Faschismus insbesondere der Nationalsozialismus war mit einer rückwärtsgewandten pseudoreligiösen Bewegung, mit abstruser Rassenlehre und weltanschaulichen Mystizismen ein Rückfall in vormoderne Verhältnisse. Faschismus erscheint in dieser Perspektive geradezu als Gegenpol zu Aufklärung und Vernunft. Andererseits beinhaltete diese radikale Ausformung des Rechtsextremismus auch Elemente eines Fortschritts- und Technikfanatismus, der besonders für die Jugend eine gewisse Faszination ausübte. Auch der Körperkult, die Ideen der Eugenik, die Beeinflussung durch Propaganda und bestimmte Formen der Machtausübung sind Tendenzen, die einen Bruch mit der Vergangenheit darstellen. Selbst der bürokratisch-industriell organisierte Massenraubmord an Juden, aber auch die Technik der Vernichtung von Sinti und Roma, Behinderten, Polen und Kriegsgefangenen verweist - trotz seiner barbarischen Umstände - methodisch eher auf die Moderne.
Wird Aufklärung und Moderne als liberales, individualistisches und pluralistisch-demokratisches Gesellschaftsmodell verstanden, so ist Faschismus fraglos eine reaktionäre Bewegung. Sieht man in der Moderne vor allem eine Entwicklung zur Technik und Effizienz und den Anspruch der sozialen Gestaltbarkeit, dann ergeben sich Anknüpfungspunkte, die jedoch eklektisch nicht für sich genommen werden können, da faschistische Gefälligkeitsdiktatur und terroristische Herrschaft ein Amalgam bilden.
Die Termine der VHS-Vortragsreihe sind:
1. März 2010
Nationalsozialismus und Modernisierung
Univ.Prof. Dr. Rudolf G. Ardelt
8. März 2010
Auf dem Weg in den Ständestaat
Vormoderne Gesellschaftsmodelle in Österreich zwischen 1918 und 1934
Dr. Brigitte Kepplinger
15. März 2010
Der Körper im Nationalsozialismus
Zwischen modernen und antimodernen Vorstellungen des Menschen
Dr. Paula Diehl, Berlin
22. März 2010
Ambivalente Modernisierung
NS-Agrarsystem und ländliche Lebenswelten 1938-1945
Dr. Ernst Langthaler, St. Pölten
12. April 2010
Nationalsozialistische Konzepte der Stadtentwicklung
Dr. Walter Schuster
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