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Stadt-Räume


Donau-Raum
Stadtteile
Traditionskultur
Bildungszentrum

Die kulturelle Lebensqualität in einer Stadt wird nicht zuletzt von der Qualität der Auseinandersetzung von Kunst und Kultur mit ihren urbanen Räumen bestimmt. Dabei spielen allerdings nicht nur die kulturellen und künstlerischen Akzente selbst eine wesentliche Rolle, sondern vor allem auch deren konkrete Verknüpfung mit den historischen Entwicklungen, topographischen Gegebenheiten und mit städteplanerischen, sozialen und Umwelt-Fragen.
Großräumig-topographisch gesehen zeichnet Linz die besondere Lage der Stadt an der Donau aus. Obwohl die historischen "Sünden" (Art der Flußverbauung, Architektur, Nutzung der Verbindungsräume von Fluß und städtischem Leben usw.) gar nicht mehr oder nur mehr schwer gutzumachen sind, bleibt die Attraktivität der Verbindung von Wasser und Urbanität eine städteplanerische und kulturelle Herausforderung.
Ein zweites Linz-Spezifikum ist die sprunghafte Ausdehnung der Stadtlandschaften in den letzten 60 Jahren. Dadurch entstand eine eigene Physiognomie der neuen Stadtteile und aller damit zusammenhängenden architektonischen, verkehrstechnischen und kulturellen Folgeerscheinungen. Sowohl der Donauraum, als auch die Stadtteile prägen wesentlich das Erscheinungsbild von Linz.
Die Einrichtung des Gestaltungsbeirates hat die Ausgangslage für eine qualitative Stadtentwicklung zweifellos verbessert. Beide erwähnten spezifischen Räume von Linz - Donau und Stadtteile - sind in den nächsten Jahren in ihren kulturellen Potentialen weiter zu stärken und in ihren Problemfeldern auch kulturell zu thematisieren.


Donau-Raum

Der Donau wurden und werden neben ihren funktionellen Aufgaben (Handel, Verkehr, Fischfang, Freizeit...) immer symbolische Werte zugeschrieben. Im Zeitalter der europäischen Einigung gilt sie als Strom, der viele Länder und Kulturen miteinander verbindet und dabei nicht an den gegenwärtigen Grenzen der Europäischen Union haltmacht. Sie ist auch ein Symbol für die brückenbildende und gleichzeitig differenzierende Funktion von Kultur. Ohne daß sich die Stadt Linz hinsichtlich ihrer europäischen Bedeutung überschätzt, schlagen diese symbolischen Werte doch eine inhaltliche Brücke zu den Grundwerten ihrer Kulturpolitik und sollten deshalb als gei-stiger Hintergrund auch präsent sein.

Nutzungskonzept für Tabakwerke und Schlachthof
Die großräumige Öffnung der Stadt zur Donau hin wird in den nächsten Jahren durch die neu geplanten Kulturbauten (Donaumuseum, Musiktheater) weitere entscheidende Ausprägungen erfahren. Wenn zusätzlich noch die Areale der Tabakfabrik (im Besitz der ATW) und des Schlachthofs (Kühne-Bau, derzeit in Privatbesitz) zumindest teilweise auch kulturell genutzt werden könnten, ergäbe sich eine "Kulturmeile" am Fluß mit einer markanten und vielfältigen baulichen Infrastruktur: Stadtwerkstatt, AEC, Musiktheater, Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung (in beiden Brückenkopfgebäuden), Stifterhaus, Donaumuseum, Brucknerhaus, Tabakfabrik, Schlachthof bis zum Hafenareal.
Kreative Aneignung des Donauraumes durch Kunst und Kultur Der Raum zwischen der Nibelungen- und Eisenbahnbrücke fordert in jedem Fall dazu heraus, von Kunst und Kultur in vielfältiger Weise zu Wasser und zu Land angeeignet und insbesondere für Kunstprojekte im offenen Raum genutzt zu werden.
Das industrie- und architekturgeschichtlich bedeutsame Gebäude der Tabakfabrik, das in den 30er Jahren von Peter Behrens und Alexander Popp entworfen wurde, bietet gemeinsam mit dem Schlachthof hervorragende Voraussetzungen für eine Misch-Nutzung durch Freizeit-, Arbeits-, Wohn-, Geschäfts-, Kultur- und Kunsträume sowie für zusätzliche Vernetzungsmöglichkeiten. Verbunden mit intelligenten Verkehrs- und Kommunikationslösungen und mit großzügigen ökonomischen Investitions- und ideellen Innovationsprogrammen könnte auf diesem Areal ein beispielhaftes städteplanerisches Projekt verwirklicht werden.


