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KOMMUNALES
Presseaussendung vom 07.01.2008

Stadt Linz: Positive Erfahrungen mit der neuen Lehrlingsausbildung im Magistrat

Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Folge mangelnder Qualifikationen sowie fehlende Ausbildungsplätze für Lehrlinge standen im Mittelpunkt der Überlegungen, das Lehrstellenangebot im Magistrat der Stadt Linz auf eine neue Basis zu stellen. Wurden seit 1997 mit der Wiederaufnahme der Lehrlingsausbildung im Magistrat der Stadt Linz noch die am besten qualifizierten Jugendlichen ausgebildet, so startete die Ausbildung der jungen Menschen mit der Lehrlingsaufnahme 2004 unter neuen Vorzeichen.

Personalreferent Stadtrat Klaus Luger entwickelte mit der städtischen Personalabteilung neue Ziele der Lehrlingsausbildung. Seit 2004 werden verstärkt sozial benachteiligte Jugendliche oder solche mit schulischen Defiziten aufgenommen.

Der Magistrat bildet derzeit insgesamt 153 Lehrlinge aus, von denen bereits die Hälfte speziell gefördert wird. 51 Lehrlinge absolvieren eine integrative Ausbildung, 29 nehmen am regelmäßigen Förderunterricht eines Nachhilfeinstituts teil. Im Jahr 2005 waren es erst 24 Prozent der neu aufgenommenen Lehrlinge, die Förderunterricht oder eine integrative Ausbildung benötigten. Im Herbst 2007 lag dieser Anteil bereits bei fast 50 Prozent.

Besonders zufrieden zeigt sich Stadtrat Luger mit den geringen Abbruchquoten: lediglich ein Anteil von 7,3 Prozent der seit 2004 aufgenommenen Jugendlichen hat die Lehrausbildung nicht beendet. „Wer Chancen gibt, bekommt von den jungen Menschen auch etwas Positives zurück“, umreißt Luger die Strategie der Stadt Linz.

Vermehrt Chancen für „schwierige“ Jugendliche

Das mit den Lehrlingsaufnahmen im Herbst 2004 veränderte und ausgeweitete Ausbildungsangebot hat damit zwei wesentliche Ziele erreicht: Einerseits die Schaffung eines Ausbildungsangebotes für so genannte „schwierige“ Jugendliche, die sonst auf Grund vielfältiger Defizite keine Chance am Lehrstellenmarkt erhalten hätten. Andererseits wurde mit dem erweiterten und speziell auf diese Gruppe Jugendlicher zugeschnittenen Ausbildungsprogramm die sozialen Verantwortung wahrgenommen, die die öffentliche Hand als Ausbildnerin innehat. Denn vielfach ist es privaten Ausbildungsbetrieben nicht möglich, ein derart individuell abgestimmtes Ausbildungsprogramm zu entwickeln und umzusetzen.

Damit verbunden war und ist allerdings auch eine gestiegene Anforderung an die AusbildnerInnen im Magistrat, die sich von ihren bisherigen „MusterschülerInnen“ verabschieden mussten und eine intensivere „Betreuung“ zu übernehmen hatten, wofür ihnen auch an dieser Stelle nochmals gedankt sei.

50 Prozent der Magistrats-Lehrlinge haben Förderbedarf

Die Anzahl der Lehrlinge mit Beeinträchtigungen hat sich von 2005 auf 2006 verdreifacht und konnte auch im Jahr 2007 auf 51 junge Menschen mit Handicap erhöht werden.

Die integrativen Lehrlinge und die Lehrlinge mit Förderbedarf haben auch in der Berufsschule verstärkt Lernprobleme und müssen intensiv betreut werden.

Insgesamt erhält jeder zweite Lehrling eine spezielle Förderung, konkret sind es 52,3 Prozent der Lehrlinge, die in den Genuss  dieses Ausbildungsangebotes kommen.

Jahr Lehrlinge mit Handicap Lehrlinge mit Förderbedarf Anteil Lehrlinge Summe
2005

11

20

24,2 %

128 *

2006

33

27

45,4 %

132

2007

51

29

52,3 %

153

* Ausgliederung mit 1.1.2006: 15 Lehrlinge Seniorenzentren (SZL), 4 Lehrlinge AKh

Hoher Aufwand für Lehrlinge mit Lernproblemen lohnt sich

Der Aufwand für die integrativen Lehrlinge und die Lehrlinge mit Förderbedarf ist extrem hoch, da sie verschiedenste Anfangsschwierigkeiten zu bewältigen haben.

