HANDLUNGSGRUNDSÄTZE


Das Verkehrsleitbild reicht alleine zur Orientierung nicht aus, es bedarf allgemeiner Handlungsgrundsätze und konkreter Schwerpunkte. Die übergeordneten verkehrspolitischen Grundsätze: Verkehrsvermeidung – Verkehrsregelung – Verkehrsverbesserung können folgendermaßen präzisiert werden:

Abstimmung von Raumplanung und Verkehrsplanung
Angesichts der langfristigen Wirkungsmechanismen müssen sowohl die Möglichkeiten der Ordnungsplanung als auch des Entwicklungsmanagements ausgeschöpft werden: Nutzungen, die ein gewisses Ausmaß an Verkehr erzeugen, müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, wobei die Verursacher an den Investitions- und Betriebskosten verstärkt beteiligt werden müssen. Zusätzliche Nutzungen müssen sich an vorhandenen ÖV-Achsen bzw. ÖV-Knoten konzentrieren, wobei eine Durchmischung anzustreben ist, die kurze bzw. nichtmotorisierte Wege begünstigt. Letztlich muss es möglich sein, verkehrlich unverträgliche Nutzungen zu unterbinden.

Der neue Cityrunner
 

Angebotsplanung statt Bedarfsplanung
Will man einen Teil des Autoverkehrs zum so genannten „Umweltverbund“ (Öffentlicher und nichtmotorisierter Verkehr) verlagern, führt eine laufende, an Bedarfsprognosen orientierte Erweiterung der Infrastruktur nicht zum Ziel. Vielmehr müssen „Verkehrsangebote“ gemacht werden, die einerseits Anreize zur Benützung, andererseits aber auch Anstöße zum Verkehrsmittelwechsel enthalten. Diese als „Push and Pull“ bezeichnete Strategie – heraus aus dem Auto, hinein ins öffentliche Verkehrsmittel – schränkt die freie Verkehrsmittelwahl nicht grundsätzlich ein, setzt aber neue Rahmenbedingungen, die zur Nachhaltigkeit des Gesamtverkehrs beitragen.

Innovation
Die Möglichkeiten der Informationstechnologie sind im Verkehrssystem bei weitem nicht ausgeschöpft. Das betrifft vor allem den Betrieb des öffentlichen Verkehrs und ein Mobilitätsmanagement, das sich auf betrieblicher und privater Ebene um eine Reduktion von Autofahrten bemüht.

Kostenwahrheit und Finanzierung
Die Stadtverkehrsfinanzierung muss neu geregelt werden, wobei eine Trennung nach Verkehrsträgern zu keinen optimalen Lösungen führt. Abgesehen davon kann die Stadt Linz im eigenen Wirkungsbereich Impulse setzen, etwa durch die Förderung eines umweltschonenden Lieferverkehrs oder die Unterstützung von Public-Private-Partnerships im Zuge von großen Verkehrsprojekten (Umfahrung Ebelsberg).

Kooperation und Vermittlung
Verkehrsprobleme machen an Stadtgrenzen nicht halt, zukunftsweisende Verkehrslösungen sind auf die Zusammenarbeit mit dem Umland, vertreten durch das Land und die Umlandgemeinden, angewiesen. Linz wird das verkehrspolitische Verständnis als „Region Linz“ offensiv fördern und um Kooperation werben. Dazu gehört auch, die Schwerpunkte des Verkehrsleitbildes so klar zu vermitteln, dass die Nachteile einer mangelnden Zusammenarbeit für das Umland einsichtig sind. Auszuschließen ist, dass die Stadt Linz zunehmend mit den Verkehrsproblemen durch den regionalen Kfz-Verkehr konfrontiert ist, während die Umlandgemeinden Vorteile der Erreichbarkeit ausnützen.
Wenn Konflikte unvermeidlich sind – zwischen Gebietskörperschaften, zwischen BewohnerInnen und Wirtschaft, zwischen unterschiedlichen Werthaltungen – geht es darum, einen fairen Interessensausgleich herbeizuführen. Diese Vermittlung (= Mediation) bei Konflikten des Verkehrswesens gewinnt an Bedeutung, sie ist der Stadt Linz ein besonderes Anliegen. Vermittlung und Kooperation heißt aber nicht, auf untaugliche Kompromisse einzugehen, die Grundsätze der Verkehrspolitik dürfen nicht unter die Räder kommen.

Motivation durch Bewusstseinsbildung
Das Verkehrsgeschehen wird durch das Verhalten der BürgerInnen geprägt, Investitionen der öffentlichen Hand setzen dafür nur Rahmenbedingungen. Die Bevölkerung zu motivieren, vergleichbare Alternativen zum Auto stärker als bisher zu nutzen, ist eine der zentralen verkehrspolitischen Aufgaben. Dazu gehört vorerst eine Information über die


Abb. 17: Einschätzungen der LinzerInnen zur Reisezeit
Quelle: Socialdata 1998


Wenn etwa die Reisezeit im öffentlichen Verkehr derart überschätzt wird, darf man sich über die Wahl des Autos als tägliches Verkehrsmittel nicht wundern. Die tatsächlichen Eigenschaften der Verkehrsmittel müssen der Bevölkerung bewusst werden, erst dann sind Verhaltensänderungen zu erwarten.

 
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