Linz. Eine Stadt lebt auf.

Markus Bless
LinzerArt Kunstankäufe 1999-2000 - Künstlerinnen und Künstler

Biografien der Künstlerinnen und Künstler

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Chris Althaler CHRIS ALTHALER
"Sofas", 1999/2000, 5-teilige Fotoserie
"Konferenzzimmer", 1999, Video-Dokumentation von verschiedenen Konferenzen mit den Themen "Leben im Ausland", "Wem gehört der öffentliche Raum", "Kinderkonferenz", "Geld frißt Welt / Geld regiert die Welt", "Kindersharing/Leiheltern", "Mehrkindfamilien", "Selbständigkeit im Beruf und Verantwortung für Kinder".

Die Entscheidungsoberschicht sitzt morgen mehr am Konferenz- als am Schreibtisch. 90 Prozent aller Entscheidungen passieren informell (GEO, März 1999). Ein KONFERENZZIMMER ermöglicht es, sich zusammenzusetzen, zu besprechen, Verknüpfungen und Innovationen entstehen zu lassen. Es gibt eine Zeit im modernen Mutterdasein, da fehlen geeignete Kommunikations- und Aktionsorte mit nötiger Infrastruktur wie Computer, Internetzugang, Scanner, Drucker, Samowar, Sofas, Musik, Essen … — um nicht zwei Jahre weg zu sein von intellektuellen, kreativen und kommunikativen Betätigungen. Statt Isolationshaft Speakers Corner mit Equipment für Lobbying und Verknüpfungen.

SOFAS stehen als Kürzel für Kommunikationsräume, die auch für Kleinkindmütter geeignet sind. Chris Althaler empfielt Sofaräume in allen öffentlichen Gebäuden, für Rast — Labung — Erholung — Stillen — Wickeln — Reden — Erfrischung, attraktiv für verschiedene Personengruppen. Alte, Junge, Frauen, Männer, Kinder, Babys, Jugendliche.

Chris Althaler, geb. in Lienz, Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, 1984 Gründung der Urfährwändchöre, seit 1985 Single-8 und Videofilme, Würdigungspreis des Bundes 1996. Lebt als heilpädagogische Fachbetreuerin und als Fotografin in Linz. Beteiligungen bei den Welser Filmtagen, Dokumentart Schwerin, Videofestival Arnhem, Diagonale Salzburg, Videoedition Austria, Videoedition Oberösterreich Querspur.

Miriam Bajtala MIRIAM BAJTALA

"Drück mich", 1998, 5 Lichtobjekte, ø 14 cm, Tiefe 5 cm

Am Ausgangspunkt dieser Arbeit standen Körperstudien in Form einer Aktion, die an öffentlichen und privaten Orten stattfand. Fotografiert wurde vor allem in Toiletten, Nebenräumen oder Wohnungen. Personen aus dem Freundeskreis und Unbekannte wurden gebeten, sich fotografieren zu lassen ("Darf ich deine Brust fotografieren?") und einen Fragebogen mit intimen Fragen auszufüllen. — Der Lichtobjektkörper folgt der Fotografie der dokumentierten Aktion und wird in Zeichnung übersetzt. Die Zeichnung wird zerschnitten und in den Lichtkörper eingepaßt. Ohne Berührung des Objekts bleibt der jeweilige Körper unsichtbar und erfüllt im nicht erleuchteten Zustand lediglich die optische Funktion einer Notbeleuchtung. Das Selektionsprinzip der eigenen Wahrnehmung kann hier, im Berührungsakt, fokussiert oder unterminiert werden.

"Die ‚Drück mich’s‘ sind Notbeleuchtungslichter, die auf Berührung reagieren. Sie beinhalten in Zeichnung übersetzte Fotografien, anonymisierter nackter Oberkörper, die ohne Berührung des Objekts unsichtbar bleiben" (Judith Fischer)

Miriam Bajtala, geb. in Bratislava, Umzug nach Haid/Ansfelden bei Linz, Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien und Malerei/Grafik an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Lehrgang für Elektroakustik und elektronische Medien an der Hochschule für Musik, Wien. Lebt in Wien. Ausstellungsbeteiligungen in Wien, Frankfurt, Bordeaux, Edinburgh und Turin.

