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Linz-Profil


Spannungsfelder und Traditionen
Urbane Vielfalt und Qualität
Kulturpolitische Schwerpunktsetzungen
Offene Räume
Die freie Szene
Europäische Kulturhauptstadt





Spannungsfelder und Traditionen

In den letzten Jahren hat das Interesse an Kunst und Kultur breitere Teile der Bevölkerung erfaßt als je zuvor. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und können an dieser Stelle nur angedeutet werden.
Das gegenwärtige Meinungsklima in der Bevölkerung bezüglich der zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung in Europa ist durch Widersprüche geprägt. Vor allem die Zentralisierung von Ökonomie, Politik und Verwaltung, die generellen Globalisierungstendenzen und die Entwicklungen in den "nachkommunistischen" Staaten stoßen bei vielen Menschen auf Mißtrauen. Es entsteht ein Gefühl der Entfremdung gegenüber undurchschaubaren Großstrukturen, des Ausgeliefert-Seins an wirtschaftliche und technologische Entwicklungen, die selbst nicht beeinflußt werden können, der Unsicherheit gegenüber anderen Kulturen.
So werden die überschaubare Region, die vertraute Stadt zu Orten der Sicherheit und der Zuflucht, was allerdings nicht selten mit der ängstlichen Abwehr alles "Fremden" verbunden ist. Im Spannungsfeld von gleichzeitiger Vereinheitlichung und Differenzierung, Öffnung und Mißtrauen bewegen sich die kulturellen Potentiale der Stadt und der Region, verschmelzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftsperspektiven zu einem spezifischen Profil, hat sich Kulturpolitik transparent, nachvollziehbar und im ständigen Dialog- und Lernprozeß zu bewegen. Da die Austragung dieser widersprüchlichen Tendenzen vor allem im Alltag und in Bereichen des Emotionalen, manchmal Irrationalen stattfindet, sind Kunst und Kultur in besonderer Weise gefragt und gefordert.

Traditionen und aktuelle Herausforderungen
Eine Stadt oder Region kann man nicht gegen alle Traditionen, gegen die demographischen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Voraussetzungen künstlich "positionieren", weder kulturell noch sonstwie (jedenfalls nicht in demokratischen Systemen). Es ist daher kein Zufall, daß in Linz Themen wie "Technologie" oder "offene Räume" rascher und breiter als anderswo in Österreich mit Kunst in Verbindung gebracht wurden. Sie entsprachen den historisch gewachsenen Voraussetzungen und den aktuellen Herausforderungen in der "Industriestadt" mit all ihren wirtschaftlichen und sozialen Problemen und Chancen in den letzten Jahrzehnten.
Genau in diesem Kontext entstanden Projekte wie die Linzer Klangwolke, die Ars Electronica oder das Forum Metall: in der Suche nach Formen künstlerischer Auseinandersetzung mit der aktuellen technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung und im Versuch, eine Brücke zwischen Kunst und einer breiteren Öffentlichkeit zu bauen. Erst später wurden insbesondere die Klangwolke und die Ars Electronica zu "Markenzeichen" von Linz und als solche Teil des Stadtmarketings, wie früher Anton Bruckner und eventuell noch Adalbert Stifter, oder wie W.A. Mozart für Salzburg. Es ist für die weiteren Diskussionen um die Perspektiven von Kunst und Kultur in Linz wichtig, diese Reihenfolge in Erinnerung zu rufen.


Urbane Vielfalt und Qualität

Die künstlerische Vielfalt und ihre Qualitäten sind die Basis lebendigen Kulturlebens in einer Stadt. Beide Voraussetzungen wurden in Linz seit den späten 70er Jahren in verstärktem Ausmaß geschaffen und beinhalten zweifellos genügend Potential für ihre weitere Entfaltung in der Zukunft.
Vielfalt und Qualität Es wird Aufgabe der Stadt bleiben, dafür zu sorgen, daß diese künstlerische Vielfalt im Sinne eines breiten urbanen Angebots in allen Bereichen (Musik, Theater, Literatur, bildende Kunst, Medienkunst, interdisziplinäre Kunstformen, alle experimentellen Kunstformen...) gefördert wird (Konkretes dazu im Kapitel Kunst- und Kulturförderung). Denn jede dieser Kunstformen leistet wichtige spezifische Beiträge zur gesamten kulturellen Topographie der Stadt und gehört somit unabdingbar zum Linz-Profil. Das bedeutet auch, daß die Künstlerinnen und Künstler in der freien thematischen und formalen Ausrichtung ihrer Arbeit weder durch die Schwerpunktsetzungen, noch durch irgendwelche politische, ideologische oder andere Vorgaben eingeschränkt werden dürfen.
Selbstbestimmung Lebendiges und kreatives urbanes Leben umfaßt aber auch die Vielfalt ethnischer, sozialer und geschlechtsspezifischer kultureller Ausdrucksformen in einer städtischen Gemeinschaft. Dabei ist der Aspekt der Selbstbestimmung von besonderer Bedeutung.

