Entwicklungen und Bedarfsprognose in der stationären und mobilen Betreuung
1990 standen in Linzer Pflege- und Wohnheimen 1 148 Plätze – und das hauptsächlich in Zimmern mit bis zu sieben Betten – zur Verfügung. Auch die Pflege hatte zu dieser Zeit nicht die Qualität von heute.
Von 1991 bis einschließlich 2008 wurden in Linz insgesamt 1 851 Pflegeplätze errichtet. 1 218 davon in städtischen und 471 in privaten Einrichtungen. Zusätzlich entstanden noch 162 Betten in der Kursana-Seniorenresidenz, die jedoch zur Gänze privat finanziert wurden.
Insgesamt hat die Stadt Linz 173,1 Millionen Euro investiert, um den heutigen hohen Standard zu erreichen.
Im Detail wurden im Zuge der städtischen Sozialoffensive folgende städtische und private Projekte zur Verbesserung der Versorgungssituation realisiert:
Städtische Seniorenzentren (SZ)| Jahr | Projekte | Maßnahme | Betten |
|---|---|---|---|
| 1991 | SZ Franz Hillinger 1) | Pflegetrakt 1 | 28 |
| 1993 | SZ Franz Hillinger 1) | Pflegetrakt 2 | 28 |
| 1994 | SZ Kleinmünchen | Neubau | 131 |
| 1995 | SZ Franckviertel | Neubau | 128 |
| 1997 | SZ Spallerhof | Neubau | 256 |
| 1999 | Pflegeheim Glimpfingerstraße 2) | Generalsanierung | 160 |
| 1999 | SZ Dornach-Auhof | Neubau | 131 |
| 2000 | SZ Neue Heimat | Neubau | 128 |
| 2000 | Pflegestützpunkt Ebelsberg | Neubau | 30 |
| 2003 | SZ Keferfeld/Oed | Neubau | 90 |
| 2006 | SZ Spallerhof | Sanierung Haus 4 | 32 |
| 2008 | SZ Franz Hillinger 3) | Neubau | 132 |
| gesamt städtische | 1 218 |
Private Seniorenzentren
| Jahr | Projekte | Maßnahme | Betten |
|---|---|---|---|
| 1993 | Kursana Residenz | Neubau | 162 |
| 2002 | St. Anna | Neubau | 86 |
| 2003 | SZ Lenaupark-Sonnenhof 4) | Neubau | 130 |
| 2007 | SZ Sonnenhof am Freinberg (Vinzenzgemeinschaft Hl. Familie) 5) | Generalsanierung | 128 |
| 2008 | Pflegeheim Karl Borromäus (Caritas) 6) | Sanierung und Ausbau | 127 |
| gesamt private | 633 | ||
| gesamt errichtete | 1 851 |
1) Durch Neubau des SZ Franz Hillinger wieder weggefallen
2) Von 320 auf 160 Pflegebetten reduziert
3) Neubau brachte zusätzliche 76 Pflegebetten
4) Von der Stadt errichtet, dann der Vinzenzgemeinschaft als Teilersatz für den Sonnenhof zum Betrieb übergeben
5) Von 520 auf 128 Betten reduziert
6) Durch den Ausbau um 34 Betten mehr
Heute stehen 1 218 moderne Pflegeplätze in acht städtischen Einrichtungen, die von der SZL Seniorenzentren Linz GmbH betrieben werden, zur Verfügung.
In den sieben Pflegeeinrichtungen privater Anbieter sind weitere 858 Pflegeplätze vorhanden. In dieser Zahl sind auch die 225 privaten Betten enthalten, die schon 1990 bestanden: Und zwar 120 bei den Franziskusschwestern und 105 im Altenheim Rudigier.
Stationäre Einrichtungen in Linz| Projekte | Gesamtkapazität *) | Betten in Einbettzimmern *) | Summe BewohnerInnen |
|---|---|---|---|
| 8 städtische Seniorenzentren | 1 218 | 864 | 1 192 |
| 7 private Seniorenzentren | 858 | 758 | 825 |
| Summe Linz gesamt | 2 076 | 1 622 | 2 017 |
*inklusive Kurzzeitbetten
Es stehen jedoch nicht alle Betten in Linz für Pflegebedürftige zur Verfügung. So sind von den derzeit 2 076 Bruttobetten 38 nicht belegt: 19 davon im Kursana auf Dauer und 19 temporär wegen Nachbelegungen in anderen Heimen. Weitere 21 Betten sind an Kurzzeit-BewohnerInnen vergeben und 102 Betten an nicht pflegebedürftige BewohnerInnen – hauptsächlich in privaten Heimen.
