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FRAUEN
Presseaussendung vom 04.03.2008

„ist.zustand“- Befragungen von Linzerinnen über das Leben in der Stadt

Die Untersuchung „ist.zustand“ wurde 2007 vom Linzer Frauenbüro in Auftrag gegeben, um die Wünsche und Bedürfnisse der Linzerinnen zu erheben. Durchgeführt wurde sie an der Johannes Keppler Universität Linz. Ausgewertet wurden 471 Fragebögen. Die nun vorliegenden Ergebnisse stellen aus gesellschaftspolitischer Sicht eine äußerst wichtige Voraussetzung für eine geschlechtersensible Gestaltung von öffentlichen Angeboten sowie der Stadtplanung und –gestaltung dar. Bis jetzt gab es kaum Studien, die sich mit speziellen Bedürfnissen von Frauen im städtischen Umfeld auseinandersetzen.

Linz verfügt über Voraussetzungen, die durchaus nicht in allen österreichischen Städten vorzufinden sind und die dazu geeignet sind, eine gezielte Gleichstellungspolitik wirkungsvoll umzusetzen. So hat die Stadt bereits 1992 einen Frauenausschuss eingerichtet und die Funktion der „Frauenbeauftragten“ auf Verwaltungsebene geschaffen. Zu den Kernaufgaben des städtischen Frauenbüros zählt es, die Anliegen, Bedürfnisse und Wünsche der Bewohnerinnen der Stadt Linz zu ermitteln, einer politischen Umsetzung zuzuführen und damit strukturellen Benachteiligungen entgegenzuwirken.

Die Ergebnisse dieser Studie bieten nun sowohl für den Frauenausschuss des Linzer Gemeinderates als auch für das Frauenbüro neue Ansatzmöglichkeiten zur Verbesserung der Situation der Linzerinnen in verschiedenen Bereichen.

Ergebnisse im Detail

Generell wurde die Lebenssituation von Frauen in Linz als zufrieden stellend beurteilt. Ein Großteil lebt sehr gerne in Linz: 72 Prozent der Befragten äußersten sich mit sehr zufrieden stellend und zufrieden stellend. Sie sind mit Wohnsituation und –umgebung, Grünanlagen und Nahversorgung sehr zufrieden. Die Stadt wird durch ihre sozialen, kulturellen und strukturellen Angebote als sehr lebenswert empfunden. Auch die Kinderbetreuungsangebote wurden überwiegend als sehr positiv beurteilt.

Trotz guter Gesamtbewertung der Lebenssituation wurde der Wunsch nach weiteren Unterstützungsmaßnahmen vor allem für Alleinerzieherinnen, junge Familien, Künstlerinnen, Migrantinnen, Jugendliche und ältere Frauen geäußert.

Bildung, Arbeitssituation und Wirtschaftslage

Ein Großteil der befragten Linzerinnen ist mit dem Einkommen zufrieden. Es ist jedoch ein Bewusstsein der Diskriminierung in der Arbeitswelt vorhanden - dies betrifft speziell die Bereiche Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen. Am ehesten fühlen sich Frauen diskriminiert, deren höchster Schulabschluss die Lehre oder eine Akademie ist, außerdem Frauen mit Kindern. Im Bereich Berufstätigkeit, Arbeitssituation und Wirtschaftslage könnten mit spezifischen Frauenförderprogrammen – wie sie die Linzer Stadtverwaltung hat – gesetzlichen Vorgaben und vielem mehr der Benachteiligung der Frauen entgegengewirkt werden.

Die Stadt Linz startete beispielsweise im Kindergarten am Römerberg ein Projekt, das Kinder völlig frei von Rollenklischees in der Entwicklung fördert. Die „Geschlechtersensible Kleinkindpädagogik“ unterstützt Mädchen und Buben, nach ihren Talenten und Interessen zu leben und zu agieren, ohne durch die Zuschreibung einer Geschlechtsrolle eingeengt zu werden. Dies eröffnet den Kindern neue Perspektiven und erhöht ihre Zukunftschancen.

