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INTEGRATION
Presseaussendung vom 18.08.2011

20 Jahre interkulturelle Kompetenz und Erfahrung

Linzer Integrationsbüro feiert Geburtstag, Migrationsbeirat 15-jähriges Bestehen

Sozialprogramm bringt neue Initiativen für ein besseres Zusammenleben

Während auf Bundesebene mit der Schaffung des Staatsekretariats für Integration erst seit kurzem eine eigene Stelle für Zuwanderungsagenden geschaffen wurde, feiert Linz heuer bereits das 20-jährige Bestehen des Integrationsbüros (IB) und 15 Jahre Migrations- und Integrationsbeirat (MIB). „Seit der Gründung der Einrichtungen in den 1990er-Jahren wurde und wird in der Landeshauptstadt auf dem Gebiet der Zuwanderung integrative Pionierarbeit geleistet“, zieht Vizebürgermeister und Integrationsreferent Klaus Luger Bilanz. In der Vergangenheit reichten die Initiativen von Beratungen, Infokampagnen, Events oder Fachsymposien bis hin zur interkulturellen Verwaltungsöffnung des Magistrats. Im Rahmen des neuen Sozialprogramms werden die Maßnahmen für ein besseres Miteinander der Kulturen noch weiter ausgebaut. Der Schwerpunkt wird dabei auf verstärkte Deutschtrainings für Kleinkinder liegen.

Zukunft der Integration in Linz

Aufbauend auf die Leistungen der vergangenen zwei Jahrzehnte werden im Zuge des neuen Linzer Sozialprogramms auch die Integrationsmaßnahmen kontinuierlich erweitert. So startet beispielsweise ab Herbst in den städtischen Kindergärten das neue Linzer Sprachförderprogramm: Ab dem ersten Tag erhalten dann Kids mit Deutschschwächen Nachhilfe – egal, ob sie Deutsch als Muttersprache haben oder nicht. „Ein Kind kann in drei Jahren bis zu 540 Stunden Deutschtraining erhalten und so sprachfit für die Schule gemacht werden“, erklärt Luger. Neben der „Sprachförderung neu“ sollen vor allem im Bereich der beruflichen Qualifizierung Zugewanderter neue Initiativen gestartet, Sport verstärkt als Integrationsmotor eingesetzt und kulturelle Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden. Darüber hinaus wird die Informationsarbeit Richtung MigrantInnen weiter ausgebaut. Mehr als 30 Initiativen sind derzeit Gegenstand der Verhandlungen mit den Gemeinderatsfraktionen.

Maßnahmenpaket Integration 2010

Das neue Sozialprogramm schließt dabei am umfangreichen „Maßnahmenpaket Integration“ an, das nach Schaffung eines eigenen Ressorts unter Leitung von Vizebürgermeister Luger 2010 im Gemeinderat beschlossen wurde. Darin zusammengefasst sind 23 konkrete Integrationsmaßnahmen aus insgesamt neun Themengebieten, die alle von Zuwanderung betroffenen Gesellschaftsbereichen abdecken sollen. „90 Prozent der Projekte sind bereits umgesetzt oder laufen. Nur zwei der Maßnahmen sind politisch noch nicht konsensfähig“, erklärt Luger. Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass – im Gegensatz zu den meisten anderen Gemeinden in Österreich – die im Linzer Stadtparlament vertretenen Fraktionen meist nicht einheitlich hinter dem Integrationsgedanken stehen.

Das Linzer Maßnahmenpaket Integration im Überblick

Interkulturelle Verwaltungsöffnung

Ein Schwerpunkt des Maßnahmenpaktes ist die interkulturelle Öffnung der Magistratsverwaltung. Sie wurde bereits vor Jahren von Präsidialdirektor Dr. Ernst Inquart in seiner damaligen Rolle als „Ausländer-Ombudsmann“ initiiert und mit Nachdruck vorangetrieben. „Mir ist es wichtig, dass wir die Potenziale von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund in der täglichen Arbeit nutzen. Das beginnt bei Sprachkenntnissen und endet beim Wissen um die Alltagskulturen fremder Länder“, erklärt Inquart. Vor allem in der für die Vergabe von Aufenthaltsbewilligungen zuständigen Fremdenrechtsabteilung seien KollegInnen mit ausländischen Wurzeln vor allem bei Beratungen zu einem unverzichtbaren Teil des Teams geworden. Daneben leisten zweisprachige Helferinnen in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen wichtige Beiträge zur Integration von Kindern aus dem migrantischen Umfeld. „Oft können die Mitarbeiterinnen die Kleinen aus ihrer Sprachlosigkeit holen, die sie in den Gruppen mitunter isoliert. Sie verstehen die Muttersprache der Kinder, können notfalls übersetzen und ihnen so beim Einstieg ins Deutschlernen helfen“, weiß Integrationsreferent Luger.

