PETER KRAML: Die Kommune - ein Scharnier der Kultursicherung

Kultur und Schule ein Schul(d)gefühl

Über die Jahrzehnte erstrecken sich die Diskussionen zu den getrennten und nicht gemeinsam administrierbaren Handlungsbereichen in der Kultur und der Schule. In ihrem Selbstverständnis legitimieren sie sich zwar auf ähnliche Weise, sind aber von unterschiedlichen Wertträgern abhängig.

Kultur und Schule müssen und sollten von Grund auf eine Einheit bilden. (Zitat: "Kunst gewinnt als Herausforderung des guten Geschmacks eine unverzichtbare Rolle in der menschlichen Kultur, sie wird zur Bildung des Menschen, zur Vorbereitung des in der Aufklärung vorausgesetzten und durch Kunst explizit geforderten mündigen Vernunftgebrauchs. Kunst befähigt den Menschen, aus der Geschichte und für die Zukunft zu lernen und erhält dadurch eine zentrale Funktion in der Ausbildung, Erhaltung und Überlieferung der menschlichen Kultur. Kunst befördert die Bildung des Menschen zum Menschen, zu mündigem Vernunftgebrauch und Vollzug seiner Freiheit." nach: Annemarie Gethmann-Siefert, Einf. i. d. Ästhetik, Fink S. 16)

Die Diskursivität, die zwischen der Kunst und der Schule entsteht, entspricht nicht immer einem ermöglichbaren Bildungsauftrag. Kultur und Schule sind zwei Hände mit acht Fingern. Die bildnerische Kunst, die Literatur, die Musik sind zwar fix im Lehrangebot verankert, werden aber sehr legistisch und dezentriert diskutiert, auch wenn in der Lehrplanumsetzung bereits Zeichen eines aktiven Diskurses entstehen.

Bestrebungen, einen überschaubaren Zusammenhang zu formulieren, müssen allerdings tatsächlich aufgrund unterschiedlichster Haltungen zu diesen Bereichen scheitern. Die Einschätzung der Wertvermittlung und Werthaltung erscheint zuweilen disparat. Denkbare Strategien der Kulturvermittlung reiben sich an Hierarchien, die grundlegende Perspektiven zu einer sich sehr rasch verändernden Gesellschaft verlieren.

In vielen Bildungseinrichtungen wird die Kunst (und damit die Kultur) zu einer Behübschungskultur heruntergenommen und erfüllt nur sehr unzureichend einen demokratisch festgeschriebenen(?) Bildungsauftrag.

Die Schulpraxis zeigt, daß das Bildungsgebäude nur temporär mit aktuellen Kultur- und spezifischen Kunstformen in Beziehung zu bringen ist und sich primär durch die Notengebung legitimiert. Auch die Einflüsse von außen in den Schulbetrieb befördern dieses Ansinnen und die Flucht in Fragebogenadministrierungen.

Unbesprochen ist, was die Schule als Institution für die Kunst leisten kann, vor allem aber auch, was sie unbedingt leisten muß, um den (notwendigerweise!) demokratisch ausgerichteten Bildungsstrategien gerecht zu werden.

In einer technokratisch orientierten Bildungsstruktur, wo es (verständlicherweise) aufgrund der aktuellen Beschäftigungspolitik um Arbeitsplatzsicherungen geht, muß das kulturelle Denken erneut öffentlich formuliert werden. Dies bedeutet eine ständig zu aktualisierende und daher konkretisierte Formulierung von Kunst; - was genauso für den gesamten Bildungsbereich zwingend sein sollte.

Der Standort der Kultur als allgemeingültiges wie besonderes Gefüge, ist sicherlich breitgefaßt zu sehen und bezeichnet neben künstlerischen oder geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen genauso die Technologie, bzw. die Informationsentwicklung in der heutigen Gesellschaft. Die Technologie ist als kulturelle Perspektive zu verstehen, die Information ist eine Kulturtechnik. Die Technologie (der Technopol, die Technikhörigkeit, bzw. die Informationsstrategien im digitalisierten Medienzeitalter) zeigt allerdings erst in der Anwendung konkrete Ausprägungen. Sie steht im Dissens mit dem traditionellen Kulturverständnis, verweist aber vielmehr und im Hinblick auf einen auffallenden Wertewandel, in eine neu zu sehende und sich ständig verändernde Zukunft.

Die Schlagworte heißen Veränderung, Cross-over. Die Beispiele dazu sind zahlreich. Die Bildungskultur steht im Dissens mit sich, und der in der Schule "durchzustehende" Kulturauftrag wird mittels nachprüfbaren Rahmenbedingungen abgegrenzt. Der vor mehr als einem Jahrzehnt geforderte Auftrag, Kultur-Projekte als halböffent-liche Schulveranstaltungen durchzuführen, um damit die Freiheit kultureller Vorstellungen im Bildungsbereich zu demonstrieren, ist nicht nur an finanziellen Zuwendungen gescheitert.