Patrick Baumüller/Severin Hofmann PATRICK BAUMÜLLER / SEVERIN HOFMANN

"fossi logic #2" ist ein etappenorientiertes Kunstprojekt im öffentlichen Raum unter Verwendung wissenschaftlicher, pseudowissenschaftlicher und künstlerischer Umsetzungstechniken aus den Bereichen Archäologie, Städteplanung, Politik, Sozialwirtschaft, Philosophie und Kunst.

"Die Auswertungen der Gesteinsproben, entnommen im Zuge der Grabungsserien ‘Josephsplatte’, lenkten unsere Aufmerksamkeit Richtung Osten. Durch hochmoderne Interpretationstechnologien konnten neue Hinweise auf ein äußerst interessantes geologisches Kreationspotential auf der Achse Tunis-Helsinki entdeckt werden. Mittels einer verkehrten Betrachtungsweise drehten wir die Schichte um und das wunderbare Ergebnis war ein interglacialer H-Ausfall. Dieser so markante Mangel an Wasserstoff ließ den südmährischen Rücken austrocknen, wodurch der sogenannte Trùebicù-Gerbeeffekt ausgelöst wurde. Die Bergung der Felle fand im Zeitraum April bis August 1999 statt."

Patrick Baumüller, geb. in Biel, Severin Hofmann, geb. in Salzburg, studierten an der Universität* für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, künstlerische Zusammenarbeit seit 1993, seit 1997 Ateliergemeinschaft im bureau WALLSTREET in Wien. Ausstellungen und Produktionen in Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn, USA im Bereich Foto, Video, Mixed Media, Installationen etc.

"O.T. (Paris)", 1991, Silbergelatineprint auf Baryt, gerahmt, 70 x 100 cm

Markus Bless MARKUS BLESS

"Polyrhythmik II", 2000, 3 CD’s, 1 Video

Der erste Teil des Polyrhythmik Projekts ist eine Fotoserie, die während einer Fahrt mit dem Fahrrad durch die Landschaft aufgenommen wurde. Die Fotos wurden ergänzt mit Aufnahmen von Hand und Fuß — zwei Körperteilen, die zur Fortbewegung mit dem Fahrrad und auch zur Erzeugung von Rhythmen wichtig sind. Die Weiterentwicklung erfolgte mit der Komposition "Polyrhythmik II", bei der Geräusche und Tiere während der Radfahrt aufgenommen wurden, ergänzt mit Texten über die Zeit und am Computer bearbeitet zu einer Komposition für zwei CD-Player und vier Lautsprecher. Die Uraufführung der Komposition erfolgte im Rahmen des Festivals Wien Modern 2000 im Museum der Sammlung Essl in Klosterneuburg. Der dritte Teil der Polyrhythmik Serie besteht aus der Komposition und einem Video, das während der Radfahrt aufgenommen wurde. Die bewegten Bilder zeigen nicht mehr den Raum, der in der Fotoserie deutlich sichtbar ist, sondern einen Zeitverlauf, der sich durch die Bewegung scheinbar rückwärts bewegt und Bildrhythmen, die zeitweise mit der Komposition synchron ablaufen, aber auch durch Verschiebungen eine eigene Polyrhythmik zur Komposition bilden.

Markus Bless, geb. in Seewalchen, Studien an der Universität* für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, Musik- und Medientechnologie und algorithmische Komposition am Bruckner-Konservatorium Linz. Lebt in Schörfling am Attersee. Ausstellungen und Präsentationen u.a. in Wien, Thessaloniki, Linz, Brüssel, Chengdu/China, Glasgow und Pusan/Korea.

Claudia Dworschak, Martina Kornfehl, Helga Lohninger, Viktoria Schlögl FREUNDINNEN DER KUNST

"Projekt it. — Thema Reinheit", 2000, Druckwerk, 3 Videos, CD, AC, Installationsbox, Mappe mit Drucken, Wäschekorb

it. ist ein übergeordneter Begriff für jedes Projekt der freundinnen der kunst. Die einzelnen Projekte laufen jeweils unter einem konkreten Thema an dem über einen größeren Zeitraum (ca. 1 Jahr) gearbeitet wird. Die freundinnen der kunst, zur Zeit bestehend aus vier Frauen, tätig im Kunst- und Kulturbereich, verstehen sich als ein Körper, ein offener Körper der sich für bestimmte Zeiträume erweitert. Gäste werden eingeladen, verschiedene Beiträge zum festgelegten Thema einzubringen.

