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Vom Zauber der Orchideen

Orchideenhaus 

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Alle Orchideen werden in der Familie der Orchideengewächse (Orchidaceae) zusammengefasst. Sie ist eine der größten Pflanzenfamilien. Man schätzt, dass es weltweit mindestens 30.000 wild wachsende Arten gibt, die sich auf rund 920 Gattungen verteilen. Die Zahl der Hybriden, die durch Kreuzung wild wachsender oder kultivierter Pflanzen entstanden ist, umfasst derzeit ca. 85.000 Sorten.

Orchideen sind einkeimblättrige Pflanzen mit besonders vielgestaltigen Blüten und Blütenteilen und mit einer ungewöhnlichen Fähigkeit zur Anpassung an die jeweilige Umgebung und deren spezifischen Bedingungen. Die Orchideenpflanze gliedert sich in Wurzel, Spross und Blätter und man kann 2 Wuchsformen unterscheiden: monopodial = einachsig wachsend und sympodial = gemeinsamachsig. Die Blätter der Orchideen sind in ihren Formen den unterschiedlichen Lebensweisen der einzelnen Gattungen angepasst. Einige fungieren als Wasserspeicher und sind fleischig, andere sind dünn und großflächig, die Blätter können sogar bis auf Schuppen reduziert sein. Ein typisches Merkmal der Orchideen sind die parallel verlaufenden Blattnerven, ein Zeichen für die Zugehörigkeit zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Die Blätter überdauern entweder mehrere Jahre oder sie werden nur für eine Vegetationsperiode ausgebildet. Auch die Farbe der Blätter spielt für die Anpassung an den natürlichen Lebensraum eine Rolle, sie kann von hell- über dunkelgrün bis braunrot variieren.

Die Wurzeln haben in erster Linie die Aufgabe, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Die Luftwurzeln sind mit einer Schicht abgestorbener, Luft gefüllter Gewebeteilchen umgeben, die eine weißliche Hülle bilden (Velamen), welche Wasser aufsaugt und als Schutz vor Hitze- und Wasserverlust dient. Es handelt sich dabei um eine Anpassung an die epiphytische Lebensweise. Die Rinde der ausgewachsenen Wurzel enthält häufig Chlorophyll und kann somit assimilieren. Die Blüte ist jenes Organ, welches bei dieser Pflanzengruppe am auffälligsten ist. Jede Orchideenblüte hat 3 äußere Kelchblätter (Sepalen) und 3 Kronblätter wovon 2 als Petalen bezeichnet werden, von denen jedoch manchmal einige verkümmert sind. Das 3. Kronblatt ist von den anderen deutlich verschieden und zu einer Lippe (Labellum) umgestaltet. Diese Lippe bildet einen auffallenden Schauapparat und ist meist nach unten gerichtet. Die 1-2 Staubblätter sind mit Narbe und Griffel zu einem besonderen Organ verwachsen, das „Säule“ (Columna oder Gymnostemium) genannt wird. Die Pollenkörner sind untereinander verklebt und bilden in jedem Staubbeutel ein Pollenpaket (Pollinium). Die Samenkapsel enthält viele Millionen des sehr leichten Samens, dessen Entwicklung mehrere Monate dauern kann. Ein Samenkorn wiegt ca. 1 millionstel Gramm und besitzt kein Nährgewebe. Auf Grund des geringen Gewichtes kann der Same vom Wind über große Entfernungen verfrachtet werden. Da die keimenden Orchideensamen für die erste Zeit der Entwicklung kein Nährgewebe zur Verfügung haben, benötigen sie eine Gemeinschaft mit speziellen Bodenpilzen, die sich in den feinen Keimwurzeln ansiedeln und der jungen Pflanze die nötigen Nährstoffe aufbereiten.

Orchideen kommen in fast allen Gebieten der Erde vor. Sie besiedeln alle Kontinente und nahezu alle Klimazonen. Ihre größte Formenvielfalt haben sie in den Tropen entwickelt und man findet die meisten Arten in jenen tropischen Gebieten, in denen der jährliche Niederschlag mehr als 2.500 mm und der monatliche niemals weniger als 50-80 mm beträgt. Tau- oder Nebelkondensation ist für manche Vegetationstypen sehr wichtig, vor allem wenn der Niederschlag in Form von Regen gering ist. Die tropischen Regionen Afrikas und Asiens beherbergen einen Großteil der bekannten Orchideen, in Afrika sind es über 3.100 Arten aus 134 Gattungen, im tropischen Asien und Ozeanien 318 Gattungen und ca. 7.400 Arten. Der amerikanische Kontinent kann mit 332 Gattungen und mehr als 8.400 Arten aufwarten. In Mittelamerika findet man die meisten Orchideen und die größte Artenvielfalt in den nassen Berg- oder Nebelwäldern zwischen 1.000 und 2.000 m über dem Meeresspiegel. In den südamerikanischen Anden liegt die orchideenreiche Zone etwas höher.

