Neue pädagogische Wege in der Stelzhamerschule und Rennerschule
Für die jeweils drei ersten Klassen der beiden städtischen Neuen Mittelschulen sind je 75 Schülerinnen aus dem gesamten Stadtgebiet eingeschrieben. Das Interesse war so groß, dass insgesamt rund 50 SchülerInnen abgewiesen werden mussten. Die für die Einreichung des Schulversuchs beim Landesschulrat erforderliche Zustimmung von zwei Drittel der LehrerInnen und Eltern der jeweiligen Schule wurden mit einer hundertprozentigen Zustimmung übererfüllt.
Das sehr positive Echo bestärkt Bildungsreferent Stadtrat Johann Mayr in seinem Engagement für das neue pädagogische Konzept: „Die Neue Mittelschule steht für Chancengleichheit unabhängig von der sozialen Herkunft. Der Wegfall der frühen Bildungsselektion ermöglicht den Kindern bessere Zukunftschancen. Es ist daher äußerst wichtig, die Partner- beziehungsweise Kooperationsschulen zur Mitarbeit zu bewegen, damit alle interessierten städtischen Hauptschulen auch tatsächlich die „Neue Mittelschule“ einführen und somit der großen Nachfrage der Eltern und SchülerInnen entsprechen können“, so Bildungsreferent Stadtrat Johann Mayr.
Die Einführung der Neuen Mittelschule ist ein wesentliches bildungspolitisches Anliegen der Stadt Linz. Am 13. März 2008 beschloss der Linzer Gemeinderat mehrheitlich die Unterstützung von städtischen Hauptschulen, die sich zur Optimierung ihres pädagogischen Konzeptes im Sinne der Neuen Mittelschule entschließen. Konkret geht es dabei um die Unterstützung in organisatorischen und administrativen Belangen, um notwendige räumliche Adaptierungen bzw. Ausstattungserfordernisse sowie um wissenschaftliche Begleitung und Evaluation.
Die Stadt unterstützt die Einführung der Neuen Mittelschule, um allen Kindern das Recht auf Chancengleichheit zu ermöglichen. Gerade in der Schule werden die Lebenschancen stark geprägt und der zukünftige Weg der Kinder beeinflusst.
Ab dem Schuljahr 2010/2011 sollen weitere städtische Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen werden. So arbeiten derzeit die HS 15 (Jahnschule), die HS 12 (Harbachschule), die HS 18 (Dr.-Karl-Renner-Schule) und die HS 26 (Ferdinand-Hüttner-Schüle) an den Vorbereitungen zur Neuen Mittelschule. Das derzeit große Problem der interessierten Hauptschulen ist das Fehlen an Partnerschulen. So finden sich derzeit keine Gymnasien, die beim Schulversuch Neue Mittelschule mitarbeiten wollen.
„Sollte eine weitere Umsetzung des Projekts „Neue Mittelschule“ an der mangelnden Kooperationsbereitschaft von Gymnasien scheitern, wünsche ich mir von der Bundespolitik eine Änderung der Schulgesetze. Es sollte genügen, wenn sich interessierte GymnasiallehrerInnen melden, um am Projekt „Neue Mittelschule“ mitzuarbeiten. Es kann nicht sein, dass Nichtbeteiligte durch ein Veto diese Entwicklung aufhalten können. Jeder kann sich persönlich dagegen entscheiden, anderen seinen Willen aufzuzwingen, muss aber genau so verhindert werden“, fordert Stadtrat Mayr vom Bundesgesetzgeber mehr Flexibilität.
Die Anträge über die Einführung zur Neuen Mittelschule müssten bis zum September beim Landesschulrat eingebracht werden. Dieser leitet die Anträge an das Bildungsministerium weiter. Über die Genehmigung entscheidet eine ministerielle Kommission.
Es gibt keine Leistungsgruppen, sondern eine dem jeweils aktuellen Förderungsbedarf entsprechende Differenzierung in Kleingruppen. Großer Wert wird auf die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und des Selbstvertrauens der SchülerInnen gelegt. Die LehrerInnen verstehen sich als Coaches, die ihr „Team“ zum Erfolg führen wollen und dabei individuell auf Stärken und Schwächen eingehen. Neben den Informationphasen mit Frontalunterricht bieten Wochenplanarbeiten, Freiarbeiten und Projektarbeiten Gelegenheit zur selbstständigen Umsetzung des Erlernten. Zu den Unterrichtszielen zählt auch die Förderung des kooperativen Lernens, bei dem jeder/jede SchülerIn die persönlichen Stärken einsetzen kann.
Ein wichtiges Angebot der beiden Neuen Mittelschulen ist die Persönlichkeitsbildung mit Themen wie Soziales Lernen, Mädchenförderung, Sucht- und Gewaltprävention und Mediation.