Das Integrationsbüro – Schnittstelle zwischen Bürgern, Zuwanderern und Verwaltung

Die Ursprünge des heutigen Integrationsbüros (IB) reichen bis ins Jahr 1991 zurück. Seit 20 Jahren ist die Einrichtung des Magistrats zentrale Anlaufstelle für MigrantInnen, LinzerInnen, Vereine und Institutionen, die sich mit dem Thema Zuwanderung beschäftigen sowie für die Abteilungen des Magistrats. „Wir setzen uns für einen positiven Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt in der Landeshauptstadt ein und wollen durch die Einbindung aller Linzer – egal, ob mit oder ohne Migrationshintergrund – zur Entstehung einer sozialen, offenen Gesellschaft beitragen“, erklärt Belmir Zec, Integrationsbeauftragter der Stadt Linz.

Das Leistungsspektrum des Integrationsbüros ist in den zwei Jahrzehnten stetig gewachsen. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Dolmetsch-Pool: Für eine gute Kommunikation zwischen Zugewanderten und der städtischen Verwaltung können von den einzelnen Dienststellen des Magistrats Linz bei Bedarf DolmetscherInnen beigezogen werden. Das IB betreut und koordiniert einen magistratsinternen Übersetzer-Pool, in dem zur Zeit mehr als 80 DolmetscherInnen in etwa 35 verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen.
  • Information und Beratung: Das IB bietet Information und Beratung zu Fragen und Anliegen rund um das Thema Zuwanderung und Integration.
    Neben Fragen im Zusammenhang mit den rechtlichen Rahmenbedingungen für Zugewanderte in Österreich steht vor allem das Thema „Sprache“ im Vordergrund.
  • Maßnahmen zur Förderung der Integration Zugewanderter: Das IB setzt Impulse zur Förderung der Integration Zugewanderter. So zum Beispiel werden eigene Projekte teilweise in Zusammenarbeit mit dem Migrations- und Integrationsbeirat durchgeführt oder Aktivitäten von  Vereinen und MigrantInnen-Organisationen  finanziell und organisatorisch unterstützt (z.B. im Bereich der Sprachförderung, der Organisation von Veranstaltungen etc.).
  • Das IB als Geschäftstelle des Migrations- und Integrationsbeirats
    Das IB ist für die Führung der Geschäfte, die Abstimmung der gesamten Tätigkeiten, die inhaltliche und organisatorische Begleitung bei der Umsetzung von Aktivitäten verantwortlich sowie Schnittstelle zwischen dem MIB und der Stadtverwaltung.

Dass die Leistungen des Integrationsbüros von der Linzer Bevölkerung und im Magistrat rege angenommen werden, zeigen die Statistiken: In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Zahl der bearbeiteten Anfragen von 817 (2005) auf 1750 (2010) mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurde das IB durchschnittlich sieben Mal pro Arbeitstag um Rat und Informationen gebeten. Eine steigende Tendenz zeigt sich auch bei den Aufträgen an Übersetzer im Rahmen des Dolmetschpools. Die Zahl stieg dort im selben Zeitraum von 400 auf 650.

Der Migrationsbeirat – Sprachrohr der Zuwanderer

Im Jahre 1996 wurde der „AusländerInnen-Integrationsbeirat Linz“ ins Leben gerufen, um dem zugewanderten Teil der Linzer Bevölkerung ein Mitspracherecht bei integrationspolitischen Entscheidungen zu geben. Auf Grundlage des Gemeinderatsbeschlusses vom 11. April 1996 wurde der AIB nach Ablauf einer sechsjährigen Funktionsperiode jeweils neu gewählt.

Im Dezember 2008 wurden die von migrantischen Vereinen entsandten Vertreter auf eigenen Wunsch zum ersten Mal vom Bürgermeister bestellt. Gleichzeitig wurde die Bezeichnung des Beirates in Migrations- und Integrationsbeirat Linz geändert.

Der Beirat ist die gesellschaftliche Interessenvertretung aller in Linz lebenden BürgerInnen mit migrantischem Hintergrund. Er setzt sich aus fünfzehn bestellten und ehrenamtlich tätigen Mitgliedern zusammen. Weiters entsendet jede im Gemeinderat vertretene Fraktion (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne) ein Mitglied, das mit beratender Stimme im MIB vertreten ist. „Unsere Ziele sind die Einbeziehung der Interessen von MigrantInnen auf kommunaler Ebene, die Verbesserung der Lebenssituation von Zugewanderten, der Abbau von Vorurteilen, die Förderung des Verständnisses zwischen den Bevölkerungsgruppen verschiedener Herkunft und das kommunale Wahlrecht für alle Zugewanderten“, erklärt der erste Beiratsvorsitzende Dzevat Sulejmani. Die Interessen des Beirats für ein besseres Zusammenleben wurden in der Vergangenheit immer wieder auch gegen politische Widerstände aus dem Gemeinderat verteidigt.

