FRIEDRICH SCHNEIDER: Die volkswirtschaftlichen Wirkungen der Kulturausgaben des Landes OÖ: Eine empirische Analyse

Die volkswirtschaftlichen Wirkungen der Kulturausgaben des Landes Oberösterreich - die wichtigsten Ergebnisse

Das Ziel dieser Untersuchung1) besteht darin, die induzierten volkswirtschaftlichen Effekte (d. h. die "Umwegrentabilität"), die durch die Kulturausgaben des Landes Oberösterreich hervorgerufen werden, zu quantifizieren. Faßt man die wichtigsten empirischen Ergebnisse zusammen, so erhält man folgendes Resultat: Die volkswirtschaftlichen Effekte, die von den Kulturinstituten ausgehen, sind quantitativ bedeutend und resultieren zum einen aus der Tatsache, daß die Kulturinstitute Ausgaben tätigen, die gleichzeitig Einnahmen/Umsätze in verschiedenen Wirt-schaftsbereichen darstellen und zum anderen daraus, daß ein Teil des Einkommens der Beschäftigten der Kulturinstitute als Konsumausgaben ebenfalls in die Wirtschaft fließen.

Die Einschätzung der volkswirtschaftlichen Gesamteffekte, die von den Kulturinstitutionen (inkl. Landestheater und Brucknerorchester) ausgehen und die sich aus den Multiplikatoreffekten für die Sach- und Konsumausgaben und den Steuer- und Abgabenleistungen an den öffentlichen Sektor aus Personalaufwendungen und dem kumulierten Steueraufkommen aus den Multiplikatorwirkungen zusammensetzen, zeigt, daß den Gesamtausgaben von 1,127 Mrd. S im Jahr 1993 ein volkswirtschaftlicher Gesamteffekt von rund 1,5 Mrd. S (Einkommenseffekte und Rückflüsse an den Staat) gegenübersteht. Rechnet man von den Gesamtausgaben die Gesamteinnahmen der Kulturinstitutionen ab, übersteigt der volkswirtschaftliche Effekt die Verluste (= Einnahmen minus Ausgaben) sogar um 51 % oder um 506,97 Mio. S im Jahr 1993.

Das gesamte Kulturbudget des Landes Oberösterreich betrug im Jahr 1993 1,093 Mrd. S. Hierbei wurden für Personalaufwendungen 508,9 Mio. S (47 % der gesamten Aufwendungen) und davon im Landesmusikschulwerk 372,7 Mio. S aufgewendet. Für Sach- und Investitionsaufwendungen wurden 584,3 Mio. S (53 % an den gesamten Aufwendungen) verausgabt. Knapp die Hälfte des gesamten Kulturbudgets werden also in Oberösterreich für Personalkosten aufgewendet und davon entfallen ¾ auf die Gehälter im Landesmusikschulwerk. Von den rund 509 Mio. S Personalaufwendungen fließen - nach Abzug der Steuern und Abgaben - ca. 275,6 Mio. S wieder in den Wirtschaftskreislauf. Der dadurch ausgelöste Nachfrageimpuls bewirkt wiederum zusätzliche volkswirtschaftliche Aktivitäten. Unterstellt man einen Multiplikator von 1,57, so errechnet sich ein positiver volkswirtschaftlicher Gesamteffekt von 433 Mio S. Ebenso starke Impulse für die Wirtschaft gehen von den 584 Mio. S Sach- und Investitionsaufwendungen aus dem Kulturbereich aus, da auch diese Ausgaben voll nachfragewirksam werden; sie bewirken einen volkswirtschaftlichen Gesamteffekt von 701,2 Mio. S Faßt man die gesamten Effekte der Sach-, Investitions- und Konsumausgaben zusammen, die aufgrund des Kulturbudgets hervorgerufen werden, so entsteht ein induziertes Gesamteinkommen in der Höhe von 1,031 Mrd. S. Rechnet man noch die Rückflüsse an den Staat (Steuern und Sozialversicherungseinnahmen aus den Personalaufwendungen und kumuliertes Steueraufkommen aus den Multiplikatorwirkungen) dazu, ergibt sich eine Gesamtwirkung von 1,5 Mrd. S. Abschließend kann gesagt werden, daß die positiven Wertschöpfungseffekte, die durch die Kulturausgaben des Landes Oberösterreich - es spielt keine Rolle, ob man nur das Kulturbudget oder die gesamten Kulturausgaben heranzieht - eindeutig positiv sind und für die Wirtschaft Oberösterreichs einen sicherlich quantitativ bedeutenden Faktor darstellt.

Einige wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen

Welche wirtschaftspolitischen Schlußfolgerungen kann man nun aus diesen sehr eindeutigen Ergebnissen ziehen? Es ist unbestritten, daß von den Kulturausgaben des Landes Oberösterreich bedeutende positive volkswirtschaftliche Gesamteffekte ausgehen, d. h. eine beträchtliche Umwegrentabilität vorhanden ist. Weiters soll aus diesen Ergebnissen jedoch nicht nur die Schlußfolgerung gezogen werden, daß man die Höhe der Ausgaben für Kultur ausschließlich im Sinne einer Belebung einer Wirtschaft rechtfertigen soll, denn dann verschwindet eine Reihe anderer ökonomischer Wirkungen des kulturellen Sektors, die mit Hilfe der Umwegrentabilität nicht erfaßt werden können, vollständig aus dem Blickfeld. Beispielsweise besteht die (wirtschaftliche) Attraktivität einer Region auch in ihrem kulturellen Ruf, der durch dauerhafte kulturelle Programme, die mittel- und langfristig erhebliche Mittel binden, und nicht durch einmalige Großveranstaltungen aufgebaut wird. Der langfristige Aufbau eines solchen Images wird sich sicherlich ökonomisch lohnen, selbst wenn dies nicht exakt rechenbar ist.

Eine Langfassung dieser Studie mit dem gleichen Titel kann auf Anfrage beim Verfasser bezogen werden.

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