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| ______________________________________ Warum ein "Kulturentwicklungsplan"? Kultur und Gesellschaft Schaffung von dynamischen Rahmenbedingungen Langfristige Perspektiven Kunst und Kultur |
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| Kultureller Entwicklungsschub in Linz | Die Stadt Linz hat in den letzten Jahren einen großen kulturellen Entwicklungsschub vollzogen. Nachdem das Image der Stadt jahrzehntelang fast ausschließlich von der traditionellen Großindustrie bestimmt war, ist heute die Verbindung von Wirtschaftskraft, moderner Technologie und kulturell-künstlerischer Offenheit, Qualität und Zukunftsorientiertheit zum Markenzeichen von Linz weit über die oberösterreichischen Landesgrenzen hinaus geworden. Keine andere österreichische Stadt hat sich innerhalb von so kurzer Zeit auf dem Sektor von Kunst und Kultur derart erfolgreich neu positionieren können. Zuletzt haben dies die künstlerischen Projekte und alle Aktivitäten rund um den europäischen Kulturmonat 1998 eindrucksvoll gezeigt. | |
| Es liegt also nahe, diese Entwicklung zukünftig in Rahmenbedingungen einzubetten, die eine langfristige Sicherung und weitere Entfaltung der kulturellen und künstlerischen Potentiale in der Stadt und in der Region gewährleisten können. Deshalb hat die Stadt erneut einen in Österreich hinsichtlich der Vorgangsweise, Breite und Struktur erstmaligen Vorstoß in Sachen Kunst und Kultur unternommen: sie legt nunmehr den Kulturentwicklungsplan Linz vor, der im Zuge eines äußerst intensiven, fruchtbaren und spannenden Diskussionsprozesses (siehe dazu das vorherige Kapitel) die vorliegende Form gefunden hat. | ||
| Entfaltung der kulturellen und künstlerischen Potentiale | Der Begriff "Kulturentwicklungsplan" (im folgenden: KEP) bedarf, wie viele Diskussionen nahegelegt haben, noch einer kurzen Erläuterung. Warum sollten Politik und Verwaltung Vorgaben für die kulturelle und künstlerische Entwicklung in einer Stadt machen oder gar einen "Mehrjahresplan" verabschieden? Ist es nicht ein Widerspruch in sich, die Bereiche Kunst und Kultur mit "Planung" in Verbindung zu bringen? Und wird damit nicht ihrer Instrumentalisierung durch die Politik, aber auch durch vordergründige wirtschaftliche Interessen Tür und Tor geöffnet? | |
Kultur und Gesellschaft Der "breite" Kulturbegriff, der im KEP Verwendung findet (siehe ausführlich weiter unten), beinhaltet unter anderem die Verbindungen von Kunst und Kultur mit anderen gesellschaftlichen Teilbereichen. Oft lösen künstlerische Werke oder Aktionen sogar Diskussionsprozesse aus, die direkt in politische, religiöse oder wirtschaftliche Auseinandersetzungen führen. Dafür gibt es zahlreiche historische und aktuelle Beispiele. Die grundsätzlichen Kriterien, an denen das Verhältnis von Kultur und Gesellschaft im KEP definiert wird, liegen demnach vor allem auf zwei Ebenen: |
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Kunst und Kultur sind Kreativpotentiale für alle Bereiche des Lebens |
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Kunst und Kultur brauchen Demokratie |
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Schaffung von dynamischen Rahmenbedingungen Vor diesem Hintergrund sind die eingangs gestellten Fragen bzw. deren Beantwortung bei jedem strategischen, aber auch kurzfristigen Vorhaben, das im KEP thematisiert wird, konkret einzufordern. An dieser Stelle sollen daher nur die wichtigsten programmatischen Ausgangspunkte, die dem KEP zugrunde liegen, dargelegt werden: |
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| Unabhängigkeit von Kunst und Kultur | 1. Die Unabhängigkeit von Kunst und Kultur hilft nicht nur, deren ästhetische Qualitäten zu sichern. Sie stellt darüber hinaus ein wichtiges, charakteristisches Element der demokratischen Qualität einer Gemeinschaft schlechthin dar. Es gilt also, dieses Gut im Interesse aller Mitglieder und Gruppen dieser Gemeinschaft nachhaltig zu sichern. | |