Wer am Ende der vierten Klasse in allen Unterrichtsgegenständen den Anforderungen nach dem AHS-Lehrplan mit einer positiven Leistungsbeurteilung entspricht, erhält ein Abschlusszeugnis, das zum Besuch der Oberstufe eines Realgymnasiums oder einer berufsbildenden höheren Schule berechtigt. Der positive Abschluss des Wahlpflichtgegenstandes „Zweite Fremdsprache“ (in der Neuen Mittelschule Rennerschule geplant) ermöglicht auch den Besuch einer gymnasialen Oberstufe.
Werden die Anforderungen des AHS-Lehrplanes nicht in allen Unterrichtsgegenständen erfüllt, wird im Abschlusszeugnis „Entspricht dem Lehrplan wie in einer Hauptschule“ vermerkt. Bei einer Beurteilung mit „Sehr gut“ oder „Gut“ in den Hauptgegenständen können diese SchülerInnen weiterführende Schulen besuchen.
Als Partnerschule wird mit der HTL Linz LiTec,Paul-Hahn-Straße, zusammengearbeitet. Die Hauptschul- und HTL-Lehrkräfte werden vor allem in den Hauptgegenständen gemeinsam unterrichten.
Die SchülerInnen werden im Klassenverband im Teamteaching und in vorübergehenden Kleingruppen differenziert unterrichtet. Jede Klasse hat in den Hauptgegenständen zusätzliche LehrerInnen, um eine Gruppenteilung zu ermöglichen.
Nachhaltiges Lernen braucht Konzepte, die eigenverantwortliches Lernen ermöglichen: Wochenplanarbeit, Freiarbeit, Projektarbeit, fachübergreifendes Lernen.
Der zielführende Einsatz dieser Lernmethoden ist durch speziell ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer gewährleistet.
Aber auch Phasen der Information durch handlungsorientierten Frontalunterricht haben Bedeutung.
Individuelle Förderpläne sollen eine optimale Begleitung der Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Sie gehen von den individuellen Stärken der SchülerInnen aus. Individualisierung soll als schöpferische Quelle genutzt werden. So sollen lebensrelevante Kompetenzen aufgebaut werden.
Die Neue Mittelschule Rennerschule hat die Handelsakademie und Handelsschule Rudigierstraße als pädagogischen Partner. Lehrkräfte der HAK werden zwei Stunden pro Wochen den Deutsch- Englisch- und Mathematikunterricht mitgestalten. Auch die Kompetenz der Schule für kaufmännische Fächer und Informationstechnologie wird genutzt.
Drei Schwerpunktbereiche ab der dritten Klasse:
Bereits vor acht Jahren hat die HS 17 begonnen, ein neues pädagogisches Leitbild zu erstellen. LehrerInnen unterrichten seither im Team und bereiten den Unterricht im Team vor. An der Schule wurden Arbeitsbücher erstellt, die fächerübergreifenden Unterricht ermöglichen. Die SchülerInnen durchlaufen innerhalb von vier Jahren acht Module, in denen sie eigenverantwortliche Arbeitsformen lernen. Der Unterricht wurde so umgestellt, dass die SchülerInnen ihre Arbeitspläne nach Möglichkeit nach eigenem Ermessen erledigen. Damit haben die Lehrkräfte beste Erfahrungen gemacht.
In der Rennerschule gibt es seither weniger SchülerInnen, die Klassen wiederholen müssen und auch das Schulklima hat sich maßgeblich verbessert. „Wenn man den Kindern Selbstverantwortung zutraut, dann nehmen sie diese viel besser wahr als den Notendruck. Darauf reagierten Kinder oft mit Trotz und Verweigerung. Verantwortung übertragen wirkt hingegen motivierend“, meint der Schulleiter Günther Schüttengruber.
In einer erfolgreichen Schule lernen aber nicht nur die SchülerInnen, sondern die ganze Organisation. So hat sich die künftige Neue Mittelschule Rennerschule schon vor einigen Jahren mit neun anderen österreichischen Schulen zusammengeschlossen, um Erfahrungen auszutauschen und diese zu veröffentlichen. Dadurch konnten die Anforderungen der Neuen Mittelschule schon weitgehend erprobt und organisatorisch schon sehr viele Erfahrungen gesammelt werden.
Derzeit laufen an der Schule gleichzeitig einige Schulprojekte, die weitgehend in die Neue Mittelschule übergeführt werden sollen. Darunter die beiden Sozialprojekte „Startklar“ und „Fit4Life“. Ein Kulturprojekt wird von KünstlerInnen des U-Hof Ensembles unterstützt. Am Wirtschaftsprojekt „Übungsfirma“ ist die künftige Neue Mittelschule Rennerschule über die HAK Linz beteiligt.
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bildungsreferent Stadtrat Johann Mayr, der Leiterin der HS 3 Mag.a Christine Gattinger und des Leiters der HS 17 Dipl.-Päd. Günther Schüttengruber über den Start der Neuen Mittelschule in den städtischen Hauptschulen Stelzhamerschule und Rennerschule)
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