Mit dem Ausbau der Pflegekapazitäten hat sich natürlich auch der Personalstand entsprechend verändert. So ist die Zahl der MitarbeiterInnen in den städtischen Seniorenzentren von 217 im Jahr 1990 auf 809 im Jahr 2009 angewachsen. Bei den privaten Pflegeheimen war die Personalentwicklung ähnlich.
Der Bedarfs- und Entwicklungsplan BEP 2006 des Landes Oberösterreich sieht mittelfristig 1 949 Norm-Pflegeplätze in der Landeshauptstadt vor.
Derzeit werden in den Linzer Senioreneinrichtungen 1 915 Pflegebedürftige betreut. Basierend auf einer Bevölkerungsprognose und unter Berücksichtigung einer steigenden Lebenserwartung sowie der damit später einsetzenden Pflegebedürftigkeit rechnet die Stadtforschung Linz für 2011/2012 mit maximal rund 2 080 stationär zu versorgenden Pflegebedürftigen. Ab 2012 bis etwa 2019 wird diese Zahl laut Stadtforschung auf 1 960 zurückgehen und danach wieder anwachsen.
Trotz intensiver Bemühungen, den Anteil der Pflegebedürftigen in den Seniorenzentren zu steigern, wird diese Quote bedingt durch die Kurzzeit-BewohnerInnen und die Leerstände durch Ausscheiden/Neubelegung immer deutlich unter 100 Prozent liegen. Die verfügbare Bettenkapazität muss somit größer sein als die Zahl der stationär zu versorgenden Pflegebedürftigen.
Zu den 1.915 Pflegebedürftigen, die stationär versorgt werden, kommen rund 140 pflegebedürftige Linzer/innen, die dringend für ein Linzer Heim vorgemerkt sind. Unter Berücksichtigung der derzeit üblichen Absagequote – manche SeniorInnen verzichten auf eine Zuteilung, solange nicht ein Platz im bevorzugten Seniorenzentrum frei ist – und der starken temporären Schwankung in der Länge der Vormerkliste ist mit rund 105 akut zu versorgenden KlientInnen zu rechnen. Diese werden zur Zeit, wenn notwendig, mobil versorgt.
Pro Jahr wird ca. ein Drittel der Heimplätze neu belegt, das sind pro Monat im Durchschnitt rund 60 Plätze. Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Pflegeplatz beträgt derzeit sechs bis sieben Wochen.
Je kürzer die Warteliste, desto eher sind temporäre Leerstände in diesen Heimen die Folge. Dies führt wiederum zur Aufnahme von nicht pflegebedürftigen Personen oder NichtlinzerInnen, die dann in Zeiten höherer Auslastung die Plätze für die Berechtigten blockieren würden. Aus diesem Grund ist eine Wartezeit von zwei bis vier Wochen sinnvoll. Dieses Ziel wird mit den Maßnahmen bis 2011 erreicht werden.
In den nächsten Jahren werden konkret folgende Maßnahmen durchgeführt:
In Pichling ist ein städtisches Seniorenzentrum mit 64 Betten in Bau. Es soll 2010 in Betrieb gehen.
Das Altenheim Rudigier (Kreuzschwestern) wird derzeit neu- beziehungsweise umgebaut. Nach Fertigstellung soll es 100 Normbetten aufweisen. Der erste Bauteil mit 60 Betten soll im November 2009, der zweite Bauteil mit 40 Betten im November 2011 fertig werden. Dieses Bauvorhaben wird die ursprüngliche Bettenzahl um fünf reduzieren.
Die Diakonie plant einen Neubau mit 47 Pflegebetten. Baubeginn ist voraussichtlich Frühjahr 2009, die Inbetriebnahme 2011.
Das Haus Muldenstraße 3a (Haus 2 Wohnheim Spallerhof) soll nach Auszug der BewohnerInnen des Heimes Rudigier geleert und abgerissen werden. Diese letzten städtischen Wohnheimplätze sind in der Planungsrechnung der Pflegeheimplätze nicht enthalten. An seiner Stelle sollen von der GWG betreubare Wohnungen gebaut werden.
Derzeit sind 15 nicht pflegebedürftige KlientInnen im Seniorenzentrum Franz Hillinger untergebracht. Da nur mehr Pflegebedürftige neu aufgenommen werden, wird die Zahl dieser KlientInnen um zehn Personen sinken.