Das Thema des ersten Projektes war Reinheit. Der Abschluß, die Manifestation, fand am 28. und 29. 2. 2000 im Linzer Brause- und Wannenbad statt. Eingebunden in ein Fest wurden dabei eigene Projekte (Filme, Druckwerk, Audio- und Videoinstallationen, Fotos, Drucke, Grafiken ...) und Gästeprojekte (Musik, Diainstallation, ...) gezeigt.

Claudia Dworschak, geboren in Linz, freie Redakteurin, Mitarbeit bei Radio Fro, Studium an der Kunst-Uni Linz.

Martina Kornfehl, geboren in Linz. 1984 - 1990 Studium Bühnenbild- und Kostümgestaltung am Mozarteum Salzburg, seitdem als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin und Ausstellungsgestalterin tätig.

Helga Lohninger, 1984 Diplom für allgemeine Krankenpflege, 1987 Geburt der Tochter Lilian, seit 1991 Studium an der Hochschule für Kunst und Design in Linz, 1995 Geburt der Tochter Mimmi, 1998 Geburt des Sohnes Tim.

Viktoria Schlögl, Die Ausbildung — Fachlehrgang für Wirtschaftswerbung — Wien, Hochschule für Kunst und Design in Linz, Grafik-HTL Linz + Meisterklasse; Meine Schule — Die Fabrikanten; Low Budget Productions — Mein Obstgarten.

Ilja Gallée ILJA GALLÉE

"bündig", 1993, Markise, Stahlrohr, 2-teilig, je ø 65 cm, Höhe 170 cm

Die Arbeit ist Teil einer Serie von Objekten mit Markisenstoffen, die jeweils unterschiedlich verwendet wurden: Als Bild oder Zeichenträger, Kaschierung, Beiwerk, Haut eines dreidimensionalen Körpers. Im steten Wechsel der Pragmatik des (Sprach-)Materials haben die Worte keine feste Identität — und vielleicht sind ähnlich auch die Dinge nicht mit sich identisch.

Ilja Gallée, geb. in Linz, studierte Bühnenbild am Mozarteum Salzburg, Keramik an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin, erhielt eine Talentförderungsprämie des Landes Oberösterreich 1989 und das Staatsstipendium für bildende Kunst 1992. Lebt in Wien. Ausstellungen u.a. in Salzburg, Linz, New York, Berlin, Köln und Amsterdam.

Verena Gfader VERENA GFADER

"d.i.v.e.", london project 1997, dreiteilige Rauminstallation: Diaprojektion 4 x 4 m, Spiegelung am Boden, "U-trip" (Video, 63 min. auf Monitor), schwarze Box, Leuchtkasten, 13 Dias, Lupe

"[…] Das fotografische Herausnehmen von Körperfunktionen und -erscheinungsbildern aus der eigenen Identität scheint für Verena Gfader eine vielfältig mit Bedeutungen und Gefühlsintensitäten besetzbare Form zu bilden. Es ermöglicht ihr beispielsweise, ihre eigene Situation in einem anderen, fremdsprachigen Land zu symbolisieren. Auf diesem Weg wird es auch möglich, Gefühle von Einsamkeit und Ausgeliefertheit gleichermaßen auszulagern und Distanz zu ihnen zu gewinnen: Die Auslagerung des Ausgelagertseins, sozusagen." (Robert Pfaller)

das projekt ist 1997 entstanden, während meiner auseinandersetzung mit alienation, mit der erfahrung als foreigner, mit strategien, die man entwirft, to overcome a certain loss (individual, collective).

die dringlichkeit der medialen übertragung und deren verhältnis zu erinnerung (as traces, marks) markieren einen wichtigen aspekt, wie zeit durch neue medien etc. redefiniert wird, werden kann.

Der Original super8-Film "U-trip" (ca. 3-4’) ist übertragen auf VHS und verlangsamt auf ca. 63’. Das Ausgangsmaterial ist ein 3 Minuten run oder Amok-Lauf durch Untergrundstationen, Gänge, platforms in London.