Vielmehr sollte die Frage gestellt werden, wo Zentralisationspunkte zu verorten sind, an denen sich kulturelle und vor allem auch künstlerischen Perspektiven darstellen. Die Versuche, im Rahmen von projektorientierten Unterrichtsformen, dem Kulturbegriff in der Bildungshie--r-ar-chie auf die "Sprünge" zu helfen, erscheint eher als ein Griff in den Kosmetikkoffer, denn in das Bildungspaket.

Es fehlt die Differenzierung, in welchem Bereich die Kultur lehrplanbedingt zu verorten wäre.

Wird sie verstanden als Einlernen von Strategien des Umgangs mit sich und der Gesellschaft sowie der Absicherung durch Lernstoff, oder handelt es sich eher um Möglichkeiten des Umgangs mit der Kultur als Therapievorschlag für die Individualstruktur von Schülern? Allerdings wird mit zweiterem das Einlernen von vorgegebenen Sichtweisen ermöglicht, die das Individuum als gefügiges Operationsvehikel im Gesellschaftsgefüge definiert.

Je mehr darüber diskutiert wird, desto virulenter wird die Suche nach Kunst und spielerisch künstlerischen Strategien, die dem Mangel an Kulturverständnis Abhilfe schaffen. Je mehr sich jene Trends durchsetzen, die von der politischen Mitte zur politischen Rechten hintendieren, desto größer wird das Bedürfnis nach einer kulturellen Entgegnung und vielleicht auch sichtbarer. Je rationaler sich die Lebensabläufe gestalten, desto "gesamtheitlicher" will man einer "eindimensionalen" Kulturauffassung entgegentreten können. Wer aber, so erhebt sich die Frage gleichermaßen, ist dazu wirklich bereit und sieht darin eine neue und mündige Form der Freiheitsentwicklung und -bewältigung?

Ohne gesetzliche Rückendeckung kann es keine Abhilfe gegenüber einem bestimmten Kulturabbau geben, der sich sehr nationalistisch, regional und spätbürgerlich (in der Bildungslandschaft) gibt und sicherlich nichts mit aktuellem Zeitgeist zu tun hat. Gegeben ist also die besagte kosmetische Übung an der Sache und die Schulung im Gehänge der Draperie, hinter dem sprichwörtlichen Theatervorhang.

Der Zusammenhang von Kultur und Schule muß daher konzentriert auf bestimmte wenige Punkte und gleichzeitig sehr konkret gesehen werden. Der Appell ergeht an drei Gruppen:

An die Schule, sprich Schulträger selbst. Die Schule als Bildungseinrichtung ist von der Organisation her beamtenstrukturiert, genau diese Struktur (die sicherlich sozial bedingt ist und einer lebensbezogenen Berufsabsicherung entspricht) ziehen sich die Behörden und Kommunen zurück. Nun ginge es darum, Motivationsformen zu entwickeln, die eingeübte Lehrvorstellungen konkret hinterfragen, ohne damit Personalrochaden zu forcieren. Medienwirksame Strukturdiskussionen wären hier fehl am Platz, vielmehr sollte eine Medienbewußtheit (im Sinne der Autonomiebestrebungen im Schul-be-reich) erzielt werden.

An die Erziehungsberechtigten (worunter nicht allein die lieben Eltern zu sehen sind, sondern genauso Arbeitgeber im Bereich der Privatwirtschaft, bzw. in einer Sozialhierarchie fixierte Personen), bzw. die politischen Träger von Bildungseinrichtungen. Diese nehmen zunehmend auf den technokratischen Apparat Einfluß und steuern noch weiter in Richtung administrierbarer Hörigkeit. An die Informationsträger. In den digitalen Medien werden in Wirklichkeit nicht perspektivische Inhalte erörtert, sondern diese als verpackter Wirtschaftsfaktor verkauft. Vor allem aber werden Verfahrensweisen und Strategien von bürokratischen Auflagen aufgezeigt und zur Durchführung genötigt. Es geht also weniger darum, die geistige Disposition zu orten, sondern diese als fiktiven Ort eines Wunsches administrativ abzusichern und zu legitimieren. Auch wenn die Sichtbarkeit der sogenannten schnellen Bilder genau das Gegenteil zu vermitteln suchen.

Beschränkt man den Kulturbegriff auf den Kunstbegriff, so müßte auch die Kommune ganz spezifische Anstrengungen einer Berufsbildgestaltung unternehmen, um einerseits die konsumindustrielle Entwicklung in Richtung Freizeitgestaltung und Medien besonders ins Auge zu fassen, andererseits aber auch um die Bewußtheit des Individuums in einem Gesamtzusammenhang zu differenzieren.