| Kulturpolitikschafft Rahmenbedingungen für die Entfaltung des kulturellen Lebens | 2. Bund, Land und Stadt sind im Auftrag der Bevölkerung verantwortlich für die Gestaltung des materiellen und geistigen Umraumes, in dem sich ihre Bürgerinnen und Bürger bewegen. Ein wesentlicher Teil dieses Umraumes ist seine kulturelle Dimension. Die Kulturpolitik hat daher die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, daß die Existenz, Sicherung und Entfaltung des kulturellen und künstlerischen Lebens gewährleistet ist. Es geht demnach nicht um die Planung von kulturellen und künstlerischen Prozessen selbst, sondern um die Bereitstellung bestmöglicher Voraussetzungen für deren Entfaltungsmöglichkeiten, soweit dies im Rahmen kommunaler Kulturpolitik möglich und sinnvoll ist. | |
| Optimierung der kulturellen Infrastruktur abgeschlossen | 3. Die Bauvorhaben Donaumuseum, Musiktheater und Bildungszentrum schließen eine Phase der infrastrukturellen Optimierung im Bereich der Großinstitutionen ab. Die Dynamik der Rahmenbedingungen wird also in den nächsten Jahren hauptsächlich von den organisatorischen und inhaltlichen Dimensionen der kulturellen und künstlerischen Entwicklung in Linz bestimmt. Der KEP schlägt dafür mittel- und langfristige Leitlinien vor. | |
| Kulturentwicklungsplan signalisiert Gestaltungswillen | 4. Der Begriff "Kulturentwicklungsplan" signalisiert durch die Verbindung von inhaltlichen Perspektiven und längerfristiger Planung kulturpolitischen Gestaltungswillen. Werden Kunst und Kultur als wichtige Faktoren für gesellschaftliche Innovationskraft tatsächlich ernst genommen, kann es nicht bei der "bloßen" Verwaltung und damit mehr oder weniger Fortschreibung "alter Gewohnheiten" bleiben. Es bedarf vielmehr bewußt gesetzter Maßnahmen und Initiativen zur Weiterentwicklung des städtischen Kultur- und Kunstlebens. | |
| Kulturentwicklungsplan ist "work in progress" | 5. In diesem Sinne ist der KEP als "work in progress" zu verstehen. Zum einen ist die Umsetzung der allgemeinen Richtlinien und der konkreten Vorhaben in einem permanenten demokratischen und transparenten Prozeß zu evaluieren. Zum anderen sind die Leitlinien selbst im Lichte der gemachten Erfahrungen, neuer oder geänderter Erkenntnisse oder Rahmenbedingungen zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. | |
Langfristige Perspektiven Wenn also die Formulierung und Bereitstellung der Rahmenbedingungen in erster Linie eine öffentliche Aufgabe ist, erfordert ihre ökonomisch und organisatorisch effiziente, gesellschaftspolitisch nachvollziehbare Realisierung die Erarbeitung mittel- und langfristiger Konzepte. |
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Längerfristige Planung erhöht die Unabhängigkeit |
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| Bewußt gestaltende Kulturpolitik sollte daher offen darlegen, welche inhaltlichen Kriterien, welche Schwerpunktsetzungen und welche institutionellen und organisatorischen Vorstellungen dieser Planung zugrunde liegen. | ||
Dies umso mehr, als
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Dynamische Definitionen von Kunst und Kultur |
Kunst und Kultur Die Definitionen von "Kunst" und "Kultur" unterliegen keinen statischen, allgemeingültigen Kriterien, die unter allen historischen Bedingungen gleich blieben. Sie haben sich in der Vergangenheit den gesellschaftlichen Entwicklungen angepaßt und werden auch in Zukunft immer wieder neu zu formulieren sein. Im 19. Jahrhundert zum Beispiel war die "Kultur" (worunter fast ausschließlich "Kunst" verstanden wurde) zumindest im deutschsprachigen Raum für das konservative Bildungsbürgertum noch ein wichtiger geistiger Gegenpol zur "Zivilisation", das heißt zur Ausbreitung der Moderne in den "materiellen" Bereichen Wirtschaft, Technik, Verkehr, soziale Problemfelder usw. |