Verena Gfader, geb. in Helsinki, Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, Auslandsaufenthalt Academia di Belle Arti in Mailand, Master of Arts in Photographic Studies University of Westminster, London. Kunst/ Kulturpreis des Landes Tirol für Fotografie, Kunstförderungspreis der Diözese Linz, London-Atelierstipendium des BKA für Fotografie, Leistungsstipendium des Bundesministeriums für Wissenschaft, Preis für die Gestaltung des Logos des Bundeskanzleramtes, Förderung des BKA Fotografie für MA Studies in London. Lebt in London und Innsbruck. Ausstellungen u.a. in Innsbruck, Linz, Wien, Graz, Salzburg, London und Göteburg.

Markus Huemer JUDITH HUEMER

"Still", 1996/97, mehrteilige Installation: 6 Bücher, 6 Soundtracks, 1 Videotape

>> 30.03.2000 > ab morgen Helmpflicht in ganz Italien>>

>> 14.06.2000 > ich, Giuditta > motorino, 84K61 >Roma, Viale Aventino incrocio Via Aventina > rotes Auto > incidente stradale con esito mortale>>

>> und plötzlich war´s ganz anders, Mixed Media Installation, Rom/ Linz 2000>>

Judith Huemer, geb. in Schärding, Studien an der Akademie der bildenden Künste Wien, Hochschule für angewandte Kunst Wien, Gerrit Rietveld Academie Amsterdam; viermonatiges Romstipendium 2000, Projektatelier in Wien. Lebt in Wien. Ausstellungen in Amsterdam, Salzburg, Oslo, Melk, Linz, Wien, Graz, Marseille, Istanbul, Rom und Krems.

Judith Huemer MARKUS HUEMER

"Yes", 2000, "Let’s face reality", 1999, 2 Objekte, elektronisches Interface, Holz lackiert, 50 x 50 x 20 cm bzw. 50 x 35 x 10 cm

Markus Huemer, geb. in Linz, studierte an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und an der Kunstakademie Düsseldorf, erhielt zweimal den Talentförderungspreis für bildende Kunst des Landes Oberösterreich, Fellowship an der Akademie für Kunst und Medien Köln, Arbeitsstipendium des BKA für Rom, lebt in Köln. Ausstellungen u.a. in Linz, Wels, Wien, Graz, Wiesbaden, Bregenz, Köln, Nürnberg, Düsseldorf, Klagenfurt, Tokyo, Karlsruhe, Bologna, Innsbruck und Mönchengladbach.

Horst M. Jaritz HORST M. JARITZ

"Ohne Titel", 1999/2000, Kunststoff-Folie, luftgefüllt, 5-teilig, je ca. 60x60x40 cm

Die Arbeit versteht sich als konzeptive Auseinandersetzung mit alltäglichen Charakteristika wie Fundstücken und Massenwaren, wobei sich im gegenständlichen Fall, bedingt durch die formal-technische Umsetzung einer ambivalenten Begrifflichkeit des Wortes "Plastik", eine weitere semantische Ebene erschließt: Das exemplarische Material eines rezenten Alltags gerät — im Galeriekontext — zu einem Derivat der originären Betrachtungsweise. (H.M.Jaritz)

Horst M. Jaritz, geb. in Linz, diverse Studien (u.a. Informatik, Betriebswirtschaftslehre sowie an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung/visuelle Mediengestaltung), seit 1993 Romstipendium des BMUK, Förderungspreis für Bildende Kunst des Landes Oberösterreich, Parisstipendium des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und für Fotografie des BKA/Sektion Kunst, Palianostipendium des Landes Oberösterreich. Lebt in Linz. Ausstellungen u.a. in Wels, Linz, Salzburg, Rom, London, Steyr, Wien, Graz, Linköping und Turin.

DAVID MOISES DAVID MOISES

"Video Jojo", 1996, Radkappen, Videokamera, Monitor

"Es geht um Maschinen und Spielzeug und Maschinen, die spielen. Es ist der spielerische Zugang zu Geräten, zu sehen was sie können, wie sie funktionieren (oder nicht), ihnen neue Aufgaben zuzuteilen. In Spiele wird eine Ernsthaftigkeit gelegt und ernste Dinge erfahren eine spielerische Auseinandersetzung. Kombiniert man Maschinen, entsteht Neues, das es in dieser Form vorher nicht gab. Maschinen führen Handlungen aus, haben einen Benutzer/Operator/Steuermann, mit dem sie eine Einheit bilden, funktionieren sollten. Jojo z.B. (Spielzeug oder auch einfache Maschine) und Videokamera ist eine Kombinationsmöglichkeit. Beim Jojo kann der Benutzer/Spieler mittels Video die Bewegung nachvollziehen, er sieht die gundlegende Struktur dieser Maschine. Der Spieler spielt, und das Jojo antwortet in seiner speziellen mechanischen Jojosprache.

