Auch wenn die negativen Auswirkungen der Rezession des Vorjahres noch nicht überwunden sind, zeigen die Beschäftigten- und Arbeitsmarktdaten für Linz mit Stichtag 31. Juli wieder einen deutlichen Aufschwung:
„Der Arbeits- und Wirtschaftsstandort Linz zeigt gerade in den letzten Monaten wieder eine sehr erfreuliche Entwicklung. Die Arbeitsplatzzahlen und offenen Stellen steigen, die Arbeitslosenzahlen gehen zurück. Der Trend ist positiv, die Herausforderung der Vollbeschäftigung ist aber noch groß. Vor allem im Jugendbereich wäre eine verstärkte Zusammenarbeit der Stadt mit dem AMS wichtig“, so Wirtschaftsstadträtin Susanne Wegscheider.
Die Statistik der OÖ. Gebietskrankenkasse weist per Ende Juli für Linz 180 271 unselbstständig Beschäftigte aus. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Plus von 2 268 Arbeitsplätzen (plus 1,3 Prozent). Nach dem „Vollbeschäftigungsjahr“ 2008 mit dem Rekordwert von 181 841 Beschäftigten, hat Linz im Juli 2010 bereits wieder den zweithöchsten Beschäftigtenstand. Selbst gegenüber der guten Beschäftigungslage des Jahres 2007 hat Linz um über 2 000 Beschäftigte mehr.
Inklusive ca. 25 000 BeamtInnen und Selbstständige hat Linz im Juli 2010 rund 205 000 Arbeitsplätze bei knapp 190 000 EinwohnerInnen. Damit ist Linz die einzige größere Stadt Österreichs, die mehr Arbeitsplätze als Einwohner hat.
Die enorme Arbeitsplatzdichte von Linz zeigt sich auch in außergewöhnlich hohen Kommunalsteuereinnahmen (3 Prozent der Lohnsumme) der Stadt. Die Kommunalsteuereinnahmen (im Vorjahr 117 Millionen Euro) belegen die Ausnahmestellung von Linz als Wirtschaftsstadt im Städtevergleich. Die Kommunalsteuereinnahmen pro EinwohnerIn liegen um mehr als 50 Prozent über den Werten der anderen größeren Städte (Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und St. Pölten) und machen Linz zur steuerreichsten Stadt Österreichs.
„Einen wesentlichen Anteil am Erfolg des Wirtschaftsstandortes Linz hat die ständig steigende Frauenbeschäftigung“, so Stadträtin Wegscheider. Mit 86 942 unselbstständig beschäftigten Frauen erreichte die Frauenbeschäftigung Ende Juli einen neuen Rekordwert und liegt um knapp 1 000 Arbeitsplätze (+1,2 Prozent) über dem „Vollbeschäftigungsjahr“ 2008. In den letzten zehn Jahren entstanden fast 10 000 zusätzliche Arbeitsplätze für Frauen.
Bei den Männern gibt es aktuell 93 329 Arbeitsplätze. Das ist im Vergleich zum Vorjahr zwar ein kräftiges Wachstum um 1 412 Arbeitsplätze (+1,5 Prozent), gegenüber dem Rekordwert des Jahres 2008 bedeutet dies aber dennoch noch immer ein Minus von 2 566 Arbeitsplätzen (-2,7 Prozent).
Die Statistik der OÖ. GKK ermöglicht auch einen gewissen Einblick der Veränderungen bei den unselbstständig Beschäftigten nach Wirtschaftsklassen und Wirtschaftsgruppen. Durch eine Umstellung der Wirtschaftsklassifikation ist nur ein Vergleich von Juli 2010 mit Juli 2009 möglich.
Der mit Abstand größte Zuwachs betrifft den Leasingbereich mit einem Plus von 1 927 Beschäftigten. Da die Leasingarbeitskräfte in die Wirtschaftsgruppe „Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ fallen, erschwert dies die klare Zuordnung von tatsächlichen Arbeitsplatzverlusten und –gewinnen in den anderen Branchen, in den Leasingsarbeitkräfte tatsächlich beschäftigt sind.
So weist der Produktionsbereich „Herstellung von Waren“ zwar einen Rückgang von 614 Beschäftigten (-2,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahr aus, doch sind gerade in diesem Bereich viele Leasingarbeitskräfte tätig.
Einen Rückgang verzeichnen ebenfalls noch die Wirtschaftsgruppen „Lagerei und Verkehr“, „Beherbergung und Gastronomie“ und der Bereich „Finanz- und Versicherungsdienstleistungen“. Ebenfalls leicht im Minus (-0,9 Prozent) ist der Bereich „Handel“.
Einen deutlichen Zuwachs von 318 Arbeitsplätzen (+3,3 Prozent) gibt es im Bereich „Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Einen Zuwachs verzeichnet noch der „Bau“ (plus 181 Beschäftigte bzw. 1,6 Prozent) und der Bereich „Grundstücks- und Wohnungswesen“ (plus 95 Beschäftigte bzw. plus 3,0 Prozent).
