Verkehrspolitische Rahmenbedingungen
Der Handlungsspielraum der Landeshauptstädte hat sich mangels einer
geeigneten Verkehrsfinanzierung im letzten Jahrzehnt dramatisch verschlechtert,
was sich vor allem auf den öffentlichen Verkehr auswirkt. Der Sparkurs
der Bundesregierung verzögert Maßnahmen an den hochrangigen Verkehrsnetzen
(Bahn, Autobahn). Angesichts dessen sollen private Investoren für die
Verkehrsinfrastruktur im Rahmen von Public-Private-
Partnership (PPP)-Projekten angezogen werden, wie dies etwa bei der Umfahrung
Ebelsberg geschieht.
Innerhalb des eigenen Wirkungsbereiches der Stadt Linz überwiegen günstige
Rahmenbedingungen: Die Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich,
den Interessensvertretungen und den Verkehrsunternehmen ist wenn
auch grundsätzlich verbesserungsfähig nicht durch gravierende
Konflikte belastet. Auch die politischen Parteien verfolgen keine grundsätzlich
kontroversen Zielrichtungen, unvermeidbare Auseinandersetzungen bleiben
daher auf der Sachebene und werden nicht unangemessen emotionalisiert.
Verkehrsentwicklungsplan VEP 1992
Dieses verkehrsträgerübergreifende Konzept versteht sich als Planungs-
und Informationsinstrumentarium für die Verkehrspolitik. In Abkehr
von der autogerechten Stadt wurde eine Einschränkung für
den Autoverkehr als zweckmäßig erachtet und für ein ausgewogenes
Verkehrssystem plädiert.
Folgende langfristige Vorstellungen wurden im VEP 1992 formuliert:
- eine möglichst autofreie Innenstadt
- Vorrang für alternative Antriebsformen (z. B. Elektroauto)
- ein einschränkendes Stellplatzregulativ im Zentrum
Bewohnerparkzonen
- ein genereller Vorrang für den öffentlichen Verkehr
- Pförtneranlagen (Ampelanlagen, die den Autoverkehr dosieren)
Für die Verkehrsmittelwahl gab es anspruchsvolle Zielsetzungen die
sich abgesehen vom Fußgängerverkehr zumindest tendenziell
auch tatsächlich eingestellt haben.
Die Handlungsgrundsätze des VEP 1992 waren
- eine Prioritätenreihung im Verkehr Vorrang für öffentlichen
und nichtmotorisierten Verkehr, Beschränkung des Autoverkehrs,
- die Verlagerung und Reduzierung des Schwerverkehrs,
- die Erhöhung der Verkehrssicherheit und
- die Neuverteilung des Straßenraumes.
Auf Projektebene wurden Ergänzungen des Straßennetzes (Donaubrücke
St. Margarethen, Westtangente, Umfahrung Ebelsberg, A7 Anschluss
Industriezeile), ein Konzept für den ruhenden Verkehr (Garagen, Bewohnerparken),
eine Erweiterung der Fußgängerzone und des Radverkehrsnetzes
sowie umfangreiche Angebotsverbesserungen im öffentlichen Verkehr angeführt.
Dazu kam die Nahverkehrsdrehscheibe am Hauptbahnhof und die Verlängerung
der Straßenbahnlinie 1 nach Süden.
Der Verkehrsentwicklungsplan 1992 wurde teilweise bereits umgesetzt: Die
Parkraumbewirtschaftung in der Innenstadt, die laufenden Angebotsverbesserungen
der Linz Linien, vor allem aber das strategisch wichtige Projekt der Nahverkehrsdrehscheibe
belegen dies. Durch die Gründung der NAVEG wurde der organisatorische
Rahmen für die Verbesserung des regionalen ÖPNV geschaffen. Was
derzeit fehlt, ist eine verkehrspolitische Perspektive, aus der eine klare
Strategie sowie konkrete, umsetzbare Maßnahmen entwickelt werden können.
Große und anspruchsvolle Vorhaben stehen zur Diskussion, wie etwa
die Westtangente mit neuer Donaubrücke, die City-S-Bahn oder die Parkraumproblematik
in Wohngebieten. Umso mehr braucht Linz ein strategisches Leitbild: Es muss
klar sein, warum bestimmte Projekte dringender sind als andere. |
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