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SOZIALES
Presseaussendung vom 10.02.2011

Studie des Instituts für Soziologie analysiert Wohnsituation in Linz

Jungfamilien leben in Linz günstiger als in allen anderen Landeshauptstädten

Bis zu 50 Prozent Mietkostenersparnis im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten

Für die Erarbeitung des neuen Linzer Sozialprogramms und zur Erfassung der veränderten Rahmenbedingungen wurde im Mai 2010 die Erstellung einer Studie des Instituts für Soziologie der Johannes Kepler Universität in Auftrag gegeben. Die nunmehr vorliegenden Ergebnisse analysieren und vergleichen Daten der Statistik Austria. Einen Schwerpunkt dieser Sozialanalyse bildet die Wohnsituation der Linzer BürgerInnen im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten.

Als besonders erfreulich bewertet der Linzer Sozialreferent Vizebürgermeister Klaus Luger die Tatsache, dass Linz im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten die geringsten Wohnungskosten aufweist. Zahlen alleinlebende junge Erwachsene in Linz durchschnittlich 335 Euro für ihre Mietwohnung, so muss man beispielsweise in Innsbruck im Schnitt 427 Euro hinlegen. In Graz und Salzburg stellt sich die Situation ähnlich dar. Bei jungen Paaren ohne Kinder treten die regionalen Unterschiede noch deutlicher hervor. So müssen junge Paare in Innsbruck, Salzburg oder Graz durchschnittlich bis zu 185 Euro mehr für ihre Mietwohnung bezahlen. Das sind um bis zu 50 Prozent höhere Mietkosten als in Linz!

Ebenso ersparen sich junge Familien mit Kindern in Linz deutlich mehr Geld als anderswo. Betragen die Wohnkosten in Linz durchschnittlich 381 Euro, so zahlen Jungfamilien in Innsbruck, Graz oder Salzburg mit bis zu 139 Euro um 40 Prozent mehr!

Als Erklärung dieser positiven Linz-Werte führt Vizebürgermeister Klaus Luger zwei Gründe an: zum einen die aktive Förderung von Mietwohnungen in den letzten 20 Jahren, zum anderen die Energie- und Wasserversorgung sowie die Müll- und Kanalentsorgung. Hier ersparen sich Linzer Haushalte etwa im Vergleich zu Salzburg 411 Euro.

Der steigenden Wohnungsnachfrage im Zentralraum und besonders in Linz stehen die Kürzungen der Wohnbaufördermittel entgegen, die den gemeinnützigen Wohnbau in der Landeshauptstadt benachteiligen. Dies trifft vor allem sozial schwächer gestellte Menschen, die auf geförderten Wohnraum angewiesen sind. Sozialreferent Klaus Luger fordert in diesem Zusammenhang für das kommende Jahr mindestens 500 neue geförderte Wohnungen für Linz, um den durch die heurige Kürzung der Wohnbaufördermittel erlittenen Rückgang zumindest teilweise auffangen zu können.

Sozialanalyse als Grundlage für das neue Linzer Sozialprogramm

Am 21. Jänner 2010 fiel der Startschuss für die Erarbeitung eines neuen Sozialprogramms im Linzer Gemeinderat. Seit nun mittlerweile einem Jahr wird intensiv an der Erstellung gearbeitet. Dieses neue Sozialprogramm wird in Form eines transparenten und offenen Entwicklungsprozesses in Zusammenarbeit und unter Einbindung von AkteurInnen aus Politik, Vereinen, Organisationen, Wissenschaft und Verwaltung gestaltet werden.

Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren unter anderem durch Migrationsprozesse, geänderte Rollenverständnisse, vielfältigere Lebensentwürfe und zum Teil gravierende Veränderungen in der Arbeitswelt neu formiert. Um diese veränderten Rahmenbedingungen erfassen und ein entsprechendes Sozialprogramm für die Bedürfnisse der Linzerinnen und Linzer entwickeln zu können, wurde die Entwicklung eines Indikatorensystems für eine kommunale Sozialanalyse der Stadt Linz in Auftrag gegeben. Diese Indikatoren dienen als Informations- und Steuerungsgrundlage sozialpolitischer Zielsetzungen. Für die Durchführung dieses Projekts wurde die Johannes Kepler
Universität Linz, Institut für Soziologie, Abteilung Empirische Sozialforschung unter der Leitung von Herrn Univ.-Prof. Dr. Johann Bacher beauftragt. In die Erarbeitung eines Indikatorensystems wurde auch der gemeinderätliche Ausschuss für Jugend, Familie, Soziales und Integration sowie VertreterInnen der Verwaltung maßgeblich eingebunden. Auf Basis des Mikrozensus wurde ein Indikatorensystem für ein Sozialmonitoring für Linz entwickelt.

Der Mikrozensus ist eine von Statistik Austria vierteljährlich durchgeführte repräsentative Stichprobenerhebung. Auswahlbasis der Stichprobe ist das zentrale Melderegister (ZMR). Pro Befragung werden rund 50 000 Personen erfasst. Inhaltlich setzt sich der Mikrozensus aus der Arbeitskräfteerhebung und der Wohnungserhebung zusammen. Die Arbeitskräfteerhebung beinhaltet Personen-, Familien- und Haushaltsmerkmale, wie etwa Bildung und Beschäftigung (Personenmerkmal), Familientyp und Kinderzahl (Familienmerkmale) oder Haushaltstyp und Haushaltsgröße (Haushaltsmerkmal). Die Erhebung erfolgt per Face-to-Face-Interview bzw. auch per Telefoninterview. Durch eine geeignete Gewichtung erfolgt eine Hochrechnung der Befragungsergebnisse auf die Gesamtheit der österreichischen Bevölkerung. In Linz werden pro Befragung rund 1 500 Haushalte (entspricht ca. 3 000 Personen) befragt. 

Linz hat niedrigste Wohnkosten für junge Erwachsene

In Innsbruck sind für die selbe Leistung 50 Prozent mehr zu zahlen

Das Sozialmonitoring mittels Mikrozensus untersucht die Haushalte von Personen im Alter von 19 bis 27 Jahren, die alleine oder gemeinsam mit einem Partner, jedoch ohne eigene Kinder in einer Hauptmietwohnung leben. Als durchschnittlicher Mietaufwand wird jener Betrag bezeichnet, der für die Benutzung von Hauptmietwohnungen entrichtet wird. Dieser Betrag enthält also auch Heizkosten, wenn diese regelmäßig an die Hausverwaltung oder einen anderen Vertreter der EigentümerIn bezahlt werden.

Wohnsituation der LinzerInnen

Die Wohnsituation der Menschen sagt viel über die aktuelle Lebenssituation der BürgerInnen einer Stadt aus. Aus diesem Grund wurde ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Analyse im Bereich des Wohnens gesetzt.  Das entwickelte Sozialmonitoring auf Basis des Mikrozensus umfasst unter anderen den Mietaufwand von allein oder in Partnerschaft lebenden jungen Erwachsenen ohne Kinder oder den Wohnaufwand für Jungfamilien.

Die durchschnittlichen Wohnkosten liegen bei alleinlebenden jungen Erwachsenen bei 335,7 Euro. Bei jungen Paaren, bei denen mindestens ein Partner in das Altersintervall von 19 bis 27 Jahren fällt, liegt der Wohnaufwand bei 377,9 Euro. Die höheren Kosten resultieren ausschließlich aus der größeren Wohnfläche von Zwei-Personen-Haushalten. So sind Ein-Personen-Haushalte von jungen Erwachsenen im Schnitt rund 47,6 Quadratmeter groß. Zwei-Personen-Haushalte sind im Schnitt 56,4 Quadratmeter groß. Nach Kontrolle der Wohnungsgröße unterscheiden sich die Wohnkosten von alleinlebenden Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen nicht von jenen junger Paare.

Der Städtevergleich zeigt, dass die Kosten für Mietwohnungen in Linz deutlich unter jenen der Vergleichsstädte liegen.

