Studie skizziert drei Nutzungsszenarien
Die Linzer Tabakfabrik wird Ende 2009 geschlossen. Ihr 1930 bis 1935 nach Plänen des Deutschen Architekten Prof. Dr. Peter Behrens und seines österreichischen Kollegen Prof. Dr. Alexander Popp errichtetes Hauptgebäude ist eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Österreichs. Die Lage der Fabrik ist ideal. Sie würde die „Meile“ an der Donau mit dem Kunstmuseum Lentos, dem Brucknerhaus und dem Parkbad im Osten komplettieren. In Relation zur Einwohnerzahl von Linz würde eine Umnutzung eine deutlich größere Fläche umfassen als vergleichbare Projekte in anderen Ländern. In der Studie wird betont, dass es mangels Nachfrage nicht genügt, Raumangebote zu schaffen, sondern dass ein zusätzlicher Nutzen entstehen muss. Die Entwicklung des kulturell-kreativen Sektors ist auf strategische Schwerpunkthemen zu konzentrieren. Die Tabakfabrik bietet genug Platz für die Entwicklung dieser Schwerpunktthemen
Im Szenario „Kreativstadt“ wird Linz zur Web-City, in der alle BürgerInnen Zugang zum Internet haben oder sich aneignen können. Kunst und Kreativwirtschaft werden unter dem Gesichtspunkt der im Web benutzten Verbindung von Sprache, Bild und Ton strategisch entwickelt. Auch das zur Industriestadt passende Thema Industrial Design wird ausgebaut. Ein Büro für Kunstsupport könnte kurz- und mittelfristige kulturelle Trends aufgreifen und durch Vermittlung von Räumlichkeiten, Projektförderung und Öffentlichkeitsabeitern unterstützen.
In der Tabakfabrik könnte nach diesem Szenario die hybride bildende Kunst gezielt entwickelt werden. Diese Kunstform verknüpft die klassischen bildnerischen Ausdrucksmöglichkeiten mit neuen digitalen Medien. Dazu würden unter anderem Atelierwohnungen sowie Werkstätten und Labors für die künstlerische Verarbeitung von Werkstoffen wie Metall, Glas, Kunststoffen und Holz und die Arbeit mit digitalen Verfahren benötigt.
Für die Vermarktung der in der Tabakfabrik tätigen KünstlerInnen könnte eine international tätige Galerie sorgen. Die im Gebäude anzusiedelnden Unternehmen aus der Kreativwirtschaft sollten sich vor allem mit Web-Business und Web-Kommunikation beschäftigen.
Im Zusammenhang mit Linz als Stadt des Industrial Design bietet die Tabakfabrik nicht nur Designateliers Platz, sondern auch kleinen Gewerbebetrieben. Diese Firmen könnten in Zusammenarbeit mit den Designateliers Einzelstücke und Kleinserien produzieren.
Weiters sind im Szenario „Kreativstadt“ Arbeits- und Wohnmöglichkeiten für die Betreiber von Einpersonenunternehmen vorgesehen. Auch ein Kulturzentrum ist Teil des Konzepts. Das Zentrum könnte Aufführungsmöglichkeiten für zeitgenössischen Tanz, einen multifunktionalen Aufführungsort für Tanz, elektronische Musik und freies Theater sowie ein Atelier für Großinstallationen bieten.
Ergänzt wird das Szenario durch einige Wohnungen und Büros, Gastronomiebetriebe sowie Einrichtungen, die körperliche und mentale Entspannung und technikorientierte Freizeitaktivitäten bieten könnten.
Im Szenario „Exzellenz“ haben die hybride bildende Kunst und das Industrial Design ebenso ihren Platz wie neue Bildungsangebot. Vorgeschlagen wird, die nicht denkmalgeschützten Gebäude (Zwischenmagazine und neuer Trakt an der Gruberstraße) durch einen Neubau von hoher architektonischer Qualität zu ersetzen. Das Gebäude könnte für eine neue Universität genutzt werde. Als weiteres neues Bildungsangebot enthält das Szenario eine postgraduale Bildungseinrichtung, etwa für die Managementfortbildung. Auch eine Kultureinrichtung von zumindest nationaler Bedeutung wird angeregt.
Wie im Szenario „Kreativstadt“ sind Entfaltungsmöglichkeiten für die SchöpferInnen von Industrial Design und für Einpersonenunternehmen im Konzept enthalten. Wohnungen und Büros, ein Hotel und Gastronomiebetriebe könnten den Nutzungsvorschlag ergänzen.
Das Szenario „Jugend, Toleranz und Material“ greift drei Themenfelder mit besonderer Bedeutung für die Stadt Linz auf. Material steht für den Produktionsstandort, Toleranz für die Vielfalt der Lebensentwürfe und Jugend für die Orientierung an den Erwartungen kommender Generationen.
Das Thema „Material“ könnte vor allem durch die Ansiedlung von produzierenden Kreativwirtschaftsunternehmen einschließlich Kunsthandwerk und von geschützten Werkstätten repräsentiert werden. Auch Designateliers und KünsterInnenwerkstätten könnten angesiedelt werden.
Breiten Raum nehmen Bildungs- und Kulturangebote für die Jugend ein. Dazu zählen spezielle Schultypen mit Kreativ- und Sprachenschwerpunkt ebenso wie ein Kindertheater und eine Kinder-Erlebniswelt „Kreativität und Material“.
Bei den im Szenario vorgesehenen Wohn-, Gastronomie- und Kulturnutzung könnte der interkulturelle Charakter betont werden.
(Informationsunterlage für die Pressekonferenz von Bürgermeister Franz Dobusch, Finanzreferent Stadtrat Johann Mayr und Studienautor Univ.-Prof. Dr. Robert Bauer über eine Vorstudie zur kulturellen Nutzung des Areals der Austria Tabak Werke)
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