Die konkrete Entwicklung ist heute durchaus absehbar und bewegt sich auf eine Digitalisierung des Wissens hin, wobei die Digitalisierung zur Strategie wird. Die Digitalisierung bringt eine Strategie der Vereinheitlichung und (durchaus) Entmündigung des einzelnen (s.o.) mit sich. Es kann damit gerechnet werden, daß sich die Bildungsinhalte polarisieren. Sie gehen einerseits in Richtung der Kontrolle von Wissens-über-(ver)mittlung durch die neuen Medien (Internet), andererseits werden individualistische (und individualisierte) Kleingruppen aufgelöst. Dies passiert zugunsten großer Strategien der Umweltbewältigung im Bereich einer virtuellen Welt. Noch nicht miteingeschlossen sind dabei die Entwicklungen in der Dritten Welt. Wenn die Individualität des Menschen als Kulturgut angesehen wird, dann sind auch das Wissen und die Information Bausteine der Bildung.

In den Bereich der kreativen Motivationen tritt Erinnerungsarbeit und also kreative Geschichtsarbeit und soziales Verhalten.

Kreative Zukunftsforschung ist ein weiterer Aspekt, der die Lehrplanstrategen befassen müßte, will man nicht eine radikalisierte Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Ein-Forderung Konkret bedeutet dies eine Strategie in zwei Zielrichtungen der kulturellen Lernarbeit.

Modifizierung des kreativen Geschichtsdenkens und Entwicklung von Möglichkeiten, um Erinnerungsarbeit als flexible aber auch pluralistische Denkstrategie zu sehen.

Offene Diskussionsebenen und kritische Reflexionstätigkeit um Selbstbewußtheit zu erzeugen.

Ein anderes Kulturverständnis wäre, mit den Gegebenheiten der Konsum- und Freizeitindustrie umzugehen, um sie sinnvoll zu funktionalisieren.

Es geht also weniger darum, in Schulen konkrete Kulturangebote zu positionieren, sondern vielmehr darum, sich um deren Anwendbarkeit zu bemühen.

Der Diskurs Eltern-Lehrer-Schule ist problematischer geworden, weil durch die Mediatisierung des Schulbetriebes die Scharnierstellen Lehrer-Schüler ihre Abnützungsflächen aufzeigen, und das Rollenspiel disparat wird.

Es ist derzeit das Kulturangebot von seiten der Kommune so, daß man sich auf den Standard der Gegebenheiten beschränkt. Interessant wären Einrichtungen, die eine Zugriffsmöglichkeit zur Kultur erleichtern. Diese Einrichtungen sind weniger museumspädagogische Dienste als vielmehr Personen bzw. -gruppen, die mithelfen, in den Bildungseinrichtungen kulturelle und auch kulturpolitische Akzente zu setzen. Das Kulturverständnis das dabei vermittelt wird, sollte weniger ein traditionelles, denn ein zukunftsorientiertes und offenes sein.

Konkret haben sich museumspädagogische Einrichtungen oder Einrichtungen mit Aspekten der Supervision nicht ausreichend bewähren können. Die Förderung der bildnerischen Kunst als sichtbares Zeichen der gesellschaftlichen Transparenz Bei der Förderung von Kultur- und Kunstgut wäre in dreierlei Hinsicht zu unterscheiden:

Sicherung von Kunst-Kulturgut als Darstellung von Zeit und Gesell- schaftsentwicklung Erhaltung eines transparenten objektiven kulturellen Klimas und Absicherung der Überlebensbedingungen der Kunst

Daraus ergibt sich eine zu differenzierende Förderungspalette: Das Künstlerbild hat sich entsprechend der gesellschaftlichen Bedingungen wesentlich verändert. Die Künstler-Landschaft ist noch pluralistischer geworden (was nicht mit der Kunstfreiheit gleichzusetzen ist). Für den Künstler bedeutet dies: von der Öffentlichkeit in den Elfenbeinturm zurück, daß er sich in abgegrenzten Freiräumen befindet, die von bestimmten Gesellschaftsgruppen vorgegeben werden. Die Freiräume sind demnach nicht absolut, sondern entsprechend unterschiedlichen gesellschaftlichen Ausprägungen sehr relativ.

Auftraggeber, wie beispielsweise die Kirche, welche Gesamtheiten betreffen oder privilegierte Personengruppen aus der Wirtschaft fehlen fast zur Gänze. Die Wirtschaft als wesentlicher Gesellschaftsfaktor ist nur in Konjunkturzeiten pflichtschuldigst bemüht kulturelle Zeichen zu setzen, - und dabei bleibt es jedoch meist.

