Ziel: weniger Tote, weniger Schwerverletzte, weniger Unfälle mit Personenschaden
Die Stadt Linz setzt vielfältige Akzente, um das Gefahrenpotenzial auf Straßen und Wegen so weit wie möglich zu minimieren. Neue Ampelanlagen, Schutzwege, Beleuchtungen sowie spezielle Schulwegsicherungsmaßnahmen haben die Sicherheit aller VerkehrsteilnehmerInnen erhöht und zu einem kontinuierlichen Sinken der Unfallzahlen geführt. Vor allem die Zahl der verunglückten Kinder konnte in den vergangenen acht Jahren halbiert werden. Obwohl in der oberösterreichischen Landeshauptstadt die Unfälle mit Personenschäden in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent und jene mit FußgängerInnen knapp um 30 Prozent sanken, soll noch in diesem Jahr der Linzer Gemeinderat ein Verkehrssicherheitsprogramm beschließen.
„Die Verkehrssicherheit in Linz ist auf einem hohen Niveau. Dennoch ist jeder Unfall einer zuviel. Die Stadt Linz ist daher laufend bestrebt, neue Möglichkeiten zur Sicherung der Straßen und Wege zu finden“, betont Verkehrsreferent Vizebürgermeister Klaus Luger.
Im neuen Verkehrssicherheitsprogramm wird auch die Eigenverantwortung der BürgerInnen gefordert. Nur so sei es möglich, die Lebensqualität zu erhöhen, die Wege sicherer zu machen und die Bewältigung der Mobilität zu optimieren. Ein Mix aus Information, Mitbeteiligung, Beratung und Trainingsangeboten soll das Programm zum Erfolg machen.
Als Maßnahmen für die nächsten Jahre schlagen die ExpertInnen der Forschungsgesellschaft Mobilität etwa eine Kampagne zum Thema Ablenkung am Steuer beziehungsweise im öffentlichen Raum durch Musik oder Handytelefonieren vor. Auch die intensivere Einbindung von Elternvereinen und SeniorInnenorganisationen sowie die Aufklärungsarbeit an Berufsschulen zum Thema Alkohol und Drogen soll einen neuen Schwerpunkt bilden. Ebenso wird eine Konzentration der Sicherheitsberatung sowie die Vermittlung von Verkehrssicherheitstrainings für ältere Menschen, RadfahrerInnen und Schulkinder vorgeschlagen.
Mit Beschluss vom 22. Dezember 2011 hat die Stadt Linz deshalb die Erstellung eines Maßnahmenkatalogs initiiert, der analog zum österreichweiten Programm die Linzer Verkehrssicherheit erhöhen soll. Auf Basis dieses Stadtsenatsbeschlusses wurde die Ausarbeitung eines wissenschaftlich fundierten Konzeptes in Auftrag gegeben.
„Vor allem den schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen, Kindern und SeniorInnen, muss unsere besondere Aufmerksamkeit gelten. 15 Prozent der tödlich Verunfallten sind FußgängerInnen. Für diese gilt es, taugliche Maßnahmen zu entwickeln, um so die Unfallzahlen weiter reduzieren zu können. Das Linzer Verkehrssicherheitsprogramm soll eine Grundlage dafür schaffen“, skizziert Luger den weiteren Weg.
Noch heuer soll der Linzer Gemeinderat dieses Programm beschließen, mit dem der Verkehr in Linz bis zum Jahr 2020 noch sicherer gemacht werden soll. Im Auftrag der Stadt Linz hat die Forschungsgesellschaft Mobilität (Austrian Mobility Research) in Graz in Zusammenarbeit mit der Linzer Verkehrsplanung einen entsprechenden Grundsatzentwurf ausgearbeitet.
Die Bürgerinnen und Bürger sollen in das neue Programm möglichst aktiv eingebunden werden. Großer Wert wird auf die gleichmäßige Miteinbeziehung aller Gruppen von VerkehrsteilnehmerInnen und aller Arten und Formen der Mobilität (FußgängerInnen, RadfahrerInnen, Kfz-LenkerInnen) in künftige Maßnahmen, Schulungs- und Aufklärungsprogramme gelegt.
Der Erstellung des Verkehrssicherheitsprogramms ging eine umfassende Analyse der Unfallursachen voraus. Obwohl das Unfallgeschehen in der Landeshauptstadt in den vergangenen Jahren kontinuierlich rückläufig ist, sollen mit dem neuen Programm zusätzliche Strategien entwickelt werden, die zu einem Erhalt des erreichten Sicherheitsniveaus und zu einer weiteren Abflachung der Unfallraten führen. Verschiedene statistische und empirische Faktoren sind im Verkehrssicherheitsprogramm ausführlich dokumentiert. Auf Basis der gesammelten Erfahrungen sollen Wege beschritten werden, die sich an klaren Schwerpunktsetzungen orientieren.
Seit 2007 ist die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden in Linz um 20 Prozent von 1.283 auf 1.018 Unfälle zurückgegangen. Dennoch wurden im Jahr 2011 1.273 LinzerInnen im Straßenverkehr verletzt.