Stadtteile
Der Konzentration von Kulturbauten an der Donau und im unmittelbaren Innen-stadtbereich (Landeskulturzentrum, OK - Centrum für Gegenwartskunst, Theater, Nordico, Musikschule) steht ein breit gestreutes Netzwerk in Form von dezentralen kulturellen Einrichtungen in den Stadtteilen gegenüber. Die Stadt verfügt derzeit über 13 Volkshäuser und etliche Zweigstellen der Bücherei, Musikschule und VHS. Das vorhandene Netz kann im Zusammenhang mit den vielen Kulturvereinen und -initiativen, den Kunstschaffenden, die in den Stadtteilen leben usw. zum Ausgangspunkt für einen umfassenden Erneuerungs- und Entwicklungsprozeß gemacht werden.
Förderung der Selbstorganisation Leitlinien für alle Überlegungen sind dabei die gemischte Nutzung der Einrichtungen in sozialer, ethnischer und kultureller Hinsicht, sowie die Schaffung von Räumen und Zeiten für Formen der Selbstorganisation. Nutzungsregulative, die diese Ziele erschweren, müssen vor allem in den Volkshäusern reformiert werden.
Volkshäuser als Knotenpunkte in den Stadtteilen Grundsätzlich sind alle dezentralen städtischen Einrichtungen auf ihre konkrete Funktion im kulturellen und sozialen Gefüge des Stadtteils hin zu überprüfen. Jene Volkshäuser, die auf Grund der räumlichen, personellen, infrastrukturellen und kulturellen Voraussetzungen über das Potential für den Ausbau zu lebendigen und kreativen Knotenpunkten verfügen, sollen verstärkt ausgebaut und von Stadtteilkulturarbeiterinnen und -arbeitern betreut werden. Denn die Ideen und Impulse für die kulturellen Stadtteil-Aktivitäten müssen aus den Stadtteilen selbst kommen - die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß die Delegierung an eine zentrale Stelle, etwa im Kulturamt, die Eigeninitiativen nicht ersetzen kann. Für die anderen Volkshäuser sind alternative Nutzungsmöglichkeiten (inklusive Ausgliederung) zu überlegen.
Kulturarbeiter und Kulturarbeiterinnen in den Stadtteilen Mittelfristig ist in allen Knotenpunkten der Einsatz von ausgebildeten und sozial wie kulturell kompetenten Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeitern vorgesehen. Ihre Aufgabe besteht darin, die räumlichen, organisatorischen und atmosphärischen Rahmenbedingungen zu optimieren, Animations- und Koordinationsaufgaben zu übernehmen und konkrete Hilfestellungen (Rechtsberatung, Projektbegleitung, Know-how-Transfers und dergleichen) zu leisten.
Die einzelnen Knotenpunkte sollten über ihre Basisarbeit hinaus spezielle Schwerpunktbereiche bilden, die der jeweiligen Stadtteilkultur ihre eigene Identifikation geben. Am Beispiel von interkulturellen Aufgabenbereichen, die nicht zuletzt im Zuge des europäischen Einigungsprozesses und der Globalisierung weiter an Bedeutung gewinnen werden, läßt sich eine solche Schwerpunktbildung skizzieren:
Autonomes Begegnungszentrum Prinzipiell sind alle Zweigstellen-Einrichtungen der Stadt (und natürlich auch die Zentralen) angehalten, in ihren Angeboten, Aktivitäten, Serviceleistungen usw. den Anteil der Ausländerinnen und Ausländer an der Linzer Bevölkerung (ca. 10%) entsprechend zu berücksichtigen. Darüber hinaus wird in einem Stadtteil mit hohem interkulturellen Potential ein autonomes Begegnungszentrum als Pilotprojekt eingerichtet. Das Zentrum wird von einem Dachverband geführt, in dem sich alle Kulturvereine und individuellen Kulturaktivitäten des Stadtteils zusammenschließen. Der Dachverband koordiniert die Programmgestaltung und die Mittelverteilung. Parallel dazu wird auf der Grundlage der permanenten Erfahrungen mit dem Projekt ein begleitendes Konzept für moderne interkulturelle Kulturarbeit entwickelt.
In einem anderen Stadtteil, wo bereits Aktivitäten beispielsweise im Bereich der bildenden Kunst bestehen und/oder wo Künstlerinnen und Künstler wohnen, sollte dieser Schwerpunkt im Volkshaus verankert und in Form von Ateliers, Ausstellungen, Mitwirkung bei der Planung oder Revitalisierung von Gebäuden im Viertel usw. ausgebaut werden. Generell kann die "Eroberung" von neuen Räumen für Kunst und Kultur, wie die Beispiele der Stadtwerkstatt, von "Contained" usw. zeigen, wichtige Impulse setzen.
Zu den Stadtteil-Räumen mit offener Struktur und kommunikativer Funktion (unterschiedliche Gesellschaftsschichten, Alt und Jung, Inländer und Ausländer, Männer und Frauen, Familien...) gehören zweifellos auch Märkte und Gaststätten. Sie bieten gute Voraussetzungen, um Kunst und Kultur in einem prinzipiell kommunikationsfreundlichen "Ambiente" mit vielen Bevölkerungsgruppen in Verbindung zu bringen. Kulturelle "Inputs" entstehen in der kommerziell definierten Funktion solcher Orte nicht von selbst, sondern bedürfen gezielter Impulse und Ermutigungen, die von der Stadtteil-Kulturarbeit genauso ausgehen können wie von Initiativen des Kulturamtes oder von der freien Szene.
Kulturelle/künstlerische Nutzung von kommunalen Häusern, Sportplätzen, Bädern usw. Zur Bereicherung von Stadt-Räumen durch Kunst und Kultur gehören zweifellos auch jene Häuser und Einrichtungen, die primär der Freizeitgestaltung, dem Sport oder anderen Nutzungen dienen: öffentliche Gebäude generell, Bäder, Sportplätze, Kinderspielplätze, Parks usw. Für sie sollten konkrete Konzepte für die Teil- oder Mitnutzung durch kulturelle und künstlerische Projekte entwickelt werden. Initiativen wie "coram publico" am Hauptplatz (gemischte Nutzung durch Café, Sozialprojekte, Diskussionen und Kunstpräsentationen) wären auch in anderen Stadtteilen wünschenswert. .