Für die Künstler bedeutet dies zwar, daß sie solchen Auftraggebern heute nicht unmittelbar verpflichtet sind und von ihren Vorstellungen unabhängig arbeiten und somit autonome Kunststücke entwickeln können, allerdings sind sie dennoch auf unterschiedlichste Verständigungsgruppen angewiesen, eine davon ist heute die Kommune.

Viele der ständigen/potentiellen Kunstkäufer, von deren Sammeltätigkeit einige Künstler "wirklich" leben können, bleiben anonym. Diese Gruppe an Kunstliebhabern läßt sich nicht unbedingt berufsspezifisch einordnen, sie ist zudem nicht kulturtragend im traditionellen Sinn.

Daher splittet sich die Kunstlandschaft in einen Kunstmarkt, in dem Kunstwerke wegen ihrer Wertbeständigkeit (und Steigerung) gehandelt werden (das Kunstwerk als Aktie), dann gibt es punktuelle und persönliche Aktivitäten der Kunstsicherung einiger weniger, und schließlich kann der Künstler seinerseits auf ein unterschiedliches Klientel an Personen bauen. Diese Klientel ist es, die den Künstler als Person unterstützt.

Um sich im Kunstmarkt überlebensfähig zu machen, muß ein Künstler mindestens auf nationaler und noch zielführender, auf internationaler Ebene arbeiten (können). In Oberösterreich gibt es keine fünf Galerien, die regelmäßig auf internationalen Messen vertreten sind. Daß heißt, im Linzer Raum gibt es ein nur sehr zaghaftes privates Interesse, sich öffentlich an der Kunst zu orientieren und sich ihrer zu bedienen.

Die Kunst ist in ihrer Transparenz sehr pluralistisch und daher schwer beurteilbar geworden. Daher behilft sich die Kommune Kuratoren oder Kunstkonsulenten, die als Fachleute eine Schnittstellenfunktion zwischen Kunst und Institution einnehmen. Sie sind es auch, die in ihrer Vermittlerrolle die Kunst der Öffentlichkeit - garantiert ihrer Kompetenz aber nicht unabhängig von ihrer Neigung - vermitteln. Zumindest haben sie den Auftrag, eine Sichtweise auf die Kunst zu ermöglichen, ohne jedoch gleichzeitig diese allzu didaktisch wie auch lehrhaft durchzusetzen.

Randbereiche einer aktuellen Kunst, die nicht an die Rathauswand "geklebt" werden können, müssen entsprechend anders gefördert (und gesichert) werden. Dies betrifft nicht unwesentlich Entscheidungen bei der Kunstförderung durch die Kommune.

Das Selbstverständnis der Kunst ist in ihrer differenzierten Sichtbarwerdung als Reaktion auf die Zeit und das Umfeld des Künstlers zu sehen. Dieses Selbstverständnis stand und steht in Verbindung mit gesellschaftlichen Veränderungen. Genauso ist die Einflußnahme der Auftraggeber auf die Kunst nicht unabhängig der Entwicklung ihrer eigenen Kompetenz, also ihrer Kenntnis von der Kunst zu sehen. Ist der Kunstinteressierte der Auffassung, daß die Kunst eine Abbildfunktion hat, so wird jene Kunst auf Unverständnis stoßen, die genau das Gegenteil oder etwas anderes erreichen will. Notwendigerweise jedoch wird sich der Kunstinteressierte in seinem "Schauen auf die Kunst" weiterentwickeln und neue Blickstrategien entwickeln.

Seit der Postmoderne, also seit den 70er Jahren, kann man voraussetzen, daß es keine "große Erzählung" mehr gibt (Derrida, Kamper, Kofman, Lyotard). Die Geschichten sind erzählt, die Dramaturgien erscheinen ausgereizt. Dennoch aber muß sich der Künstler weiterhin über gestische oder schriftliche Vermittlungsstrategien zu seinem Umfeld äußern.

Die Kommune ist daher mehr als bisher angehalten, unterschiedlichstes Kulturgut zu sichern, möglicherweise sogar den Aspekt des Pluralismus herauszuarbeiten. Das bedeutet, daß eine Fachkraft beratend an der Förderungstätigkeit teilnehmen müßte. Diese Fachkraft sollte nicht in einem Beamtenverhältnis stehen.

Unter dem Aspekt der Förderung und Sicherung von Kulturgut sollte auch der Aspekt kreativer Äußerung junger Menschen eingebunden werden. Junge Menschen reagieren in besonderer Weise sensibel auf die Umwelt und sind zu durchaus schöpferischen Leistungen imstande. Berücksichtigung und Dokumentation von ausgesuchten (und wissenschaftlich betreuten) Arbeiten, auch aus dem literarischen Bereich, insbesondere aber des bildnerischen Umfelds sind interessant und nützlich für eine Gesamtreflexion zur Kunst, Kultur und der gesellschaftlichen Befindlichkeit.

