Der Volksgarten, eine der ältesten und mit ihren mehr als 32.000 Quadratmetern die größte innerstädtische Parkanlage in Linz, lag noch vor wenigen Jahren an den Ausläufern des Stadtzentrums. Durch die rege Bautätigkeit im Bahnhofsviertel – Hauptbahnhof, Landes-Dienstleistungszentrum, Terminal Tower, Power Tower, Neubau der Arbeiterkammer und Wissensturm – ist der Park zu einem zentralen Bestandteil eines neuen Stadtviertels geworden. Mit dem Bau des Musiktheaters wird der Stellenwert der 182 Jahre alten Grünanlage, als Kulturdenkmal und als stadtsoziologisch und -ökologisch wirksamer Grünraum erneut erhöht. Eine Neugestaltung des Volksgartens soll dieser Bedeutung Rechnung tragen.
„Wir wollen diese herrliche Grünanlage so gestalten, dass sich alle ParkbesucherInnen wohlfühlen und das Ambiente des Volksgartens als innerstädtische Erholungsoase genießen können“ beschreibt Grünreferentin Stadträtin Susanne Wegscheider ihre Vorstellungen für die Umgestaltung des Volksgartens.
Die Neugestaltung
Die Planung, in die auch BürgerInnenwünsche eingeflossen sind, stammt vom Landschaftsarchitekten Dipl.-Ing. Mag. Otmar Stöckl. Als derzeitiger Zwischenstand der Planungsarbeiten können folgende Eckpunkte für die Neugestaltung des Volksgartens präsentiert werden:
- Der alte Baumbestand, der den Park reizvoll strukturiert, bleibt erhalten.
- Das neue Musiktheater wird auch für den Volksgarten ein neuer Anziehungspunkt. Wo einst die Milchtrinkhalle situiert war, wird ein neuer Vorplatz die Verbindung von Musiktheater und Park herstellen. Für die Gestaltung dieses Platzes ist ein im Boden versenkter Wasserstrahl-Brunnen geplant. Dieser Brunnen dient nicht nur als Gestaltungselement sondern auch als angenehme Geräuschkulisse in Abgrenzung des Straßenbahnlärms im Bereich des Tunnelportals.
- Vor dem Musiktheater entsteht ein freier, befestigter Platz für Aufführungen und mit einem Kaffeehaus-Betrieb. Hier werden die ParkbesucherInnen ausruhen und sich bei einer Tasse Kaffee entspannen können, hier werden aber auch regelmäßig Open-Air-Events des Landestheaters und des Bruckner Orchesters stattfinden.
Über diesem Platz schwebt ein LED-Video Screen zur Übertragung von Musiktheater-Aufführungen in den Volksgarten: bei freiem Eintritt, im Sinne einer "Oper für alle". Der teilbare und verfahrbare Screen kann auch für Video-Kunst-Installationen genutzt werden.
Die derzeit vor dem Musiktheater erkennbaren Lüftungsauslässe der Linz Linien werden im Rahmen von "Kunst am Bau" verkleidet. Das Kunstwerk soll als Klangskulptur den Weg zum Musiktheater weisen.
- Als eine der Hauptattraktionen wird auf der Westseite des Parks der Kinderspielplatz vergrößert. Mit einem eigenen Kleinkinder-Spielplatz und einem eigenen Jugendbereich wird dieser Bewegungsbereich auf der Westseite des Parks auch funktionell strukturiert. Dadurch finden noch mehr Kinder, die in der dicht verbauten Innenstadt wohnen, Platz zum Spielen vor. Mit einer kreativen Planung soll auch der Bereich der Aufbauten über der Tiefgarage, die an den Kinderspielplatz angrenzen, neu gestaltet und in die Nutzung des Areals einfließen.
- Der bisher im Abseits gelegene Brunnen „Freude am Schönen“ wird saniert und soll durch eine Verschwenkung des Hauptweges zu einem belebten Knotenpunkt im neuen Volksgarten werden, da er zugleich auch an den Vorplatz des Musiktheaters grenzt. So kann er schon beim Eingang Goethestraße als markanter Punkt wahrgenommen werden.
- Durch die Verschwenkung des südlichen Hauptweges nach Osten entsteht im westlichen Teil des Parks eine größere zusammenhängende Grünfläche. Die dadurch entstehende größere freie Rasenfläche im Zentrum es Parks soll zum Liegen und sich in die Wiese setzen animieren.
- Entlang der Kärntnerstraße werden befestigte Flächen in Grünflächen umgewandelt und mit Blumen und Gräsern bepflanzt.
- Das Bepflanzungskonzept wird durch Gräser- und Blütenstreifen die Neugestaltung des Volksgartens unterstreichen. Die traditionelle Blütenpracht des Volksgartens soll optisch erhalten bleiben.
- Entlang der Landstraße führt ein breiter Boulevard zum Musiktheater. Dadurch steht für FußgängerInnen und für FahrradfahrerInnen mehr Platz als bisher zur Verfügung. Eine auch für RadfahrerInnen durchgängige Nord-Südverbindung, von der Wiener Straße in die Landstraße, ist damit sichergestellt.
- Für die Erschließung des Parks gibt es auch kleinere Anpassungen im Wegnetz für eine optimale Fußgängerführung zu den Haltestellen und angrenzenden Straßen. Kreuzungsbereiche der Wege werden dabei besonders gestaltet.
