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| ______________________________________ Kunst- und Kulturvermittlung Institutionen Medien Freie Kunst-Szene Bildung Breite Verankerung von kultureller Bildung |
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Seit vor gut einem Jahrhundert die künstlerische Moderne völlig neue Wege im theoretischen Kunstverständnis, im künstlerischen Ausdruck und im sprachlichen Umgang damit beschritt, rückte die erklärende Kunstvermittlung fast sprunghaft ins Zentrum des Beziehungsgeflechtes originale Kunstproduktion - Interpretation - Publikum. In den weit geöffneten Raum zwischen dem zeitgenössischen Kunstschaffen und den Konsumenten schob sich ein breites Feld von Vermittlungsformen (Markt, Medien, Bildungsinstitutionen usw.). | |
| Heute, da das allgemeine Interesse an Kunst (auch an der des 20. Jahrhunderts) und Kultur steigt, gesellt sich insbesondere in den angelsächsischen Ländern eine eigene, professionelle Sparte der Kunstvermittlung dazu (Kuratorenwesen, freie Kulturvermittlungsgruppen usw.). In Österreich steht diese Entwicklung zwar erst am Anfang, kann aber zweifellos auch hier zu erheblichen Strukturverbesserungen führen. | ||
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Institutionen In den traditionellen Kulturinstitutionen muß die Kunst- und Kulturvermittlung Bestandteil der alltäglichen Praxis sein. Sie kann nicht ausgelagert oder an eine Vermittlungszentrale delegiert werden, weil die je speziellen Ausrichtungen und Programme auch spezielle Vermittlungsangebote brauchen. |
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| Zielgruppen-Konzepte für die Kunst- und Kulturvermittlung | Die wichtigsten Aufgaben der Kunstvermittlung - neugierig machen, Verständnis vertiefen, Diskurse fördern und neue, vor allem jüngere Publikumsschichten gewinnen - sind überall in konkrete Konzepte nach den jeweiligen Programmlinien, Publikumsstrukturen usw. zu gießen. Das gilt nicht nur für Theater, Kulturamt, LIVA, AEC und Museen, sondern auch für die Büchereien und Archive (etwa über lokale Geschichtsarbeit, Medialisierung, Ausbau von Informationszentren in den Stadtteilen usw.), sowie selbstverständlich für alle Bildungsinstitutionen. | |
| Die Museen sollten eigene Stellen für den Kontakt zu Schulen und für die Kultur- und Kunstvermittlung "vor Ort" einrichten, die entscheidend dazu beitragen könnten, daß sie als attraktiver Lern-Ort mehr als bisher in das Bewußtsein von Lernenden und Lehren-den dringen. | ||
| Bei Kunstprojekten, die gemeinsam mit öffentlichen Institutionen entwickelt werden, sollte die Kunstvermittlung in der Planungsphase, im Verlauf der gesamten Projektentwicklung und in der Nachbereitung mitgedacht und mitpraktiziert werden. | ||
Vermittlungskonzepte für Medienarbeit und Medienkunst auch außerhalb von AEC und OK |
Medien Im Gesamtkomplex Medien und Kunsterziehung haben die öffentlichen Institutionen vor allem jene Aufgabenbereiche der Kunstvermittlung und Medienkompetenz zu beachten, die der nachhaltigen, von unmittelbaren Verwertungsinteressen (die effektiver durch die PR vertreten werden) abgekoppelten Vermittlungsarbeit zugute kommen. In den Programmen und Projektgestaltungen sollten die mediale Vorbereitung, Begleitung und kritisch reflektierende Dokumentation selbstverständlicher Teil der Vermittlungsarbeit sein. |