Wohnen und Verkehr

Die aktuelle Situation im Bereich Wohnen und Verkehr wird von den befragten Linzerinnen als „relativ gut“ bezeichnet. Generell wird die sehr hohe Wohnqualität in Linz hervorgehoben. Wünsche gab es beim altersgerechten Wohnbau und familenfreundlichem Wohnen sowie für Wohnprojekte im Sinne von „Frauen für Frauen“.

Bei der Befragung zum Angebot der öffentlichen Verkehrsmitteln wurde vom Großteil erhöhte Taktfrequenz vor allem am Abend und in der Nacht angeregt. Außerdem würden ein Ausbau des Radnetzes sowie die Errichtung von mehr und billigeren Parkplätzen als Bereicherung angesehen.

Kunst und Kultur

Grundsätzlich wurde das kulturelle Angebot in Linz als ausreichend und umfangreich beschrieben. Als Wünsche nannten die Befragten das vermehrte Angebot von Kunst, Kultur und Museen außerhalb des Zentrums, flexible Öffnungszeiten und gezielte Kinderbetreuung. Veranstaltungsorte sollten leichter und barrierefrei erreicht werden können. Ebenso sollen weibliche Künstlerinnen und kunstschaffenden Migrantinnen verstärkt gefördert werden.

In diese Richtung wurden in Linz schon wichtige Schritte gesetzt: Mit dem Kulturentwicklungsplan, dem jährlichen Bericht der „LinzKultur“ zur „Symmetrie der Geschlechter“ und der Schaffung eines Literatur- und Netzkunstpreises für Frauen. Dieser Marianne von Willemer Preis ist aus der Kunstszene heute nicht mehr wegzudenken. Übrigens: Für die Förderung von jungen Autorinnen und Webkünstlerinnen gab es 2007 beim Marianne von Willemer-Preis zum ersten Mal eine Sparte für unter 19-jährige Teilnehmerinnen.

Gesundheit, soziale Kontakte, Kinder, Haushalt, Familie

Zu 90 Prozent sind die Linzerinnen mit den Krankenhäusern und der medizinischen Versorgung in der Stadt zufrieden. Als weitere Verbesserung im Gesundheitsbereich wurden die Einrichtung von Treffpunkten und die Abhaltunge von Beratungstagen von Frauengesundheitskompetenzstellen angegeben. Besonderes Augenmerk sollte auch auf Beratungsangebote für Frauen mit Migrationshintergrund gerichtet werden. Gerade weil die Frage der Gesundheitsvorsorge für Frauen sehr wichtig ist, sind Angebote im Bereich der geschlechtsspezifischen Medizin gefragt.

Wichtige Beiträge dazu leisten in Linz bereits das Linzer Frauengesundheitszentrum, das BrustkompetenzZentrum im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Linz und noch viele andere Fraueneinrichtungen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Linzer Frauencard. Sie gibt einen kurzen prägnanten Überblick über frauenrelevante Einrichtungen in Linz samt Adressen und Telefonnummern. Durch das praktische Scheckkartenformat passt sie in jede Brieftasche. Mit einer eigenen Mädchencard wird auf die besonderen Bedürfnisse von den jungen Linzerinnen eingegangen. Beide Karten sind kostenlos im Linzer Frauenbüro erhältlich.

Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten in der Landeshauptstadt wurden besonders positiv beurteilt. Durch ein umfangreiches Ausbauprogramm ist es der Stadt gelungen, beispielsweise im Kindergartenbereich gemeinsam mit privaten Anbietern die Vollversorgung zu erreichen und zu erhalten. Für jedes dreijährige Kind steht ein Platz in einem städtischen oder privaten Kindergarten zur Verfügung. Als Verbesserung würde eine zeitliche Ausdehnung der Kinderbetreuung während der Schulferien vor allem von berufstätige Müttern empfunden.

Sicherheit und Kriminalität

Im Bezug auf Sicherheit gab die Mehrheit der Befragten an, zufrieden zu sein und sich in Linz sicher zu fühlen. Jedoch wurde mehr persönliche Polizeipräsenz auf der Straße gefordert.

