Band 130 - Urbanität

Einleitung für den „eiligen Leser“

Friedrich Klug

Die Urbanisierung ist ein weltweites Thema von größter, sogar das Schicksal und die Zukunft betreffender Bedeutung. Welt- und Megastädte wachsen in den Himmel und breiten sich uferlos in alle Richtungen aus. Krieg und Hunger treiben die Menschen in wohlhabende Regionen, vor allem nach Europa und Nordamerika, koste es, was es wolle, auch wenn das Leben bedroht ist. Ist diese epochale Bedrohung, die Explosion der Bevölkerung, der damit einhergehende Klimawandel und die Zerstörung der Erde überhaupt noch zu bewältigen oder ist alles als „gottgegebenes“ Schicksal zu betrachten, das ganz einfach hinzunehmen ist? Ein ungehemmtes Wachstum muss und wird an seine Grenzen stoßen. Wo sind die Grenzen des Bevölkerungswachstums – bei 7 oder 17 Milliarden, der Megastädte – bei 17 oder 70 Millionen, der Hochhäuser – bei 700 oder 1.700 m, der Versorgung und Entsorgung von Wasser, der Abholzung von Urwäldern, der Verschmutzung der Meere, des Fischfangs, der Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur durch ungerechte Umverteilung und Verschiebung der Gewinne in Steueroasen. Das Wirtschaftssystem tötet (Papst Franziskus), Wohlfahrt entsteht nicht durch Konkurrenz, sondern durch Kooperation.

Im vorliegenden Band werden die Probleme der globalen Urbanisierung und krebsartigen Ausbreitung der Megastädte aufgezeigt und Lösungsmöglichkeiten nach dem derzeitigen Stand der philosophischen, sozialen, technischen und ökonomischen Wissenschaften vorgeschlagen. Lösungen für die enormen Zukunftsprobleme des ungezügelten Wachstums, des Klimawandels und Naturzerstörung können nicht angeboten werden, zumal dies das Ziel und den Umfang dieser Publikation bei weitem übersteigen würden.

Die aktuellen Probleme werden in den einzelnen Beiträgen sehr wohl behandelt, indem Vorschläge zur Steigerung der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit unterbreitet werden. So geht es vor allem darum, den immer wieder ins Spiel gebrachten Gegensatz zwischen Stadt und Land, das Problem des Aussterbens der Innenstädte, aber auch in peripheren ländlichen Gebieten durch planerische Zusammenarbeit zu lösen, die Bereitstellung von Arbeitsplätzen für Junge und ältere Arbeitskräfte, für Frauen und Männer, die Versorgung von der Wiege bis zur Bahre sicherzustellen, die Suburbanisierung bzw. Stadtumlandproblematik zu lösen und die Integration von Asylberechtigen zu fördern.

Bernhard Müller

berichtet über die historische Entwicklung von der Stadt zum Staat, der mittelalterlichen Stadt, deren Luft frei mache, über die Industrialisierung bis zu den Welt- und Megastädten und den vielschichtigen kulturellen und städteplanerischen Perspektiven.
Müller weist auf die kleinteilige Strukturierung der 2.100 Gemeinden in Österreich und den steigenden Urbanisierungsgrad hin. 70 % der Bevölkerung leben in Städten. Besonders Wien hat eine besondere Sogwirkung. Obwohl 85 % der Wirtschaftsleistung in den Städten erbracht werden, haben die Städte mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Das Hauptproblem sei der übertriebene Föderalismus. Das Entstehen einer Metropolregion Wien-Bratislava eröffnet neue Perspektiven. Die Anwendung des Art. 120 B-VG durch Schaffung von Gebietsgemeinden wird empfohlen.

Detlef Wimmer

Im Beitrag werden strukturelle Sparmöglichkeiten urbaner Zentren und interne Effizienzsteigerungen des politischen und administrativen Systems wegen der unterschiedlichen Gesetzgebung der Bundesländer aufgezeigt, die letztlich in konkreten Vorschlägen, wie die Zusammenlegung von Bezirken und Kooperation bis zur Gemeindefusion.

Christoph Luchsinger

Luchsinger plädiert für eine vorausblickende Stadtentwicklungsplanung und weist auf die lange Dauer der Entwicklung trotz schneller Veränderungen und beständiger Elemente. Die Ausuferung in die Peripherie steigert die Mobilitätsbedürfnisse. Die Entwicklung geht in die Richtung einer hypertrophen Ereignisstadt, einer „event city“. Angesagt sind flexible urbane Strategien.

Gabriele Matzner-Holzer, Alexandra Schantl

Die Entwicklung von Megacities in Asien, Südamerika und Afrika erfordert internationale Lösungen von der EU bis zur UNO. Im Rahmen der EU besteht auf diesem Gebiet keine Gesetzgebungskompetenz. Im Rahmen der Urban Agenda und des Paktes von Amsterdam soll ein partnerschaftliches Städtenetzwerk durch Better Regulation, Funding und Exchange aufgebaut werden. Die UNO soll durch eine neue Agenda für eine nachhaltige Stadtentwicklung, soziale Gerechtigkeit und Wahrung der Menschenrechte sorgen. Schließlich ist „die Welt eine Stadt“.