David Moises, geb. in Innsbruck, seit 1995 Studium an der Universität* für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und an der Humboldt Universität in Berlin, Teammitglied der Künstlergruppe Time’s Up. Lebt in Linz. Ausstellungen in Linz, Salzburg, Wien, Berlin, Kluze/Slowenien, Adelaide, Hannover und Mexico City.

Werner Puntigam WERNER PUNTIGAM

"inter.view/Simonga", 1997, 3 sw-Fotos aus einer Serie, je 50 x 40 cm

Die Zwangsumsiedlung aus dem fruchtbaren Flußtal des Zambezi Stromes in die Halbwüsten der neuen Ufergebiete hat tiefe Spuren hinterlassen. Trotz des Verlustes der Existenzgrundlage und nicht nur wirtschaftlicher Diskriminierungen ist es den Simonga gelungen, ihre kulturelle Identität zu bewahren — u.a. die so archaiisch wie postmodern-avantgardistisch wirkende Musik auf schweren Trommeln und Antilopenhörnern. Die Bilder zeigen Szenen einer mehrstündigen Ngoma Buntibe Nonstop-Performance, die von der Gruppe Simonga in Siachilaba inmitten der Dorfbewohner zelebriert wird. Die Grenzen zwischen Vortragenden und Publikum sind verwischt. Einzig die magere hohe Gestalt von "Siakwede" Bokotela Mudenda, des Komponisten der Simonga, ragt aus der ekstatischen Menge. Im vermeintlichen Chaos führt er seine Truppe. Er ist der "Master of Ceremony". (Werner Puntigam)

"(...) Alles scheint mir persönlich auch eine Geschichte der Perspektive, des Blickwinkels zu sein. Wenn Sie Werner Puntigam einmal erleben sollten, beim Vorbereiten eines Projektes, oder speziell beim Fotografieren: Immer könnte man den Eindruck gewinnen, hier würde mit dem eigenen Standpunkt auch der des Motives zurechtgerückt, oder eher noch seine eigene Position in einen perfekten Winkel gebracht. Müßig zu sagen, dass die Fotos dann diesem Zwang mühelos folgen. Speziell die ganz besondere Verwendung des Panoramaformates scheint mir das zu verdeutlichen: Nicht um ein möglichst großes Bild einzufangen, sondern um wie durch einen Schlitz, durch eine ganz bestimmte Sehmaschine, einen ganz bestimmten Blick zu ermöglichen. […]" (Klaus Hollinetz)

Auszug aus dem Statement anläßlich der Eröffnung von PNTGMs Projekt "Mo(ve)ments #3" im Kunst Raum Goethestraße im April 2000.

Werner Puntigam, geb. in Bad Radkersburg / Stmk., lebt seit 1983 in Linz. Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz. Künstlerisch freischaffend tätig in den Bereichen Musik (trombone, voice, noises; Improvisation & Komposition), Performance, Klang- & Rauminstallation, Design, Fotografie und Konzeption. Ausführliche Informationen unter http://www.servus.at/pntgm/.

Erik Rockenschaub ERIK ROCKENSCHAUB

"Anschauung", 1999, Installation/Videoprojektion

Ein Klimmzug wird an die Wand projiziert. Die obere Grenze — die Öffnung nach aussen und damit der Eintritt natürlichen Lichts — löst den Kopf auf, sobald dieser über sie hinausragt. Das Geräusch eines Atemzugs setzt ein, das bei Wiederherstellung des Kopfes wieder verschwindet. Weitere Begrenzung bildet der Fussboden, der die Figur am anderen Endpunkt der Bewegung in die Knie zwingt.

Erik Rockenschaub, geb. in Linz, Studien an der Akademie der bildenden Künste in Wien, an der Universtität Wien und an der Universidad de bellas artes in Barcelona. Talentförderungspreise des Oö. Kunstvereins Linz und des Landes Oberösterreich. Lebt in Barcelona. Ausstellungen in Linz, Barcelona, Valencia, Freiburg, Krems, Wien, Salzburg und Graz.

