Presseaussendung vom: 20.03.2018

Städtische Kinder- und Jugendhilfe 4.264 Kinder und Jugendliche im Jahr 2017 betreut

Knapp 33.200 Kinder und Jugendliche (Stand Jänner 2018) leben in Linz. Der überwiegende Teil führt ein großteils sorgenfreies Leben. Bei manchen Familien kommt es jedoch auf Grund von Trennungen und Scheidungen, Schulproblemen der Kinder, Krankheit oder psychischen Problemen der Eltern zu Schwierigkeiten, die ohne fremde Hilfe nicht mehr gelöst werden können. Die Stadt Linz unterstützt diese Familien umfangreich durch die städtische Kinder- und Jugendhilfe. Sozialarbeiterinnen und -arbeiter identifizieren die Problemlagen und helfen den Erziehungsberechtigten bei der Lösung der Probleme. 2017 sind von der städtischen Kinder- und Jugendhilfe 4.264 Kinder und Jugendliche betreut, Eltern beraten oder Gefährdungsabklärungen durchgeführt worden.

„Das Ziel der Kinder- und Jugendhilfe ist, vor allem die Jüngsten in unserer Gesellschaft zu schützen. Die Unterstützung von Familien ist darüber hinaus so ausgelegt, dass die Eltern ihre Erziehungsaufgaben wieder selbständig übernehmen können. Die MitarbeiterInnen der Stadt üben ihre Aufgaben in diesem äußerst privaten Bereich mit der notwendigen Sensibilität aus, so dass ein – in Anbetracht der Umstände – bestmögliches Ergebnis für alle Beteiligten erreicht wird“, ist Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing von der geleisteten Arbeit überzeugt.

Gesetzlicher Rahmen

Die Tätigkeit der städtischen Kinder- und Jugendhilfe basiert auf dem Kinder- und Jugendhilfegesetz des Landes Oberösterreich ( KJHG 2014), das als Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe gilt. Die Bezirkshauptmannschaften und Magistrate sind in diesem Zusammenhang die jeweiligen ausführenden Organisationseinheiten.

Breites Aufgabengebiet

Exakt 33.162 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 19 Jahren leben aktuell in Linz. Neben den reinen Informations- und Auskunftsleistungen der Erziehungshilfe umfasst der größte Aufgabenbereich die längerfristige Betreuung und Begleitung. Besonders bei schwerwiegenden Familien- und Erziehungsproblemen unterstützen die regional zuständigen Sozialarbeiterinnen und -arbeiter die Eltern über einen längeren Zeitraum. Gemeinsam mit der Familie und ihrem sozialen Umfeld werden die vorhandenen und die fehlenden Ressourcen bei Einzel-, Gruppen-, und Familiengesprächen erhoben. Der Betreuungsbedarf und -umfang wird gemeinsam festgelegt und in Einzelfällen auch ein Hilfeplan erstellt. Darüber hinaus vermitteln sie ergänzende Unterstützungsangebote anderer sozialer Einrichtungen und Institutionen und arbeiten thematisch oder fallbezogen mit ihnen zusammen.

Im Bereich Kinderschutz erhält die Kinder- und Jugendhilfe häufig Meldungen Dritter. Das heißt Verwandte, Nachbarn oder Pädagogen informieren die Kinder- und Jugendhilfe über beobachtete Gefährdungsmomente, wie Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern und Jugendlichen. Dies ist ein besonders sensibler und verantwortungsvoller Bereich, da einerseits eine tragfähige Kooperationsbasis mit den Eltern geschaffen werden muss, andererseits die Informationen wie Puzzleteile zusammengesetzt und auf Wahrheitsgehalt überprüft werden müssen.

4.264 Kinder 2017 betreut

Im gesamten Jahr 2017 erhielten insgesamt 4.264 Kinder und Jugendliche und ihre Eltern Betreuung und Hilfen oder waren im Rahmen einer Gefährdungsabklärung betroffen. Dies sind knapp 13 Prozent aller Linzer Minderjährigen. Dazu kommen 654 Polizeianzeigen.

1.135 Gefährdungsabklärungen durchgeführt

Im Jahr 2017 wurden bei 1.135 Kindern und Jugendlichen Gefährdungsabklärungen durchgeführt. In 765 Fällen war danach keine weitere Betreuung erforderlich. In 197 Fällen erfolgte eine Hilfe in belasteten Familiensituationen, in 103 Fällen erfolgte eine Unterstützung der Erziehung und in 70 Fällen erfolgte eine volle Erziehung.

Am häufigsten waren Eltern mit der Erziehung überfordert, gefolgt von familiären Konflikten und Verhaltensauffälligkeiten.

Tabelle: Betreuungsgründe in der Unterstützung der Erziehung (Mehrfachnennungen)

Durch das Einschreiten der Erziehungshilfe der Stadt werden alle Familienmitglieder gleichermaßen unterstützt. Eltern erhalten dabei die Möglichkeit, die Probleme in der Familie durch professionelle Unterstützung wieder zu lösen. Für Kinder gilt die Gewissheit, dass auch ihre Interessen vertreten werden und für sie gesorgt wird, wenn ihre Eltern dazu alleine nicht in der Lage sind. Es wird jedoch alles dafür unternommen, dass es erst gar nicht so weit kommt.

