Fünf weitere Hauptschulen sollen auch „Neue Mittelschule“ werden
Damit die Einbeziehung dieser fünf Linzer Hauptschulen in den Schulversuch „Neue Mittelschule“ nach § 7a Schulorganisationsgesetz nicht an der Finanzierung scheitert, schlagen Bildungsreferentin Mag.a Eva Schobesberger und Finanzreferent Johann Mayr konkret vor, die Finanzierung von je sechs AHS-geprüften LehrerInnenstunden pro Klasse für die abgelehnten fünf Hauptschulen zu sichern, um die pädagogischen Konzepte, wie sie in den Anträgen formuliert wurden, umsetzen zu können.
Die Finanzierung soll konkret so sichergestellt werden:
In den fünf Linzer Hauptschulen geht es voraussichtlich um zwölf erste Klassen oder 72 LehrerInnenwochenstunden. Jeder Partner müsste daher die Finanzierung von 24 LehrerInnenwochenstunden sicherstellen.
„Die Lehrkräfte und DirektorInnen haben im vergangenen Jahr viel Zeit und Energie in die Ausarbeitung neuer Unterrichtskonzepte und Unterrichtsfor-men investiert. Um den Schulen und damit vor allem den SchülerInnen neue Unterrichtsformen zu ermöglichen und so mehr Chancengleichheit zu fördern, präsentieren Bildungsreferentin Mag.a Eva Schobesberger und Finanzreferent Johann Mayr diesen Lösungsvorschlag. Dieser sieht eine gemeinsame Drittelfinanzierung von Stadt, Land und Bund zur Umsetzung von den seitens der Schulen für die „Neue Mittelschule“ im Sinne des § 7a Schulor-ganisationsgesetz beantragten neuen Unterrichtskonzepten einschließlich der AHS-geprüften LehrerInnen vor.
Mit diesem Lösungsvorschlag will die Stadt Linz die eindeutige Benachteili-gung der Landeshauptstadt bei der vorangegangenen Genehmigung der Schulversuche „Neue Mittelschule“ in Wien wettmachen. Dabei wurden unter Mitarbeit des Landesschulrates für Oberösterreich nur zwei Linzer Hauptschulen der Schulversuch genehmigt. Das bedeutet, dass im nächsten Schuljahr nur fünf Hauptschulen von 19 im Linzer Stadtgebiet den Schulversuch „Neue Mittelschule“ anbieten dürfen.
Im Gegensatz dazu dürfen in Gallneukirchen künftig beide Hauptschulen und in Wels fünf von sieben Hauptschulen den Schulversuch „Neue Mittelschule“ beginnen.
„Somit kann allen Schulen, die im vergangenen Jahr viel Arbeit in den Entwurf eines neuen Unterrichtskonzeptes für ihre Schule investiert haben, im Hinblick auf Qualitätsverbesserungen und mehr Chancen für die Kinder die Möglichkeit auf Umsetzung gegeben werden. Es geht hier um die Zukunft und die Chancengerechtigkeit für unsere Kinder unabhängig von der sozialen Herkunft“, fordern die beiden StadtpolitikerInnen Bund und Land zur Zusammenarbeit auf.
Im Schulorganisationsgesetz (SchOG § 7 Abs. 7) ist festgeschrieben, dass nur bei maximal zehn Prozent aller Klassen an öffentlichen Pflichtschulen im jeweiligen Bundesland Modellversuche umgesetzt werden können. Die Bundesministerin kann darüber hinaus „Neue Mittelschulen“ genehmigen, solange im gesamten Bundesgebiet die zehn Prozent nicht überschritten werden. Diese Hürde ist auch der Grund für die Abweisung der fünf Hauptschulen, die sich neben der Harbachschule und Hüttnerschule für das neue Schulmodell beworben haben.
Diese sinnwidrige Gesetzesklausel soll nach Meinung der beiden Linzer StadtpolitikerInnen aufgehoben werden. „Es kommt zu nicht nachvollziehbaren Entscheidungen und das führt zu mangelnder Transparenz im derzeitigen Schulsystem. Das Engagement der LehrerInnen und DirektorInnen, das Bedürfnis der SchülerInnen und das Interesse der Eltern werden nicht berücksichtigt“, lautet ihre Kritik.
