Siegerprojekt der Architekten Karl+Bremhorst
Der konsequente Ausbau der stationären Pflegeangebote in den vergangenen Jahren führte zu einer Vollversorgung an Betreuungs- und Pflegeangeboten für die ältere Generation. In der Landeshauptstadt gibt es derzeit 18 Seniorenzentren, die auf das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Zehn werden von der Stadt Linz und acht von privaten Organisationen geführt.
Der Bedarfs- und Entwicklungsplan des Landes Oberösterreich sieht bis 2015 exakt 1.923 Pflegeplätze vor. Die Stadt Linz erfüllt bereits diesen Bedarf. Dennoch sind in den nächsten Jahren neue Pflegeplätze zur schrittweisen Qualitätsverbesserung erforderlich. Deshalb sollen nun durch die stadteigene GWG an der Liebigstraße im Franckviertel ein weiteres Seniorenzentrum mit 120 Pflegeplätzen sowie ein Tageszentrum für bis zu 40 BesucherInnen errichtet werden. Die Bauzeit für das Seniorenzentrum soll rund zwei Jahre betragen. Der Baubeginn könnte nach dem derzeitigen Planungsstand bereits im kommenden Jahr erfolgen.
Zusätzlich ist der Bau einer Mutter-Kind-Wohnanlage mit 17 Wohneinheiten geplant, um die soziale Infrastruktur in Linz-Mitte weiter auszubauen und das bestehende Frauenhaus zu entlasten.
Der Grund für den Bau des Seniorenzentrums am Areal Liebigstraße liegt vor allem darin, die bestehenden Zwei-Bett-Zimmer durch Ein-Bett-Zimmer zu ersetzen. In den zehn Häusern der Seniorenzentren Linz GmbH befinden sich noch 71 Zwei-Bettzimmer und 42 Drei-Bettzimmer. Größtenteils sind diese in den älteren Gebäuden des Seniorenzentrums Spallerhof untergebracht. Durch das neue Haus werden die meisten Mehrbett-Zimmer durch zeitgemäße Ein-Bettzimmer ersetzt.
Am 21. Oktober 2010 hat der Linzer Gemeinderat im Hinblick auf den mittel- und langfristigen Ausbau stationärer Pflegeeinrichtungen einen Grundsatzbeschluss gefasst, der die Errichtung einer Pflegeeinrichtung auf dem nunmehrigen Planungsareal an der Liebigstraße vorsieht.
Im Jahr 2011 wurde ein Raum- und Funktionsprogramm für die neuen Sozialeinrichtungen erstellt, im Sommer dieses Jahres wurde von der GWG ein Realisierungswettbewerb für das Projekt initiiert. Der Wettbewerb wurde als nicht offenes Verfahren mit vorgeschaltetem EWR-weitem Bewerbungsverfahren zur Erlangung von baukünstlerischen Vorentwurfskonzepten durchgeführt, wobei 17 BewerberInnen zur Teilnahme eingeladen waren.
Gefragt war eine funktionelle und effiziente Lösung, wobei neben einer ansprechenden Architektur und hoher städtebaulicher Qualität vor allem folgende Vorgaben zu berücksichtigen waren:
Der maximale Kostenrahmen für das Alten- und Pflegeheim war mit 12 Millionen Euro, für das Tageszentrum mit 1,3 Millionen Euro und für die Mutter-Kind-Wohnanlage mit 2,8 Millionen Euro vorgegeben.
Das Wettbewerbsareal umfasst insgesamt 14.218 Quadratmeter. Der Bauplatz für das Seniorenzentrum liegt im nordwestlichen Teil des Grundstücks und erstreckt sich über 4.900 Quadratmeter; das daran südseitig anschließende Areal für die Mutter-Kind-Wohnanlage ist 1.600 Quadratmeter groß.
Wettbewerbsareal an der Liebigstraße
Das Wettbewerbsgebiet wird im Westen von der Liebigstraße begrenzt. Während in Norden und Süden verschieden hohe, freistehende Gebäude die Nachbarschaft bilden, sind im Osten und Südosten die Flächen unbebaut.
Die Erschließung des Seniorenzentrums soll über die westseitig gelegene Liebigstraße erfolgen. Der Bauplatz der Mutter-Kind-Wohnanlage ist über eine Privatstraße zu erreichen, die den südlichsten Teil des Seniorenzentrumareals quert.