So zahlen alleinlebende junge Erwachsene pro Monat in Innsbruck im Schnitt 426,9 Euro. Das sind um knapp 100 Euro pro Monat mehr, als in Linz zu zahlen ist. In Salzburg und in Graz stellt sich die Situation ähnlich dar. Hier betragen die Mietkosten 418,8 Euro bzw. 410,2 Euro. Das ist um ein Viertel mehr, als junge Menschen in Linz für eine Mietwohnung zahlen. Der österreichische Durchschnitt liegt bei 356,9 Euro.

Bei jungen Paaren ohne Kinder treten die regionalen Unterschiede noch stärker hervor. Während in Linz rund 377,9 Euro Wohnkosten pro Monat anfallen, liegen die Werte für Graz (525,4 Euro), Salzburg (538,5 Euro) und Innsbruck (563,8 Euro) bis zu 185 Euro über dem Linzer Durchschnitt. Das heißt, ein junges Paar in Innsbruck zählt um 50 Prozent mehr an Miete als in Linz. Die Unterschiede für beide Haushaltstypen lassen sich auch nach der Kontrolle der Wohnfläche feststellen, d.h. die Wohnkosten sind in Linz nicht deswegen geringer, weil in Linz Wohnungen etwa kleiner wären.

Jungfamilien leben in Linz im Vergleich der Landeshauptstädte am günstigsten

Auch hier wurden Haushalte von Personen im Alter von 19 bis 27 Jahren, die alleine oder gemeinsam mit einem Partner und mit mindestens einem Kind in einer Hauptmietwohnung leben. Als durchschnittlicher Mietaufwand wird jener Betrag bezeichnet, der für die Benutzung von Hauptmietwohnungen entrichtet wird. Dieser Betrag kann also auch Heizkosten enthalten, wenn diese regelmäßig an die Hausverwaltung oder einen anderen Vertreter der EigentümerIn bezahlt werden.

Junge Paare mit Kindern haben bei einem gegebenen Hauptmietverhältnis monatlich rund 381,3 Euro Wohnkosten zu bestreiten. Der Städtevergleich lässt erkennen, dass die Wohnkosten für Jungfamilien in Linz signifikant unter jenen der Vergleichsstädte liegen. Der Unterschied ist abermals unabhängig von der Wohnfläche festzustellen.

Im Vergleich zu Graz zahlen auch junge Familien in Linz um 36 Prozent weniger an Miete. Bis zu 138,5 Euro können sich Jungfamilien sparen, wenn sie in Linz leben. Bezogen auf den österreichischen Durchschnitt sind für Linz geringere Wohnkosten um knapp 50 Euro festzustellen.

Wohnraum pro Kopf für unterschiedliche Haushaltsformen

Dieser Bereich des Sozialmonitorings beschäftigt sich mit der durchschnittlichen Nutzfläche pro Person für unterschiedliche Haushaltsformen. Es wird zwischen „Zwei-Eltern-Haushalten mit Kindern“, „Paar-Haushalten ohne Kinder, „Ein-Eltern-Haushalten“, Ein-Personen-Haushalten“ und „Zwei- und Mehrfamilien-Haushalten“ unterschieden.

Personen in Paar-Haushalten ohne Kinder stehen im Schnitt 40,1 m² pro Person zur Nutzung zur Verfügung. In Zwei-Eltern-Haushalten beträgt die Pro-Kopf-Wohnfläche 25,1 Quadratmeter. Personen in Ein-Eltern-Haushalten (AlleinerzieherInnen) können im Schnitt 31,7 Quadratmeter nutzen. Die geringste Pro-Kopf-Wohnfläche findet sich in Zwei- und Mehr-Familien-Haushalten (16,8 Quadratmeter) und wenig überraschend verfügen Ein-Personen-Haushalte mit 61,1 Quadratmeter über die größte Pro-Kopf-Wohnfläche.