Traditionskultur

Wichtige Beiträge für das kulturelle Leben in den Stadtteilen, aber auch im Zentrum von Linz kommen seit vielen Jahrzehnten von den zahlreichen und engagierten Vereinen, Clubs und Personen, die sich der sogenannten "Traditionskultur" verbunden fühlen. Dazu zählen bestimmte Bereiche aus der bildenden Kunst (Kunst- und Kulturvereine, Ausstellungsinitiativen und ähnliche Projekte), Denkmal- und Heimatpflege (zum Beispiel die Erhaltung von Baudenkmälern, die Pflege von regionalen Brauchtümern, Trachten oder Volkstänzen und ähnliches) und Musik (Sängerbünde, Chöre, Blasmusikkapellen, Instrumentenvereine usw.) genauso wie spezielle Tanzgruppen, Geschichte-Clubs, Film- bzw. Videoprojekte, literarische Initiativen und vieles andere mehr.
Sie alle tragen auf ihre Weise wesentlich zur Identität, Belebung und zur kulturellen Kommunikation in den Stadt-Räumen bei und sind deshalb integraler Bestandteil der kulturellen Topographie von Linz (siehe Kapitel "Die aktuelle Ausgangslage für den KEP"). Im Sinne der "kulturell offenen Räume" wäre es anzustreben, daß zwischen diesen Bereichen der Traditionskultur und anderen kulturellen und künstlerischen Initiativen in den Stadtteilen, aber auch verschiedenen oben genannten kommunalen Einrichtungen Kommunikationsschienen hergestellt werden, die das gegenseitige Verständnis vertiefen und durchaus zu gemeinsamen Projekten führen könnten. Die Einrichtung von Stadtteilkulturarbeiterinnen und -arbeitern (siehe Kapitel "Stadtteile") würde diese Vernetzung wesentlich erleichtern.




Kompetenzzentrum für kulturelle Bildung


Bildungszentrum

Eine besondere Ausprägung wird die Stadtteilarbeit durch die Neugestaltung des Bahnhof-Areals in einem bislang städtebaulich und kulturell "brachliegenden" Stadtraum erfahren. Durch die geplante Errichtung des Bildungszentrums in Bahnhofsnähe (mit den Einrichtungen Volkshochschule und städtische Bücherei in einem Haus) werden nicht nur synergetische Gemeinschaftsnutzungen (Multimedia-Einrichtungen, Foyerbereich, Informationsstelle, Veranstaltungsraum, Kinderbetreuung, Cafeteria usw.), die gleichzeitig auch wichtige Kommunikationsfunktionen haben, geschaffen. Die Lage an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt wird auch zu deutlich steigenden Besucherfrequenzen führen, auf die inhaltlich, organisatorisch und infrastrukturell (Selbststudienzentrum, Öffnungszeiten usw.) zu reagieren sein wird.
Eine Chance zu kreativer Interdisziplinarität ergibt sich zudem in jenen Bereichen, die sich inhaltlich überschneiden, etwa bei der Literatur, den Mediatheken usw. Ein institutionen- und spartenübergreifender Schwerpunkt sollte vor diesem Hintergrund jedenfalls der Gesamtbereich der kulturellen Bildung sein. Durch engere Zusammenarbeit mit Schulen, Kulturinstitutionen, Universitäten, Pädagogischen Instituten, freien Kulturvermittlungsgruppen und Kunstschaffenden können spezielle Ausbildungs- und Angebotspakete geschnürt werden. Zusätzliche kulturelle und künstlerische Initiativen (z.B. eine Fördergalerie, Literaturveranstaltungen, spezielle Musikprogramme...) würden die Attraktivität des Zentrums erhöhen und damit seine Kommunikationsfunktion stärken.