Rahmenbedingungen, Vorstellungen und Anregungen zur städtebaulichen Entwicklung für Linz und der anzustrebenden architektonischen Ausrichtung bis 2050
Städtebauliche Ausrichtungen, raumordnerische Maßnahmen und die Entwicklung von richtungsgebenden Großprojekten haben oftmals Zeitabläufe von 50 Jahren.
Der Stadtplaner sollte in diesen zeitlichen Dimensionen vorausdenken und lenkend eingreifen können. Nun sind solche Perioden weder wirtschaftlich, noch gesellschaftlich in deren Entwicklung als Planungsgrundlagen soweit abzuschätzen, um darauf langfristig baulich wirksame Entscheidungen abzusichern.
Politische Vorgaben, wirtschaftlich sichere Daten sind als Grundlage daher nicht verfügbar. Doch es gibt andere Rahmenbedingungen, an denen sich städtebauliche Grundsatzüberlegungen für die nächsten Dezennien eindeutig festschreiben lassen.
So haben Simulationsrechnungen von Maedows ergeben, daß im Jahre 2025 mehr als 60% der Weltbevölkerung in Städten über 2 Mio. Einwohnern leben werden. Die Stadt als Lebensraum - und hier im besonderen Fall die städtischen Ballungsräume kleineren Zuschnitts, wie auch LINZ mit dem OÖ. Zentralraum - wird in zunehmendem Maße attraktiv, weil die wirtschaftliche Kraft und damit Arbeitsmöglichkeiten gegeben sind. Es wird dabei ungleich mehr an sozialer Versorgung, ein hohes kulturelles Programm angeboten und dabei aber Toleranz und auch Mobilität des einzelnen sichergestellt. Demnach werden sich die städtischen Agglomerationen in den nächsten 30 - 40 Jahren sicher verdichten - ohne besondere Standortpriorität... dem Trend entsprechend!
Für Linz wird sich dieser Zuzug an interessierten Neubürgern zusätzlich verstärken, da unsere geographische Lage eine äußerst positive wirtschaftliche Entwicklung erwarten läßt. Städte und Ballungsräume sind mehr denn je von bestens ausgebauten, internationalen Verkehrsachsen abhängig. Die internationalen Handelsverflechtungen, das Produktionssplitting verbunden mit "Just in Time" Lieferungen geben nur solchen Betrieben bei einem harten Marktkampf Chancen, die ihre Waren, Halbprodukte und Zulieferungen schnell, kostengünstig, sicher und problemlos entgegennehmen und versenden können. Unsere Stadt liegt am historischen Kreuzungspunkt europäischer Hauptverkehrsachsen: Die Nord-Süd-Verbindung von Stockholm bis Athen oder Neapel und von Rotterdam mit Anschluß zu den Weltmeeren bis zum Schwarzen Meer. Ein leistungsfähiges europäisches Schienen- und Autobahnnetz mit internationalem Flughafen steht ebenfalls bereit. Linz ist also zusätzlich für dieses zu erwartende Bevölkerungsinteresse an Neuzuwanderern prädestiniert.
Das Österreichische Institut für Raumplanung kommt in wissenschaftlichen Untersuchungen über "Die Siedlungsentwicklung in Österreich" für einen kurzfristigen Zeitraum bis zum Jahre 2011 auf deckungsgleiche Aussagen: Die ÖROK prognostiziert für den Ballungsraum Linz eine Zunahme von Hauptwohnsitzen in der Größenordnung bis zu 50.000 Einheiten - das bedürfte ab 1997 einer jährlichen Neubaurate von 4.000 (!) Wohnungen für den Zentralraum und davon ca. 2000 für den Ballungsraum Linz (derzeit bauen wir 1000 - 1200 Einheiten). Nach diesen theoretischen Vorgaben müßte in unserer Landeshauptstadt in den nächsten Jahrzehnten die Wohnbautätigkeit noch gesteigert werden, wobei der Wohnungsmarkt für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen, aber auch Ausländer erleichtert werden muß. Mit anderen Worten: Es muß kostengünstiger gebaut werden. Die Schwerpunktsetzung der Wohnbauförderung muß sich auf leistbaren Wohnbau beschränken.
Es wird daher in Zukunft mit zusätzlichem Bauflächenverbrauch zu rechnen sein, obwohl Österreich im internationalen Vergleich ohnehin bereits ein Großverbraucher an Baufläche ist, da bei uns 58% aller Wohnungen des Wohnbaubestandes (ausgenommen Wien) als einzelstehende Einfamilienhäuser achtmal soviel Baugrundfläche beanspruchen, als dies durch eine Siedlungswohnung bewältigt werden könnte. Dieser Entwicklung gilt es durch verdichtete aber selbstverständlich qualitative hochstehende Bebauungspläne entgegenzusteuern.
