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Silberreiher
UMWELT
Presseaussendung vom 03.02.2009

Wasservogelzählung in Linz – gefiederten Raritäten auf der Spur

Auf ihrem Zug nach Süden verbringen tausende Wasservögel zur Überbrückung der kalten Jahreszeit die Wintermonate auch auf den Fließ- und Stillgewässern im Linzer Raum. Der Pichlinger See, der Pleschinger See, der Große und der Kleine Weikerlsee, die Traun, die Donau und das so genannte Mitterwasser bieten den Tieren in der Landeshauptstadt weitläufige Refugien. Die Erforschung der Wasservogelwelt, der Vogelzugsbewegungen und die Ermittlung von Daten über die Entwicklung der Vogelbestände sind wichtige Bestandteile der ökologischen Grundlagenforschung und Voraussetzung für laufende und künftige Schutzmaßnahmen. Die Naturkundliche Station der Stadt Linz führt daher jährlich von September bis April eine Wasservogelzählung durch, deren Ergebnisse für die Erstellung von überregionalen Verbreitungskarten herangezogen werden.

Experten der Naturkundlichen Station untersuchen dabei mit Unterstützung ehrenamtlicher HelferInnen die Traun-Donau-Auen und die Vogelreviere im Linzer Großraum. Ihre Beobachtungen zeigen, dass in den Wintermonaten jährlich zwischen 6 000 und 10 000 Wasservögel die Seen und Flussauen in der Landeshauptstadt bevölkern. Der Großteil kommt von den Gewässern der Finnisch-Baltischen Seenplatte und aus Südosteuropa.

Wasservogelzählung

Foto: Stadtkommunikation Linz

Sensationelle Sichtung von jungen Seeadlern

Vor wenigen Wochen wurde bei der Wasservogelzählung im Schutzgebiet Natura 2000 in den Traun-Donau-Auen ein junger Seeadler gesichtet. Der Seeadler galt nach dem 2. Weltkrieg in Österreich über Jahrzehnte als ausgestorben. Dank intensiver Schutzmaßnahmen ist er mittlerweile aus Nord- und Osteuropa wieder nach Österreich zurückgekehrt. Nach Angaben des WWF brüten inzwischen wieder sechs Seeadlerpaare auf österreichischem Gebiet.

„Dass sich in Linz auch Seeadler ansiedeln, ist eine Sensation. Es zeigt die hohe Güte unseres Naturraums als idealer Rückzugsraum für viele seltene Pflanzen- und Tierarten“, so die Linzer Umwelt- und Naturschutzreferentin Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal über die jüngsten Beobachtungen.

Seeadler

Seeadler, Foto: Gerhard Schaffer

Eisvogel

Eisvogel, Foto: Limberger

Die Traun-Donau-Auen sind auch Heimat für weitere seltene Arten geworden. Zum Beispiel haben der Eisvogel und der Schwarze Milan hier ihr Revier.

Schwarzer Milan

Schwarzer Milan

Zahlreiche Vogelarten

Zu den „Stammgästen“ an den Linzer Gewässern zählen Reiherenten, Krickenten, Zwergtaucher, Silberreiher und Kormorane. Weiters bevölkern Schwäne, Blesshühner, Tafelenten und verschiedene Möwenarten die Gewässer der Landeshauptstadt. Das Artenspektrum bei den Möwen umfasst unter anderem Weißkopfmöwen, Sturmmöwen sowie Lach- und Silbermöwen. Auch bis zu 300 Schwäne ziehen in der kalten Jahreszeit nach Linz zu. Diese Tiere kommen hauptsächlich aus der Gegend rund um Prag und Budweis. Die Resultate der Wasservogelzählung werden regelmäßig an die internationale Wasservogelzentrale Wetland International in den Niederlanden weitergeleitet.