Während in Gallneukirchen beide Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen und in Wels fünf von sieben künftig Neuen Mittelschulen sein werden, wurde Linz stark benachteiligt. Nur fünf von 19 Hauptschulen werden künftig „Neue Mittelschulen“ sein. Die Bedarfe in den Bezirken Freistadt und Braunau wurden völlig ignoriert.
Im Fall Gallneukirchen wird argumentiert, dass man an einem Standort alle Hauptschulen zu „Neuen Mittelschulen“ machen müsse. In Linz gilt diese Argumentation wieder nicht. Hier spielt dieser Argumentationspunkt auf einmal keine Rolle. Es drängt sich der Verdacht auf, dass in Linz die Gymnasien geschützt werden. Tatsächlich argumentiert hier der Landesschulrat mit der Dichte der Gymnasien.
Dieses Argument zählt aber für Wels wieder nicht. Auch dort ist die Gymnasiumsdichte höher als in den Bezirken Freistadt und Braunau. Beide bekamen aber keine „Neue Mittelschule“.
Bildungsreferentin Mag.a Eva Schobesberger und Finanzreferent Johann Mayr fordern daher von den Verantwortlichen beim Landesschulrat eine Klarstellung und eine Offenlegung der Empfehlungen inklusive der Begründungen an das Unterrichtsministerium.
Dass es zu Empfehlungen und Einbindungen des Landesschulrates für OÖ gekommen ist, stellt ein Beamter des Unterrichtsministeriums eindeutig klar: „Selbstverständlich sind die Empfehlungen der oberösterreichischen Koordinatorin in unsere Entscheidung eingeflossen.“
Die Einführung der „Neuen Mittelschule“ ist ein wesentliches bildungspolitisches Anliegen der Stadt Linz. Am 13. März 2008 beschloss der Linzer Gemeinderat mehrheitlich die Unterstützung von städtischen Hauptschulen, die sich zur Optimierung ihres pädagogischen Konzeptes im Sinne der „Neuen Mittelschule“ entschließen. Konkret geht es dabei um die Unterstützung in organisatorischen und administrativen Belangen, um notwendige räumliche Adaptierungen beziehungsweise Ausstattungserfordernisse sowie um wissenschaftliche Begleitung und Evaluation.
Die Stadt unterstützt die Einführung der „Neuen Mittelschule“, um allen Kindern das Recht auf Chancengleichheit zu ermöglichen. Gerade in der Schule werden die Lebenschancen stark geprägt und der zukünftige Weg der Kinder beeinflusst.
Ziel der „Neuen Mittelschule“ ist, die verschiedensten Fähigkeiten und Talente jedes Schülers und jeder Schülerin individuell zu fördern. Das pädagogische Konzept sieht offene Unterrichtsformen für forschendes und selbsttätiges Lernen, das Zuziehen externer ExpertInnen für praxisorientierte Projekte und Ganztagsangebote für die schulische Förderung am Nachmittag vor.
Bei der „Neuen Mittelschule“ gibt es keine Leistungsgruppen, sondern eine dem jeweils aktuellen Förderungsbedarf entsprechende Differenzierung in Kleingruppen. Großer Wert wird auf die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und des Selbstvertrauens der SchülerInnen gelegt. Die LehrerInnen verstehen sich als Coaches, die ihr „Team“ zum Erfolg führen wollen und dabei individuell auf Stärken und Schwächen eingehen. Neben den Informationsphasen mit Frontalunterricht bieten Wochenplanarbeiten, Freiarbeiten und Projektarbeiten Gelegenheit zur selbstständigen Umsetzung des Erlernten. Zu den Unterrichtszielen zählt auch die Förderung des kooperativen Lernens, bei dem jeder/jede SchülerIn die persönlichen Stärken einsetzen kann.
Ein wichtiges Angebot der „Neuen Mittelschulen“ ist die Persönlichkeitsbildung mit Themen wie Soziales Lernen, Mädchenförderung, Sucht- und Gewaltprävention und Mediation.
Wie die bisherigen Erfahrungen zeigen, werden die bereits bestehenden „Neuen Mittelschulen“ von SchülerInnen und Eltern überaus positiv bewertet. Mit der vorgeschlagenen Drittelfinanzierung soll nun noch mehr Linzer Kindern die Chance auf bestmögliche Bildung eröffnet werden.
(Informationsunterlage für Bildungsreferentin Mag.a Eva Schobesberger und Finanzreferent Johann Mayr zur Presskonferenz „Lösungsvorschlag zur Finanzierung weiterer Neuer Mittelschulen in Linz“)
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