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| Dort, wo es um die Vermittlung von Medienarbeit, Medienkunst, "Netzkultur" usw. geht, sind mit pädagogischer Unterstützung konkrete Vermittlungskonzepte und spezielle Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu entwickeln, um die Sensibilität für den kreativen, künstlerischen Umgang mit den neuen Medien zu schärfen und die eigene aktive Arbeit mit den Medien zu ermöglichen. Das betrifft alle Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen, die der Vermittlung von Medienkompetenz besonderes Augenmerk widmen sollten. In diesem Zusammenhang kommt dem Ausbau der Medienwerkstatt Linz und der Förderung unabhängiger Medienzentren große Bedeutung zu. | ||
| Ausbau der Medienwerkstatt und Förderung unabhängiger Medienzentren | Generell wird die Medienlandschaft, die sich in städtischem Eigentum (direkt oder über die ausgegliederten Betriebe) befindet, ständig an die neuen Erfordernisse angepaßt (Ankündigungswesen, Vor- und begleitende Informationen, Literaturbereich, Vernetzungspotentiale und anderes mehr). Beim nächsten "Modernisierungsschub" wäre es jedenfalls wünschenswert, einen Schwerpunkt auf Kunst- und Kulturvermittlung sowie Medienkultur zu legen. | |
| Schwerpunkt Kunst- und Kulturvermittlung sowie Medienkultur in den Kulturpublikationen der Stadt | Wichtige Impulse für die Kunstvermittlung wären auch von einem Institut für Medienkunst und Medienarbeit sowie von einer breiteren Verankerung an der Kunstuniversität (über spezielle Lehrveranstaltungsprogramme, Workshops usw.) zu erwarten. | |
Freie Kunst-Szene Prinzipiell ist festzuhalten, daß Vermittlungsaufgaben nicht Bestandteil des Kunstschaffens selbst sind, sondern der freien Entscheidung der Künstlerinnen und Künstler obliegen. Das heißt, sie sind auch nicht Bestandteil von Förderkriterien, Preisvergaben usw. Trotzdem ist das Engagement von möglichst vielen Künstlerinnen und Künstlern für die Kunstvermittlung natürlich wünschenswert und in jedem Fall zu unterstützen und zu fördern. |
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| Die Vermittlungsangebote von Seiten der öffentlichen Hand an die freie Kunst-Szene erfolgen, wie bereits festgestellt, im Rahmen der selbständigen institutionellen Aufgabenbereiche. Darüber hinaus sind eigene, von den einzelnen Institutionen unabhängige infrastrukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Angebote zu setzen: | ||
| Zu diesem Zweck ist eine engere Verbindung zwischen den Kultureinrichtungen der Stadt und des Landes, dem "ideellen Kapital" der freien Szene, den beiden Universitäten und all jenen Instituten, die sich wissenschaftlich mit neuen Kunst- und Kommunikationsformen auseinandersetzen, den beiden Pädagogischen Akademien sowie anderen Bildungseinrichtungen und entsprechenden Medienstellen (insbesondere dem ORF-Landesstudio OÖ.) herzustellen. Die Einbindung von Bildungsinstitutionen (Schulen, Erwachsenenbildung) in diesen Diskurs ist von Beginn an notwendig, um ihn auf eine breitere Basis zu stellen und sowohl interessierte Lehrpersonen als auch die Jugend zu motivieren. | ||
| Kulturvermittlungs-Informationsstelle freien Kunst- und Kulturvermittlungsgruppen |
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Bildung Selbstverständlich stellen die Aus- und Weiterbildungseinrichtungen die Basis für jede künftige Kunst- und Kulturvermittlungsarbeit dar. Auch wenn der Stadt in diesem Bereich nur beschränkte Einflußmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sollte sie dort, wo es möglich ist, ständiger Initiator und Motor von Vermittlungsinitiativen sein. |
