Linzer Integrationsbüro feiert Geburtstag, Migrationsbeirat 15-jähriges Bestehen
Während auf Bundesebene mit der Schaffung des Staatsekretariats für Integration erst seit kurzem eine eigene Stelle für Zuwanderungsagenden geschaffen wurde, feiert Linz heuer bereits das 20-jährige Bestehen des Integrationsbüros (IB) und 15 Jahre Migrations- und Integrationsbeirat (MIB). „Seit der Gründung der Einrichtungen in den 1990er-Jahren wurde und wird in der Landeshauptstadt auf dem Gebiet der Zuwanderung integrative Pionierarbeit geleistet“, zieht Vizebürgermeister und Integrationsreferent Klaus Luger Bilanz. In der Vergangenheit reichten die Initiativen von Beratungen, Infokampagnen, Events oder Fachsymposien bis hin zur interkulturellen Verwaltungsöffnung des Magistrats. Im Rahmen des neuen Sozialprogramms werden die Maßnahmen für ein besseres Miteinander der Kulturen noch weiter ausgebaut. Der Schwerpunkt wird dabei auf verstärkte Deutschtrainings für Kleinkinder liegen.
Aufbauend auf die Leistungen der vergangenen zwei Jahrzehnte werden im Zuge des neuen Linzer Sozialprogramms auch die Integrationsmaßnahmen kontinuierlich erweitert. So startet beispielsweise ab Herbst in den städtischen Kindergärten das neue Linzer Sprachförderprogramm: Ab dem ersten Tag erhalten dann Kids mit Deutschschwächen Nachhilfe – egal, ob sie Deutsch als Muttersprache haben oder nicht. „Ein Kind kann in drei Jahren bis zu 540 Stunden Deutschtraining erhalten und so sprachfit für die Schule gemacht werden“, erklärt Luger. Neben der „Sprachförderung neu“ sollen vor allem im Bereich der beruflichen Qualifizierung Zugewanderter neue Initiativen gestartet, Sport verstärkt als Integrationsmotor eingesetzt und kulturelle Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden. Darüber hinaus wird die Informationsarbeit Richtung MigrantInnen weiter ausgebaut. Mehr als 30 Initiativen sind derzeit Gegenstand der Verhandlungen mit den Gemeinderatsfraktionen.
Das neue Sozialprogramm schließt dabei am umfangreichen „Maßnahmenpaket Integration“ an, das nach Schaffung eines eigenen Ressorts unter Leitung von Vizebürgermeister Luger 2010 im Gemeinderat beschlossen wurde. Darin zusammengefasst sind 23 konkrete Integrationsmaßnahmen aus insgesamt neun Themengebieten, die alle von Zuwanderung betroffenen Gesellschaftsbereichen abdecken sollen. „90 Prozent der Projekte sind bereits umgesetzt oder laufen. Nur zwei der Maßnahmen sind politisch noch nicht konsensfähig“, erklärt Luger. Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass – im Gegensatz zu den meisten anderen Gemeinden in Österreich – die im Linzer Stadtparlament vertretenen Fraktionen meist nicht einheitlich hinter dem Integrationsgedanken stehen.
Ein Schwerpunkt des Maßnahmenpaktes ist die interkulturelle Öffnung der Magistratsverwaltung. Sie wurde bereits vor Jahren von Präsidialdirektor Dr. Ernst Inquart in seiner damaligen Rolle als „Ausländer-Ombudsmann“ initiiert und mit Nachdruck vorangetrieben. „Mir ist es wichtig, dass wir die Potenziale von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund in der täglichen Arbeit nutzen. Das beginnt bei Sprachkenntnissen und endet beim Wissen um die Alltagskulturen fremder Länder“, erklärt Inquart. Vor allem in der für die Vergabe von Aufenthaltsbewilligungen zuständigen Fremdenrechtsabteilung seien KollegInnen mit ausländischen Wurzeln vor allem bei Beratungen zu einem unverzichtbaren Teil des Teams geworden. Daneben leisten zweisprachige Helferinnen in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen wichtige Beiträge zur Integration von Kindern aus dem migrantischen Umfeld. „Oft können die Mitarbeiterinnen die Kleinen aus ihrer Sprachlosigkeit holen, die sie in den Gruppen mitunter isoliert. Sie verstehen die Muttersprache der Kinder, können notfalls übersetzen und ihnen so beim Einstieg ins Deutschlernen helfen“, weiß Integrationsreferent Luger.
