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Willemer-Preis
FRAUEN
Presseaussendung vom 11.10.2012

Marianne.von.Willemer – Preis für digitale Medien

Neuer Beteiligungsrekord bei Willemer-Preis

Der Marianne.von.Willemer-Preis für digitale Medien wird alle zwei Jahre vom Linzer Frauenbüro in Zusammenarbeit mit Ars Electronica und Unterstützung von dorfTV ausgeschrieben. Der mit 3.600 Euro dotierte Preis ist eine direkte Förderung von Künstlerinnen und soll Frauen, die digitale Medien als künstlerisches Werkzeug und Ausdrucksmittel nutzen, unterstützen.

Der Marianne.von.Willemer-Preis für digitale Medien ist inzwischen einer der erfolgreichsten städtischen Kulturpreise und gewinnt Jahr für Jahr an Bedeutung. Vor zwei Jahren beteiligten sich 102 Künstlerinnen. Heuer wurde mit insgesamt 150 Einreichungen aus ganz Österreich ein neuer Rekord aufgestellt.

Die Fachjurorinnen unter Vorsitz von FH Prof.in Rosa von Suess (Fachhochschule St. Pölten, Department IT & Medien), Univ.-Prof.in Mag.a art. Brigitte Vasicek (Kunstuniversität Linz Studienrichtung Zeitbasierte und Interaktive Medien) und Stella Rollig, Künstlerische Direktorin der Museen der Stadt Linz nahmen zunächst 13 Projekte in die nähere Auswahl. Nach Durchsicht der nominierten Einreichungen und eingehender Diskussion setzte sich das Projekt von Mag.a Manu Luksch mit dem Titel „Kayak Libre“ als Siegerinnenprojekt durch.

Willemer-Preisträgerin 2012 – Manu Luksch

Manuela Luksch (geb. 1970, Wien) ist interdisziplinäre Künstlerin und Filmemacherin. Ihre Ausbildung: Bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste, Wien und an der Chulalongkorn University, Bangkok.

Die Künstlerin arbeitet und lebt in London und Wien. In ihren Arbeiten thematisiert sie die in der technologisierten Umwelt immanenten Macht- und Kontrollstrukturen, die sich von unseren alltäglichen Datenspuren ernähren.

Manu Luksch erhielt das österreichische Staatsstipendium für Medienkunst 2012 und ist mit dem 'legalen Readymade' und Science Fiction Film FACE-LESS (2007) unter anderem in der Collection de Centre Pompidou (Paris) vertreten. Ausstellungen: ARoS Art Museum (Århus, Dänemark), NTT-ICC (Tokyo), Coreana Museum of Art (Seoul), VIENNA ART WEEK - Freud Museum (Wien).

Derzeit ist die neue Willemer-Preisträgerin hauptsächlich wieder in Österreich stationiert, wo sie an einem neuen Film arbeitet, der bei Amour Fou Filmproduktion in Fertigstellung ist.

Zu ihrer Arbeit „Kayak Libre“ meint die Willemer-Preisträgerin 2012:

„Das Projekt resultierte aus einer langjährigen Auseinandersetzung mit den Schnittstellen zwischen urbanem öffentlichen Raum und Datennetzwerken. In Europa befinden sich bedeutsame Überreste eines mächtigen Kanalsystems, das während der Industriellen Revolution als Transportweg geschaffen wurde. Der Kanal als von Menschenhand gebautes Netzwerk zwischen Städten und Meereshäfen interessierte mich als Location, um zu erforschen, wie Mobilität in der Vorstellung unterschiedlichster User des Kayak Libre Taxiservices unseren Alltag der Zukunft formt.“

Das Siegerinnenprojekt - „Kayak Libre“

Kayak Libre ist ein Artistic Research Projekt in Form einer experimentellen Verkehrsinfrastruktur und Geo-Website. Die mögliche Zukunft der Mobilität sind Thema von Gesprächen, die Manu Luksch mit den geladenen Mitreisenden in einem Kayak führt. Das Kayak ist in den Gewässern von London und Birmingham unterwegs. Die Statements sind nach Themen sortiert und über eine online verfügbare Karte lokalisiert abrufbar. So präsentiert sich die Arbeit im realen sowie im virtuellen Raum.

