Freies, nicht kommerzielles Lokalradio für Linz
- Partizipation und Demokratisierung
Dafür sind entsprechende Rahmenbedingungen notwendig:
"In einer großangelegten empirischen Untersuchung über regionale Medien in Europa werden folgende Faktoren identifiziert, die für die Mediensituation konkreter Regionen bestimmend sind:
- der gesetzlich regulative Rahmen (zentralistisch, förderalistisch)
- die Sprache (einheitlich oder vielfältig)
- die Finanzierung
- die Ausprägung der kulturellen Identität, abhängig von der historischen Entwicklung, aber auch von der spezifischen geographischen Lage" (Musso 1993, S. 29 ff.) Alle Zitate: Alfred Smudits: "Medienkultur: Lokalradio als Identitätsstifter" in Dorer, Johanna/Baratsits, Alexander (Hg.) "Radiokultur von Morgen", 1995, Buchkultur, S. 216 - 222.
Auf Linz umgelegt heißt dies, eine Umsetzung der Resolution des Linzer Gemeinderats vom 20. April 1995, darüber hinaus jedoch von der Stadt selbst die Schaffung der in der Resolution geforderten Rahmenbedingung, soweit dies nicht vom Bund übernommen wird.
Kulturelle Identitässtiftung
Wenn in der folgenden Abhandlung die Rede von Kultur und kultureller Identität ist, dann ist damit folgendes gemeint:
"(...) Kultur umfaßt die gesamte Lebensweise und ist als ein Bündel von Werthaltung und Sinndeutungen zu verstehen, mittels derer Individuen die Welt, in der sie leben, erleben, interpretieren, bewältigen. Mittels kultureller Praxen, also mittels gelebter Werthaltungen, verständigen sich die Individuen darüber, ob und wieweit sie zusammengehören oder nicht, über ihre Identität also. (...)"
Dieses Zitat sei mit einer weiteren Textpassage in Verbindung gesetzt, die die gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklung beschreibt:
"Die gegenwärtige beobachtbare Entwicklung zu einer Weltgesellschaft in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht auf der einen Seite, der eine Tendenz zur Regionalisierung auf der anderen Seite gegenübersteht, geht mit einem Phänomen einher, das als kulturelle Freisetzung beschrieben werden kann. Traditionelle Strukturen und Wertmuster verlieren an Gültigkeit, werden brüchig, ja obsolet. Damit wird zwar prinzipiell für 'Neues' gewonnen, doch dieses Neue ist unerprobt, kann daher als riskant, ja fremd erlebt werden."
Zur Ist-Situation
Die Situation der Stadt, infrastrukturell betrachtet, läßt einen zwar konstatieren, daß in einzelnen Bereichen Maßnahmen gesetzt wurden, jedoch fehlt es an einer (gemeinsamen) Kommunikationsstruktur.
Einige Beispiele zur Erläuterung
Die Stadt baut ein Rockhaus, den Posthof. Sie baut Proberäume, finanziert CDs etc. Trotzdem wird "Linzer Musik" kaum gehört, es fehlt das entsprechende Medium.
Die Stadt richtet einen Ausländerbeirat ein. Trotzdem ist es zur Zeit unmöglich, die Ausländer/innen aktuell und in der jeweiligen Sprache zu informieren.
Wie die beiden vorgenannten Bereiche trifft dies auch bei den beiden Gruppierungen "Junge" wie "Alte" zu.
Die in den letzten Jahren zusätzlich geschaffene Infrastruktur (Altersheime, mobile Altenbetreuung) für alte Menschen ist zwar der neuen Bedürfnislage gerechter geworden, trotzdem wird dieser Generation vermittelt, daß sie in unserer Zeit keine Funktion mehr hat.
Für Jugendliche gibt es zwar Raum in Form verschiedener Jugendzentren oder Skaterbahnen. Doch für beide Generationen trifft zu, daß immer mehr eine Ghettoisierung vonstatten geht. Es fehlt ein Vermittlungsinstrument zwischen den Generationen und ein Diskussionsinstrument zur Eigen-definition der jeweiligen Generation.
Dazu ließen sich noch unzählige weitere Beispiele aufzählen. Für diese Beispiele trifft allesamt zu, daß in der vorhandenen Medienlandschaft, vor allem der elektronischen, kein Platz ist. Der ORF hat einen Berichterstattungsauftrag, der vor allem die Bereiche Information, Kultur und Bildung umfaßt. Seine Leistungen in diesen Bereichen sind unbestritten und in einer demokratischen Gesellschaft unabdingbar. Elektronische Medien jedoch auf Berichterstattung zu reduzieren, wäre Verkennung des möglichen Instrumentariums. Was der ORF nicht leisten kann, ist in einer demokratischen Gesellschaft mindestens ebenso wichtig:
Partizipation
Der ORF kann nicht von außen die Selbstformulierung der verschiedenen Soziokulturen leisten. Die handelnden Akteure müssen selbst das Mikrophon zur Hand nehmen. Dieser Prozeß bringt erst die notwendige Findung der eigenen kulturellen Identität mit sich.
Lokale Kommunikation
"Radio wirkt dort identitätsstiftend, wo es empfangen werden kann. Ein Radiosender, der in der ganzen Welt, auf einem ganzen Kontinent, in einem ganzen Land empfangen werden kann, wirkt für seine Hörergemeinde identitätsstiftend, allerdings nur in bezug auf eine begrenzte Zahl von Dimensionen kultureller Werthaltungen (Sprache, Musikvorlieben, politische Einstellung etc.). Je größer der Einzugsbereich, desto geringer wird die Bedeutung der lokalen Identität. (...)"
"Das aktuelle Bedürfnis nach Lokalradio - zumindest von einigen gesell-schaftlichen Gruppierungen sehr deutlich artikuliert - ist aus diesem Zusammenhang (s.o.) heraus zu verstehen: Widerstand gegen die massenmediale Globalisierung, in deren Zuge lokale kulturelle Eigenheiten vom Verschwinden bedroht sind, das Bedürfnis, ein Artikulationsmedium zur Erhaltung eben dieser kleinräumigen kulturellen Identität zu entwickeln."
Ö2 hat schon von der Sendefläche her nicht genügend Raum für lokale Auseinandersetzung und kann von der inneren Struktur her die Pluralität nicht umsetzen.
Kommerzielle Radios werden das erforderliche Instrumentarium zur Identitätsfindung nicht zur Verfügung stellen, ihnen liegt nur daran, möglichst große Reichweiten zu erzielen, und sie werden damit zu einer weiteren Marginalisierung in Massenmedien unterrepräsentierter Themen/Gruppierungen beitragen.
Das Instrument erfordert entsprechend der Selbstformulierung: Selbstverwaltung und Nichtkommerzialität. Nur freies, nichtkommerzielles Radio entspricht den formulierten Anforderungen.
Die Bedeutung von nichtkommerziellem Lokalradio liegt in der Partizipationsmöglichkeit (Offener Zugang) und in der Erweiterung der Bühnen, einer pluralen Darstellung des lokalen Raums.
Warum Radio?
Radio ist verhältnismäßig das billigste Medium. Verglichen mit den Printmedien entfällt der enorme Kosteneinsatz für Papier, Druck und Distribution, gegenüber TV ist der Technikeinsatz um vielfaches geringer, dort muß ja ein akustisches und ein optisches Signal übertragen werden. Dazu kommt, daß Radio die größtmögliche Aktualität bietet.
- Lokale Identitätsstiftung
- Kunst- und Kulturstiftung
- Aktuelles Forum
- Stimme für jede/n