Schwerpunktförderung in den Bereichen neue Medien, offene Räume und freie Szene
Die kulturpolitischen Schwerpunkte der Stadt Linz sind:
  • Technologie und neue Medien,
  • offene Räume,
  • die freie Szene.
AEC Als am 18. September 1979 das erste Ars Electronica Festival eröffnet wurde, ging es zunächst um die Erweiterung des Brucknerfestes um eine zeitgenössische Kunstschiene, wobei sich diese gleich einer neuen Herausforderung stellen sollte: der Beschäftigung mit dem Spannungsfeld von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Seither hat das Festival markante und immer wieder für Diskussionen sorgende Spuren hinterlassen - die manifesteste natürlich im Bau des Ars Electronica Centers. Neben der Ars Electronica sind etliche weitere Initiativen in Richtung Kunst und neue Technologien bzw. Medien entstanden: Prix Ars Electronica, OK - Centrum für Gegenwartskunst, Stadtwerkstatt, Time's up und andere.
Die Gründe dafür liegen neben den Impulsen, die von der Ars Electronica und/oder anderen Initiativen ausgingen, vor allem in der beschleunigten Entwicklung zur Kommunikations- und Mediengesellschaft selbst. Beides zusammen hat jedenfalls dazu geführt, daß dieser Schwerpunkt überregional - gemeinsam mit der Klangwolke - am stärksten registriert wird. International stellt er ohne Zweifel das wichtigste, ja einzig beachtete Schaustück in der Auslage "Kunst in Linz" dar.