Die Förderung von Kunst ermöglicht Einblicke in die Arbeit der Kommune und manifestiert ihren gesellschaftlichen Stellenwert. Die Förderung unterschiedlichster Kunstergebnisse (-ereignisse) ermöglicht Einsichten in das Demokratieverständnis und gibt über dessen Transparenz Auskunft.

Die Förderung von Kunst kann auch über konkrete Kunstaufträge funktionieren, die als Teil von kulturellen Veranstaltungen eingesetzt werden können und Signalwirkung erzeugen.

Nicht nur im Rahmen von Kunst-am-Bau-Projekten, Denkmalgestaltungsaufträgen, sondern auch bei Stadtplanungsfragen sind künstlerische Fragen zu stellen und in der Förderungsstrategie der Kommune zu bedenken (unterschiedliche Projekte mit Künstlern Bauvorhaben aufzuwerten, konnten im Linzer Gestaltungsbeirat nicht zu Ende diskutiert werden. (Negative Beispiele sind hier der Bernaschekplatz, bei dem vorweg keine Gestaltungsdiskussion stattgefunden hat, unvollendet geblieben sind die Bereiche des Esperanto-Denkmals und schließlich auch der Arbeiterkammer-Vorplatz und der Bulgariplatz, die als städteplanerische Torsie Mahnmalcharakter erreichen.)

Es gilt ein flexibles Förderungssystem zu entwickeln. Also kein Gieß-kannensystem, wobei jeder Künstler ohne Hinterfragung seiner Bedeutung und Leistung Förderanspruch hat. Wohl aber entsprechend seiner Bedeutung muß er in der Öffentlichkeit und also auch durch die Kommune Gehör und Absicherung erfahren.

Die Ein-Forderung zur Förderung

Kunstbeirat

Installierung eines qualifizierten Kunstbeirates, der periodisch neu bestellt wird. Zu den Aufgaben des Kunstbeirates gehört es, fachliche Kompetenz in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Kommune sollte den Beirat für Publikationen heranziehen können. Der Kunstbeirat darf keine stumme Einrichtung sein. Im Gegenteil könnte dieser eine ganz konkrete Öffentlichkeitsarbeit übernehmen, die mithilft die Kommune in ihrem kulturellen Tätigkeitsbereich zu legitimieren.

Eigeninitiative des Magistrats

Der Magistrat sollte für seine Mitarbeiter ein kulturelles Klima schaffen. Im Rahmen des turnusweisen Durchlaufens von Dienststellen bei Personen, die in ein Dienstverhältnis zum Magistrat treten, sollte es usus sein, diesen auch den Bereich der Kulturförderung und hier im Umfeld der Kulturabteilung ein Kontaktfeld zu öffnen.

Sonderförderungen

Unabhängig von fixierten Budget sollte eine Sonderförderung möglich sein.

Kunst an die Öffentlichkeit

Die angekauften Kunstwerke sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und damit zur Diskussion gestellt werden. Ein zusätzlicher Anreiz für die Künstler ist die Chance, daß ein Kunstinteressierter zum Käufer wird.

Kunstpreise

Zu überdenken sind die Kunst- und Kulturpreise der Stadt Linz. Weder die Preishöhe noch die Preisdichte sind entscheidend, sondern vielmehr die öffentliche Absicherung. Zunehmend wird auch national von einer Preisflut, die an Wertigkeit verliert, gesprochen.

Künstler (und Literaten) als Gäste der Stadt Linz

Eine Möglichkeit der Kunstförderung ist, daß Künstler (und Literaten) als Gäste der Stadt Linz (im Rahmen von Studienaufenthalten) auf das Kulturleben der Gaststadt reagieren. Arbeitsstipendien für das Ausland, wenn diese mit einer Ausstellungstätigkeit verbunden sind, haben immer noch einen gewissen Reiz und entsprechen einer sinnvollen Förderungstätigkeit.

In Zusammenarbeit mit der Industriellenvereinigung.

Als Anreiz könnte das in Linz geführte Atelierhaus (z.B. mit der SBL, welche Atelierräume unterhält) einer neuen und aktuellen Belebung zugeführt werden. Die Industriellenvereinigung behält weiterhin die Agenden, sollte in ihrem Anliegen natürlich nicht Ągestört" werden. Für die Stadt Linz könnte sich in einer Kooperation die Möglichkeit einer Erweiterung bieten.