Möglichkeiten zur Verbesserung sind für Linzerinnen hell erleuchtete Plätze beziehungsweise Straßenzüge, Vermeidung von Unterführungen. Auch die geschlechtsspezifische Sensibilisierung von Krankenhauspersonal, Polizei und Justiz für Gewaltopfer wurde erwähnt.

Jugendliche und Pensionistinnen

Da es in Linz so gut wie keine Rückzugsmöglichkeiten für jugendliche Mädchen gibt - 80 Prozent der Jugendzentren werden hauptsächlich von Burschen genützt -, könnten beispielsweise autonome Mädchenzentren oder auch andere Einrichtungen speziell für Mädchen eine sinnvolle Lösung bieten. In einigen Jugendzentren des Verein Jugend und Freizeit in Linz gibt es schon reine Mädchentage beziehungsweise Veranstaltungen.

Das Motto des Linzer Frauenbüros „Frauenpolitik muss schon bei Mädchen ansetzen und darf keine Generation aussparen!“ soll schon junge Frauen und Mädchen für Gleichbehandlung, Gleichberechtigung und Chancengleichheit sensibilisieren. Mit dem Mädchenschwerpunkt im Jahr 2007 und 2008 legt das Frauenbüro eine gute Basis für die Bedürfnisse von jungen Frauen in Linz. Zahlreiche Veranstaltungen, Workshops, Projekte, die Mädchencard und die U19 Sparte beim Marianne von Willemer-Preis sind ganz auf Mädchen abgestimmt. Ein voller Erfolg war 2007 der erste Linzer Schülerinnen-Kalender city-girls. Er wurde von jungen Linzerinnen für junge Linzerinnen unter dem Thema „Wohlfühlorte“ in der Stadt gestaltet. Der Schülerinnen-Kalender geht als Kommunikationstool auf die speziellen Bedürfnisse von Mädchen ein und beschäftigt sich mit deren Leben in der Stadt.

Bei der Befragung von Seniorinnen kamen folgende Wünsche zu Tage: Die Angebote für ältere Menschen sollen auch weiterhin leistbar bleiben und auf das Einkommen abgestimmt werden. Dazu leistet die Stadt Linz mit dem Aktivpass einen wichtigen Beitrag. Dieser ermöglicht es allen Linzerinnen, die monatlich weniger als 1.018 Euro netto zur Verfügung haben, zahlreiche Leistungen vergünstigt oder sogar gratis in Anspruch zu nehmen.

Frauen sind im Allgemeinen im Alter aktiver. Daher wäre es aus Sicht der Befragten wünschenswert, spezifische Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebote für Seniorinnen zu schaffen beziehungsweise auszubauen.

Zur Methodik der Studie:

Die Studie wurde im Rahmen der Lehrveranstaltung „Projektmanagement und Projektbegleitung“ von 26 Studentinnen der Sozialwissenschaft unter der Leitung von Dr.in Anna Dieplinger und Mag.a Angela Wegscheider durchgeführt.

Die Methodik der Untersuchung umfasst drei Teilbereiche im Forschungsdesign. Im Vorfeld wurden Expertinneninterviews und in weiterer Folge Fokus-gruppeninterviews durchgeführt. Im Zeitraum vom 4. Mai bis 16. Mai 2007 wurde schließlich die Erhebung mittels eines standardisierten, strukturierten Fragebogens durchgeführt. Der Fragebogen enthielt unter anderen Dimensionen wie demographische Angaben, Zufriedenheit mit der Lebenssituation oder Bewertung der Angebote der Stadt Linz. Zur Auswertung konnten 471 Fragebögen herangezogen werden, welche elektronisch erfasst und mittels eines Statistikprogramms ausgewertet wurden.

(Informationsunterlage von Bürgermeister Franz Dobusch, Gemeinderätin Erika Rockenschaub und der Linzer Frauenbeauftragten Elvira Tomancok zur Studie „ist.zustand“ – Befragung von Linzerinnen über das Leben in der Stadt)

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