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| Die stärkere Einbindung der Schulen in das Kulturleben der Stadt kann durch die Einrichtung einer Kulturservicestelle für Schulen und Kindergärten gewährleistet werden. Dieses Service bildet durch Informationen, Anregungen, Begleitungen, Förderungen und Koordinationen ein wichtiges Bindeglied zwischen Bildung und Kultur. Die Erstellung eines "Kunst-Koffers" für den Einsatz im Unterricht bzw. in Kursen, oder auch die Unterstützung für Kunstzeitungs- oder Netzprojekte können weitere wichtige Brücken zwischen dem Kultur- und dem Bildungsbereich schlagen. | ||
| Kulturservicestelle für Schulen und Kindergärten | Kulturelle Bildung und ästhetische Erziehung beschränken sich aber nicht nur auf diverse Programme und Unterrichtskonzepte, sondern umfassen beispielsweise auch die architektonischen und räumlichen Qualitäten von Gebäuden. Darauf ist bei Um- und Neubauten von Schulen und Kindergärten besonders zu achten ("gebaute Pädagogik"). | |
| Kunstzeitungs- und Netzprojekte | Dringend gefordert sind neue Lehrpläne und pädagogische Modelle, welche die Gegenwartskunst (auch noch die Kunst des 20. Jahrhunderts!) und die neuen Medien stärker berücksichtigen. Weiters die Förderung der kritischen Medienkompetenz, konkrete Kooperationsschritte zwischen Schulen und Kunsteinrichtungen und die Vermittlung von Kontakten zwischen Schulen und Kunstschaffenden. | |
Integration von kultureller Bildung in alle Aus- und Weiterbildungsprogramme |
Breite Verankerung von kultureller Bildung Kulturelle Bildung (und damit wesentlich Kunst als Methode und als "Schule der Wahrnehmung") darf nicht auf die einschlägigen Fächer, die ohnehin meist ein Mauerblümchen-Dasein fristen, beschränkt bleiben, sondern muß integrativer Bestandteil aller Aus- und Weiterbildungsprogramme werden. Die Volkshochschule hat diesbezüglich Initiativen gesetzt, die weiterentwickelt, ausgebaut und im künftigen Bildungszentrum (siehe Kapitel Stadt-Räume) einen Schwerpunktbereich bilden sollten. |
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| Verankerung der Kunst- und Kulturvermittlung in den Lehr- und Studienplänen | Neben der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung (insbesondere in Werkerziehung und bildnerischer Erziehung) sollten sich auch Einrichtungen wie die Musikschule, das Brucknerkonservatorium, aber auch die Pädagogischen Akademien über die Verankerung der Kunst- und Kulturvermittlung in den Lehr- und Studienplänen aktiv an der Erstellung von spezifischen Vermittlungsprogrammen beteiligen. Außerdem ist Kunst- und Kulturvermittlung auch in den Berufsschulen und in der Lehrlingsausbildung einzuführen. | |
| Akademie für kulturelle und künstlerische Bildung | Zu begrüßen sind Initiativen zur Gründung einer Bundesakademie für kulturelle und künstlerische Bildung in Linz. Eine derartige Institution - sie wäre die erste in Österreich - könnte als Knotenpunkt in einem europäischen Netzwerk für kulturelle Bildung Pionierarbeit im Bereich der Kunst- und Kulturvermittlung leisten und für alle Bildungs- und Kultureinrichtungen in der Stadt Animateurin und wichtige Kooperationspartnerin sein. | |
| Generell ist in allen Bildungs- und Kultureinrichtungen darauf zu achten, daß neben den klassischen Vermittlungsangeboten wie Kunstgeschichte, Ausstellungsführung, Werkeinführungen usw. in vermehrtem Ausmaß der Kontext sozial vermittelter Lebenszusammenhänge hergestellt, interdisziplinäre Verbindungslinien und neue Medienkulturen berücksichtigt werden. Auch freie Vermittlungsprojekte ohne konkrete Objekte, die sich mit Methodenfragen, Kreativität und dergleichen befassen (wie zum Beispiel das Lehrlingsprojekt "Das Nützliche und das Fremde"), leisten über die reine Informationsaufbereitung hinaus einen wichtigen Beitrag zu offenen, flexiblen und diskursiven Arbeitsweisen. | ||