Das Siegerprojekt
Aus insgesamt 14 Einreichungen wurde am Dienstag, 2. Oktober 2012 das Siegerprojekt von einem unabhängigen Preisgericht gekürt. Den Juryvorsitz hatte Arch.in Mag.a arch.Gabu Heindl, Mitglied des Linzer Gestaltungsbeirats, inne.
Die Jury
Fachpreisjury:
Sachpreisjury:
Organisation, Verfahrensabwicklung und Vorprüfung des Wettbewerbs erfolgten durch das Architekturbüro Pitschmann, Pettenbach.
Gewonnen haben den Architektur-Wettbewerb die Architekten Karl+Bremhorst aus Wien. Ihr Projekt überzeugte alle JurorInnen, was zu einer einstimmigen Entscheidung führte.
Modell des Siegerprojekts und der Umgebung des Wettbewerbsareals
Die beiden Baukörper (links das Seniorenzentrum, rechts die Mutter-Kind-Wohnanlage
Das Projekt der Architekten Karl+Bremhorst sieht eine viergeschoßige Bebauung vor, wobei die beiden Bereiche – Seniorenzentrum und Mutter-Kind-Wohnanlage – als zwei selbstständige Baukörper ausgeführt sind. Die Gebäude sind der Funktion entsprechend klar strukturiert und lassen eine attraktive innenräumliche Qualität erwarten. Die Innen- und Außenraumbereiche sind klar differenziert und damit gelungen gestaltet.
Die Gesamtkosten sind für das Seniorenzentrum, das Tageszentrum und die Mutter-Kind-Wohnanlage sind mit rund 16 Millionen Euro veranschlagt.
Die Bebauung soll viergeschoßig erfolgen. Das Seniorenzentrum gliedert sich in drei Pflege- und Wohnabteilungen, wobei jede der drei Abteilungen zusammenhängend auf einer Geschoßebene untergebracht sind. Das Tagespflegezentrum ist im Erdgeschoß geplant.
Die Gesamtkapazität ist mit 120 Plätzen ausgelegt, gegliedert in drei Pflege- und Wohnabteilungen zu je 40 BewohnerInnen. Die Betreuung der jeweiligen Ebenen wird von so genannten Pflegestützpunkten aus erfolgen. Die BewohnerInnenzimmer werden als Einzelzimmer mit jeweils mindestens 17 Quadratmetern Fläche ausgeführt. Weiters werden Aufenthaltsbereiche sowie Arbeits- Dienst-, Sozial- und Ruheräume den Zimmern jeweils gleichmäßig zugeordnet.
Die Mutter-Kind-Wohnanlage im Süden soll als eigene Bauetappe mit 17 Wohnungen errichtet werden. Sie soll eine Erweiterungsmöglichkeit bzw. einen Ersatz für die relativ beengten Raumverhältnisse des Linzer Frauenhauses bieten.
Auch mehr Freiraum und Spielmöglichkeiten für die Kinder, eine barrierefreie Ausführung der Räume und mehr Sicherheit für die BewohnerInnen sollen durch diesen Neubau gewährleistet sein. Es sind rund 800 Quadtratmeter Wohnfläche, zusätzlich rund 100 Quadratmeter Gemeinschaftsräume und rund 500 Quadratmeter Garten geplant.
Für das Seniorenzentrum sind 34 Stellplätze in einer Tiefgarage und weitere 8 Stellplätze an der Außenseite geplant, für das Mutter-Kind-Zentrum 5 Stellplätze.
Grundriss der Gebäude
Die Einfahrt zu den neuen Sozialeinrichtungen ist von der Nordseite aus geplant. Das Seniorenzentrum orientiert sich einladend zur Liebigstraße, die Mutter-Kind-Wohnanlage befindet sich, durch das Seniorenzentrum und Bepflanzung etwas abgeschirmt, am südlichen Teil des Grundstücks. Zwischen dem Seniorenzentrum und der Mutter Kind-Wohnanlage wird ein geschützter Garten angelegt.
Man betritt die Halle des Seniorenzentrums vom Vorplatz aus über eine Arkade. Stiegenhaus und Aufzüge sind auf kurzem Weg erreichbar. Die Planung sieht in den Obergeschoßen die drei Pflege- und Wohnabteilungen und im Erdgeschoß das Tageszentrum vor. Verwaltung, Cafe und Saal befinden sich im nordseitigen Gebäudeflügel und orientieren sich zum Vorplatz hin. Der ostseitige Flügel beinhaltet Küche, Therapie und Sozialräume. Im südseitigen Flügel ist das Tageszentrum vorgesehen. Das Tageszentrum und der Therapiebereich des Seniorenzentrums orientieren sich zum ruhigen, von der Straße abgeschirmten Garten hin.
