Womit ist Linz bisher aufgefallen - lokal, national, international?
Was waren die Schwerpunkte der kulturellen Arbeit, wie wurde kulturpolitisch agiert, kann man eine Linie feststellen, oder ist das Angebot eine bunte Palette ohne Konturen, ein Bauchladen der Beliebigkeit? Was zeichnet das Kulturprogramm von Linz aus? Hebt sich die Kulturpolitik von Linz, gegenüber anderen Landeshauptstädten hervor, oder hinkt sie hinten nach?
International: An erster Stelle darf hier wohl die "ars" genannt werden. Ein Projekt, das vom ORF initiiert wurde und in der Zwischenzeit als das internationale Aushängeschild der kulturell-künstlerischen Auseinandersetzung für Linz gilt. Dieses Festival ist wohl die einzige internationale wirklich bedeutende Veranstaltung. Eine kleine Anekdote mag dies auch noch unterstreichen: Vor zwei Jahren hatten wir einen Gaststudenten aus Ecuador bei uns. Auf die Frage, welche Städte er von Österreich kenne, kam die Antwort: "Wien, Salzburg und Linz. Linz von der 'Ars' aus dem Fernsehen in Ecuador".
Das Brucknerhaus mit seiner Veranstaltungsreihe hat zwar internationales Niveau, kann aber sehr wohl in vielen anderen Großstädten auch gesehen werden. Die Konzeption, Themen- und Komponistenschwerpunkte in einer Veranstaltungsreihe abzudecken, ist zwar nicht ganz neu, aber man kann damit in Zukunft international auch ein wenig punkten.
Der Posthof gilt als Veranstaltungszentrum, das nationale Bedeutung hat. Die Frage allerdings muß sich der Posthof stellen, ob nur Veranstaltungen von bereits erfolgreichen Künstler/innen ein Konzept für die Zukunft sind. Neben den "sicheren" Veranstaltungen müßte der Posthof auch ein Budget für Eigenproduktionen zur Verfügung haben. Das kreative Potential in Linz und Oberösterreich wäre groß genug, um spannende künstlerische Produktionen im Posthof stattfinden zu lassen.
Linz Fest und Pflasterspektakel sind Veranstaltungen, die eine hohe lokale Bedeutung haben. Diese Veranstaltungen können ohne weiteres vom Kulturamt organisiert werden, sollten aber von der Budgetbindung nicht so weit gehen, daß für den Freiraum der kreativen Kräfte kein Geld mehr vorhanden ist.
Grundsätzlich soll ein Kulturamt nicht veranstalten, sondern künstlerische Auseinandersetzungen ermöglichen. Die Veranstaltungstätigkeit eines Kulturamtes kann sich auf "gängige Massenwaren" beschränken. Mindestens gleich wichtig - wenn nicht sogar wichtiger - ist, Kunst und Neues zu ermöglichen und zu fördern. Hier scheint Linz noch etwas nachzuhinken.
Wenn ich an die langen Diskussionen um das Theater Phönix denke, dann erscheint es mir, als wären hier eher die Bremser und nicht die aufgeschlossenen Förderer am Werk gewesen. Genauso geht es mir, wenn ich an die langwierigen und nun geplatzten Verhandlungen und Auseinandersetzungen um das "Haus der Karikatur" am Pöstlingberg denke. Natürlich weiß ich, daß politische Entscheidungen langwierig sein können, daß hier Entwicklungs- und Meinungsbildungsprozesse stattfinden müssen, aber durch zu langes Verzögern kann auch viel verloren gehen.
Einzelprojekte, welche zweifellos im kulturpolitischen Rahmen einer aufstrebenden, aufgeschlossenen Landeshauptstadt Platz haben, sollten verstärkt unterstützt werden. Ich denke da an das beim "Festival der Regionen" durchgeführte Projekt in der VOEST. Die Bedeutung dieses Projekts weit über die oberösterreichischen Grenzen hinaus, müßte schon vorher erkannt werden. Gerade Projekte, die einen Bezug auf die Geschichte der Stadt nehmen, Projekte, die sich mit der Arbeitswelt auseinandersetzen könnten für die Zukunft so etwas wie ein Markenzeichen für die kulturpolitische und gesellschaftspolitische Auseinandersetzung der Landeshauptstadt werden. Dies bedingt in der Kulturverwaltung Flexibilität und Aufgeschlossenheit, dies bedingt aber auch, daß man bereit ist, Risiken einzugehen und nicht immer nur auf Nummer "Sicher" setzen will. Künstlerisches Scheitern muß in einer offenen Kulturpolitik Platz haben. Wer viel wagt, wird zwar manchmal einen "Absturz" erleiden, aber auf Dauer viel gewinnen.
Mögliche Perspektiven für die Zukunft
"The Spirit of Linz" sollte ein besonderer sein, geprägt von der industriellen Entwicklung und Vergangenheit, hin zu neuen Technologien und Entwicklungen, hin auch zu einer offenen Gesellschaft. Das kulturpolitische Denken sollte dies miteinbeziehen. Fern jeder "Ich-mach-für-alle-was-Ideologie" muß Linz verstärkt das vorhandene kreative Potential fördern und diesem Aufführungsmöglichkeiten bieten. Dies sehe ich für die Zukunft als Hauptaufgabe einer aufgeschlossenen Stadt.
Daneben sollten natürlich die publikumswirksamen Linz Feste und Straßenfeste stattfinden, daneben sollte man natürlich auch die bewährten Veranstaltungsschienen im Posthof (wie Kabarett, Tanz etc.) nicht verlassen. Die Frage für den Kulturpolitiker und Kulturverantwortlichen muß sich aber so stellen: "Wo lege ich meine Schwerpunkte?"
Kurze Zusammenfassung
In Kenntnis der kulturellen Ereignisse der Vergangenheit und auch in Kenntnis der Machbarkeiten von Projekten und der Unterstützung durch die politisch Verantwortlichen glaube ich, daß in Linz bisher - auch im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten - viel geleistet wurde. Daß der Schwerpunkt der "von oben" veranstalteten Kultur bisher eindeutig auf ein Massenpublikum, ohne die Inhalte viel zu hinterfragen, gelegen ist, möchte ich gar nicht so sehr kritisch vermerken. Diese Aspekte sind kulturpolitisch wichtig, sollten aber auch pädagogisch, im Sinne von Aufklärung, genützt werden. Wenn sich in Zukunft Kulturpolitik vielleicht etwas weniger als Veranstalter und ein bißchen mehr als Ermöglicher versteht, dann sehe ich die beste Chance für eine "Kulturstadt Linz - The spirit of Linz".
