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Vernetzung und Kooperation


Stadt Linz
Kulturbündnis Linz - Oberösterreich
Strukturreform, Kooperationen
Vernetzung von Wissenschaft, Kunst und Bildung

Die Voraussetzungen für eine engere, effektivere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kulturinstitutionen sowohl innerhalb der Stadt selbst, als auch zwischen der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich befinden sich auf einem konstruktiven Weg. Schon jetzt gibt es auf einigen Ebenen konkrete Abstimmungen und Projektkooperationen. Viele Gründe sprechen dafür, diese erfolgversprechenden Ansätze auszubauen und einige davon auch organisatorisch oder strukturell neu zu definieren.




Enge Kooperation zwischen Kulturverwaltung und Kulturbetrieben


Stadt Linz

Durch eine stärkere Kooperation der in der Stadt Linz für Kulturarbeit und Kunstförderung zuständigen Bereiche Kulturverwaltung und Kulturbetriebe (LIVA, AEC) sollte es gelingen, Ressourcen und Potentiale zu bündeln, ein effektives, arbeitsteiliges Kultur- und Kunstangebot zu entwickeln und Überschneidungen bzw. Zersplitterungen zu vermeiden. Auch innerhalb der Kulturverwaltung selbst sind die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und gegenseitigen Befruchtung noch lange nicht ausgeschöpft.

Offene Schnittstellen für städtische Projektkooperationen im Kulturamt
Die Kooperationsmodelle sollten so gestaltet sein, daß sie die Stärken der jeweiligen Einrichtungen unterstreichen, ihre Schwächen aber minimieren. Sie sind unter dem Blickwinkel der Erfüllung der kulturpolitischen Zielsetzungen und der Leitlinien des KEP zu entwickeln und müssen insbesondere bei den Schwerpunktsetzungen eine engere Zusammenarbeit gewährleisten. Das städtische Kulturamt könnte zu diesem Zweck eine offene Schnittstelle für Projektkooperationen einrichten.
Internationale Austauschprogramme Nach außen hin wird sich die Stadt Linz in den nächsten Jahren verstärkt um Kulturpartnerschaften mit konkreten Austauschprogrammen bemühen (auch im Sinne der Internationalisierung der heimischen Kunst- und Kulturszene - siehe Kapitel zur Kunst- und Kulturförderung). Die Verbindungen zum unmittelbaren Umfeld der Stadt sollten in Zukunft durch neue Raumordnungsbestimmungen des Landes erleichtert werden - Kultur und Kunst kennen keine Stadtgrenzen.


Kulturbündnis Linz - Oberösterreich

Viele Jahrzehnte lang war das Verhältnis zwischen der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich von Gegensätzen und Konkurrenz geprägt. Eine der wesentlichen Ursachen dafür war und ist der historisch gewachsene Unterschied von ländlichen und urbanen Lebensformen und Weltbildern, der sich in verschiedenen politischen Strömungen und auch kulturellen Verhaltensweisen ausdrückte.
Kooperation von städtischen Institutionen mit Kultureinrichtungen des Landes