Nicht sinnvoll erscheint das alleinige Angebot an zusätzlichen Ateliers, bzw. Künstlerräumen. Vielmehr ist das Angebot von künstlerischen Arbeitsplätzen nach Bedarf sinnvoll; ohne daß damit ein längerfristiges Wohnrecht in Verbindung zu bringen ist. Dies könnte bedeuten, daß themenorientiert in Zusammenarbeit mit der Stadt Linz gearbeitet wird. Bereiche für Arbeitsplätze ergäben sich zumindest kurzfristig in jenen Räumen, die keiner primären Widmung unterliegen. Warum es heute wieder interessant ist, in bestimmten kurzfristig adaptierbaren Räumlichkeiten zu arbeiten, liegt an den zuweilen anderen Arbeitsweisen der Künstler. Sie gestalten im Bereich der Objektgestaltung, der Installation bzw. Konzeptkunst (und übergreifenden Disziplinen) und sehen ihr Atelier als offene "Produktionsstätte". Der Arbeitsraum wird zum Kunstraum, nach Abschluß der Arbeit wird der Kunstraum geschlossen.

Serviceeinrichtung unterschiedlichster Art

Die Kulturdirektion der Stadt Linz sieht sich ohnehin schon vielfach als eine Serviceeinrichtung. Diese könnte auch für den Bereich der bildnerischen Kunst erweitert werden. Der Magistrat und sein politischer Überbau haben viel eher und direkter einen Zugang zur Wirtschaft. Hier könnte eine Scharnierstelle eingerichtet werden, die zwischen Sponsor und Künstler eine Verbindung herstellt.

Literatur und Kommune - eine Gemeinschaft, keine Trennung

Das Literaturjahrbuch "Facetten" der Stadt Linz ermöglicht einen sehr guten Überblick über die Befindlichkeit der Literatur in Linz und Oberösterreich und gibt darüberhinaus auch Auskunft über die kulturellen und durchaus auch sozialen Befindlichkeiten im Bundesland.

Es ist immer noch so, daß die österreichischen und insbesondere die oberösterreichischen Autoren "aus den Maulwurfslöchern der Literaturlandschaft kriechen" und sich damit etwas bewahrheitet, was Ulrich Greiner, ein anerkannter Literaturkritiker, über die österreichische Literatur als Folge des Stifterschen "Nachsommer" vor gut zehn Jahren geschrieben hat: Es gibt eine ganz besonders ausgeprägte Sprachgewaltigkeit in unserem Land. Dies bewies auch das sehr geschlossene Auftreten der oberösterreichischen Literaten im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 1995. Der Verlag Bibliothek der Provinz, Herausgeber Richard Pils, konnte in kürzester Zeit ein Verlagsprogramm aufbauen, das zu den größten in Österreich zählt und zu gut neunzig Prozent oberösterreichische Autoren aufweist.

Christoph Ransmayer als einen oberösterreichischen Schriftsteller zu requirieren ist nur teilberechtigt. Zwar sind gewisse Schauplätze seiner Erzählkunst örtlich an Oberösterreich festzumachen, doch ist die Perspektive seiner Schreibarbeit sicherlich nicht regional oberösterreichisch. Gleichwohl könnte man behaupten, Thomas Bernhard habe in seinem Buch "Ja" einen literarischen Strang durch Linz gezogen um die Stadt bekannt zu machen, so wie Qualtingers "in Linz beginnts" ein national verbreiteter Ausspruch wurde. Thomas Bernhard und Christoph Ransmayer sind zwar emotionelle Stützen der oberösterreichischen Literatur, jedoch nicht als Schriftsteller zu verstehen, die man regional vereinnahmen könnte.

Überhaupt ist es schwierig, und die Autoren, Dichter, Mundartartisten etc. wehren sich zuweilen auch dagegen, die Schreibkultur pauschal regional zu positionieren. Es gibt eine Schreibgewichtigkeit, wie sie durch Adalbert Stifter repräsentiert wird, die gut für eine Literaturstimmung ist. Dies bedeutet, daß es wichtig wäre, eine andere fördernde Wertschätzung und Zugangsweise zu Literaten im regionalen Raum zu finden. Schließlich stellt sich die Frage, ob es in der Nach-Moderne noch Geschichten zu erzählen gibt, die sich nicht selbst karikieren und die Wiederholung ihrer selbst sind.