Zu einem beträchtlichen Teil ist das Arbeitsplatzwachstum der Landeshauptstadt Linz auch auf die Bereiche „Gesundheits- und Sozialwesen“ (plus 709 Beschäftigte), „Erziehung und Unterricht“ (plus 207 Beschäftigte) und „Öffentliche Verwaltung“ (plus 119 Beschäftigte) zurückzuführen.
Das Beschäftigungsplus von insgesamt 2 268 Arbeitsplätzen entspricht einem Wachstum von 1,3 Prozent. Linz liegt damit ungefähr im Mittelfeld der oberösterreichischen Bezirke. Einerseits war Linz als Industrieregion besonders vom Wirtschaftseinbruch betroffen, auf der anderen Seite profitierte Linz von der Kulturhauptstadt und als Landeshauptstadt auch von der Funktion als Gesundheits- und Verwaltungszentrum.
Mit einer Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent (Frauen 4,0 Prozent; Männer 3,9 Prozent) und einer Stellenandrangsziffer von nur 2,7 Arbeitslosen pro offene Stelle weist der Arbeitsmarktbezirk Linz (Linz-Stadt und Urfahr-Umgebung) im Städtevergleich die besten Werte auf.
Im Arbeitsmarktbezirk Linz (inkl. Urfahr-Umgebung) stehen 4 551 Arbeitslose (davon 2 174 Frauen und 2 377 Männer) 1 700 offenen Stellen gegenüber. Die Stellenandrangsziffer beträgt damit nur 2,7 Arbeitslose pro offene Stelle. In Linz ist es für Arbeitslose damit viel leichter wieder einen Arbeitsplatz zu finden als anderen Städten. So kommen in Wien im Schnitt 9,6 Arbeitslose auf eine offene Stelle; im österreichischen Durchschnitt kommen 6 Suchende auf eine offene Stelle.
Im Juli gab es im AMS-Bezirk Linz am Bau bei 141 Arbeitslosen und 189 offenen Stellen eine Stellenandrangsziffer von nur 0,7. Ebenfalls mehr offene Stellen als Bewerber gab es in den Bereichen „Metall- und Elektroberufen“ und im Bereich „Holz“.
Eine überdurchschnittlich gute Ausgangslage gab es auch für 291 Stellensuchende im Bereich „Technik“ bei 212 offenen Stellen (Stellenandrangsziffer 1,4). Im Fremdenverkehr standen 166 offenen Stellen 316 Stellensuchenden (Stellenandrangsziffer 1,9) gegenüber.
Genau im Linzer Durchschnitt lag der Bereich Handel mit einer Stellenandrangsziffer von 2,7 bei 195 offenen Stellen.
Ungünstigere Aussichten einen Job zu finden gab es im Bereich der Büroberufe (Stellenandrang 5,5) und im Bereich Reinigung (Stellenandrang 6,6). Besonders schwer haben es 982 Arbeitslose im Bereich „Hilfsberufe“ mit 20 Bewerbern pro offene Stelle.
Auch wenn der Arbeitsmarktbezirk Linz im Österreich-Vergleich hervorragend dasteht, müssen auch die deutlichen Verschlechterungen und Probleme des Linzer Arbeitsmarktes dargestellt werden.
Ende Juli 2010 waren in Linz-Stadt 3 822 Personen (1 769 Frauen und 2 053 Männer) arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote beträgt für Linz-Stadt (ohne Urfahr-Umgebung) 4,6 Prozent und liegt damit über dem Oberösterreich-Wert von 3,9 Prozent.
Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen in Linz Stadt um 0,9 Prozent (Frauen +9,9 Prozent; Männer –9,9 Prozent) zurückgegangen. In Oberösterreich betrug der Rückgang der Arbeitslosigkeit 10,5 Prozent.
1 482 offene Stellen in Linz-Stadt bedeuten gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 22,5 Prozent. Die Stellenandrangsziffer beträgt in Linz-Stadt 2,6 (OÖ: 3,2).
Die massive Ausweitung der aktiven Arbeitsmarktpolitik (Schulungen) ist für die Arbeitslosen angesichts des Einbruchs am Arbeitsmarkt wichtig und positiv zu bewerten.
Ende Juli kommen in Linz-Stadt zu den 3 822 Arbeitslosen noch 2 202 Schulungsteilnehmer hinzu. Damit gibt es in Linz 6 024 Personen, die wieder einen neuen Arbeitsplatz brauchen. Knapp 2 000 Personen mehr als im bisher besten Jahr 2008. Erst mit der Einrechnung der Schulungsteilnehmer wird die enorme Steigerung der Jobsuchenden ersichtlich, die durch die Krise des Vorjahres verursacht wurde und welche Herausforderung dies für den Arbeitsmarkt bedeutet.