Die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung (Veränderung der Sozialstruktur, neue Kommunikationsmöglichkeiten usw.) hat mittlerweile andere Voraussetzungen geschaffen bzw. neue Konfliktlinien eröffnet. Darüber hinaus haben in den letzten Jahren sachlichere Beurteilungen von Problemstellungen und günstige personelle Voraussetzungen das Querschnittsdenken und -handeln gefördert und traditionelle Barrieren abgebaut. Seitens des Landes Oberösterreich wird die Landeshauptstadt bewußter als wesentlicher Bestandteil des Bundeslandes gesehen, die Stadt Linz ihrerseits anerkennt die kulturellen Leistungen des Landes. Stadt und Land fanden bei verschiedenen Projekten und auf der Ebene der Kulturverwaltungen konstruktive Kooperationsmöglichkeiten. An zahlreichen Beispielen ließe sich belegen, daß interessante kunst- und kulturpolitische Akzente nicht mehr nach traditionellen parteipolitischen Schemata zugeordnet werden können.
Das bedeutet nicht, daß es keine unterschiedlichen gesellschafts- und kulturpolitischen Positionen mehr gäbe oder geben sollte. Weiterentwicklung ist nur durch konstruktive, kritische Diskussionen möglich. Aber solche Diskurse im Kunst- und Kulturbereich haben sich mittlerweile auf andere Felder verlagert und finden vor allem nicht mehr nur entlang parteipolitischer Linien statt. Auch diesbezüglich gibt es schon einige Erfahrungen. Pointierte Gegensätze brachten für manche Projekte Anstöße, Impulse und Motivationen für die beteiligten Partner und für die kulturelle und künstlerische Entwicklung in der Stadt durchaus positive Ergebnisse.
Es geht also einerseits um die Abstimmung von städtischen und regionalen Bedürfnissen, um Aufgabenteilungen und um konkrete Ressourcen-Bündelung dort, wo dies im Sinne der Gesamtentwicklung sinnvoll ist, andererseits um "produktive Konkurrenz" dort, wo dies einem widersprüchlichen, spannenden Prozeß gesellschaftlicher und künstlerischer Auseinandersetzungen entspricht.
Anpassung aller rechtlichen Voraussetzungen an moderne Kulturarbeit Darüber hinaus sind auch alle rechtlichen und administrativen Voraussetzungen im Hinblick auf eine engere Kooperation zwischen Stadt und Land zu überprüfen. An alle Kooperations- und Verhandlungspartner, insbesondere auch an die Interessenvertretungen, ist der Appell zu richten, nicht wegen eventueller kurzfristiger Vorteile wichtige langfristige kulturelle, künstlerische und organisatorische Perspektiven zu gefährden. Kollektivverträge, Theaterverträge usw. sollten im allgemeinen Einverständnis so gehalten sein, daß sie keinesfalls zu Lasten der künstlerischen Qualität, der Kooperationsfähigkeit zwischen Stadt und Land bzw. zwischen öffentlichen Institutionen und der freien Szene oder der Umsetzung von inhaltlichen Schwerpunktsetzungen gehen.




