Ursprünglich wurde der Preis – die erste Vergabe erfolgte im Jahr 2000 – alle zwei Jahre ausgelobt, jedoch als Literatur- und Netzkunstpreis gemeinsam. Seit 2004 sind beide Sparten getrennt. Die Verleihung erfolgt nun jährlich, in den ungeraden Jahren wird der Literaturpreis vergeben, in den geraden Jahren der Netzkunstpreis. Der Marianne.von.Willemer – Frauen.Literatur.Preis hat sich mittlerweile in der Frauenliteraturszene etabliert und ist aus dem österreichischen Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken.
Insgesamt 251 Frauen im Alter von 13 bis 81 Jahren reichten 2007 ihre Werke ein. Das belegt eindrucksvoll nicht nur die große Zahl der Literatinnen in Österreich, sondern auch das große Interesse am Marianne-von-Willemer-Preis.
Heuer werden ein Preis sowie zwei Anerkennungen vergeben. Außerdem wird 2007 zum ersten Mal eine mit 400 Euro dotierte Anerkennung für junge Schreibtalente unter 19 Jahren verliehen. Diese Kategorie stellt ein aktives Instrument zur Förderung von jungen heimischen Literatinnen dar.
Zwei Jugendliche, Curry und Joe, die einander ganz gut gefallen, reden miteinander auf der Straße, Hände in den Taschen. Hinter ihren alltäglichen Sätzen geht es aber immer dringlicher um Wahrnehmung, um Behinderung – um die Behinderung von Wahrnehmung. Zwölf kleine Szenen laufen auf eine überraschende und souveräne Pointe zu.
Zur Person:
Die Preisträgerin wurde am 14. Jänner 1986 in Innsbruck geboren, lebte dann längere Zeit in Vorarlberg und maturierte 2004 in Bludenz. Nach mehreren Reisen und einem sozialen Jahr studiert sie gegenwärtig Germanistik in Innsbruck. Das Schreiben diente Christine Vigl bislang in erster Linie als persönliche Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt.
Zwei Beiträgen sprachen die Jurorinnen auf Grund hoher Qualität Anerkennungen aus:
„Uns hätte es nicht geben sollen“
Kindheitserinnerungen an den Vater und die Familie werden ungeschönt und dabei sprachlich behutsam erzählt und ergeben ein authentisches Bild vom Alltag einer Sinti-Familie in Linz.
„Fruahliachd – Jahrbuch einer Vorstadtkindheit“
Die Kindheitserfahrungen im Linzer Stadtteil Kleinmünchen der 50er-Jahre hält Henriette Sadler in präzisen kleinen Studien fest. Unsentimental gibt sie die gesprochene Sprache als Mundart wieder, auf berührende Weise erinnert sie an die Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist.
In der Kategorie U 19 entschied sich die Jury für „Hans Warum“ von Lucia Leidenfrost.
„Hans Warum“
In lapidaren und zugleich poetischen Sätzen beobachtet diese Erzählung ihre Figuren und verschiebt und verfremdet politische Reflexe und ideologische Automatismen. In „Hans Warum“ setzt sich die junge Literatin mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in einer politisch korrekten, eindeutigen Weise auseinander.
Folgende Expertinnen beurteilten im Bereich „Literatur“ die 251 eingereichten Projekte:
Dr.in Petra Maria Dallinger, Direktorin StifterHaus
Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Konstanze Fliedl, Universität Wien
Eugenie Kain, Autorin
Laut Statistik wurden in den vergangenen 50 Jahren dreimal mehr Männer mit einem Kunstförderpreis ausgezeichnet als Frauen. Frauen müssen durchschnittlich zehn Jahre länger auf eine Würdigung warten als ihre männlichen Kollegen.
Außerdem haben die meisten Kunstförderpreise eine Altersgrenze nach oben hin. Frauen, die auf Grund von Kinderbetreuungs- oder Familienpflichten erst später anfangen, sich der Kunst zu widmen, können mit Förderpreisen meist nicht mehr bedacht werden, weil sie die Altersgrenze bereits überschritten haben.
Um dem entgegenzuwirken, hat der Frauenausschuss des Linzer Gemeinderates unter dem Vorsitz von Gemeinderätin Erika Rockenschaub im Jahr 2000 den Marianne-von-Willemer-Preis initiiert - eine Würdigung und Förderung nur für Künstlerinnen ohne Altersgrenze.
Die 1784 in Linz geborene Dichterin wurde deshalb als Namensgeberin ausgewählt, weil sie das Schicksal vieler Frauen teilt, deren Werke gestohlen wurden oder die unter männlichem Pseudonym arbeiten mussten. Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte die im regen Briefwechsel mit Marianne von Willemer entstandenen Gedichte in seinem „Westöstlichen Diwan“ ohne die Verfasserin überhaupt namentlich zu erwähnen.
Weitere Gesprächspartnerinnen:
Christine Vigl (Preisträgerin)
Rosa Gitta Martl (Anerkennung)
Henriette Sadler (Anerkennung)
Lucia Leidenfrost (Anerkennung U19)
Dr.in Petra Maria Dallinger (Direktorin des StifterHaus)
(Informationsunterlage von Gemeinderätin Erika Rockenschaub und der Linzer Frauenbeauftragten Elvira Tomancok zur Preisverleihung des „Marianne.von.Willemer.07 – Frauen.Literatur.Preis“)
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