In den Obergeschoßen sind die drei Gruppen klar voneinander getrennt. Dazwischen liegt ein „Dorfplatz“ mit der Vertikalerschließung und dem Stützpunkt. Die Wohn- und Speisebereiche erhalten Loggien und liegen direkt anschließend an den Dorfplatz.
Es gibt keine dunklen Gänge. „Spazierwege“ mit differenzierten Ausblicken in die Umgebung führen durchs Haus. Die Wände der holzvertäfelten Nebenraumzone sind mit durchlaufenden Oberlichten geplant, der offene wohnliche Charakter wird so unterstrichen. Die Nischen vor den Zimmern können individuell gestaltet werden. Die Allgemeinräume erhalten indirekte, blendfreie, möglichst schattenwurffreie, tageslichtabhängige Beleuchtung. Wohnküchen zum Mithelfen und Loggien sorgen für Wohnqualität.
Das Seniorenzentrum und das Mutter-Kind-Wohnen sind über eine Tiefgarage miteinander verbunden, so können die zwei Häuser mit einer gemeinsamen Haustechnik auskommen und Synergien genutzt werden.
Das Mutter-Kind-Wohnen ist von der Liebigstraße abgeschirmt. Über einen Vorhof kann das Haus erreicht werden. Die Wohnungen in den oberen Geschoßen sind um ein begrüntes Atrium gruppiert, das eine „Erweiterung“ des Gartens mit hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität darstellt.
Beide Gebäude sind als hoch wärmegedämmte Energiesparhäuser konzipiert. Die Lüftungsanlage wird mit einem hocheffizienten Wärmerückgewinnungssystem ausgestattet. Sonnenkollektoren unterstützen die Warmwassererzeugung.
Besonders überzeugt hat die Jury neben hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität die architektonisch klare Gestaltung der Gebäude. Das Siegerprojekt überzeugt weiters durch zurückhaltende Materialwahl und konsequent durchgearbeitete Detaillösungen.
„Mit dem Projekt der der Architekten Karl+Bremhorst ist eine weitere qualitätsvolle und hochwertige Bebauung im Franckviertel gewährleistet. Nach dem Design Center, der Neubebauung rund um den Europaplatz und der Errichtung des Seniorenzentrums Ing.-Stern-Straße setzt die Stadt Linz mit dem neuen Seniorenzentrum und den begleitenden sozialen Einrichtungen an der Liebigstraße einen erneuten städtebaulichen Akzent im Franckviertel. Gleichzeitig tragen diese Bauten zum weiteren Ausbau des hohen sozialen Standards in Linz bei“, kommentiert der Linzer Sozialreferent und GWG-Aufsichtsratsvorsitzende Vizebürgermeister Klaus Luger das Wettbewerbsergebnis.
Der zweite Preis ging an das Projekt der Kirsch ZT GmbH, Wien, den dritten Platz belegte das Vorhaben der Steinkellner & Partner + F2 architekten gesmbh, Schwanenstadt. Ihre Vorschläge werden mit Preisgeldern honoriert.
Angekauft werden die Pläne der Architekten ZT GmbH, Wien, der Karrer Oehlinger Architekten ZT GmbH, Linz und der PPAG architects ztgmbh, Wien.
Die Projekte werden ab Montag, 8. Oktober 2012, bis Freitag, 19. Oktober 2012, im 2. Stock in den Räumen der Bautechnik der GWG ausgestellt. Sie können während der Bürostunden von Montag bis Donnerstag, 8 bis 16 Uhr und am Freitag von 8 bis 12 Uhr besichtigt werden.
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz „Ergebnis Architekturwettbewerb Seniorenzentrum und Mutter-Kind-Wohnanlage an der Liebigstraße“ von Sozialreferent und GWG-Aufsichtsratsvorsitzendem Vizebürgermeister Klaus Luger)
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Modell des neuen Seniorenzentrums Liebigstraße und der Mutter-Kind Wohnanlage im Franckviertel. (Foto: Arch. Pitschmann) |
Druckdatei 15 x 11 cm mit 300 dpi (495 kB) |

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