein wollen etc.) wird unter anderem durch Musik, Literatur, Kleidung, Eßkultur, Sport und zum Teil durch die Schaffung einer eigenen Sprache zum Ausdruck gebracht.

Die globale Vernetzung (z.B. Fernsehsender wie MTV, in diesem Fall könnte man fast von einer globalen Gleichschaltung sprechen) ist neben der Tatsache, daß Jugendliche die größte Konsumentenzielgruppe in Bereichen wie Musik, Videos, Bekleidung... sind, unter anderem Ursache für eine auffallende Ähnlichkeit der Darstellung der Jugendlichen nach außen, und zwar weltweit.

Interessant ist dieses Phänomen auch deshalb, da Jugendliche aus verschiedensten, in der Tradition oft völlig unterschiedlichen Kulturkreisen stammend, eine gemeinsame kulturelle Sprache sprechen. Meiner Ansicht nach kann man hier die Aussage einer gemachten, vorgegebenen Form der Kultur treffen. Es ist ja auch Tatsache, daß fast jede Form der Jugendkultur, sei es jetzt der Rock'n'Roll der 50er Jahre, die Flower-Power-Bewegung der 60er Jahre, Punk der 70er und nicht zuletzt Grunge (Hardcore) der 90er Jahre seitens der Industrie geschluckt und zielgruppengerecht wiederaufbereitet in immer kürzeren Abständen als leicht konsumierbares Produkt vermarktet wurde.

Zu den derzeitigen Trends (Techno, Rave, House, Metall in allen Variationen, Jungle etc.) ist anzumerken, daß es fast von jeder Richtung zwei Spielarten gibt, wobei eine Art (Independent Szene) sich ständig durch Konzerte und sonstiges Live-Geschehen weiterentwickelt und dadurch immer wieder Anreize für die zweite Spielart, nämlich das durch die Industrie geförderte, kommerzielle Kulturgeschehen liefert.

Es existiert natürlich auch eine Szene von Kulturschaffenden, die weg vom Trend agieren und auf diese Art und Weise versuchen, ihre Eigenständigkeit und Identität zu bewahren. Immer wieder kommt es zu neuen Bewegungen (z.B. die neuen Wilden in der bildenden Kunst, Copy-Art...) und Veränderungen, wobei sich die diversen Trends als Ausdruck der Schnellebigkeit unserer Zeit in immer kürzer werdenden Abständen, ablösen.

Zusammenfassend möchte ich die These aufstellen, daß Jugendkultur als wichtiger Bestandteil in einer gewachsenen Kultur einen sich permanent verändernden und damit schließlich auch die gewachsene Kultur mitverändernden Teil darstellt.

Jugendkultur ist für mich persönlich also eine sehr lebendige, nach vielen Seiten offene, niemals konstante Angelegenheit, die auch von den Menschen, die sich damit auseinandersetzen und damit arbeiten, die gleiche Offenheit und die ständige Bereitschaft zur Veränderung abverlangt.

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