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WIRTSCHAFT
Presseaussendung vom 19.01.2017

Stahlstandort Linz, Österreich, Europa sichern

Investitionen für nachhaltiges Wachstum brauchen vor allem eine europäische Energiestrategie und neue Ausbildungs- und Arbeitszeitmodelle in Österreich

Die Industrie ist das Rückgrat der Wirtschaft in Linz, Österreich und Europa. Vor allem die Stahlindustrie in Österreich sieht sich in der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart mit großen Herausforderungen konfrontiert:
  • Eine Benachteiligung im europäischen und internationalen Wettbewerb durch österreich-spezifische Verschärfungen („golden plating“) beim Emissionshandel.
  • Den steigenden Energiebedarf für den Einsatz von umweltfreundlichen Zukunftstechnologien bei einer gleichzeitig fehlenden europäischen Energiestrategie.
  • Zunehmende Probleme in der Lehrlingsausbildung von bzw. für Zulieferbetriebe.
  • Die Notwendigkeit und der Wunsch der Belegschaften nach flexibleren Arbeitszeitmodellen.

Die Bewältigung dieser vier zentralen Herausforderungen bildet neben der Spezialisierung und der dafür notwendigen Forschung den Grund-stein, um angesichts weltweiter Konkurrenz und Überkapazitäten als Industriestandort wettbewerbsfähig zu bleiben.

„Bei diesen speziellen Anforderungen sind wir als Politiker gefordert, unsere Industrie zu unterstützen“, so der Linzer Bürgermeister Klaus Luger. „Tun wir das nicht, ist für mich bedauerlicherweise nachvollziehbar, wenn Investitionen am Standort zunehmend nicht mehr begründbar sind und ausbleiben. Am Beispiel der Chemieindustrie und am Exempel Großbritanniens zeigen sich die drastischen Folgen, wenn Industrieproduktionsstandorte in Frage gestellt werden.“

„Die VOEST Alpine Stahl hat in der Vergangenheit gezeigt, dass ihr an einer zukunftsorientierten und umweltfreundlichen Produktion gelegen ist“, so Konzernbetriebsratsvorsitzender Hans Karl Schaller. „Fairer Wettbewerb bedeutet für uns auch nicht, dass Klimaziele und Sozialstandards nach unten geschraubt werden sollen. Bevor aber für die europäische Industrie die Schrauben immer weiter nach oben gedreht werden, braucht es zuerst Strategien, damit andere Regionen unser Niveau erreichen und vor allem am Energiesektor die Voraussetzungen für den Einsatz von umweltfreundlichen Zukunftstechnologien geschaffen werden.“

Im Linzer Gemeinderat sollen deshalb auch die Anstrengungen des Linzer Stahlkonzerns gewürdigt und per Resolution entsprechende politische Maßnahmen eingefordert werden. 

Vorhandene Klimaziele weltweit durchsetzen statt „golden plating“

20 Millionen Euro jährlich hat alleine die VOEST in Österreich in der CO2-Handelsperiode 2008 bis 2012 für Zertifikate aufwenden müssen. In der aktuellen Periode bis 2020 zeichnet sich ein durchschnittlicher jährlicher Aufwand von mindestens 30 Millionen Euro ab. In anderen, auch europäischen Ländern, werden konkurrierende Unternehmen hingegen durch „Gratis-Verschmutzungsrechte“ unterstützt. Das verzerrt natürlich die Wettbewerbssituation, noch dazu, wo die Stahlproduktion weltweit durch Überkapazitäten gekennzeichnet ist. „Vor allem in China hat die Produktion von Stahl unter günstigeren Rahmenbedingungen zugenommen, während mittlerweile die Nachfrage auf den chinesischen Märkten eingebrochen ist“, beleuchten der Linzer Bürgermeister Klaus Luger und Konzernbetriebsratschef Hans Karl Schaller die Marktlage. Natürlich sei für eine Industriestadt wie Linz eine Produktion, bei der Luft- und Umweltverschmutzung hintangehalten werden, wünschenswert, aber: „Wenn anderswo die Schornsteine wie wild rauchen und das Klima weltweit zerstört wird, hilft es wenig, wenn im kleinen Österreich die Klimaziele übererfüllt werden. Dadurch werden hier Arbeitsplätze gefährdet und wir setzen eine andere wichtige Lebensgrundlage der Menschen aufs Spiel!“

Die VOEST produziert bereits jetzt in Österreich den saubersten Stahl. Diesen Spitzenplatz im globalen Vergleich will man auch beibehalten, weshalb ständig in die Anlagen investiert wird. Die jährlich steigenden Umweltaufwendungen, die von internationalen Mitbewerbern in anderen Regionen nicht geleistet werden müssen oder subventioniert werden, wirken allerdings stark wettbewerbsverzerrend.

Grafik: Entwicklung der Umweltaufwendungen

Darum muss es jetzt zuerst einmal zum Schulterschluss der europäischen Politik mit der Industrie kommen. „Ziel muss es sein, Strategien und Druck zu entwickeln, damit die bislang vereinbarten Klimaziele von allen erreicht werden“, sind sich Luger und Schaller einig.

Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit durch Spezialisierung und neue Technologien

Die Stahlindustrie in Österreich zeichnet sich glücklicherweise durch eine hohe Spezialisierung aus. Das hat ihr bisher nicht nur den Rücken im globalen Wettbewerb noch halbwegs freigehalten, sondern ist auch Ergebnis jahrzehntelanger intensiver Forschungsaktivitäten. „Natürlich konzentrieren wir uns dabei nicht nur auf die Entwicklung besonderer Qualitäts- statt Massenware, sondern forschen auch in Richtung noch umweltfreundlicherer Produktion“, erläutert Konzernbetriebsratsvorsitzender Schaller die Bemühungen der VOEST. Trotzdem wird es vermutlich noch mindestens 20 Jahre brauchen, bis die Stahlindustrie auf Technologien umsteigen kann, die CO2-frei sind. Voraussetzung dafür sind zwei Dinge: einerseits die weitere Intensivierung der Forschung, um die Zukunftstechnologien auch sicher zu machen, denn die umweltfreundliche Alternative zum Kohlenstoff ist Wasserstoff. Auf der anderen Seite braucht es auch Umstellungen bei der Energieerzeugung, denn die neuen Technologien, die teilweise bereits jetzt einsetzbar wären, haben einen hohen Energiebedarf.

Europäische Energielösung: Grundvoraussetzung für Investitionen in die Zukunft

„Deshalb ist eine gesamteuropäische Energiestrategie dringend notwendig“, fordern Luger und Schaller. „Das derzeitige Flickwerk und die teilweise völlig fehlgeleitete Förderpolitik müssen ein Ende haben.“ Europa sieht sich derzeit mit einer veralteten Energieinfrastruktur, mangelnder Versorgungssicherheit durch die fehlende Vereinbarkeit von Energieerzeugung und Energieverteilung sowie verbesserungsfähiger Energieeffizienz konfrontiert. Eine Folge davon ist, dass die Energiepreise im Vergleich zu anderen Regionen überdurchschnittlich hoch sind. Für die Zukunft ist daher nicht nur der Aufbau einer zuverlässigen Netzinfrastruktur notwendig, sondern vor allem die Zusammenschaltung von Produktion und Verteilung durch die Verwirklichung des Energiebinnenmarktes.

„Die Energieprobleme der Industrie lassen sich nur auf europäischer Ebene lösen, darauf sollte sich die österreichische Politik bei ihrem Einsatz in der EU konzentrieren. Kanzler Kern hat das glücklicherweise offenbar bereits erkannt“, setzt VOEST-Konzernbetriebsratsvorsitzender Hans Karl Schaller seiner Hoffnung in die angekündigte Energieoffensive des österreichischen Bundeskanzlers. „Auch hier gilt es, durch den Einsatz neuer Technologien effizienter und damit nachhaltiger zu handeln“, sieht Bürgermeister Klaus Luger wichtige Schwerpunkte in Forschung und Entwicklung.

Technikschwerpunkt an Schulen und Förderung der Lehre gegen Fachkräftemangel

Die dritte große Herausforderung für die Stahlindustrie am Standort Linz und in ganz Österreich besteht im zunehmenden Mangel an Fachkräften. Große Unternehmen wie die VOEST können dabei noch auf eine große Nachfrage nach den angebotenen Lehrplätzen zurückgreifen. Trotzdem muss auch hier mittlerweile ungleich mehr in die Ausbildung investiert werden, weil teilweise fehlende Grundkenntnisse aus der Pflichtschule für die Qualifizierung nachgeholt werden müssen. Für kleinere Zulieferfirmen wird der Mangel an ausreichend vorgebildeten Lehrkräften allerdings zusehends zum Problem. „Das unterstützt mich in meiner Forderung nach einer Verbesserung der Schulbildung. Als Stadt wollen wir uns verstärkt dafür einsetzen, dass der Technologievermittlung in den Linzer Pflichtschulen ein Schwerpunkt gewidmet wird“, berichtet Bürgermeister Klaus Luger aus den Vorhaben der oberösterreichischen Landeshauptstadt am Bildungssektor. Auch hier sehen Luger und Schaller den Vorstoß des Kanzlers positiv, der die Lehre aufwerten und ihr ähnlich viel öffentliche Aufmerksamkeit und finanzielle Zuwendungen wie der Ausbildung an höheren Schulen widmen will.

Flexibilisierung statt Liberalisierung: neue Arbeitszeitmodelle braucht das Land!

Der vierte und letzte wesentliche Standortnachteil sind die Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung. „Die Umstellung vom Vier-Schicht- auf den Fünf-Schicht-Betrieb war ein Segen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von dem letztlich auch das Unternehmen profitiert hat“, weiß Hans Karl Schaller. Auch hier braucht es allerdings die entsprechenden Rahmenbedingungen. Vieles, das heute einem großen Konzern wie der VOEST bereits möglich ist, bleibt kleineren Unternehmen und ihren MitarbeiterInnen verwehrt. „Die Umsetzung flexibler und mitarbeiterfreundlicher Arbeitszeitregelungen ist äußerst komplex, in der VOEST artet das mittlerweile in hunderte verschiedene Modelle für die unterschiedlichen Beschäftigungsbereiche aus“, wünscht sich Hans Karl Schaller hier Bereinigungen. Dabei geht es um Flexibilisierung, nicht totale Liberalisierung: „Die Politik ist schon gefordert, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dahingehend zu unterstützen, dass ein ausgewogenes Verhältnis aus Arbeit und Freizeit sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich sind. Bürokratie und starre Systeme führen aber immer öfter dazu, dass diese Zielsetzungen kaum erreicht werden und dadurch Arbeitsplätze verloren gehen. Damit ist auch niemandem geholfen“, sieht Bürgermeister Klaus Luger ebenfalls großen Handlungsbedarf.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und des VOEST-Konzernbetriebsrats-Vorsitzenden Hans-Karl Schaller zum Thema „Stahlstandort Linz, Österreich, Europa sichern“)

Informationsunterlage (PDF, 125 kB) (neues Fenster).

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