Bis 2011 ist somit folgender Zuwachs an Pflegebetten geplant:
| Zeitpunkt | Einrichtung | Bettenänderung |
|---|---|---|
| 2010 | Altenheim Rudigier | -5 |
| 2010 | Pichling | +64 |
| 1. Quartal 2011 | Diakonie | +47 |
| 2011 | Hillingerheim | +10 |
| Gesamt bis 1. Quartal 2011 | +116 |
Durch den Zuwachs von 116 Pflegeplätzen ergibt sich daher für 2011 eine Gesamtkapazität von ca. 2 180 Betten. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen ist in diesen Jahren dann in Linz bei der stationären Pflege die Vollversorgung erreicht.
Da die Zahl der stationär zu versorgenden Pflegebedürftigen nach 2012 rückläufig ist, ist die Vollversorgung auch mittelfristig sicher gestellt.
Die Heimverordnung des Landes Oberösterreich verlangt einen Mindestanteil von 90 Prozent der Betten in Einbettzimmern. An den Standorten Spallerhof (in erster Linie im generalsanierten Altbau) und Kursana werden diese Vorgaben noch nicht erfüllt. Auf längere Sicht wird sich diese Situation aber nicht aufrechterhalten lassen, sodass mittelfristig ein Handlungsbedarf besteht.
Die Stadt Linz hat für den Altbau Spallerhof Haus 3, der derzeit 50 Dreibett-Zimmer aufweist, eine Ausnahmegenehmigung des Landes bis 2015. Der Altbau soll in ein Demenzzentrum (Geriatrie) umgewandelt werden, dabei sind genau diese Dreibett-Zimmer von Vorteil. Die Adaptierung wird die Kapazität um ca. 20 Betten reduzieren, da mehrere Dreibett-Zimmern zu gemeinsamen Wohnzimmern umfunktioniert werden sollen. Um die Genehmigung für dieses Demenzzentrum wird sich die Stadt beim Land OÖ. so bald wie möglich bemühen.
Auch im Haus Kursana wird es notwendig sein, Zweibettzimmer auf Einbett-Zimmer zu reduzieren. Im Haus 1 am Spallerhof (Neubau) muss die Zahl der Doppelzimmer ebenfalls verringert werden, insgesamt sind 32 Zimmer betroffen.
Zur generellen Verbesserung der Einbettzimmer-Situation plant die Stadt Linz zusätzlich die Errichtung eines neuen Seniorenzentrums an der Liebigstraße bis 2015. Die Franziskusschwestern planen eine bauliche Adaptierung ihres Heimes, um der OÖ. Heimverordnung zu entsprechen.
Im Hinblick auf den zu erwartenden Bedarfszuwachs ab 2020 soll voraussichtlich 2015 über den Bau eines weiteren Heimes entschieden werden.
Das Angebot an Heimplätzen wird damit strukturell noch deutlich verbessert und die Vollversorgung bis über 2020 hinaus gesichert.
Dabei handelt es sich um eine besonders attraktives Angebot zur Entlastung pflegender Angehöriger. Laut Land OÖ sind drei Prozent der Normbetten in den Senioren- und Pflegeheimen für Kurzzeitpflege vorzusehen.
Für Linz bedeutet dies laut BEP 2006 für
120 Pflegebetten sind aufgrund der Heimverordnung das Maximum an Normplätzen pro Senioreneinrichtung. Was darüber hinaus geht, wird üblicherweise als Kurzzeitbett deklariert. Demnach verfügt Linz mit Jänner 2009 über insgesamt 75 Kurzzeitbetten, wodurch die Vorgaben schon jetzt um 17 Betten übertroffen werden.
Im Zuge der Umsetzung des Sozialprogrammes wurde das Angebot an mobiler Betreuung sukzessive ausgebaut. Mit dem Ziel, dass ältere Menschen mit professioneller Betreuung und Unterstützung so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können.
1990 waren im damaligen Wohlfahrtsamt der Stadt Linz 23 Altenhelferinnen tätig. Um ein flächendeckendes Angebot für das gesamte Stadtgebiet zu schaffen, wurden in den folgenden Jahren immer mehr private Organisationen, wie Volkshilfe, Rotes Kreuz, Caritas, Diakonie, Arbeiter-Samariter-Bund, OÖ. Hilfswerk und Mobiler Hilfsdienst in die Versorgung eingebunden. Seit 2004 werden mobile Altenbetreuung und Heimhilfe ausschließlich von diesen Organisationen im Auftrag und Sinne der Stadt Linz durchgeführt.