Spezialisierung, höchste Qualität und künstlerische Risikobereitschaft
Der komplexe Schwerpunkt Kunst und neue Medien wird in den kommenden Jahren nur dann erfolgreich gehalten werden können, wenn ein Paket aus inhaltlich und strukturell innovativen, langfristig wirksamen und finanziell abgesicherten Maßnahmen auf der Basis eines breiten Einverständnisses in den Institutionen wie in der freien Szene geschnürt werden kann. Denn mit den im internationalen Vergleich sehr bescheidenen finanziellen Mitteln (das ZKM Karlsruhe zum Beispiel mußte im Vergleich zum AEC ein Vielfaches schon für die Errichtung des Zentrums aufwenden, um überhaupt in diesen Hochpreis-Sektor einsteigen zu können) läßt sich nur auf der Ebene der Spezialisierung, höchster Qualität und künstlerischer Risikobereit-schaft überleben.
Hinsichtlich der thematischen Diskurse und im Gebrauch der neuen Medien als Kunst-Mittel wird also eine die technologisch-ökonomische Entwicklung lediglich begleitende Funktion nicht genügen. Hier gilt es, das gesamte in der Stadt und in der Region vorhandene Potential an Phantasie, Kreativität und Kritikfähigkeit zu mobilisieren, um reflektierend und kritisch ein ganz besonderer intellektueller und künstlerischer Stachel im Fleisch der ökonomisch bestimmten Dynamik der medialen Globalisierung zu sein.
Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Medienkunst und Medienarbeit Dazu bedarf es einer engeren Verbindung von Kunst und Wissenschaft, als dies bisher der Fall war. Die Forderung nach interdisziplinärer Vernetzung zur gegenseitigen Befruchtung muß institutionell abgesichert werden. Im Sinne einer unabhängigen, längerfristig und frei arbeitenden "Grundlagenforschung" ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Medienkunst und Medienarbeit (künstlerische Ausbildung, Theorie, postgraduales Studium, Aufbau eines Instituts für Medienkunst und Medienarbeit) anzustreben, das von den beiden Universitäten und anderen dafür in Frage kommenden Einrichtungen getragen wird.
Dazu bedarf es einer engeren Verbindung von Kunst und Wissenschaft, als dies bisher der Fall war. Die Forderung nach interdisziplinärer Vernetzung zur gegenseitigen Befruchtung muß institutionell abgesichert werden. Im Sinne einer unabhängigen, längerfristig und frei arbeitenden "Grundlagenforschung" ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Medienkunst und Medienarbeit (künstlerische Ausbildung, Theorie, postgraduales Studium, Aufbau eines Instituts für Medienkunst und Medienarbeit) anzustreben, das von den beiden Universitäten und anderen dafür in Frage kommenden Einrichtungen getragen wird.
Es ist sicherzustellen, daß nicht nur technologisch und medientheoretisch orientierte, sondern auch kulturwissenschaftliche Wissenschaftszweige entsprechende Berücksichtigung finden. Nur dann nämlich können die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf breiter Basis reflektiert und verstärkende oder korrigierende Entwicklungen angeregt werden.
Ausbau von Artists- und Scientists-in-Residence-Programmen Darüber hinaus sind Artists- und Scientists-in-Residence-Programme an den Universitäten und in den Kulturinstitutionen zu entwickeln und auszubauen, um den Austausch anzuregen und damit die internationale Qualität des Kunst- und Medien-Zentrums Linz langfristig zu sichern. Auch hier ist ein besonderes Augenmerk auf Interdisziplinarität zu legen.
Breite Auseinandersetzung mit dem Bereich Kunst und neue Medien/ Schwerpunktsetzung auf Ars Electronica Schließlich sollte auch die Plattform der öffentlichen Institutionen, auf der sich das breite Feld von Kunst und neuen Medien bewegt, über den Hauptträger AEC und über das OK hinaus verbreitert werden. Je nach den Ausrichtungen und den Aufgabenstellungen der einzelnen Einrichtungen können diese ihre speziellen Beiträge dazu liefern (Neue Galerie, Brucknerhaus, Bildungseinrichtungen, Universitäten usw.).
Entwicklung eines innovativen und zukunftsorientierten Konzeptes für das Donaumuseum Das betrifft in erster Linie die Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung (Trägerschaft eines Instituts für Medienkunst, Kooperationen...) und das neue Donaumuseum. In den letzten Jahren sind etliche regionale und internationale "Konkurrenten" auf den Plan getreten (Kunst.Halle.Krems, Shedhalle St.Pölten, Neue Galerie Graz, Generali-Foundation, MAK, Kunsthallen in Wien und Bregenz usw.), die ein innovatives, zukunftsorientiertes Konzept für den Neubau des Donaumuseums - Neue Galerie in Linz unabdingbar machen. Es muß die enge Zusammenarbeit mit der Universität und den Einbezug der lokalen und regionalen Szene ebenso beinhalten wie die Bereiche neue Medien bzw. Medienkunst, zeitgenössische Kunst in all ihren Erscheinungsformen, die moderne Museumspädagogik, die entsprechende infrastrukturelle und räumliche Ausstattung sowie die notwendigen Vernetzungen.


Offene Räume

Selbstverständlich gibt es auch in Linz Institutionen und Vereine, deren heute noch enge Einbindung in ganz bestimmte "geographische", soziale und künstlerische Räume auf lange Traditionen verweist. Etwa die Verknüpfung von Theaterbauten ("geographischer" Raum), Bürgertum (sozialer Raum) und "Hochkultur" (künstlerischer Raum). In Linz gab es allerdings schon in den 20er Jahren einige Versuche, diese Räume zu öffnen (siehe Kapitel zur historischen Entwicklung). Daran wurde in den 70er Jahren wieder angeknüpft. Im Zusammenhang mit der Entwicklung des Linz-Profils sind vor allem drei Arten von offenen Räumen maßgebend:
Bruckner Alles zusammen ergibt ein Netzwerk von allgemein nutzbaren, den aktuellen Marktpreisen entzogenen Service-Angeboten, wie sie in dieser Weise nur von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt werden können.