Elfie Sonnberger ELFI SONNBERGER

"Hands on Body", 2000, 5 Digitalprints auf Folie, gerahmt, je 18 x 20 cm

Die Manipulation des Körpers ist seit jeher ein Thema des Menschen. Die Tätowierung (auch der Ötzi war tätowiert), das Piercing, das Bemalen und Verformen werden noch immer bei vielen Völkern praktiziert und ritualisiert. Die Empfindung von Schmerz ist dabei ein wesentlicher Faktor. Die Eingriffe auf den Körper und der Übergang von einer Subkultur zum Mainstream gehen einher mit Körperentfremdung und Reizüberflutung. In Verbindung mit dem Sadomasochismus wird die Bearbeitung des Körpers durch Inszenierung, Ritual und bestimmte Regeln erweitert, um stimulierend zu wirken und Phantasien anzuregen. Bei den Modern Primitives steht das Ritual im Vordergrund: durch extreme Grenzerfahrungen mit dem Körper werden geistige Transformation und Trancezustände erfahrbar gemacht.

Die Bilder stammen aus Super-8 Film-Material, das während eines längeren Studienaufenthaltes in San Francisco entstanden ist. Der offensive Körperkult mit seiner Mode, den Leder- und Fetischshops, Lack und Latex sowie die Fülle der Tattoo- und Piercingläden ist besonders ausgeprägt in dieser Stadt. Ein Resultat dieser intensiven Recherche ist der Experimentalfilm "Kick Over The Traces". Das Original Filmmaterial ist in der selben Weise bearbeitet wie die Haut der Menschen im Film: ... stechen, schneiden, kratzen, färben, schlagen — der Film als Haut. Und immer wieder unsere Hände, mit denen wir (be)tasten und uns und andere spüren.

Elfi Sonnberger, geb. in Linz, studierte an der Universität* für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, absolvierte einen KommunikationskuratorInnen-Lehrgang am Institut für Kulturwissenschaften in Wien; 1999 Aufenthalt in San Francisco. Seit 2000 Vorstandsmitglied der Stadtwerkstatt Linz, Arbeitsstipendium des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Neben ihrer künstlerischen Arbeit als Kuratorin und Veranstaltungskonzeptionistin tätig. Lebt in Linz. Ausstellungen u.a. in Linz, Gmunden und Wien.

Andreas Strauss ANDREAS STRAUSS

"Kantine — Raumfilet", 1999, Tisch 180 x 80 x 75 cm, 2 Bänke je 180 x 40 x 40 cm, Fotodokumentation

In einem 200m2 grossen Raum einer zum Abbruch bestimmten Fabrik wurde ein komplettes Mobiliar aus dem Fußboden geschnitten, der sich aufgrund mehrfacher Umnutzung (Tischlerei, Fensterfabrik, Batterielager, Näherei...) zu einem "Sandwich" aus sehr verschiedenen Bodenbelägen entwickelt hatte. Entwurf und Zuschnitt der gewünschten Möbelstücke ergaben sich einerseits aus der vorhandenen Raumstruktur und den vorhandenen Materialien. Die ausgeschnittenen Objekte und der Restwert (die Lücke) wurden dabei stets als gleichwertige Gestaltungselemente angesehen. 2 Bars, 9 Tische und 18 Bänke standen nach ihrer Fertigstellung exakt an den Plätzen auf dem alten Tischlereiboden, aus denen das Ausgangsmaterial gewonnen wurde. Während der einwöchigen Präsentation aller in der Fabrik entstandenen Arbeiten wurde in der Bar-by-Strauss für alle Besucher und Teilnehmer ein beinahe normaler Kantinenbetrieb geführt.

Andreas Strauss, geb. in Wels, studiert an der Universität* für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, Teammitglied der Künstlergruppe Time’s Up und S.L.O.W. Lebt in Linz. Ausstellungsbeteiligungen in Linz, Wien, Sydney und Zürich.

Link LinzerArt - Kunstankäufe 2000 - Ausstellung
Link Kunstankäufe 2001 und 2002
Link Kunstankäufe durch KunstkuratorInnen - allgemeine Information



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Kulturamt
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