Die wichtigsten Aktivitäten des Migrationsbeirats im Zeitraffer:

1. Periode (1996-2002)

1999:

  • Informationsabende für ausländische Vereine zu verschiedenen Themen 
  • Mitveranstaltung des Symposiums „Mittendrin und trotzdem draußen“ 

2000:

  • Lokaltest auf Grund von Diskriminierungsfällen 
  • Informationskampagne „Information schafft Integration“
  • Herausgabe eines „Kalenders der Kulturen“

2001:

  • Gespräche in Linzer Krankenhäusern
  • Erhöhung der Quote für Familienzusammenführung sowie das Recht auf Familienzusammenführung bis zur Volljährigkeit (Resolutionsantrag)
  • Umsetzung eines Antidiskriminierungsgesetzes (Resolutionsantrag)
  • Interkulturelles Sportfest „FITtogether“ 
  • Treffen mit dem AusländerInnen-Beirat Erlangen 

2002:

  • Aktion „Willkommen! Gastlichkeit für alle Menschen und Kulturen“
  • MigrantInnen INFOCARD
  • „Miteinander leben – miteinander feiern“ Siedlungsfest mit den Vereinigten Linzer Wohnungsgenossenschaften
  • Polizei-Seminar
  • Wohnbeihilfe für Nicht-EU-BürgerInnen (wird im Landtag beschlossen)

2. Periode (2002-2008)

2003:

  • Folder „Deutsch-Integrationskurse“
  • Mehrsprachige Geburtsvorbereitungskurse
  • Aktivitäten zum Thema „Politische Partizipation“
  • „Vielfalt bewegt! Ein interkulturelles Sommerfest in Auwiesen“
  • Besuch von MigrantInnen-Vereinen

2004:

  • Erster Frühjahrsdialog für MigrantInnen-Vereine bei Bürgermeister Franz Dobusch
  • Eigener Internetauftritt auf http://www.linz.at/
  • Erstmals Mitwirkung beim Förderpreis „Stadt der Kulturen“
  • Buchpräsentation und Lesung in Zusammenarbeit mit dem Frauenbüro „Uns hat es nicht geben sollen. Drei Generationen von Sinti-Frauen erzählen“ von und mit Ludwig Laher

2005:

  • Beitrag in der ORF-Sendereihe „Heimat fremde Heimat“
  • Symposium „Mehrsprachig: Bildungshemmnis oder Chance auf Vielfalt?“
  • „Unternehmensgründung durch Zugewanderte“ – Veranstaltung in Kooperation mit der Wirtschaftskammer
  • Auf Grund der großen Nachfrage Neuauflage der MigrantInnen INFO-CARD
  • Info-Veranstaltungen für Jugendliche mit nichtdeutscher Muttersprache zum Thema Lehre im Magistrat

2006:

  • Veranstaltung Hallenfußball-Turnier in der Harbachschule
  • Gespräche mit Linzer Kommunalpolitikern
  • Podiumsdiskussion „Stimme für Integration! Integration - aber wie?“

2007:

  • Teilnahme und Präsentation der Linzer Integrationsmaßnahmen am Symposium „European Perspectives for Public Management“ der Fachhochschule Kärnten
  • Gesprächsrunde „Zukunft des AIB“ mit Vertretern aus Politik und NGOs
  • Theateraufführung „Emigranten“ von Slawomir Mrozek in Kooperation mit dem Theater Phönix

2008:

  • „Brücken bauen zwischen Kulturen“ – Interkulturelles Sommerfest in Zusammenarbeit mit den Elternvereinen Linz-Stadt
  • Workshop „Unternehmensgründung durch Zugewanderte in Linz“ in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer
  • Neupositionierung des AIB und Umbenennung in Migrations- und Integrationsbeirats

3. Periode (2008-heute)

2009:

  • Veranstaltung Kleinfeld-Fußballturnier „Vielfalt bewegt“
  • Vortrag von Univ.-Doz. Dr. Peter Schrenk zum Thema Brustkrebs für Frauen mit Migrationshintergrund im Wissensturm
  • Informationsveranstaltung von Generalmajor Franz Gegenleitner zur Polizeiausbildung für Menschen mit Migrationshintergrund
  • Unterstützung des Theaterworkshops „Kabale und Liebe“ für Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren.

2010:

  • Herausgabe der mehrsprachigen Info-Broschüre „Gesund in Linz“ in Kooperation mit dem Integrationsbüro, Download unter:  http://www.linz.at/soziales/5241.asp
  • Symposium „Bildung und Integration“
  • Info-Veranstaltungen in den MigrantInnen-Vereinen zum Thema Bildungssystem in Österreich
  • Symposium „Gesundheit, Migration und Integration“
  • Aufbau ethnisch orientierter Elternvereine

2011 (erstes Halbjahr):

Weitere Gesprächspartner:
Mag. Belmir Zec, Integrationsbeauftragter der Stadt Linz
Dzevat Sulejmani, erster Vorsitzender des Migrationsbeirats

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Integrationsreferent Vizebürgermeister Klaus Luger und Präsidialdirektor Dr. Ernst Inquart zum Thema „20 Jahre Integrationsbüro und 15 Jahre Migrationsbeirat“)


Ergänzende Informationen (PDF, 23 kB) (neues Fenster).

Für Medienanfragen:
Peter Hirhager  Tel.: +43 732 7070 1366


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