Während die Anzahl der Verunglückten sogar um 23 Prozent zurückging und die Anzahl der Schwerverletzten um 16 Prozent, gibt es bei der Anzahl der Getöteten im Straßenverkehr keine tendenzielle Verbesserung. In den vergangenen fünf Jahren kamen im Schnitt 8 Personen bei Unfällen im Linzer Stadtgebiet ums Leben. Zudem sind über die Jahre hinweg betrachtet größere Schwankungen festzustellen.
Auch die Anzahl der verunglückten FußgängerInnen geht seit 2008 kontinuierlich zurück. 2008 waren es noch 253 Verunglückte, im Jahre 2011 nur mehr 181. Das entspricht einer Reduktion von 28 Prozent.
Die Anzahl der Kinder, die in Linz im Straßenverkehr verunglücken, sinkt ständig. Seit dem Jahr 2004 - mit 142 verunglückten Kindern - konnte die Anzahl erfreulicherweise um über 50 Prozent gesenkt werden. 2008 gab es das letzte Mal ein im Straßenverkehr getötetes Kind in Linz.
Seit 2003 ist die Anzahl der verunglückten RadfahrerInnen um 25 Prozent gesunken, und das trotz eines Anstiegs der Fahrradnutzung. Allerdings gab es wieder einen leichten Anstieg vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011.
Die Vermeidung von Alkoholunfällen wird einer der zentralen Schwerpunkte der Maßnahmen sein. Auch anderen Risikofaktoren, wie Drogenkonsum sowie Ermüdung und Ablenkung, soll mit dem neuen Verkehrssicherheitsprogramm erzieherisch entgegengewirkt werden.
„Trotz der generell gesunkenen Unfallzahlen ist es notwendig, Akzente zu setzen. Das Linzer Verkehrssicherheitsprogramm soll mithelfen, in Analogie zu allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen im Straßenverkehr wie optimierten Lichtsignalanlagen, zusätzlichen Zebrastreifen und verbesserter Beleuchtung auch in der Bewusstseinsbildung, in Erziehungsfragen und im Hinblick auf die Schulung älterer VerkehrsteilnehmerInnen verstärkt Akzente zu setzen“, erläutert Verkehrsreferent Vizebürgermeister Klaus Luger.
Unter der Devise „Linz tut gut - neue Wege in der Verkehrssicherheit“ ist beabsichtigt, einen Weg zu gehen, der sich an wissenschaftlich analysierten Schwerpunkten orientiert. Das Verkehrssicherheitsprogramm versteht sich dabei als aktives Instrument im Gegensatz zu einem starren Programm. Auf veränderte Verkehrssituationen soll flexibel reagiert werden. Ausgelegt ist das Programm bis 2020, also auf den Zeitraum der kommenden acht Jahre.
„Es wird bewusst auf die Festlegung von Quoten oder Zahlen verzichtet. Aus einem breiten Kanon von möglichen Maßnahmen sollen flexibel jene ausgewählt werden, die aufgrund realer Entwicklungen als besonders geeignet erscheinen, einem konkreten Problem zu Leibe zu rücken“, sagt Luger.
Einen dezidiert hohen Stellenwert nimmt die aktive Miteinbeziehung der BürgerInnen ein. Sie sind in größtmöglichem Ausmaß zum Mitgestalten eingeladen und erhalten im Zuge von Beteiligungsmodellen dafür auch entsprechenden Raum. Jede/r kann zur Gestaltung der Lebensqualität in der eigenen Stadt und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen. Auch bestehende Aggressionspotentiale vor allem im motorisierten Verkehr (durch Stau…) und Feindbilder (AutofahrerInnen gegen RadfahrerInnen gegen FußgängerInnen etc.) sollen abgebaut werden.
Das Linzer Verkehrssicherheitsprogramm ist zudem keine neue Erfindung per se, sondern stützt sich auf statistische Daten, empirische Forschungen und Maßnahmen aus Vorläuferprogrammen. So spielt beispielsweise die Problematik von Wochenverlaufsspitzen (Unfallhäufungen im Wochengeschehen) eine Rolle. Hier könnten zum Beispiel „Mittwochsaktionen“ in der Verkehrsicherheitsarbeit Verbesserungen bringen.
In Konformität zum Österreichischen sowie Oberösterreichischen Verkehrssicherheitsprogramm ist auch im Linzer Verkehrssicherheitsprogramm die frühzeitige Einbindung der „Betroffenen“ und die Fokussierung auf die ungeschützten VerkehrsteilnehmerInnen (Kinder, SeniorInnen und andere in ihrer Mobilität beeinträchtigte Personen) vorgesehen. Das Linzer Verkehrssicherheitsprogramm unterstützt somit auch die Zielvorgaben des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogramms.