Der weitaus überwiegende Teil der Orchideen lebt epiphytisch, d.h. sie wachsen auf Bäumen und Sträuchern. Sie sitzen diesen wegen der besseren Lichtverhältnisse in der Höhe auf (Epiphyt = Aufsitzer), ohne sie zu schädigen. Die Ernährung ist durch die häufigen tropischen Gewitter kein Problem, da aus dem Luftstickstoff genügend verwertbare Verbindungen gebildet werden. Die Verwitterung pflanzlicher und tierischer Rückstände erfolgt wesentlich schneller als in unseren Breiten, sodass auch die Versorgung mit organischer Substanz gesichert ist.

Beim Eintritt in das Orchideenhaus sind wieder die Merkmale des tropischen Klimas, Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit zu spüren. Im Botanischen Garten werden ca. 1.100 Orchideenarten kultiviert, großteils Wildformen. Auf Epiphytenstämmen (Robinien) wurden Orchideen und andere baumbewohnende  Pflanzen  angesiedelt. Auf einem Stamm sind z.B. Phalaenopsis-Arten aus den Philippinen (Ph. stuartiana, schilleriana, philippinense) zu sehen, auf anderen Stämmen gedeihen Gattungen wie Dendrobium, Coelogyne, Encyclia, Gongora, Brassavola, Oncidium, Cattleya, Angraecum, u.a. in großer Artenvielfalt. Den größten Anteil an der Sammlung hat der tropische Frauenschuh (Paphiopedilum) mit 70 verschiedenen Arten, die vorwiegend aus dem tropischen Asien stammen wie z.B. Paphiopedilum armeniacum, P.curtisü, P. malipoense, P. micranthum, P. niveum, P. primulinum, P. rothschildianum, P. sanderianum, die nicht nur epiphytisch sondern auch auf dem Boden, also terrestrisch, gedeihen. Alle sind ganz besondere Kostbarkeiten, stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen und befinden sich hier in Erhaltungskultur. Von den Frauenschuharten aus Südamerika zeichnet sich Phragmipedium longifolium durch abstehende, P. caudatum durch sehr lange, hängende Petalen aus, P.besseae ist die einzige mit ziegelroten Blüten.

Eine Besonderheit stellen die „Ameisenpflanzen" dar, Pflanzen, die eine Gemeinschaft mit Ameisen eingegangen sind. Bei dieser Symbiose bietet die Pflanze das Wohnrecht und manchmal auch Nahrung, die Ameisen schützen vor Schädlingen und fördern das Wachstum durch ihre Ausscheidungen. Dazu gehören die Orchideengattungen Catasetum, Clowesia, Mormodes, Coryanthes und Schomburgkia. Aus anderen Familien sind Hydnophytum formicarum und Myrmecodia echinata aus der Familie der Rötegewächse mit Ameisen vergesellschaftet. Die Knollen dieser Pflanzen sind innen hohl und von Ameisen bewohnt. Bei der Urnenpflanze (Dischidia pectinoides) sind die Blätter zu schlauchartigen Behältern umgewandelt, in denen sich Wasser sammelt und Adventivwurzeln hineinwachsen. Organische Substanzen werden von Ameisen eingebracht.

Eine Fülle anderer Begleitpflanzen der tropischen Regenwälder werden im Orchideenhaus gezeigt: Vertreter aus der Familie der Schiefblattgewächse (Begoniaceae) sind zu sehen. Die Familie der Ananasgewächse (Bromeliaceae) mit 46 Gattungen und über 2.000 Arten ist mit Tillandsia stark vertreten. Von Tillandsia usneoides, dem „Lousianamoos“, sind Herkünfte von Nordamerika bis Argentinien vorhanden, sowie Tillandsien die in feuchteren Zonen vorkommen und wenig oder keine Behaarung der Blätter aufweisen. In einem speziellen Schaufenster werden die jeweils blühenden Pflanzen ausgestellt. In der Vitrine für Kalthausorchideen, welche dem Schauhaus eingegliedert ist, befinden sich Orchideen tropischer Gebirgszonen, die bis in Höhenlagen von 4.000 m vorkommen. Die Temperaturen erreichen am Tag bis 30 °C und sinken nachts fast bis zum Gefrierpunkt ab. Diese Schwankungen sind zur Blütenbildung notwendig. Die hier vorhandenen Gattungen wie Cymbidium, Dendrobium, Dracula, Masdevallia, Odontoglossum, Pleione, Pleurothallis und Restrepia bestehen meist aus kleinblütigen Arten mit vielgestaltigen Wuchs- und Blütenformen.

 

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