Patrick Horvath

Bei philosophischer und nach historischer Reflexion ist die Stadt ein Motor der Menschheitsentwicklung. Die Stadt ist entweder ein Symbol für den Sitten- und Kulturverfall bis zum „Untergang des Abendlandes“ oder konstruktive Gestalterin der Zukunft, der Demokratie, der Freiheit und des Wohlstandes.

Friedrich Klug

Auf die Bedeutung der umweltfreundlichen, sozialverträglichen Flächennutzung, die Gefahren der Zersiedelung, die zur Flucht ins Umland und dann wieder zur Flucht in die Städte führt, wird hingewiesen. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Versiegelung des Bodens, auf die Infrastruktur, den öffentlichen Verkehr, die Daseinsvorsorge und letztlich die Finanzausstattung. Bei der regionalen Planung sind finanzielle, volks- und betriebswirtschaftliche Aspekte mehrdimensional zu berücksichtigen. Notwendig sind die Stärkung der kommunalen Finanzkraft, die Aufgabenorientierung nach dem Konnexitätsprinzip und eine Strukturreform zur Verbesserung der Effizienz durch Zusammenlegung bzw. Schaffung von Gebietsgemeinden und Bezirksstädten mit eigenem Statut, welche die regionale Planung „aus einem Guss“ ermöglichen. Die „heilige Kuh“ Föderalismus erleichtert nicht gerade das anzustrebende Ziel einer Stärkung des ländlichen und städtischen Raums durch ein Miteinander zur Wohlfahrtssteigerung der Gemeinschaft.

Wolfgang Scherz

Der Autor betont die ökologischen Aspekte der Verstädterung, insbesondere auf dem Gebiet der Wasserversorgung und Entsorgung. Auf diesem für die Hygiene und Gesundheit unverzichtbaren Gebiet besteht enormer Investitions- und Re-Investitionsbedarf, damit der ökologische Zustand der Gewässer und Meere nicht kippt. Die Einbringung von Phosphor, Mikroplastik und antropogener Spurenstoffe gefährdet den Zustand des ÖKO-Systems, weshalb die Schaffung leistungsfähiger Strukturen unabdingbar ist.

Marie Grüner

Das Konzept „Smart City“ ist allgegenwärtig und soll nachhaltig die ökonomischen, sozialen und technologischen Aspekte berücksichtigen und durch Partizipation der Bevölkerung die Mobilität fördern, die Umwelt schonen und Lebensqualität steigern. Diese ambitionierten Ziele sollen mit dem Einsatz digitaler Technik die Mobilität, Sicherheit und Gesundheit bessern und Mensch und Infrastruktur verknüpfen - das sind äußerst ambitionierte Ziele!

Johannes Schmid

Der Autor zeigt, wohin die totale Überwachung führen kann. Der Datenspeicher einer „Smart City“ kann zu einem Eigenleben des Systems ohne demokratische Kontrolle und zu einem riesigen Investitionsbedarf führen. Die Störanfälligkeit komplexer Technologie lästiger Systeme behindert die Bürgerbeteiligung und stärkt den Einfluss internationaler Konzerne und Investoren. Letztlich muss die Allgemeinheit die Zeche zahlen. Ob die E-Mobilität die Verkehrsprobleme zu lösen vermag, sei dahingestellt. Auch der permanente Wechsel des Smartphones bedarfsorientiert, umwelt- und gesundheitsschonend ist, mag bezweifelt werden. Letztlich führt dies alles zur Profitmehrung von Tech-Giganten und zur Privatisierung der Stadt.

Michael Wilczek

Die Verstädterung führt zu einer Ausdehnung der Regionen und Angleichung von Stadt und Land. Die Rolle der Kultureinrichtungen ist der Abbau von Ängsten und die Schaffung von Vertrauen trotz der vorhandenen Diversität. Notwendig wäre ein niederschwelliger Zugang zur Kultur in Stadt und Land.

Julia Scharting

Kreativität ist der entscheidende Faktor für die städtische und regionale Entwicklung. Kultur stiftet Identität und hebt die Lebensqualität, ermöglicht Sinnorientierung und Partizipation, hebt das Image, erleichtert die Integration und wirkt positiv auf das Angebot von Arbeitsplätzen und die Wertschöpfung wegen der „weichen Standortfaktoren“.

Rainer Spenger

Der Konsumentenschutz ist wegen der Vielfalt von Angeboten über digitale Kommunikation unverzichtbar. Online-Versand, soziale Medien wie Facebook, Twitter und YouTube entwickeln sich sprunghaft und bergen auch Gefahren, die verhütet werden müssen.

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