WOLFGANG STEININGER: Kinokultur

Die Kinoentwicklung der kommenden Jahre wird auch in Linz mit dem unaufhaltbaren Trend zum Größeren und Gigantischeren einhergehen. So gesehen ist das Kino einmal mehr ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Was bleibt über außer einer großen Leinwand, bombastischer Töne und aufgewärmter Geschichten, die in den 50er und 60er Jahren schon besser erzählt wurden? Der intensive Geruch von Popcorn und der schale Geschmack einer abgestandenen Coke kann wohl nicht das Wesen des Kinos sein. Wenn man hört, daß in Amerika in einem einzigen Kino in 18 Sälen nur "Independence Day" gezeigt wurde und sonst nichts, ist das zwar vielleicht nicht der künftige Kinoalltag, aber es weist die Richtung: Immer weniger Filme erreichen immer mehr Menschen in immer kürzerer Zeit. Was im März aktuell war, ist im April vergessen. Waren es vor 30 Jahren noch die Autokinos, die die Peripherien der Städte einzunehmen schienen, sind es heute die Giga, Mega oder sonstigen Plexe. (Zyniker werden anmerken, daß nun wenigstens der Fußmarsch vom Parkplatz ins Kino den Menschen Bewegung bringt!)

Also Freizeit maßgeschneidert, schnell konsumierbar und leicht verdaulich, für jeden genießbar? Fast für jeden. Denn es wird auch dann noch kleine gallische Dörfer in der Kinolandschaft geben (müssen). Nur wird der freie Markt auf diese gallischen Dörfer keine Rücksicht nehmen, egal ob sie nun Cinematograph, Moviemento, Apollo oder Zentral heißen. Aber das berühmte gallische Dorf liegt ja bekanntlich in Frankreich, Österreich ist keine Filmnation, und Kulturpolitik hat hierzulande in der Regel nichts mit bewegten Bildern zu tun, denn diese haben sich ja am freien Markt zu bewegen.

Wer nun glaubt, daß zur Rettung der gallischen Dörfer ein Zaubertrank nötig ist, vergißt ein wirksames, weil selten erprobtes Mittel: Kulturpolitischer Mut. Diesen wünsche ich allen Entscheidungsträgern dieser Stadt. Denn wenn die Prognosen stimmen, daß in einigen Jahren doppelt soviele Menschen ins Kino gehen werden als noch 1990, so sollte dafür gesorgt sein, daß diese vielen Kinogänger neben aller Breite auch ein tiefgehendes Angebot vorfinden.

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