Eine weitere unabdingbare Rahmenbedingung bei solch entscheidenden Bauzuwächsen ist einzuhalten:
Unabdingbar und allen anderen Überlegungen vorangestellt: Die nicht mehr zu übersehenden Anzeichen einer Klimaänderung mit noch gar nicht genau festzustellenden, globalen Auswirkungen werden uns regelmäßig von hochrangigen Wissenschaftern und besorgniserregenden Messungen aus dem Weltraum bestätigt. Die Zusammenhänge zwischen der Verbrennung fossiler Energieträger und der daraus resultierenden Freisetzung von bislang gebundenem Kohlenstoff in Form von CO2 ist eine Tatsache. Bekannt ist auch die daraus abzuleitende Erwärmung der Erdatmosphäre. Was hat nun die baukulturelle Entwicklung unserer Stadt in den nächsten 50 Jahren mit dieser Thematik zu tun? Ganz Wesentliches! Die Heizung aller dieser neu zu errichtenden Gebäude und deren Nutzung machen am Gesamtaufkommen der eingesetzten Endenergie 40% aus. Der Individualverkehr trägt einen weiteren hohen Prozentsatz bei. Städtebau und Architektur besetzen daher die Schlüsselfunktionen bei den so notwendig erforderlichen Anstrengungen zur Senkung unserer CO2-EMISSIONEN.
Einzig richtiger Folgeschluß:
"Verpflichtung zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung"
Der Gemeinderat der Stadt Linz faßte vor wenigen Monaten den Beschluß, daß die gesamte Stadtverwaltung zur Beachtung folgender Grundsätze angewiesen ist:
Bewahrung und Entwicklung der Naturreichtümer
Das bedeutet, daß die noch zu rekrutierenden und vorweg erläuterten erforderlichen Bauzuwächse - besonders im Wohnungsbau aber auch bei Betriebs- und Gewerbeprojekten - vorrangig durch eine verstärkte Konzentration innerhalb bereits bestehender Schwerpunkte vollzogen werden sollen und, wenn überhaupt, im Umkreis von Haltestellen hochrangiger, öffentlicher Verkehrsmittel entstehen müssen.
Effizienzsteigerung in der Produktion und in den Dienstleistungen
Die einstmals großen, Linz monostrukturell dominierenden Großbetriebe werden aus innerbetrieblichen Produktionskonzentrationen mehr auf weniger Fläche produzieren. Betriebe mit Synergievorteilen werden die freiwerdenden Zonen besetzen. Im Sinne einer Auflösung der in den letzten Jahrzehnten striktest geprägten Trennung der Funktionen Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung und Erholung gilt es jetzt - auch nach den Ergebnissen der Sommerakademie - diese Chancen städtebaulich zu nützen. In Korridoren sollte der noch bestehende Industrieflächenblock zur Donau hin geöffnet werden. Meine Vorstellungen nach
beim WINTERHAFEN
Dadurch könnten die monofunktionellen Strukturen mit einem extrem hohen Flächenverbrauch und dem totalen Verlust an urbanen Qualitäten behoben werden und in den neu zu schaffenden städtebaulichen Gebieten die bestehende Verkehrsbelastung verhindert und die damit verbundenen zahlreichen Umweltprobleme einer teilweisen Lösung zugeführt werden.
Zukunftsbeständige Flächennutzungsstrukturen mit den entsprechenden Strukturen einer angemessenen Mobilität
Das verlangt, daß wir unsere baulichen Entwicklungskonzepte daran orientieren, daß neu zu setzende Maßnahmen bestehende Mängel verbessern, daß im Sinne der Nachhaltigkeit das Gleichgewicht der Einheiten entsteht. Die Forderung nach der kompakten Stadt, einer in diesen Zonen weitgehend autofreien Stadt, wird zu erfüllen sein.
Niedrigenergiebauten mit hohem Grad an Dämmwerten und optimaler städtebaulicher Ausrichtung nach den örtlich bestwirksamen Himmelsrichtungen sowie der Einsatz passiver und aktiver Energienutzung muß städtischerseits abverlangt werden.
Und über allem: Die Forderung nach der Stadt der kurzen Wege, um Verkehrsflüsse von vornherein zu Fuß, per Rad, vorrangig per ÖV und nur ausnahmsweise über das Individualverkehrsmittel abwickeln zu müssen.
Architektur und Städtebau kreisen nicht wie bislang um den Marktplatz einer Stadt mit Kirche und Rathaus. Sie erhält andere Drehscheiben wie Werkskomplexe, Sozialeinrichtungen, Bildungsstätten, Verkehrsbauten, Wohnbauten, infrastrukturelle Einrichtungen usw.
Da die Architktur durch die Bedürfnisse der Stadt - und nicht im ländlichen Raum - entsteht, städtebauliche Entwicklungen nur langfristig vorbereitet, eingeleitet und vollzogen werden können, muß der Architekt, der Planer ähnlich einem Seismograph nicht nur die für alle spürbaren "Beben", oftmals dann zu spät, erkennen, sondern die kleinsten Vibrationen fühlen und daraus seine Schlüsse ableiten.
Denn darum geht es: "Über die Vibrationen die Zukunft vorauszuspüren und als Sensoren die bestmögliche Entwicklung einer wohlausgewogenen kulturellen Umwelt einzuleiten". (Arch. Hollein - Wien).
beim SEGELFLUGFELD
nach Abbau der KOKEREI
entlang der TRAUN