Eine bisher vielfach geglückte Form der Literaturförderung und Vermittlung ist die Einrichtung des Linzer Geschichtenschreibers im Rahmen der Literatur zur Arbeitswelt. 12 Monate zumindest teilweise frei von finanziellen Sorgen zu sein bedeutet, das Talent herauszufordern und eine literarische Perspektive zu setzen. Allerdings: Dieses Geschichtenerzählen wird zu einer nicht erfüllbaren Absichtserklärung und die Überredungsarbeit, diese Autoren in das aktuelle kulturelle Leben in Linz einzubinden, reichte bisher nur zu sporadischen Aktivitäten. Leider schreiben die Geschichtenerzähler ihre Geschichten an der Linzer Öffentlichkeit vorbei. Und leider ist es sehr mühsam, das öffentliche Interesse an Literaturveranstaltungen zu wecken. Zuletzt versuchte die Linzer Arbeiterkammer, einen Dichter ihrer Wahl auf eine oberösterreichische Lesetournee zu schicken und diese "Tour" auch mit Vermarktungsstrategien zu beleben. Kleine aber sehr wichtige Akzente, um eine Öffentlichkeit "wachzuküssen", die es sicherlich dringend notwendig hat, sich ihres "literarischen Gewissens" zu versichern.

In Linz und Oberösterreich, und das scheint für den regionalen Raum nicht uninteressant zu sein, gibt es im wesentlichen drei Strömungen des literarischen Arbeitens: Erstens gibt es derzeit noch jene Generation der Vater-Mutterschreiber, die am heimischen Geschichtsboden den Problemen des sozialen Verständnisses ein kritisches Fundament gegeben haben und noch immer geben. Akzente des Realismus, der Sozialkritik aber auch des Surrealen, in Verbindung mit sanfter und überspielter Gesellschaftskritik sind in diesem Umfeld aufzufinden.

Die zweite allerdings überregional sehr interessante Gruppierung sammelte sich um Heimrad Bäcker und die "neuen texten". Hier war nach 1945 erstmals - durchaus in Verbindung mit der früh legendär gewordenen Wiener Gruppe - mit Querverbindung zur Bildnerischen Kunst und Musik, ein deutlicher Akzent der Literatur gesetzt worden. In den 70er Jahren konnten durch diese Gruppierung eine Reihe von Literaten zur Sprache kommen, die sich schließlich freigearbeitet haben.

Und die dritte Gruppierung, die sich als die Erben der 68er Bewegung zu verstehen wußte, schreibt bis heute recht nahe am realen Sozialgefüge, unabhängig einer gewissen, für die Literatur aber doch sehr notwendigen, Schreibutopie.

Diese drei Schreibperspektiven, so undifferenziert sie auch im Blick stehen, bestimmen die Literaturlandschaft in Linz und Oberösterreich, vermitteln aber dennoch eine offene und pluralistische Schreibbasis. Die Besucherzahlen der einzelnen Lesungen sind sehr entmutigend. Es scheint, als würde ein Bannfluch auf der Literatur lasten.

Die "Literaturpflege" hat ihr Sprachgewicht verloren. Die Bildungsindustrie, also die Schule bietet hier nur marginal eine Basis der Literaturförderung. Eine zahlenmäßig bedeutsame literarische Öffentlichkeit, vergleichbar mit der Bildenden Kunst oder der Musik gibt es nicht. Die wohl wesentlichste Literaturveranstaltung in den letzten Jahren, die innerhalb der (anfänglichen) Linzer Literaturtage und im weiteren als "Wortlust", initiiert wurde (Ch. Schacherreiter als Ideenlieferant, dann aber P. Leisch und M. Sturm, Offenes Kulturhaus), hat aus unterschiedlichen Gründen keine Fortsetzung gefunden. Die "unterschiedlichen" Gründe waren entweder in der Themenfindung und inhaltlichen Aufbereitung zu finden, in der Koordination und Verortung sowie zuweilen am Mangel an (leider! - als ginge es nicht ohne diese) zugkräftigen Dichtern. Die Idee eines Literaturfestivals ist jedoch wichtig, weil es gemeinsamkeitsstiftend ist und das Kulturverhalten sehr wesentlich beeinflußt.

Zur Durchführung derartiger Ereignisse bedarf eines unbedingten "Hinter-der-Sache-Stehens" und "Geduldopferung". Für die mehr oder auch weniger interessierte Bevölkerung muß die Literatur transportierfähig gemacht werden, weil der Irrtum entstanden ist, daß in der Schule im Deutschunterricht die Sprachfindung ausreichend abgesichert wird.

Vorschläge - Ein-Forderung:

Scharnier - Literatur

Es ist sinnvoll darüber nachzudenken, wie die Scharnierstelle Literatur und Rezipient, aber genauso die Scharnierstelle vom Rezipienten zum Literaten aussehen soll und wie sie funktionieren könnte. Es wird zwar immer wieder darüber geredet, doch nie wurde ein konstruktiver Weg von der Literatur zum Adressaten gefunden. Die Sprache ist ein Zeichen der "Umgangs-Sitten", daher wäre eine umfassende Diskussion mit Praxisbezug notwendig.