   "Geographisch" offene Räume

Als die Musik Anton Bruckners den geschlossenen Konzertraum des Brucknerhauses erstmals verließ und via Klangwolke in den Donaupark strömte, gab es heftige Diskussionen, ob dies nicht ein Sakrileg darstelle. Ähnliche Debatten fanden auch rund um das Forum Metall, der ersten Linzer Großausstellung von Skulpturen außerhalb von Museen, statt. Es folgten weitere Erschließungen von Straßen, Plätzen und Industriearealen für Kunst und Kultur in unterschiedlicher Ausprägung (Malstrom Südpol, Urban Sax, Stahloper und viele weitere Ars-Electronica-Projekte, Pflasterspektakel, Linz-Fest, Klangplatz Hauptplatz, Die Achse des Ofens, Projekte des EU-Kulturmonats usw.).
Innovativer Ausbau des Kunst- und Kulturraumes an der Donau Seit den Anfängen haben sich manche Konzepte, Verhaltensweisen und auch der Begriff des "offenen Raumes" selbst (virtuelle Räume, theoretisch unendliche Erweiterung durch die neuen Medien...) verändert. Das grundlegende Prinzip aber wird weiterhin einen Schwerpunkt des Linz-Profils bilden. Das heißt konkret: die Weiterentwicklung des Konzepts "Klangwolke" in welcher Form auch immer, jedenfalls aber als künstlerische (akustisch, visuell und medial; regional und international) Auseinandersetzung mit dem Donauraum, die Neukonzeption und Erweiterung des Kunst- und Kulturraumes an der Donau im Zusammenhang mit dem Konzept des Donaumuseums, die weitere Erschließung alter/neuer Räume für Kunst und Kultur (Limonikeller, architektonisch wertvolle Industriebauten, Stadtteil-Räume usw.).
Erschließung alter/neuer Räume für Kunst und Kultur




Kunst- und Kultur in offenen Räumen


   Sozial offene Räume

Die Frage der offenen sozialen Räume steht in engem Zusammenhang mit den "geographisch" offenen Räumen. Denn das Konzept "Kultur im offenen Raum" war von Anfang an vor allem als Kulturvermittlungskonzept gedacht, auch wenn konkrete Vermittlungsschritte weitgehend fehl(t)en oder dem Zufall überlassen wurden. Die Kulturpolitik in Linz war und wird seit vielen Jahren von dem Grundsatz "Kultur für alle" geprägt. Aufbauend auf dem Prinzip der Chancengleichheit soll potentiell allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geboten werden, sich mit verschiedenen Kunst- und Kulturformen auseinanderzusetzen (von eigener Partizipation bis zur Konfrontation), unabhängig von sozialer Herkunft, finanziellen Mitteln oder kulturellen Gewohnheiten.
Chancengleichheit für alle
Eine zusätzliche Dimension erhält die Verbindung von sozialen und räumlichen Aspekten durch die neuen Medien. Virtuelle Räume sind prinzipiell sozial offen und für alle verfügbar. Die Gewährleistung bzw. Unterstützung von freien Netzwerk-Zugängen gehört demnach zur Aufgabe, Räume sozial offen zu halten.
Förderung der kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten für die ethnischen und sozialen Minderheiten in der Stadt In Zukunft sollte auch die Förderung von autonomen Entfaltungsmöglichkeiten für alle ethnischen Gruppen in der Stadt, sowie die Förderung von interkulturellen Begegnungen und von gegenseitiger Toleranz verstärkt berücksichtigt werden. Einen ersten Ansatz stellt diesbezüglich das Pilotprojekt Begegnungszentrum dar (siehe Kapitel Stadt-Räume).


   Künstlerisch offene Räume

Die Sicherung der Freiheit für alle künstlerischen Ausdrucksformen verbietet die Einnahme von dogmatischen Positionen durch die Kulturpolitik. Auf der einen Seite wurden die traditionellen Schranken zwischen "E" und "U", zwischen "Hochkultur" und "Populärkultur" oder zwischen einzelnen Kunstbereichen vielfach schon überschritten - teilweise aus theoretisch-künstlerischen oder pragmatisch-experimentellen, teilweise gewiß auch aus Gründen der besseren Vermarktbarkeit von Kulturprodukten. Die Stadt Linz wird auch in Zukunft dafür eintreten, daß diese Räume offen und durchlässig bleiben.
Förderung zeitgenössischer Kunst Andererseits braucht ein lebendiges, innovatives Kultur- und vor allem Kunstleben nach wie vor die Auseinandersetzung mit bestimmten Formen der Musik, der Literatur, Medienkunst usw., die sich auf ästhetisch spezielle Regeln und Voraussetzungen beziehen. Für sie muß nicht nur Platz sein, sondern sie bedürfen besonderer Förderung und besonderer Kunstvermittlungsangebote.