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| Im 20. Jahrhundert, insbesondere ab den 60er Jahren, erfuhr der Kulturbegriff dann etliche Differenzierungen und wurde zudem auf weitere, vorher kaum beachtete Felder ausgedehnt (soziale Unterscheidungen wie bürgerliche Kultur, Arbeiterkultur usw., Erweiterung auf den Alltag, "Kultur von unten", Populärkultur und vieles mehr). | ||
| Auch auf die Frage, was denn eigentlich "Kunst" sei, gab es seit dem Beginn der künstlerischen Moderne ab etwa dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts keine für alle verbindliche Antwort mehr. Das 20. Jahrhundert zeichnet sich dadurch aus, daß es zwischen strengster ästhetischer Formalität (abstrakte Malerei, Zwölftonmusik usw.) und der Ansicht, daß beispielsweise auch Alltagsgegenstände zur Kunst erklärt werden können (Marcel Duchamp, Joseph Beuys, Andy Warhol...), eine große Bandbreite von unterschiedlichen Auffassungen gab. | ||
| Die neuen Medien und die virtuellen Räume, die diese auch für die Kunst erschlossen, aber auch verschiedene experimentelle Auseinandersetzungen mit der realen Umwelt haben der Kunstdiskussion in jüngerer Zeit neue Nahrung gegeben. | ||
| Breiter Kulturbegriff im Kulturent-wicklungsplan | Unabhängig von jeweils aktuellen Debatten über die Begriffe von Kunst und Kultur ist städtische Kulturpolitik aus demokratiepolitischen Gründen den vielschichtigen, manchmal auch gegensätzlichen kulturellen und künstlerischen Bedürfnissen der gesamten Bevölkerung verpflichtet. Grundsätzlich geht der KEP deshalb von einem "breiten" Kulturbegriff aus, der all jene Bereiche der Bildung, des Alltagslebens, der Freizeitgestaltung, der Unterhaltung usw. umfaßt, die die kulturelle Lebensqualität einer urbanen Bevölkerung ausmachen. | |
| Kunst als Teilbereich der Kultur | Kunst (inklusive aller experimentellen Projekte) ist, von diesem Standpunkt aus gesehen, ein Teilbereich der Kultur. Die Grenzen zwischen Kunst und Alltagsästhetik sind an den Rändern zwar fließend (Werbung, Produktdesign, Architektur, neue Medien...), dennoch definiert sich Kunst durch spezifische Merkmale als eigener Bereich. Dazu gehören unter anderem ihre selbstgestalteten immanenten Regeln und Theorien, ihre Fähigkeit zur Verdichtung und Differenzierung von ästhetischen, sozialen, psychologischen usw. Feldern menschlichen Seins und Handelns, die Verbindung von individueller Kreativität und Kommunikation oder ihre Funktion als Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen. | |
| Besondere Förderung der zeit-genössischen Kunst | Daraus ergibt sich, daß die (vor allem zeitgenössische) Kunst als sensibelster Teil von Kultur einer besonderen Förderung durch die Gesellschaft und eines besonderen Schutzes vor allen Einengungsversuchen bedarf. Es ist nicht Aufgabe kommunaler Kulturpolitik, den Kunstbegriff zu definieren oder eigene Wertungen hinsichtlich des ästhetischen Geschmacks vorzugeben. Wohl aber sollte sie bei Berücksichtigung der urbanen Vielfalt des kulturellen Lebens dem Bereich Kunst gesonderte Aufmerksamkeit schenken. Deshalb widmet sich der KEP in erster Linie der Lage und Entwicklung der Kunst in Linz. | |
| Kunst- und Kulturvermittlung ist integraler Bestandteil des Kul-turentwicklungsplanes | Darüber hinaus ist es eine permanente Aufgabe der Kulturpolitik, den Kontakt zwischen Kunst und Bevölkerung zu fördern und diese zu Auseinandersetzungen mit allen Formen künstlerischen Ausdrucks, besonders mit jenen der zeitgenössischen Kunst (auch der reproduktiven), zu ermuntern und Hilfestellungen zu leisten. Daher ist die Kunst- und Kulturvermittlung integraler Bestandteil des KEP. | |
| In der Terminologie des KEP werden die Begriffe "Kunst" und "Kultur" im oben genannten Sinn verwendet. Da es aber sowohl in den konkreten Aufgabenstellungen städtischer Kulturpolitik, als auch bei den Kultur- und Kunstproduzenten zahlreiche Überschneidungen bzw. unterschiedliche Auffassungen gibt, sind Unschärfen in der Begriffsverwendung unvermeidlich. Sie sind aber in jedem einzelnen Fall vor der Folie der oben eingerichteten Hilfskonstruktion zu interpretieren. | ||