Was verstehen wir unter Volkskultur?
"Volkskultur ist die Gesamtheit der überlieferten, aus der Tradition sich entwickelnden, aber auch neuen, gegenwärtigen kulturellen Äußerungen einer bestimmten Region. Sie ist an Gemeinschaft und Tradition gebunden und von Lebensraum und Zeitverhältnissen beeinflußt." (Definition des "Forums Volkskultur", die auch vom Institut für Volkskultur des Landes OÖ. übernommen wurde). Volkskultur ist somit an keine bestimmte Schicht des Volkes gebunden, wie die wissenschaftliche Volkskunde früher einmal behauptet und dabei die bäuerliche Bevölkerung gemeint hat.
Ein wesentliches Merkmal der Volkskultur ist ihr Amateurstatus. Dementsprechend wird auch die organisierte Volkskultur fast durchwegs von ehrenamtlich tätigen Vereinsfunktionären getragen. Die Vereine wiederum werden vom Land und den Gemeinden in unterschiedlicher, stets aber eher bescheidener Weise subventioniert.
Nach außen hin tritt vor allem die "organisierte Volkskultur" in Erscheinung, wie z.B. in Form von Trachtenaufmärschen, Konzerten von Blasmusikkapellen oder Chören, Aufführungen von Amateurtheatergruppen, Brauchtumsveranstaltungen, Ausstellungen von "Hobbykünstlern" usw.
Neben der von Vereinen getragenen Volkskultur arbeiten aber auch viele eher spontan wirkende Gruppierungen oder auch Einzelpersonen im Sinne der Volkskultur, wobei wie bei vielen Volkskultur-Vereinen häufig auch ein soziales Engagement zu beobachten ist.
Bedeutung der Volkskultur im städtischen Bereich
Außer dem erwähnten sozialen Engagement ist die gesellschaftspolitische Bedeutung der Volkskultur hervorzuheben. Sie gilt grundsätzlich für den ländlichen Bereich genauso wie für den städtischen, wo die Situation allerdings wesentlich schwieriger ist und es diesbezüglich daher auch stärkere Defizite gibt. Gerade hier würden aber Integrationshilfen besonders notwendig sein, die die volkskulturellen Vereinigungen bieten und damit ein neues, zeitgemäßes Heimatgefühl vermitteln können.
Ein besonderer Wert liegt dabei in der eigenen Kreativitätsentfaltung in einer Gruppe Gleichgesinnter, unabhängig von Stand, Herkunft oder Alter. Im Gegensatz zum herkömmlichen Kulturkonsum, den es natürlich auch im Bereich der Volkskultur gibt, liegt hier eine besondere Chance, die es zu nützen gilt.
Beispiel Amateurtheater: In Linz sind derzeit erfreulicherweise zwölf verschiedene Amateurtheatergruppen in den einzelnen Stadtvierteln tätig. Dabei wird neben der kulturellen auch eine wichtige soziale Aufgabe erfüllt, weil hier intakte Kommunikationsgefüge in überschaubaren Lebensräumen geschaffen werden, in denen sich die Menschen geborgen fühlen können. Das Theaterspiel führt vom passiven Erleben zum aktiven Gestalten, zu Kreativität und kritischer Auseinandersetzung, hilft sich selbst und andere zu entdecken, fördert den Abbau unnützer Hemmungen und von Aggressionen. Ähnliches gilt gleichermaßen für viele andere volkskulturelle Einrichtungen.
Neben den verschiedenen bestehenden Kulturvereinen in den einzelnen Stadtteilen sind insbesondere auch die Industrie- und andere Großbetriebe sowie öffentliche Einrichtungen zu nennen, die als Träger volkskultureller Vereinigungen fungieren. Beispiel Blasmusik: Von den insgesamt 15 Linzer Blasmusikkapellen sind allein 11 Betriebskapellen, die übrigen vier sind jeweils am Stadtrand in den ehemals eigenständigen Gemeinden Kleinmünchen, Ebelsberg und St. Magdalena sowie am Pöstlingberg angesiedelt.
Brauchtümlich gebundene Feste und Feiern tragen desgleichen zu einer Heimatbindung bei und sind unverzichtbare Marksteine im Jahreslauf. Außer volkskulturellen Vereinigungen (z.B. die in Linz ansässigen Trachten- und Heimatvereine) sind es v.a. die Pfarren, die sich um ein lebendiges Brauchtum, das sich bekanntlich stark an das Kirchenjahr anlehnt, bemühen.
Zukunftsperspektiven
Neben der weiteren Förderung der sogenannten "Hochkultur" und der "Zeitkultur", die m.E. Linz tatsächlich zu einem neuen Image verholfen haben, sollte verstärkt auch auf die "Volkskultur" gesetzt werden. Sie kann in besonderem Maße zu der im "Thesenpapier zur Kulturentwicklung der Stadt Linz" erwähnten "Unverwechselbarkeit und einem eigenständigen kulturellen und sozio-kulturellen Profil" beitragen und das auch in Linz vorhandene Traditionsgut in die gegenwärtigen kulturellen Äußerungen einbeziehen.
Vorgeschlagen werden daher:
Stärkung der vorhandenen volkskulturellen Vereinigungen in ideeller und finanzieller Weise
Gründung neuer Volkskulturzellen vor allem auch im innerstädtischen Bereich
Entwicklung gemeinsamer Strategien zur Erreichung dieser Ziele unter Einbeziehung aller derzeitigen Funktionäre (evtl. analog dem OÖ. Forum Volkskultur mit seinen dzt. 22 volkskulturellen Landesverbänden in einem "Linzer Forum Volkskultur").
Ausweitung der "Volksmusik-Tendenzen" (zeitgemäße Formen der Volksmusik) unter Einbeziehung anderer volkskultureller Elemente
mehr Ausstellungsmöglichkeiten für "Hobby"-Künstler und Amateurfotografen.