Vertretung der Stadt im Landeskulturbeirat


Strukturreform, Kooperationen

In diesem Sinne sind gemeinsame Projekte von Kultureinrichtungen der Stadt mit dem Landestheater, dem OK-Centrum, dem Brucknerkonservatorium, dem Adalbert-Stifter-Institut oder der Landesgalerie in Hinkunft verstärkt anzustreben. Umgekehrt wäre die Einbindung der Stadt in den Rahmen des Landeskulturbeirats durchaus sinnvoll. Denn Linz hat nicht nur als Landeshauptstadt gegenüber anderen Städten in Oberösterreich ein besonderes Verhältnis zum Land. Wichtige Einrichtungen des Landes sind in der Stadt situiert (Landestheater, Stifterhaus, OK-Centrum usw.) und werden im Bewußtsein der Bevölkerung auch unmittelbar mit ihr in Verbindung gebracht), es bestehen finanzielle Verflechtungen zwischen Stadt und Land (zum Beispiel der Theatervertrag), Linz als kulturelles Zentrum entwickelt mit dem Land vor allem nach außen hin gemeinsame Schwerpunkte für die gesamte Region.
Modell zur gemeinsamen Führung des Brucknerorchester Einen besonderen Fall stellt das Brucknerorchester (BOL) dar, das sich zu einem Klangkörper von hoher Qualität entwickelt hat. Hier ist ein gemeinsames Modell zu erarbeiten, das es dem BOL ermöglicht, den Qualitätsstandard als Konzertorchester auszubauen und langfristig zu sichern. Dies würde vice versa selbstverständlich auch eine Garantie für die hohe musikalische Qualität des Landestheater-Orchesters bedeuten.
Kulturachse Stadt - Land: konkrete Kooperations- und Vernetzungsmodelle Zur Festigung der Kulturachse Stadt - Land sollte zunächst gemeinsam eine Analyse und Evaluierung aller bestehenden Kultureinrichtungen von Stadt und Land in Auftrag gegeben werden. Daraus können in einem nächsten Schritt Kooperationsmodelle, Entflechtungen oder gemeinsame Projekte mit dem Ziel entwickelt werden, eine bessere Nutzung von Ressourcen und Synergien zu erreichen. Das schließt keineswegs aus, daß gleichzeitig jeweils eigene Projekte und Aktivitäten deutlicher konturiert werden.
Anzustreben sind insbesondere
  • die gemeinsame Auftragserteilung für eine Studie zur Evaluierung und Ausarbeitung von möglichen Kooperations- und Vernetzungsmodellen,
  • die Einrichtung eines gemeinsamen Kooperationsausschusses, in dem neben den beiden Kulturverwaltungen auch Personen aus der freien Szene und der Künstlerschaft vertreten sein müssen,
  • konkrete Modelle für die Vernetzung der Museen und Archive (wobei eventuelle Zusammenschlüsse oder andere "Paketlösungen" nicht von vornherein auszuschließen sind),
  • die effektive Nutzung des AEC als Netz-Schnittstelle,
  • die engere Verbindung von AEC und OK-Centrum,
  • eine intensivere programmatische, finanzielle und organisatorische Zusammenarbeit von Stadt und Land beim Brucknerfest, um parallel zum Festival Ars Electronica auch das Brucknerfest breiter (auch im Sinne der offenen Räume) zu verankern und damit für die eigene Bevölkerung wie für das internationale Publikum attraktiver zu gestalten,
  • verstärkte Kooperation mit dem Adalbert-Stifter-Institut, das über ein hohes Veranstaltungs- und Kommunikationspotential im Zentrum von Linz verfügt. Rund um das Stifterhaus könnten Literatur- und interdisziplinäre Projekte entwickelt werden, die als Impulsgeber und Multiplikatoren für die Literaturszene in Linz und Oberösterreich wirken würden,
  • ein von Stadt und Land gemeinsam errichtetes und geführtes Informations- und Servicezentrum für das Publikum. Es könnte in vielen Bereichen der alltäglichen praktischen Kulturarbeit über die strategischen Optionen hinaus die Ziele der Effektivierung und Synergiegewinnung leicht und rasch verwirklichen (Veranstaltungskalender, Öffentlichkeitsarbeit, Ticketsysteme, Kunstführer, Veranstaltungskoordinationen, Info-Pools usw.),
  • die Einrichtung einer unabhängigen Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur (siehe Kapitel "Für eine Symmetrie der Geschlechter").


Vernetzung von Wissenschaft, Kunst und Bildung

Durch die permanenten Qualitätsanforderungen, die schon heute und in Zukunft noch mehr an all jene gestellt werden, die mit Kunst und Kultur, insbesondere mit zeitgenössischer und Medienkunst zu tun haben, ist es dringend geboten, am inter-nationalen Kunst- und Wissenschaftsdiskurs teilzuhaben, das Netzwerk der eigenen intellektuellen und künstlerischen Potentiale zu verdichten und die Bildungseinrich-tungen zu integrieren.
Vernetzung von Kunst, Wissenschaft und Bildung Zu diesem Zweck ist eine engere Verbindung zwischen den Kultureinrichtungen der Stadt und des Landes, dem "ideellen Kapital" der freien Szene, den beiden Universitäten und all jenen Instituten, die sich wissenschaftlich mit neuen Kunst- und Kommunikationsformen auseinandersetzen, den beiden Pädagogischen Akademien sowie anderen Bildungseinrichtungen und entsprechenden Medienstellen (insbesondere dem ORF-Landesstudio OÖ.) herzustellen. Die Einbindung von Bildungsinstitutionen (Schulen, Erwachsenenbildung) in diesen Diskurs ist von Beginn an notwendig, um ihn auf eine breitere Basis zu stellen und sowohl interessierte Lehrpersonen als auch die Jugend zu motivieren.
"Freie Denkwerkstatt" Linz Vorgeschlagen wird zunächst die Gründung einer "freien Denkwerkstatt" mit Beteiligung aller genannten Einrichtungen und weiteren Interessierten, deren primäre Aufgabe es ist, den Dialog zwischen Wissenschaft, Kunst, Technologie und Bildung auf allen Ebenen zu forcieren. Aus dieser Denkwerkstatt könnte dann in Zukunft ein internationales Zentrum für die Vernetzung von Wissenschaft, Kunst, Medien und Kunstvermittlung hervorge-hen.