Dem Öffentlichen Nahverkehr als Rückgrat eines nachhaltigen städtischen Verkehrssystems wird eine dominierende Rolle eingeräumt. Auch die Optimierung der urbanen Mobilität hat in Analogie zu den europaweiten generellen Verkehrszielen Priorität, es wird ein ökologischer Ansatz verfolgt. Die BürgerInnen sind aufgefordert mehr zu laufen, mehr Rad zu fahren und neue Formen der Mobilität zu erproben, um weniger vom Auto abhängig zu sein. Auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel soll durch weitere Attraktivitätserhöhung und noch bessere Anbindungen wie der Straßenbahnverlängerung nach Traun, der Mühlkreisbahn neu oder der 2. Linzer Schienenachse gefördert werden.
Neben einem Aktionsprogramm „Schule und Ausbildung“ geben drei wesentliche Schwerpunktsetzungen Handlungsorientierung: Auf Basis des bestehenden Programms können weitere Aktionspläne je nach den aktuellen Erfordernissen erstellt werden.
Als qualitative Ziele werden folgende drei Schwerpunkte gesehen:
Das Linzer Verkehrssicherheitsprogramm versucht nicht nur ein neues Verständnis von Verkehrssicherheit zu definieren, sondern vor allem auch die Eigenverantwortung und Kommunikation der BürgerInnen und Bürger zu fördern.
Folgende Instrumente zur Erfüllung der Ziele schlägt die Forschungsgesellschaft Mobilität vor: Kommunikation, Kampagnen, Mitbeteiligung, Beratung und Training.
Kampagnen:
Konkret vorstellbar sind Kampagnen mit Fokussierung auf die ungeschützten VerkehrsteilnehmerInnen, Kampagnen zum Wochenverlaufsunfallgeschehen (zum Beispiel „Mittwochsaktionen“), Kampagnen zum Thema Ablenkung am Steuer beziehungsweise im öffentlichen Raum durch Musik oder Handytelefonieren.
Kommunikation:
Im Zuge intensivierter Verkehrssicherheitskommunikation sollen spezielle Zielgruppen (junge FahrerInnen, SchülerInnen, Elternverbände und SeniorInnenorganisationen) angesprochen werden. Auch Schwerpunktthemen wie Reduzierung von Alkohol und Geschwindigkeit im Verkehr, Aufklärungsarbeit in Schulen zu den Themen Alkohol und Drogen sowie im Hinblick auf den verstärkten Einsatz schützender Materialen (z. B. Reflektoren) zählen zum Instrumentarium.
Beratung:
Eine intensivierte Verkehrssicherheitsberatung an Schulen und in Kindergärten, Infoveranstaltungen von AutofahrerInnenorganisationen, Motivationsworkshops für LehrerInnen und KindergärtnerInnen sowie die Vermittlung von Verkehrssicherheitstrainings (spezielle Angebote für ältere Menschen, Schulkinder, RadfahrerInnen) sollen Verbesserungen bringen.
Kommunale Steuerungsmaßnahmen:
Zur Erreichung der Ziele wird das Maßnahmenspektrum auch auf konkrete Steuerungsmaßnahmen (Bevorrangung des Öffentlichen Verkehrs, verstärkte Kontrollen durch die Exekutive…), auf verschiedene Aktionen (zum Beispiel Verkehrssicherheitstage in Unternehmen) bis auf planerische Ansätze ausgeweitet (Road Safety Inspections, Rotlichtkameras, verstärkter Einsatz mobiler Tempoanzeigen, zusätzliche Querungshilfen etc).
Die Verbesserung der Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche bildet einen besonderen Schwerpunkt des Linzer Verkehrssicherheitsprogramms. Erreicht werden soll dies mit dem Aktionsprogramm „Schule und Schulwegsicherheit“ für Kinder und Jugendliche, das verstärkte Anstrengungen im Bereich verkehrserzieherischer und mobilitätsbildender Maßnahmen vorsieht. Trainingsaktionen und Workshops sollen dabei ebenso eine Rolle spielen wie die Zusammenarbeit mit den Eltern.
„Die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen zählt zu den obersten Geboten bei der Verkehrssicherheit in Linz“ - lautet eine der festgeschriebenen Präambeln des Verkehrssicherheitsprogramms. Die erfreuliche Tatsache, dass in Linz seit 2008 kein Kind im Straßenverkehr getötet wurde, sowie die rückläufigen Zahlen der am Schulweg verunglückten Kinder sollten auch für die kommenden Jahre gesichert werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine verstärkte Zielgruppenansprache von Kindern und Jugendlichen (durch Werbemaßnahmen und Kampagnen an den Schulen), eine intensivierte Kooperation mit LehrerInnen und KindergärtnerInnen (zum Beispiel durch Motivationsworkshops) sowie eine Fortsetzung der Verkehrssicherheitsberatung an den Schulen (gemeinsam mit Polizei und LINZ LINIEN) beabsichtigt.
(Informationsunterlage für Verkehrsreferent Vizebürgermeister Klaus Luger zur Pressekonferenz zum Thema „Linzer Verkehrssicherheitsprogramm“)
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