  • Lernschwierigkeiten auf Grund eines fehlenden oder negativen Hauptschulabschlusses, Unterricht nach Lehrplan einer Sonderschule auf Grund eines sonderpädagogischen Förderbedarfs
  • Eingliederungsprobleme durch Beeinträchtigungen wie Behinderung, Misshandlung, Drogenkonsum oder Familienprobleme
  • Sprachschwierigkeiten
  • Mangelnde Motivation aufgrund erfolgloser Lehrstellensuche

Sämtliche Fördermaßnahmen werden für jeden einzelnen Lehrling bereits zu Beginn der Ausbildung speziell erarbeitet und müssen laufend angepasst werden, um einen positiven Abschluss der Berufsausbildung zu erreichen. Gezielte Maßnahmen und eine intensive Zusammenarbeit zwischen AusbildnerInnen und den Lehrlingen sind für einen Lehrabschluss notwendig.

Förderunterricht durch Perfect Learning

Das Nachhilfeinstitut Perfect Learning (Pele) unterstützt die Lehrlinge vor allem in den Hauptfächern wie Französisch, Rechnungswesen, Buchhaltung und Mathematik. Im Jahr 2006 wurden insgesamt 1.215 Förderstunden organisiert, für das Ausbildungsjahr 2007/2008 sind es 1.212 Stunden.

Nachhilfe im Magistrat

Im Magistrat wird darauf Wert gelegt, durch ständigen Kontakt mit den Berufsschulen, regelmäßige Besprechungen mit den AusbildnerInnen, Berufsausbildungsassistenzen und regelmäßige Gespräche mit den Lehrlingen die auftauchenden schulischen Probleme rechtzeitig zu erkennen und zu lösen.

Wenn es notwendig ist, werden für die Jugendlichen individuelle Lehrpläne erstellt, die permanent überprüft und an neue Situationen angepasst werden müssen. Bei den Lernzielkontrollen und den Förderstunden wird der Schwerpunkt im Magistrat vor allem auf die Lerngegenstände gelegt.

Gesundheitsmaßnahmen

Die Seminare Suchtprävention und das Gesundheitsprogramm FIT 4 YOU werden regelmäßig angeboten. In diesen Seminaren werden Jugendliche auf Gefahren im Umgang mit Suchtmitteln hingewiesen und, wenn notwendig, in Betreuungsmaßnahmen integriert. Motorik, Körperhaltung und Arbeitstechnik können sie unter Anleitung von Physiotherapeuten im Fitnessraum und in der Kletterhalle verbessern.

Psychosoziale Beratung, Betreuung und Begleitung werden vom Betriebsärztlichen Dienst organisiert und stehen allen Lehrlingen, wenn nötig, zur Verfügung. Der Verein Soziale Initiative übernimmt die weitere Einzelbetreuung, die mit Coaching und Clearing auch längerfristig angelegt sein kann.

Sozialpädagogische Förderungsmaßnahmen

Erlebnispädagogische Seminare sind ein wichtiger Bestandteil der Lehrlingsausbildung. Ziel dieser Seminare ist es, die Lehrlinge in Sozialkompetenz zu schulen, die Integration von benachteiligten Personengruppen zu fördern und richtige Umgangsformen zu festigen.

Schulung für 113 AusbildnerInnen

Für die Ausbildung im Magistrat stehen den Lehrlingen 113 zertifizierte AusbildnerInnen zur Verfügung. Diesen werden regelmäßig interne Fortbildungsseminare zu den Themen Kommunikation und Konfliktbewältigung, Persönlichkeitsbildung und Führungsverhalten, Soziale Kompetenz, Pädagogik und Didaktik, Motivation und Gesprächsführung sowie Eigenständigkeit und Zeitmanagement angeboten.

Großartige Bilanz: nur wenige Lehrverhältnisse werden vorzeitig aufgelöst – Abbruchquote beträgt nur 7 Prozent

Trotz der Bemühungen der AusbildnerInnen und dem Angebot einer speziellen Ausbildung ist es nicht immer möglich, alle Probleme zu lösen. Daher kommt es auch am Magistrat zu Auflösungen von Lehrverhältnissen. Führt man sich jedoch die doch deutlich gestiegene Zahl der Ausbildungsverhältnisse sowie den gestiegenen Anteil „problematischer“ Jugendlicher vor Augen, so hält sich die Zahl der vorzeitigen Auflösungen dennoch in engeren Grenzen.

Insgesamt haben seit der Lehrlingsaufnahme im  Herbst des Jahres 2004 18 von 247 ausgenommen jungen Menschen im Magistrat ihre Lehre abgebrochen. Dies entspricht einer unterdurchschnittlichen Abbruchquote von 7,3 Prozent.

Jahr Anzahl  Gründe für eine vorzeitige Auflösung der Lehre 
2005

10

Auflösung durch den Lehrling (5), Auflösung in der Probezeit (2): Arbeitsverweigerung, unentschuldigte Abwesenheiten, Entlassung (3)
2006

4

Auflösung durch den Lehrling (1), Entlassung (3)
2007

4

Auflösung durch den Lehrling (3), Auflösung in der Probezeit: Verdacht des Diebstahls (1)

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz mit Personalreferent Stadtrat Klaus Luger zum Thema „Erfahrungen mit der Lehrlingsausbildung im Magistrat“)

Für Medienanfragen:
Christian Reiter  Tel.: +43 732 7070 1373

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