Die Ursprünge des heutigen Integrationsbüros (IB) reichen bis ins Jahr 1991 zurück. Seit 20 Jahren ist die Einrichtung des Magistrats zentrale Anlaufstelle für MigrantInnen, LinzerInnen, Vereine und Institutionen, die sich mit dem Thema Zuwanderung beschäftigen sowie für die Abteilungen des Magistrats. „Wir setzen uns für einen positiven Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt in der Landeshauptstadt ein und wollen durch die Einbindung aller Linzer – egal, ob mit oder ohne Migrationshintergrund – zur Entstehung einer sozialen, offenen Gesellschaft beitragen“, erklärt Belmir Zec, Integrationsbeauftragter der Stadt Linz.
Das Leistungsspektrum des Integrationsbüros ist in den zwei Jahrzehnten stetig gewachsen. Hier die wichtigsten Punkte:
Dass die Leistungen des Integrationsbüros von der Linzer Bevölkerung und im Magistrat rege angenommen werden, zeigen die Statistiken: In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Zahl der bearbeiteten Anfragen von 817 (2005) auf 1750 (2010) mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr wurde das IB durchschnittlich sieben Mal pro Arbeitstag um Rat und Informationen gebeten. Eine steigende Tendenz zeigt sich auch bei den Aufträgen an Übersetzer im Rahmen des Dolmetschpools. Die Zahl stieg dort im selben Zeitraum von 400 auf 650.
Im Jahre 1996 wurde der „AusländerInnen-Integrationsbeirat Linz“ ins Leben gerufen, um dem zugewanderten Teil der Linzer Bevölkerung ein Mitspracherecht bei integrationspolitischen Entscheidungen zu geben. Auf Grundlage des Gemeinderatsbeschlusses vom 11. April 1996 wurde der AIB nach Ablauf einer sechsjährigen Funktionsperiode jeweils neu gewählt.
Im Dezember 2008 wurden die von migrantischen Vereinen entsandten Vertreter auf eigenen Wunsch zum ersten Mal vom Bürgermeister bestellt. Gleichzeitig wurde die Bezeichnung des Beirates in Migrations- und Integrationsbeirat Linz geändert.
Der Beirat ist die gesellschaftliche Interessenvertretung aller in Linz lebenden BürgerInnen mit migrantischem Hintergrund. Er setzt sich aus fünfzehn bestellten und ehrenamtlich tätigen Mitgliedern zusammen. Weiters entsendet jede im Gemeinderat vertretene Fraktion (SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne) ein Mitglied, das mit beratender Stimme im MIB vertreten ist. „Unsere Ziele sind die Einbeziehung der Interessen von MigrantInnen auf kommunaler Ebene, die Verbesserung der Lebenssituation von Zugewanderten, der Abbau von Vorurteilen, die Förderung des Verständnisses zwischen den Bevölkerungsgruppen verschiedener Herkunft und das kommunale Wahlrecht für alle Zugewanderten“, erklärt der erste Beiratsvorsitzende Dzevat Sulejmani. Die Interessen des Beirats für ein besseres Zusammenleben wurden in der Vergangenheit immer wieder auch gegen politische Widerstände aus dem Gemeinderat verteidigt.
1999:
2000:
2001:
2002:
2003:
2004:
2005:
2006:
2007:
2008:
2009:
2010:
2011 (erstes Halbjahr):
Weitere Gesprächspartner:
Mag. Belmir Zec, Integrationsbeauftragter der Stadt Linz
Dzevat Sulejmani, erster Vorsitzender des Migrationsbeirats
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Integrationsreferent Vizebürgermeister Klaus Luger und Präsidialdirektor Dr. Ernst Inquart zum Thema „20 Jahre Integrationsbüro und 15 Jahre Migrationsbeirat“)
Für Medienanfragen:
Peter Hirhager Tel.: +43 732 7070 1366
Zum Betrachten von PDF-Dokumente benötigen Sie einen PDF-Reader:
Die Stadt Linz fördert im Rahmen der Open Commons Region Linz den Einsatz von freier, anbieterunabhängiger Software. Freie PDF-Reader für Ihr Betriebssystem finden Sie auf der Seite pdfreaders.org (neues Fenster), einem Angebot der Free Software Foundation Europe. Sie können auch den PDF-Reader von Adobe verwenden.
Tel: +43 732 7070 0
Fax: +43 732 7070 54 2110
E-Mail: info@mag.linz.at
Immer gut informiert mit den aktuellen Newslettern und den RSS-Newsfeeds der Stadt Linz.