Die Frage der Nachhaltigkeit hat für mich folgende Komponenten:
Erinnert man sich an die Stimmung in Linz vor einem Jahr, so war die Skepsis groß, ob denn das Programm dem Anspruch einer Kulturhauptstadt Europas gerecht würde und die Dienstleistungsqualität in Linz ausreicht, um sich nicht zu blamieren.
Nun hat sich herausgestellt, dass die Resonanz sowohl der Gäste als auch der Presse national und international überaus positiv war. Die Kulturhauptstadt hat auch im psychologischen Sinne – spätestens ab dem Start des „Höhenrausches“ dazu beigetragen, dieses schwierige Jahr, das von Wirtschaftskrise und Wahlkämpfen geprägt war, mit einer sehr positiven Stimmung zu unterlegen.
Linz hat gezeigt, dass der Blick auf das halb volle Glas mehr bringt, als laufend über Details zu sudern, die nicht so gelungen waren.
Linz hat aber auch gezeigt, dass man unabhängig von den Machern von Linz09 sehr viel in Bewegung gebracht hat, was weit über 2009 hinauswirkt. Dazu gehören die Investitionen von Stadt und Land in Projekte wie Ars Electronica Center, Schlossmuseum, Pöstlingbergbahn, Landesbibliothek, Wissensturm, OK Offenes Kulturzentrum Oberösterreich und natürlich auch der Baubeginn des neuen Musiktheaters. Dazu gehören aber auch Initiativen wie die Wirte- und Hoteliersvereinigung hotspots, die Investitionen in neue und in bestehende Hotels und Restaurants oder die neue Konzeption der Fremdenführungen. In der Außenwahrnehmung hat sich das alles zu einem großen Ganzen gefügt. Das ist gut so. In der Analyse nach innen ist damit aber auch die Botschaft verbunden, dass die Linzer Persönlichkeiten und Institutionen sehr wohl auch mit eigener Kraft vieles zu Wege bringen. Hohe Toleranz und Kooperationsbereitschaft gegenüber den Experimenten und neuen Wegen von Linz09 haben schließlich zum Gesamterfolg dieses Jahres beigetragen.
Diese Stimmung ist aber auch die eigentliche Basis für die weitere Entwicklung von Linz, die Voraussetzung für Nachhaltigkeit. Eine bessere Qualität, mehr Kapazität sind gerade für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Tagungs- und Kongress-Tourismus wie auch für die vielen Business-Gäste eine wichtige Voraussetzung.
Es wurde von den Machern von Linz09 und auch von den Tourismusverantwortlichen von derselben Stadt gesprochen. Es wurden Themen entwickelt, die für Linz authentisch und für die kommenden Jahre von hoher Faszination und Kraft sind. Dazu gehören u.a.
Es geht also in Linz nicht nur darum, die „Hardware“, die auf jeden Fall bestehen bleibt, in Szene zu setzen. Es sind viele Ansätze da, die in der Lage sind, neue Themen zu besetzen, neue Besucherkreise zu erschließen und auch bereits seit langem Vorhandendes neu in Wert zu setzen. Anton Bruckner, Johannes Kepler, Adalbert Stifter oder Ludwig Wittgenstein stehen auch für Personen, die Veränderung bewirkt haben und deren Potentiale in der Programmgestaltung und in der Verknüpfung mit Linz-Angeboten noch nicht ausgereizt sind. Sie waren aber alle auch Teil der 220 Linz09-Projekte und können nun weiterentwickelt werden.
Gerade hier ist der Slogan „Linz.verändert,“ für die kommenden Jahre Programm und Inspiration. Die Gäste dieses Jahres haben gezeigt, dass Sie offen sind für Neues und gerade in Linz nicht nur Tradiertes und Konventionelles erwarten. Das muss sich deshalb nicht ausschließen. Das Linz09-Projekt „Brauhaus“ hat gezeigt, wie Traditionelles und Gegenwärtiges auf spannende Weise verbunden werden kann. Dieser Aufgabe müssen sich auch alle Anbieter von Linz-Programmen weiterhin stellen – vom Tourismusverband über die Hotels und Gaststätten bis zu den Fremdenführern. Auf Basis des zusätzlichen Bekanntheitsgrades nach 2009, der positiven Nachrede vieler Gäste und der anerkennenden und oft sogar begeisterten Medienberichte kann es so gelingen, den Schub aus der Kulturhauptstadt auch im Sinne dauerhaft hoher Nächtigungen und hoher Besucherzahlen für die kommenden Jahre auf touristisch messbare Weise mitzunehmen. Im Sinne von Nachhaltigkeit sollte aber auch eine stärkere Diskussion darüber zustande kommen, wie die Stadt im Bereich des Images, der Lebensqualität und der generellen Anziehungskraft in allen Bereichen profitiert und wie hier durch Integration aller Beteiligten noch mehr Wirkung erzielt werden kann.
Linz, 25.10.2009
Georg Steiner
Tourismusdirektor