Die freie Szene

Ein Spezifikum von Linz und Oberösterreich sind die im Vergleich mit anderen Städten und Bundesländern ausgeprägte Vielfalt und das große künstlerische Potential der sogenannten "freien Szene", die besonders in den letzten zwei Jahrzehnten aufgeblüht ist. Es handelt sich dabei um Gruppen und Personen (gemeint sind damit nicht die Kulturvereine im traditionellen Sinn), die nicht in öffentliche Institutionen eingegliedert sind, ja sich in den meisten Fällen in Opposition zu diesen gebildet haben. Sie stellen die Basis zeitgenössischen und künftigen Kunstschaffens in Linz dar und reichen inhaltlich von der gegenwärtigen back-to-the-roots-Philosophie des Phönix-Theaters bis zu ausschließlich mit neuen Medien arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern.
Konsequente und nachhaltige Förderung der freien Szene In Anerkennung dieser Tatsache hat die Stadt Linz den EU-Kulturmonat 1998 nicht zur internationalen Präsentation der (zweifellos leistungsstarken) städtischen Kultureinrichtungen benutzt, sondern Projekte der freien Szene in das Zentrum des Kulturmonats gestellt. Um dieses Potential auch in Zukunft in Linz zu halten und um daraus einen tatsächlichen Schwerpunkt der Kulturpolitik zu machen, muß die Förderung der freien Szene konsequent und nachhaltig wirksam weitergeführt und ausgebaut werden (konkret siehe dazu das Kapitel zur Kunstförderung).
Ziel der Förderung ist keineswegs die "Vereinnahmung" der freien Szene durch die städtischen Institutionen und auch nicht ihre Einbindung in eine touristische oder sonstige Vermarktungsstrategie (was auch schwer möglich wäre), sondern die langfristige Sicherung der unabhängigen künstlerischen Arbeit für das Leben in der Stadt und für die in ihr lebenden Kunst- und Kulturschaffenden.


Europäische Kulturhauptstadt

Die Vergabe des europäischen Kulturmonats an Linz war auch ein deutlicher Ausdruck dafür, daß die Europäische Union den kulturellen Wandel und die unverwechselbare Eigenständigkeit der Linzer Kunst- und Kulturszene würdigte. Neben dem Potential der freien Kunst- und Kulturszene, die den Wandel mit vorangetrieben hat, bestätigen vor allem auch die geplanten Neubauten an der Donau (Musiktheater, Donaumuseum) gemeinsam mit den Aktivitäten in den bereits bestehenden Einrichtungen den herausragenden Ruf von Linz als moderne Kulturstadt, die diesen Weg nicht zuletzt mit Hilfe des KEP festigen und weiter ausbauen will.
Linz - "Europäische Kulturhauptstadt" Folgerichtig wird sich Linz daher im ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends um den Status einer "europäischen Kulturhauptstadt" bewerben. Diese Idee geht auf das Jahr 1985 zurück und entspricht dem Wunsch vieler Städte innerhalb und außerhalb der Europäischen Union, das eigene kulturelle Angebot einem internationalen Publikum ein ganzes Jahr lang präsentieren zu können.
Die kulturelle Infrastruktur und das künstlerisch-kulturelle Potential in der Stadt entsprechen zweifellos dieser großartigen Herausforderung - Linz kann sie daher voll Selbstbewußtsein annehmen.
Die Bewerbung von Linz als "Europäische Kulturhauptstadt" soll ein gemeinsames Projekt mit dem Land OÖ. sein. Zur Planung und Umsetzung des Projektes Linz - "Europäische Kulturhauptstadt 20.." wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Stadt Linz und Land OÖ. eingerichtet. Die Republik Österreich wird aufgefordert, diese Bemühungen auf nationaler und internationaler Ebene zu unterstützen.
Artists-in-Residence-Programme, künstlerische und kulturelle Aktivitäten in künftigen Kulturhauptstädten sollen die Kulturstadt Linz und die Kulturregion OÖ. präsentieren, international positionieren und die Grundlagen für ein derartiges Projekt schaffen.