Presseaussendung vom: 28.05.2018

Gelebte Städtepartnerschaft Linzer Vizebürgermeister Detlef Wimmer übernimmt Ehrenschutz bei Gedenkveranstaltung für Österreichisch-Ungarische Soldaten

Die Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Österreichisch-Ungarischen Soldaten wird von der Kulturinitiative Terra e Identità mit Sitz in der Linzer Partnerstadt Modena organisiert, welche in der Person der Historikerin und Autorin Elena Bianchini Braglia an den für Städtepartnerschaften zuständigen Linzer Vizebürgermeister Detlef Wimmer mit dem Ersuchen herangetreten ist, die Veranstaltung zu unterstützen und den Ehrenschutz zu übernehmen.

Auf italienischer Seite liegt der Ehrenschutz über diese Gedenkveranstaltung bei der Stadt Modena und ihrem Bürgermeister Gian Carlo Muzzarelli.

Die Stadt Linz unterstützt diese Veranstaltung, da sie es ermöglicht, die Verbindungen mit der Partnerstadt Modena zu festigen und gleichzeitig das Jahr 2018, hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, auf eine ganz besondere Weise feierlich zu würdigen.

Besonders dahingehend, dass es heute, hundert Jahre danach, möglich ist, dass Sieger und Besiegte gemeinsam, ohne gegenseitige Schuldzuweisungen der Opfer des Krieges zu gedenken:

Die Veranstaltung zielt darauf, den Menschen bewusst zu machen, dass jene, die im Schützengraben auf der anderen Seite lagen, kein „absoluter Feind“ waren, den es zu vernichten galt, sondern menschliche Wesen, ein Gegner mit Lebenserfahrungen, genau wie du und ich, der den Schrecken des Krieges auf die gleiche Weise erlebte: „Der Feind war genauso ein Mensch wie wir!“ Diese Erfahrung hat die Zivilbevölkerung in der Umgebung des großen Kriegsgefangenenlagers „La Rocca“ im Umgang mit den internierten Soldaten tagtäglich gemacht.

Gleichzeitig soll darauf hingewiesen werden, dass der Erste Weltkrieg nicht nur Massaker und Leid brachte, sondern auch das Ende der zentralen Rolle Europas auf Weltniveau besiegelte, sowie auf die Tatsache, dass unser Europa von heute mit allen seinen Werten und Mängeln das Kind dieser tragischen Epoche ist, und dass die Bruchlinien, die damals entstanden sind, auch und vor allem wegen einer nachlässigen Führung des Friedensprozesses, bis heute fortbestehen.

Gedenkveranstaltung an Österreichisch-Ungarische Kriegsgefangene

Stattfinden wird das Gedenken an die Österreichisch-Ungarischen Soldaten am 22. Juni 2018 in Scandiano nahe Modena, wo sich während des Ersten Weltkriegs in der Festung „La Rocca“ ein großes Kriegsgefangenenlager für Soldaten der k. u. k.-Armee befand.

Im 15. und 16. Jahrhundert war Scandiano die Residenz eines kleinen Stadtstaates, später Teil des Herzogtums Modena. Mit der Vereinigung Italiens gelangte La Rocca in den Besitz der Militärakademie für Infanterie und Artillerie mit Sitz in Modena. Zum Kriegseintritt Italiens 1915 wurde das Gefangenenlager eingerichtet und war das größte der Region. Zu Spitzenzeiten waren zirka 2.000 österreichisch-ungarische Soldaten interniert, die aus allen Ecken der Habsburgermonarchie stammten, darunter auch italienischsprachige Trentiner.

Die kaiserlichen Soldaten wurden für infrastrukturelle Arbeiten eingesetzt, sie bauten Straßen und hinterließen ein positives Andenken, das in der Gegend bis heute fortbesteht. Das Kriegsgefangenenlager „La Rocca“ bildet einen weiteren Aspekt der langen, intensiven historischen Verbundenheit zwischen Linz und Modena.

Ihre Teilnahme haben schon Franco Cardini, Historiker von internationalem Ruf und Martin Habsburg, Erzherzog von Österreich zugesichert. Neben einem Besuch des Kriegsgefangenlagers La Rocca (um 16 Uhr) wird eine Messe für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gehalten (18 Uhr), anschließend findet im Kastell La Torricella eine Konferenz mit Franco Cardini und Martin Habsburg statt.

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Gemeinde Scandiano, Stadt Modena und die Kulturinitiative Terra e Identità, mit Sitz in Modena. Der Ehrenschutz wird von Vizebürgermeister Detlef Wimmer und Modena Bürgermeister Gian Carlo Muzzarelli übernommen.

Zitat Vizebürgermeister Detlef Wimmer:
„Durch eine solche Veranstaltung stärken wir gute Beziehungen zu unserer Partnerstadt Modena und würdigen zeitgleich die österreichischen Soldaten, die ihr Leben im Ersten Weltkrieg verloren haben. Dadurch wollen wir ein klares Zeichen für den Frieden in Europa setzen und auf die schrecklichen Folgen des Krieges hinweisen.“

Zitat Elena Bianchini Braglia:
„Am 28. Juni 2014 in Sarajewo starben nicht nur Ferdinand und Sophie, sondern mit ihnen auch das alte Europa, welches aus dem großen Krieg zerstört hervorging und seine zentrale Rolle in der Welt verlor.“

Zitat Enzo Cestari:
„Die Trentiner erlebten den großen Krieg auf traumatische Art und Weise, für sie war das Kriegsende mit einem Wechsel der Flagge und des Heimatlandes verbunden.

Schon während des Krieges waren sie von den österreichischen Autoritäten als potentiell italophil mit Misstrauen betrachtet worden, nach dem Krieg begegneten ihnen die neuen italienischen Autoritäten ebenfalls mit Misstrauen, waren sie doch potentielle österreichfreundliche Verräter.“

Kurze Biografie:

Elena Bianchini Braglia, ist eine Historikerin, Schriftstellerin, Direktorin des Magazins „Il ducato“, Präsidentin des Instituts für Studien zum Risorgimento und zu den präunitarischen Staaten (Staatsgebilde, die bereits vor der Vereinigung Italiens bestanden). Sie ist Autorin von mehreren historischen Sachbüchern und Biografien. Dem Ersten Weltkrieg hat sie das Buch „28 giugno 1914. Ferdinando e Sofia. La morte dell’Europa“ gewidmet.

Enzo Cestari, wurde 1953 geboren. Er ist seit neun Jahren Hauptmann der Schützenkompanie Rovereto und seit einem Jahr Landeskommandant des Welschtiroler Schützenbundes mit über 600 Mitgliedern.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Vizebürgermeister Detlef Wimmer, mit Elena Bianchini Braglia (Historikerin) und Landeskommandant Enzo Cestari vom  Welschtiroler Schützenbund zum Thema „Linz – Modena: Eine gelebte Städtepartnerschaft“)

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