- Alle Denkmäler bleiben erhalten. Einige von ihnen werden nach der Umgestaltung an anderer Stelle zu finden sein. Das Stelzhamer Denkmal bleibt an seinem angestammten Platz.
- FreundInnen des Schachspiels können auch weiterhin im Volksgarten ihrem Hobby frönen. Ihr Treffpunkt ist im Westteil des Parks geplant.
- Zum Verweilen werden neben einer Vielzahl an Parkbänken auch - vor allem bei den Jugendlichen beliebten - moderne Holzdecks und Wellenbänke einladen.
- Für die ParkbesucherInnen wird an der Bushaltestelle Stelzhamerstraße ein neues ebenerdiges öffentliches WC errichtet.
Nächste Schritte
Derzeit laufen die Detailplanungen von Landschaftsarchitekten Dipl.-Ing. Mag. Otmar Stöckl in enger Zusammenarbeit mit den Stadtgärten und der Musiktheater Linz GmbH. Die Planungen sollen im Oktober der Bevölkerung in einer weiteren BürgerInnen-Informationsveranstaltung vorgestellt werden.
Im November 2011 soll die Umsetzung der Neugestaltung des Volksgartens beschlossen werden. Der Kostenanteil der Stadt liegt nach der derzeitigen Grobkostenschätzung bei 1,2 Millionen Euro. Die Gestaltung des Vorplatzes wird von der Musiktheater Linz GmbH finanziert.
Die Umsetzung der Arbeiten erfolgt 2012, womit 2013 der neu gestaltete Volksgarten gemeinsam mit dem neuen Musiktheater der Bevölkerung zur Verfügung stehen wird.
Die Geschichte des Volksgartens
- 1829 – 1852 – Der Volksgarten wird als kommerzieller Vergnügungspark nach internationalen Vorbildern und jenem des Wiener Volksgartens von der Gastronomie-Familie Festarozzi gegründet und geführt. Wichtige bauliche Teile für den Betrieb sind ein zentrales Veranstaltungs- und Gastronomiegebäude entlang der Volksgartenstraße sowie einzelne Pavillons und Vergnügungseinrichtungen mit Haupteingang von der Landstraße. Die Parkanlage ist in sich geschlossen und im landschaftlichen Stil gestaltet, vermutlich so ähnlich wie die damaligen Privat-Schaugärten in der Reichshauptstadt Wien.
- 1857 – Kauf durch die Stadt aufgrund des Baus der Westbahn
- 1868/69 – Wettbewerb und Neubau des Volksgartensalons
- 1877 – Erweiterung Richtung Süden zur Westbahn hin unter Erhaltung der abgeschlossenen Gestaltung
- 1902/03 – Neubau des Volksgartensalons entlang der Volksgartenstraße, der Sitz des Kunstvereins, Ort großer Konzertveranstaltungen mit mehr als 3.000 BesucherInnen, („Vorläufer“ des Musiktheaters)
- 1950 – Errichtung des Blumaubahnhofes und der Milchtrinkhalle
- 1953 – Abriss des im Krieg völlig zerstörten Salons und Öffnung des Parks nach allen Seiten, die Kellerreste werden als private Tiefgarage adaptiert, darüber ein Spielplatz errichtet.
- 1956 – Seit diesem Jahr wird der Weihnachtsmarkt im Park veranstaltet
- 1960 – nach der erweiterten Öffnung Bepflanzung mit einer rundum laufenden Straucheinfassung zur Lärm- und Staubabschirmung
- 2004 - EU-gefördertes Jugend-Beteiligungsprojekt „Teens open Space“; daraus resultierende Maßnahmen: Durch die Entfernung von Sträuchern wird der Park offener und heller. Neue jugendgerechte und kommunikationsfördernde Sitzmöglichkeiten in Form von Sitzblumen werden aufgestellt.
- 2009 – am 15. April Spatenstich für das Musiktheater, ganzjährige Bespielung des Volksgartens mit Programm der Europäischen Kulturhauptstadt Linz
Die Denkmäler
- Leo von MOOS - Büste des Turnvaters Friedrich Ludwig JAHN, 1905
- Franz METZNER - Bronzestandbild des Dichters Franz STELZHAMER, 1908
- Anton HANAK - Marmorstatue „Die Freude am Schönen“ und Brunnenanlage, 1908
- Gustav MUHER – flaches Steinbecken als Vogeltränke, 1930
- Max STOCKENHUBER - bronzene Spielplastik „Lausbub“ und Wasserbecken, 1956
- Kneipp-Bund – Kneipp Metall-Gedenktafel, 1977
Typischer Parkcharakter
Die städtebauliche Entwicklung von Linz hat mit sich gebracht, dass letztlich nur der Volksgarten als größter innerstädtischer Erholungsbereich typischen Parkcharakter hat. Der Hessen- und Schillerpark sind typische Schmuckplätze, die Promenade stellt einen Bewegungsraum dar, Bauernberg, Freinberg und Donaupark liegen bereits außerhalb der Innenstadt.
Weitere GesprächspartnerInnen:
Dipl.-Ing.in Barbara Veitl (Leiterin der Stadtgärten)
Dr. Thomas Königstorfer (Kaufmännischer Geschäftsführer der Musiktheater Linz GmbH)
Dipl.-Ing. Otto Mierl (Technischer Geschäftsführer Musiktheater Linz GmbH)
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Grünreferentin Stadträtin Susanne Wegscheider über die Neugestaltung des Volksgartens)