Literaten und kommunale Publikationen

Die Kulturförderung könnte unter anderem auch über die schon fast täglichen Postwurfsendungen der Stadt stattfinden, - auch wenn sie (oder gerade deshalb) politischen Inhalt haben. Sicherlich soll es nicht so sein, daß darin die Autoren kurze literarische Aufputschmittel publizieren sollten. Die Stimmen der Autoren/Künstler müßten konkreter (wichtiger) eingebunden werden. Es entsteht dadurch eine Präsenz, die mit Akzeptanz konform gehen kann. In einer Veranstaltungsbroschüre, wie "Was ist los", werden Künstler vorgestellt, die zwar von der Bildebene etwas beitragen, nicht aber von ihrer inhaltlichen Qualität etwas leisten können. Eine Änderung in dieser Hinsicht könnte sein, daß die Künstler und Literaten konkret für diese Publikation eingesetzt werden und auch gestalterische Möglichkeiten einbringen. Dies drückt sich auch in der Qualität der Sprachfindung aus. Die Literaten müssen also konsequent und konkret in den kommunalen Kulturbetrieb eingebunden werden. Es kann davon ausgegangen werden, daß die Schriftsteller Sprachgewicht haben.

Es kann davon ausgegangen werden, daß Autoren/Schriftsteller/Dichter, Zeitgeistmenschen sind, die etwas zu sagen haben

Durchaus denkbar ist es, daß sich ein Autor/Schriftsteller bereiterklärt konkrete Gedanken (nicht Gedichte) zu bestimmten Themen beizusteuern. Das ist aktuelle Literaturarbeit. In dieser Funktion können Literaten arbeiten und davon auch leben, ohne gleichzeitig am Gängelband politischer Richtungen zu baumeln. Zu erinnern ist an Zeiten, in denen beispielsweise Max Frisch oder andere Schriftsteller an der Seite von Brandt oder Schmidt offizielle Funktionen eingenommen haben. Warum soll nicht im Rahmen von Besuchen der Partnerstädte auch literarische (und natürlich künstlerische) Akzente gesetzt werden. Die Partnerstädte Straubing - Wels beispielsweise haben es zumindest im Ansatz zuwege gebracht, eine gemeinsame Literaturpublikation zu veröffentlichen.

Dichtung/Literatur soll zwischen zwei Buchdeckeln greifbar sein.

Die Kommune hat die Aufgabe Kulturgut zu sichern, also auch die Literatur. Dies geschieht derzeit unter anderem mit den literarischen Bändchen, den Linzer Texten. Auf 60 Seiten wird eine Auswahl getroffen. Das scheint aus aktueller Sicht nicht ausreichend. Es sind daher Strategien zu diskutieren, wie auch die wissenschaftliche Betreuung von Werken die Absicherung von Kulturgut gewährleistet wird. So gab es für vier Linzer Autoren Kleinsymposien Jägermayrhof , die notwendigerweise gezielt weitergeführt werden müßten.

Es gibt in Oberösterreich zahlreiche (auch nicht mehr lebende) Autoren deren Arbeit ausreichend wesentlich ist, um sie als gesellschaftlich notwendig abzusichern

Dafür könnte (in Fortsetzung zu Punkt 4) in verbindlicher Zusammenarbeit mit einem Verlag eine Reihe gestalten werden, die entsprechend beworben und herausgestellt wird. Ein Initiative, die aus unterschiedlichen Gründen bisher zwar immer wieder diskutiert wird, aber immer wieder versickert. Genauso ist es möglich für Publikationen Sponsoren zu begeistern. Vor allem auch, was die ?wissenschaftliche und geschichtswissenschaftliche Literatur betrifft.

Es sollte keine öffentlichen Diskussionen geben, zu denen nicht auch Literaten (insbesondere diese, aber auch Künstler) eingeladen werden, aktiv und gleichberechtigt teilzunehmen.

Die Literaten, die Künstler sind nicht Hilfsmittel

Bisher ist es so, daß öffentliche Vereinigungen Künstler einladen und sich von diesen ein Environment einrichten und errichten lassen. Bei der Durchsetzung von Ideen und Forderungen sind sie jedoch nicht beteiligt, sie bleiben eine Staffage. Dies kommt genaugenommen einer Diskriminierung der Künstler und einer Einschränkung ihrer Freiheit gleich. Künstler, denen man sich formal bedient hat, ist auch inhaltlich Gewicht zu geben.

Umdenken durch Akzeptanz

Genau in diesem Bereich ist gerade von der Kommune ein radikales Umdenken zu erwarten und zu fordern. Gleichzeitig könnte sich im übrigen auch die Sprachkultur der Politik selber verbessern.

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