Heute sind 149 MitarbeiterInnen (Vollzeitäquivalente) – koordiniert von den KOMPASS-Beratungsstellen des Amt für Soziales, Jugend und Familie – für die Unterstützung der Linzer SeniorInnen im Einsatz. Finanziert wird das Angebot von Stadt und Land OÖ zu jeweils 50 Prozent.
2008 wurden im Rahmen der mobilen Altenbetreuung und Heimhilfe rund 2 060 KlientInnen versorgt und in Summe zirka 161 600 Einsatzstunden geleistet.
Dazu kommen noch die pflegerischen Leistungen in drei städtischen Tageszentren im Ausmaß von 15 AltenfachbetreuerInnen, die zur Entlastung der mobilen Betreuung beitragen.
| Personaleinheiten | Altenfachbetreuung | Heimhilfe | Summe |
|---|---|---|---|
| Linzer Volkshilfe | 15,60 | 7,70 | 23,30 |
| Arbeiter-Samariter-Bund | 14,55 | 7,15 | 21,70 |
| Rotes Kreuz | 17,50 | 6,40 | 23,90 |
| Mobiler Hilfsdienst | 19,50 | 5,80 | 25,30 |
| Evangelische Diakonie | 9,60 | 2,40 | 12,00 |
| Caritas | 14,50 | 7,00 | 21,50 |
| OÖ. Hilfswerk | 14,50 | 6,90 | 21,40 |
| Summe Linz | 105,75 | 43,35 | 149,10 |
| Tageszentren | 15,00 | 15,00 | |
| Summe Gesamt | 164,10 |
Der BEP 2006 gibt für Linz im Jahr 2010 einen Richtwert von 171,7 Personaleinheiten für die mobile Betreuung vor. Mit Stichtag 31. Jänner 2009 sind in Linz 164,1 Personaleinheiten vorgesehen. 2010 sollen zehn weitere Personaleinheiten dazukommen, sodass dann insgesamt rund 174 Personaleinheiten für mobile Betreuung und Hilfe zur Verfügung stehen.
Wie bei den stationären Plätzen ist auch im mobilen Betreuungsbereich bis 2019 ein geringer Rückgang zu erwarten. Laut Prognose sinkt der Bruttobedarf um ca. vier Personaleinheiten um danach ab 2020 wieder anzusteigen.
Diese Wohnform soll es älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen, selbstständig in einer eigenen Wohnung zu leben. Sie bietet damit eine interessante Alternative zur klassischen Pflegeeinrichtung.
Mit Stand 31. Jänner 2009 gibt es in Linz 319 betreubare Wohnungen. Weitere 58 sind in Bau und 17 in Planung. Dieses insgesamt 394 Wohnungen hätten laut altem BEP, der 390 betreubare Wohnungen bis 2015 vorgesehen hat, ausgereicht. Allerdings haben sich die Vorgabe durch eine Neuauflage des BEP massiv verändert: Darin ist nämlich gefordert, dass für drei Prozent der Generation 70+ eine betreubare Wohnung zur Verfügung stehen soll.
Für Linz bedeutet das laut BEP 2006 für
Die Stadt Linz hat auf diese neuen Anforderungen prompt reagiert und ein Standort- und Realisierungskonzept für einen weiteren Ausbau erarbeitet. Bis 2015 könnten so insgesamt 694 betreubare Wohnungen verwirklicht werden.
Nach derzeitigem Stand kommen folgende Projekte in Frage:
Betreubare Wohnungen| Projekt | Wohnungen |
|---|---|
| Muldenstraße 3a | 50 |
| Grillparzerstraße | 30 |
| Preining-Grundstück | 20 |
| Frachtenbahnhof | 50 |
| Straßlandweg | 30 |
| Liebigstraße | 50 |
| Ellbognerstraße | 40 |
| Semmelweisstraße | 30 |
| gesamt | 300 |
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz „Pflegevorsorge für Linzer SeniorInnen“ von Bürgermeister Franz Dobusch und Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Ingrid Holzhammer)
Weitere GesprächspartnerInnen:
Dr. Max Sieger, Leiter Stadtforschung Linz
Mag.a Brigitta Schmidsberger, Leiterin Amt für Soziales, Jugend und Familie
Für Medienanfragen:
Peter Hirhager Tel.: +43 732 7070 1366
Tel: +43 732 7070 0
Fax: +43 732 7070 54 2110
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