Der Städtevergleich lässt erkennen, dass in Graz für alle Haushaltstypen die Pro-Kopf-Wohnfläche am höchsten ist. In Salzburg verfügen Personen aus Paar-Haushalten ohne Kinder und Zwei- und Mehr-Familien-Haushalten über eine höhere Pro-Kopf-Wohnfläche. Bei den beiden anderen Haushaltstypen sind keine relevanten Unterschiede festzustellen. Im Vergleich mit Innsbruck zeigt sich, dass in Zwei- und Ein-Eltern-Haushalten eine höhere Pro-Kopf-Wohnfläche zu finden ist als in Linz. Im Vergleich mit Gesamtösterreich sind für alle Haushaltstypen die Pro-Kopf-Wohnfläche als unterdurchschnittlich zu bezeichnen. Hierin widerspiegelt sich der größere Flächenverbrauch von Einfamilienhäusern in ländlichen Gebieten.

Empirisch bleibt festzuhalten, dass jedenfalls die relativ geringen Unterschiede der  Wohnungsgrößen keine Erklärung für die geringeren Wohnungskosten in Linz liefern. Laut Vizebürgermeister Luger zeichnet die bis vor kurzem konsequente Förderung von Mietwohnungen in Oberösterreich sowie die ausgesprochen günstigen Energie- und Entsorgungstarife der LINZ AG für diese Kostenvorteile der Linzer Bevölkerung verantwortlich.

Energie- und Wasserversorgung sowie die Müll- und Kanalentsorgung sorgen für niedrigste Wohnungskosten aller Landeshauptstädte

Die Linzer Haushalte sparen auch erheblich bei den Energie- und Infrastrukturkosten. Im Vergleich zu den anderen Landeshauptstädten zahlt man in Linz bis zu 411 Euro weniger für Strom, Wärme, Wasser, Abwasser und Abfallentsorgung. Das ist um 21 Prozent weniger als in der teuersten Landeshauptstadt.

Leistbare Wohnungen im Zentralraum – jede/r zweite – Wohnungssuchende in Oberösterreich möchte in Linz leben

Keine Kürzung der Wohnbaufördermittel

Auf Linzer Stadtgebiet gibt es nach den aktuellsten Daten knapp 108 000 Wohneinheiten. Alleine in den letzten zehn Jahren sind 8 200 neue Wohnungen dazu gekommen. Damit ist ein historischer Höchststand erreicht. Die auch weiterhin ungebrochene Nachfrage nach Wohnraum erfordert jedoch weiterhin eine entsprechende Neubautätigkeit zur Bedarfsabdeckung. An Projekten für rund 2 400 Wohnungen wird aktuell in Linz gebaut. In der Landeshauptstadt stellt der geförderte Wohnbau eine tragende Säule im Bereich des Wohnungsneubaus dar und ermöglicht vielen Familien, besonders auch dem Mittelstand, einen höheren Lebensstandard.

Der Linzer Vizebürgermeister Klaus Luger hatte bereits in der Vergangenheit mehrmals auf die Gefahr geringer werdender Wohnbaumittel für Linz hingewiesen. ´

Budgetkürzungen bei den Wohnbaufördermitteln und deren Umleitung in den ländlichen Raum steht die ungebrochene Nachfrage nach leistbaren Wohnungen im Zentralraum gegenüber. Landesweit suchen 21 500 Menschen eine Wohnung. Davon wünschen sich rund 11 000 Wohnungssuchende eine Wohnung in Linz. Zudem möchten viele junge Menschen wegen der günstigeren Arbeitsmarktchancen nach Linz ziehen. Schon deshalb dürfe es nicht zu einer Kürzung der Wohnbaufördermittel kommen, sondern müssten die Gelder für den Zentralraum noch verstärkt werden, fordert Sozialreferent Luger.

„Seit dem Jahr 2003 sind die Wohnbaufördermittel eingefroren. Linz und der Zentralraum brauchen mehr Fördermittel als bisher, um den Bedarf von rund 500 zusätzlichen Wohnungen pro Jahr zu decken. Das Land Oberösterreich ist aufgefordert, ausreichend Fördermittel bereit zustellen um den Zentralraum nicht zu benachteiligen. Es gilt, den notwendigen Neubau von 3 000 geförderten Wohnungen in den nächsten fünf Jahren abzusichern“, so Vizebürgermeister Luger.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeister Klaus Luger zum Thema „Studie des Instituts für Soziologie der Universität Linz analysiert Wohnsituation in Linz“)


Ergänzende Informationen (PDF, 23 kB) (neues Fenster).

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