Im Jahr 2017 mussten die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter 177 Vorfälle in 160 Familien (248 Kinder) überprüfen, ob bei innerfamiliärer Gewalt Kinder mit- oder selbst betroffen waren. Das Gewaltschutzzentrum betreut und berät erwachsene Personen bei innerfamiliärer Gewalt. Die Beurteilung, ob Kinder dabei gefährdet wurden und weitere Schritte zu ihrem Schutz erforderlich sind, weil die Elternteile selbst nicht ausreichenden Schutz gewähren, obliegt der Kinder- und Jugendhilfe.

Kindesabnahme als letzter Weg

Wenn Kinder und Jugendliche akut gefährdet erscheinen oder wenn Eltern aufgrund unterschiedlicher Gründe vorübergehend nicht in der Lage sind, das Kindeswohl sicher zu stellen, ist eine befristete Krisen- oder Kurzzeitunterbringung umzusetzen. Kann ein Kind nicht in absehbarer Zeit in die Herkunftsfamilie rückgeführt werden, wird eine volle Erziehung durch die Abteilung Sozialpädagogische Einrichtungen und Adoption angestrebt.

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 120 Kinder im Rahmen der vollen Erziehung betreut (Krisen- und Dauerunterbringung). Davon waren 31 Anträge bei Gericht (für 43 Kinder und Jugendliche) gegen den Willen der Eltern einzubringen, in 18 der 31 Fälle war bereits vor Entscheidung des Gerichtes eine Maßnahme im Rahmen von Gefahr im Verzug erforderlich.

An erster Stelle steht wie in den vergangenen Jahren die Erziehungsüberforderung der Eltern. An zweiter Stelle werden familiäre Konflikte und Gewalt und an dritter Stelle Krankheit der Eltern oder Minderjährigen (einschließlich Suchtproblematiken) angeführt. Auch wirtschaftliche Schwierigkeiten der Familien führen zu vermehrten Problemen bei der Kindererziehung. Diese Reihenfolge deckt sich mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Die verantwortungsvollen Aufgaben der Diplomsozialarbeiterinnen und -arbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe erfordern Einfühlungsvermögen, sorgfältiges Einschätzen der Informationen, Abwägen von möglichen Gefährdungsmomenten und die konstruktive Auseinandersetzung mit allen Familienmitgliedern. Bruchstückhafte Informationen mit subjektiven Färbungen müssen im Regelfall gemeinsam mit den Betroffenen verarbeitet werden und letztlich, bei akuten Gefährdungen, auch Schritte gegen den Widerstand der Familie und deren Umfeld gesetzt werden. Dies bildet sozusagen das Ende der Skala an Handlungsmöglichkeiten.

In jedem Abschnitt der Betreuung nehmen die Sozialarbeiterinnen und -arbeiter eine Haltung ein, die sich an den vorhandenen Ressourcen der Familienmitglieder und an den sozialen Verhältnissen orientiert. Als Hilfen für die Eltern werden ambulante und stationäre Angebote zur Verfügung gestellt.

Auch bei voller Erziehung, das heißt Fremdunterbringung der Kinder, sind Besuche und Kontakte des Kindes zu den Eltern, Therapien und Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung zu organisieren. Das Kind bleibt Kind der Eltern und möchte in der Regel Kontakt zu diesen halten wie auch umgekehrt. Erfahrungsgemäß wird es nach Beendigung der Hilfen in sein soziales Umfeld zurückkehren.

Evaluation der Unterstützung der Erziehung

Die Abteilung Erziehungshilfe evaluiert jährlich ihre Leistungen. Der Erhalt der Familie konnte in 42, eine Absicherung der Existenz in 28 Fällen erreicht werden. Bei 18 Familien wurde ein gewaltfreies Zusammenleben erarbeitet. Im Durchschnitt dauerte eine Betreuungsmaßnahme zirka 19 Monate.

Tabelle: Erreichte Ziele bei Beendigung der Untersützung der Erziehung

Besuchscafé

Das Besuchscafé ist jeweils am 1. und 3. Freitag und Samstag im Monat für jeweils drei Stunden geöffnet. Es besteht dort die Möglichkeit, begleitete Besuchskontakte zwischen getrennt lebenden Elternteilen und ihren Kindern durchzuführen. Mit dem ersten Besuchskontakt findet ein Erstgespräch mit den Eltern zur Vereinbarung der Kontaktmodalitäten statt.

Insgesamt fanden 103 Familienbesuche - teilweise Familien mit mehreren Kindern oder anderen Familienmitgliedern, insgesamt 373 Personen - statt, 19 Erstgespräche wurden geführt. Bei den betroffenen Kindern waren 60 männlich und 92 weiblich.

Beratungsstellen

Wie bei vielen anderen Serviceleistungen und Angeboten, will die Stadt Linz auch bei der Erziehungshilfe den Bürgerinnen und Bürgern entgegenkommen. Neben der Zentrale im Neuen Rathaus, stehen deshalb noch drei Außenstellen in den Stadtteilen zu den jeweiligen Sprechstunden offen. Zusätzlich werden Sprechstunden in zwei Stadtteilzentren abgehalten. Jeden Vormittag steht für Auskünfte und allgemeine Beratungen die Erstabklärung der Abteilung Erziehungshilfe im Neuen Rathaus zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit telefonischer Terminvereinbarungen.

Tabelle mit Adressen

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing zum Thema „Bilanz Erziehungshilfe 2017“. Weiterer Gesprächspartner: Mag. Helmut Mitter, Direktor Soziales, Jugend und Familie)

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