Als temporäre Einrichtung operierte das Wassertaxi Kayak Libre auf dem  Kanalnetzwerk englischer Städte, das während der Industriellen Revolution entstanden war. Die Fahrt mit dem Kajaktaxi erlaubt eine neue Perspektive auf die eigene Nachbarschaft und urbane Fortbewegungsmittel. Langsamkeit, Froschperspektive, synästhetische Eindrücke und das lautlose Dahingleiten führen zu einem Fahrterlebnis, das den Gedanken freien Lauf gibt. Für den Verlauf der Forschung war es maßgebend, die Fahrgäste auf Gesprächsdauer ihrem vertrauten Umfeld zu entreißen.

Signifikant war die Unterscheidung zwischen der Frage, welche Formen von Mobilität die Fahrtgäste in der Zukunft gerne sehen würden beziehungsweise welche Entwicklungen sie erwarten. Grob vereinfacht, sehnten sich die meisten nach Verlangsamung und mehr qualitativer Interaktion mit dem Umfeld und den Menschen. Angenommen wird allerdings, dass in der Zukunft Transport weiter beschleunigt und individualisiert wird.

Die Ergebnisse dieser künstlerischen Zukunftsforschung sind zugänglich gemacht: Ausschnitte der Gesprächsaufnahmen sind auf einer Geo-Webseite publiziert. Eine OpenStreetMap-Ansicht des Kanalnetzwerkes dient als Interface, um die Reflektionen der Fahrgäste zu navigieren. Die Statements sind farbcodiert, um sie thematisch unterscheiden zu können.

 „Zum einen schafft Luksch durch die Verfügungsstellung einer experimentellen Transferinfrastruktur eine unkonventionelle Situation für die Gespräche und zum anderen ist die Veröffentlichung der einzelnen Aussagen ein Online-Archiv einer Vielzahl von Lösungsansätzen für die Zukunft des Transports“, so die Begründung der Fachjury. „Die Arbeit von Manu Luksch überzeugt durch gesellschaftlich-politische Relevanz und Intermedialität.“

Marianne von Willemer-Preis

Um Netzkünstlerinnen zu fördern, vergibt das Linzer Frauenbüro in Zusammenarbeit mit Ars Electronica und Unterstützung von dorfTV den mit 3.600 Euro dotierten Preis für digitale Medien.

„Der Preis für digitale Medien ist eine direkte Förderung von Künstlerinnen und soll Frauen die digitale Medien als künstlerisches Werkzeug und Ausdrucksmittel nutzen, auszeichnen“, so die Linzer Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Die städtische Auszeichnung ist eine direkte Würdigung und Förderung des Schaffens von Netzkünstlerinnen. Gleichzeitig will der Willemer Preis auch Frauen, die sich mit digitaler Medienkunst auseinandersetzen, vor den Vorhang holen. Mit der Preisverleihung wird außerdem für Netzkünstlerinnen eine Plattform geschaffen, ihr Können öffentlich zu präsentieren.

Die Namensgeberin des Preises, Marianne von Willemer wurde 1748 in Linz geboren. Durch ihren Ehemann lernte die literarisch begabte Frau Johann Wolfgang von Goethe kennen und um 1815 kamen sich die beiden sehr nahe. 1919 erscheint Goethes „Westöstlicher Diwan“ und erst neun Jahre nach Mariannes Tod erfährt die Nachwelt, dass mehrere der schönsten Gedichte daraus eigentlich aus ihrer Feder stammten. Die Leistungen der Autorin blieben im Schatten und wurden von der Fachwelt kaum bis gar nicht beachtet.

Einladung zur Preisverleihung

Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger lädt alle Interessierten zur Marianne.von.Willemer-Preisverleihung für digitale Medien ein. Am Donnerstag, 11. Oktober wird die diesjährige Preisträgerin um 19 Uhr im Sky Loft im Ars Electronica Center ausgezeichnet.

Nach der Begrüßung durch den Mitbegründer der Ars Electronica,Prof. Dr. Hannes Leopoldseder und Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger folgt die Vorstellung der Jurorinnen, die Laudatio, die Präsentation des prämierten Projektes und ein Interview mit der Preisträgerin. Für das künstlerisches Rahmenprogramm an diesem Abend sorgen Madame Humtata und miss be groovy.

Weitere Gesprächspartnerinnen: FH Prof.in Rosa von Suess (Fachhochschule St. Pölten), Univ.-Prof.in Mag.a art. Brigitte Vasicek (Kunstuniversität Linz), Mag.a Manu Luksch (Willemer-Preisträgerin 2012), Mag.a Jutta Reisinger (Frauenbeauftragte der Stadt Linz).

(Informationsunterlage für Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger zur Pressekonferenz „Marianne.von.Willemer – Preis für digitale Medien“)

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