Städtische Identität artikuliert sich längerfristig vor allem durch die Qualität des Gebauten. Was wir an den italienischen Städten der Renaissance so bewundern, ist eben diese Dichte eines architektonischen Ausdrucks, der zuerst die Haltung einer Epoche manifestierte, dann aber - nachdem Inhalte sich längst gewandelt hatten - der Stadt selbst Halt für weitere Entwick-lung geben konnte. Das ist es auch, was Linz in der gegenwärti-gen Phase einer umfangreichen Neustrukturierung braucht: Urbane F o r m g e b u n g , die nicht nur die benötigten Funktionen erfüllt, sondern auch für die nächste Zukunft als einprägsames S t a d t b i l d kulturelle I d e n t i t ä t zu vermitteln vermag.
Im Vergleich mit anderen Städten vollzieht sich für Linz der Wandel vom Industriestandort zur Kulturstadt mit Verzögerung.
Gerade diese Verzögerung aber könnte sich als Vorteil heraus-stellen, weil heute die Bedingungen für den Wettbewerb der europäischen Städte untereinander viel deutlicher vor Augen stehen als noch vor 15 Jahren. Damals wurde mit der Veranstal-tung 'Forum Design' das Thema aufgegriffen, das sich als Leit-motiv weitgehend unverbraucht zur ideologischen Stadtentwicklung eignet: L i n z a l s S t a d t d e s D e s i g n . Beginn in die richtige Richtung wurde bereits gemacht: In den Einrichtungen von Design Center und Ars Electronica Center wurden deutliche Signale jener Spezifizierung von Dienstleistungs- und Kulturangebot gesetzt, die unabdingbar für die urbane Unterscheidbarkeit sein werden.
Das geplante Großprojekt eines Opernhauses hingegen wird sicher Bil-dungsansprüche einer bestimmten Einwohnerschicht erfüllen, zur notwendigen Spezifizierung des kulturellen Stadtprofiles im europäischen Wettbewerb aber nur wenig beitragen können. Ein Projekt wie Solar City wiederum hat zwar keinen unmittelbaren Einfluß auf die anzustrebende urbane Prägnanz, trägt aber schon jetzt international zum Image von Linz als innovativ orientierter Stadt bei.
Für die Stadt als architektonischen Körper sollte es für die nächsten Jahre fünf Schwerpunkte der Entwicklung geben:
Das attraktive Anbinden der Stadt an die Donau
Im besonderen betrifft das die Verbindung Linz - Urfahr über eine architektonisch aufgewertete Nibelungenbrücke. Generell wird das Südufer ab der Eisenbahnbrücke und hier speziell im Bereich des Winterhafens eine neue bauliche Definition bekommen müssen. Es besteht hier die einmalige Möglichkeit etwa 15 Gehminuten vom Zentrum einen komplexen Stadtteil zu schaffen, der nicht nur in sich attraktive Qualität besitzen kann, son-dern einen unverwechselbaren Beitrag zur Stadtsilhouette am Fluß liefern wird.
Die architektonische Erweiterung des Zentrums 'Altes Rathaus' in Verbindung mit Graben, Pfarrplatz und Platz um das Museum Francisco-Carolinum.
Unmittelbar angrenzend an den Hauptplatz als Herz der Stadt besteht hier ein Areal, dessen gute alte Substanz durch quali-tätsvolle neue bauliche Maßnahmen zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Herzstück der Stadt werden könnte.
Die konsequente Verdichtung des Bereiches Europaplatz. Was ideal und baulich mit dem De-sign-zentrum richtig begann, muß sinnvollerweise in beiden Richtungen komprimiert werden. Für die von Europa aus erkennbare Positionierung der Stadt wird gerade diese Spezifizierung des Leistungsangebotes von besonde-rer Bedeutung sein.
Die periphere Abgrenzung der Stadt
Stadt definiert sich nicht nur von innen, sondern auch an ihren Rändern. Was sich in den letzten zehn Jahren im erweiterten Regionalraum von Linz baulich ereignete, spiegelt die Unkoordiniertheit und das offensichtliche Fehlen einer übergreifenden Planung. Die wirtschaftliche Prosperität der Region überzieht mit ihren baulichen Maßnahmen die noch zusammenhängenden Grünareale in einer rasant ausufernden Masse gewerblicher Bauten.
Die baurechtliche Selbstverwaltung der kleineren umliegenden Gemeinden ermöglicht jenen unkoordinierten Wildwuchs von gewerblichen Bauten, die sich täglich weiter in bisher noch unverbaute Grünareale hineinschieben. Unabhängig von ökologischen Problemen stellen diese baulichen Wucherungen jene Form von urbaner Landschaft her, die in ihrer Grobschlächtigkeit alle bisherigen natürlichen Unterschiedlichkeiten einebnet.
Es muß zu den obersten gestalterischen Aufgaben zählen, großzügige grüne Abstandszonen herzustellen, mit denen die Ränder der Stadt festgelegt werden.
Entsprechende Übereinkommen mit angrenzenden Gemeinden sind im Interesse der gesamten Region längst überfällig. Es wäre fatal, wenn sich in einem trotz allem wirtschaftlichen Wachstum noch verhältnismäßig intakt gebliebener Teil des Landes wiederholen würde, was im Ruhrgebiet und in weiten Teilen Hollands bereits drastisch vor Augen geführt ist.
Die Einsetzung eines Stadtentwicklungsbeirates, der mit ähnlicher Verbindlichkeit wie der Gestaltungsbeirat architektonische Schwerpunkte der Stadtentwicklung definiert und ihre Durchführung überprüft. Mit einem Instrument dieser Art wäre es möglich, langfristige Ziele - über die kurzen Amtsperioden gewählter Politiker hinaus - verfolgen zu können und die dafür notwendige fachliche Kontinuität zu schaffen.