Im Februar dieses Jahres waren in Linz Stadt 8 302 Personen beim Arbeitsmarktservice gemeldet, davon 5 802 Arbeitslose und 2 500 Schulungsteilnehmer. (Die Zahl der Schulungsteilnehmer erreichte im April mit 2 716 Personen den Höchststand.)
Die Zahl der Jobsuchenden (inklusive SchulungsteilnehmerInnen) ist von Februar bis Juli in Linz-Stadt um 2 278 Personen zurückgegangen (Arbeitslose minus 1 980; Schulungsteilnehmer minus 298). Damit ist der saisonale Rückgang nach der hohen Winterarbeitslosigkeit heuer besonders deutlich ausgefallen und unterstreicht die positive Entwicklung, die der Wirtschaftsstandort Linz in den letzen Monaten aufzeigt.
Angesichts der noch immer sehr hohen Zahl von Linzerinnen und Linzern, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, spricht sich Wirtschaftsstadträtin Susanne Wegscheider für ein verstärktes Engagement der Stadt Linz bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik aus. Im Rahmen des 260 Millionen Euro schweren Konjunkturprogramms wurden seitens der Stadt für die Jahre 2009 bis 2015 für den Bereich der aktiven Arbeitsmarktpolitik jährlich Ausgaben von 200 000 Euro in Aussicht gestellt. Bisher werden diese Mittel nur zum Teil für die Bereitstellung von Räumlichkeiten für AMS Kursen für Jugendliche ausgeschöpft.
Gerade im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit zeigt sich, dass in Linz der Anteil an niedrig qualifizierten Jugendlichen überdurchschnittlich hoch ist. Dies ist nicht nur eine wirtschaftspolitische Herausforderung, sondern ist auch eine stadtspezifische gesellschafts- und bildungspolitische Herausforderung.
Zum 31.7.2010 gab es in Linz insgesamt 4 647 Lehrlinge. Die Lehrlinge waren in insgesamt 1 037 Linzer Lehrbetrieben beschäftigt. Die Lehrlingsstatistik weist 2 939 männliche und 1 708 weibliche Lehrlinge aus. Aus Österreich kommen 4 355 Lehrlinge, 292 Lehrlinge haben eine ausländische Staatsbürgerschaft und kommen aus mehr als 30 verschiedenen Ländern.
Für die Lehrlingsausbildung gibt es gute Gründe, ist Bezirksstellenobmann Klaus Schobesberger mit der Ausbildungsbereitschaft der Linzer Unternehmen zufrieden:
Bei Kindern und Jugendlichen bis zum 15. Lebensjahr zeigen die städtischen Prognosen einen mehr oder weniger deutlichen Abwärtstrend. Im Pflichtschulbereich drängen zudem immer mehr Kinder nach der Volksschule in Allgemein Bildende Höhere Schulen. In den Linzer Haupt- und Polytechnischen Schulen steigt daher der Anteil von SchülerInnen mit Migrationshintergrund mit sprachlichen und kulturellen Defiziten und sinkt teilweise das Ausbildungsniveau verglichen mit ländlichen Pflichtschulen. Später fehlen dann in der Linzer Wirtschaft einerseits die dringend benötigten Fachkräfte, andererseits suchen immer mehr Linzer Unternehmen ihre Lehrlinge nicht in Linz, sondern in den umliegenden Bezirken.
Die Herausforderung liegt daher in der Integration von Personen mit Migrationshintergrund in den Linzer Arbeitsmarkt insbesondere in das duale Ausbildungssystem. Die künftigen geburtenschwachen Jahrgänge werden sich nämlich im Fehlen von Fachkräften am Arbeitsmarkt (vom Helfer bis zum Akademiker) dramatisch auswirken. Der Wettbewerb zwischen vorwiegend regional tätigen Klein- und Mittelbetrieben und international tätigen Großbetrieben um die besten Lehrlinge und Fachkräfte wird sich weiter verstärken.
Schobesberger: „Die Lehrlinge von heute sind die dringend benötigten Fachkräfte von morgen. Immer bedeutender werden dabei die Lehrlinge mit Migrationshintergrund. Die Lehre ist auch alles andere als eine Bildungssackgasse. Mit der neuen Lehre mit Matura stehen den Lehrabsolventen heute alle Wege offen. Auch das eigene Unternehmen ist für die erfolgreichen Lehrlinge eine interessante Alternative. Immerhin kommen rund 40 Prozent der Unternehmer in Oberösterreich aus der Lehre“.
Aktivitäten der Bezirksstelle Linz-Stadt rund um das Thema Lehre:
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz „Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Linz“ von Wirtschaftsreferentin Stadträtin Susanne Wegscheider und Mag. Klaus Schobesberger, Obmann WKO Linz-Stadt
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