Silberreiher

Silberreiher, Foto: Gerhard Schaffer

Refugium für seltene Pflanzen

Die Ergebnisse der Wasservogelzählung beweisen erneut, dass die Traun-Donau-Auen mit zum Wertvollsten zählen, was Oberösterreich an unberührter Natur zu bieten hat. Das gesamte Areal umfasst mehr als 600 Hektar und ist als Europaschutzgebiet (Natura 2000) ausgewiesen. Neben seltenen Tierarten – wie zum Beispiel dem Biber – bieten die Traun-Donau-Auen mit ihren Hauptgewässern Mitterwasser, Großer und Kleiner Weikerlsee für etwa 675 verschiedene Pflanzenarten, darunter mehr als 120 vom Aussterben bedrohte, einen hochwertigen Lebensraum. Zu den im Natura 2000 Schutzgebiet vorkommenden Arten zählen Topraritäten wie die Krebsschere, die Wasserfeder, die Schwanenblume und seltene Orchideen.

Krebsschere

Krebsschere, Foto: Naturkundliche Station

Schwanenblume

Schwanenblume, Foto: Naturkundliche Station

Ökomanagement durch die Stadt

Durch den konsequenten Ankauf von Grundflächen seit den 1980er-Jahren ist es der Stadt Linz gelungen, das Gebiet dauerhaft auch für künftige Generationen zu erhalten. So wurde zu Beispiel beim Bau der solarCity Pichling auf eine qualitativ hochwertige Freiraumplanung geachtet, zu der unter anderem die Erweiterung des Kleinen Weikerlsees, die Revitalisierung eines 4,2 Kilometer langen Abschnitts des Aumühlbaches und ein Besucherlenkungskonzept zählen. Durch dieses Ökomanagement wird der Zustand der Auen kontinuierlich verbessert. Federführend ist dabei die Naturkundliche Station, die sich seit 30 Jahren mit Stadtökologie und Naturschutz in Linz beschäftigt.

Zurück zur Natur

Im Zuge dieser Schutzmaßnahmen wird in den nächsten Wochen eine ca. 3,5 Hektar große Aufforstungsfläche im Besitz der Stadt in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Die dort vor rund zwei Jahrzehnten angepflanzte Monokultur aus Schwarzföhren und Hybridpappeln wird entfernt. Die Rodung dieser nicht standorttypischen Arten im Bereich der „Dornbleich“ erfolgt auf Anregung der Naturschutzexperten. Das Areal liegt im Zentrum der Donauau  unweit des Mitterwassers auf einer Trockenfläche („Heißländ“).

Die "Dornbleich"

Die „Dornbleich“, Foto: Naturkundliche Station

Die eingezeichneten Flächen (Nr. 21 und 26) werden für Trockenrasen freigemacht.

Die eingezeichneten Flächen (Nr. 21 und 26) werden für Trockenrasen freigemacht. Foto: OÖ. Landesregierung

Diese Trockeninsel ist als Folge von Hochwassersituationen entstanden, die zu einer Schotteranlagerung geführt hat. Eine solche „Heißländ“ bietet einen optimalen Rückzugsraum für seltene Trockenrasenvegetation. Unter anderem wurde hier das Vorkommen des Sanddorns nachgewiesen. Wildvorkommen von Sanddorn sind extrem selten. Diese Strauchart ist vom Aussterben bedroht. 

Sanddorn

Sanddorn

Auch andere seltene Arten sind in den Traun-Donau-Auen heimisch, wie etwa das Rauken-Greiskraut, von dem nur mehr ein einziges Exemplar vorhanden ist, das Hohe Veilchen, eine extrem seltene Pflanze halbschattiger Waldwiesen oder der Taubenkropf, ein Nelkengewächs, das in den Linzer Donauauen das einzige Vorkommen Oberösterreichs besitzt. Mit der Entfernung des Monokulturbestands werden für diese und andere Raritäten wieder beste Voraussetzungen zur Ausbreitung geschaffen sein.

Rauken-Greiskraut

Rauken-Greiskraut, Foto: Naturkundliche Station

Wasserfeder

Wasserfeder, Foto: Naturkundliche Station

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Umwelt- und Naturschutzreferentin Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal zum Thema „Wasservogelzählung und Seeadlersichtung in Linz“)

Weitere Gesprächspartner:
Dr. Friedrich Schwarz, Leiter des Botanischen Gartens und der Naturkundlichen Station, Stadtgärten Linz
Herbert Rubenser, Stadtgärten Linz

Für Medienanfragen:
Robert Hubmann  Tel.: +43 732 7070 1367

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