Presseaussendung vom: 30.08.2018

Schutz vor Überhitzung Linz ist Schwerpunktregion in EU-Projekt zur Entwicklung von Maßnahmen gegen städtische Überhitzung

Auch der ungewöhnlich heftige Kaltlufteinbruch am Wochenende verhindert laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) nicht, dass der Sommer 2018 einer der heißesten und trockensten der Messgeschichte ist. Unter den zehn heißesten Sommern der 252-jährigen Messgeschichte liegen damit laut ZAMG sechs Sommer der letzten Jahre. Gerade in dicht bebautem Gebiet wirken sich die hohen Temperaturen noch deutlicher aus, es entstehen sogenannte städtische Hitzeinseln. Angesichts des Klimawandels ist davon auszugehen, dass wir auch in den kommenden Jahren vermehrt heiße Sommer erleben werden. Der Klimaaspekt spielt in den Anforderungen an urbane Räume also eine immer wichtigere Rolle und muss bei der Stadtentwicklung künftig mehr im Mittelpunkt stehen. Welche Maßnahmen die Entstehung von städtischer Überhitzung verhindern können, beispielsweise wie die Überhitzung abgemildert werden könnte, untersucht derzeit das Umweltmanagement der Stadt Linz im Rahmen des EU-Projekts CLARITY.

„Der Sommer 2018 hat uns körperlich spüren lassen, welche Folgen die Erderhitzung für jede und jeden von uns hat. Durch die Teilnahme am Projekt CLARITY möchten wir den Nutzen von verschiedenen „Kühlungsmaßnahmen“ für Linz herausfinden. Fest steht jedenfalls, dass wir auch zum Schutz der Gesundheit der Linzerinnen und Linzer das innerstädtische Grün schützen und ausbauen müssen. Selbst die kleinste Grünoase ist eine natürliche Klimaanlage in der Stadt“, sagt Umweltstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Ziel des Projekts CLARITY

Ziel des EU-Projekts CLARITY ist die Entwicklung von Werkzeugen, welche die Effizienz von verschiedenen Abmilderungsmaßnahmen durch Simulationen bewerten können. So soll damit zum Beispiel ermöglicht werden, den Kühlungseffekt von Dach- und Fassadenbegrünung für die konkrete Situation in einer Stadt darzustellen. Letztlich soll ein gut zugängliches und anwendungsfreundliches Internet-Portal als „Klima-Service“ entstehen.

Hintergrund

Es ist davon auszugehen, dass der Klimawandel auf Dauer zu einer mehr oder weniger starken Veränderung der Lebensbedingungen führen wird. Dies wird die Landwirtschaft, die Versorgung mit Wasser, die Veränderung der Flora und Fauna aber auch das städtische Klima beeinflussen.
Der Aspekt des Einflusses auf die städtischen Regionen ist im EU-Projekt CLARITY von besonderem Interesse, da in Zukunft ein immer größerer Teil der Menschen in Städten leben wird. Dabei geht es zum Beispiel um den Umgang der mit größerer Heftigkeit zu erwartenden Starkregenereignissen und Überflutungen, andererseits aber auch um das zunehmende Problem der Überhitzung der Städte in den Sommermonaten (Zunahme der Hitzetage > 30 °C und Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C fällt). Gerade die Überhitzung ist eine große Belastung für die Menschen. Es gibt allerdings Maßnahmen, welche zu einer Abdämpfung der zu erwartenden Klimaauswirkungen führen. Das kann beispielsweise eine stärkere Durchgrünung der Stadt sein, zusätzliche Wasserflächen oder auch „schlichtweg“ die Erhöhung der Reflexion von Gebäuden sein, indem sie hell gehalten werden und das Sonnenlicht nicht so stark absorbieren.

Fest steht also: Die Klimakrise führt bereits zu einer größeren Zahl von „Ausnahmeereignissen“, sei es durch Niederschläge, Dürre, Überhitzung. Der Mensch hat sich den Veränderungen des Lebensumfeldes immer gestellt, allerdings waren die Veränderungszeiträume deutlich länger als heute. Leider neigen wir dazu, dass bei raschen Wandlungsprozessen sofort mit technischen Lösungen geantwortet wird. Als Beispiel sei der rasante Anstieg an Klimaanlagen erwähnt, welche die Überhitzung von Gebäuden erträglicher machen sollen. Die verstärkte Nutzung von Klimaanlagen mündet jedoch in einem Teufelskreislauf, da die dafür benötigte Energiegewinnung die Erderhitzung weiter befeuert. 
Aufgabe des Projektes CLARITY ist es daher, die bereits bekannten Argumente für „sanfte“ Maßnahmen mit quantitativen Aussagen über die Höhe der Wirksamkeit zu untermauern.

PartnerInnen und Methodik

Im CLARITY Projekt nehmen insgesamt 17 PartnerInnen aus Österreich, Italien, Deutschland, Schweden und Spanien teil, wobei das Austrian Institute of Technology (AIT) der sogenannte Lead-Partner ist. Getestet wird in den Städten Neapel (I), Jönköping (S), Stockholm (S) und Linz. Zudem wird in Spanien erforscht, wie der Klimawandel die Erfordernisse der Verkehrsinfrastruktur verändert. Gestartet wurde das Projekt im Juni 2017, bis Mai 2020 sollen die Ergebnisse europaweit vorliegen.

Grundlage für alle Berechnungen sind Klimasimulationsmodelle. Es gibt dabei Simulationsmodelle, mit denen sich Klimaeinflüsse auf größere Gebiete berechnen lassen (also zum Beispiel Simulationen für ein ganzes Stadtgebiet), aber auch Modelle, mit denen extrem kleinräumige Effekte berechnet werden können. Simulationsmodelle gibt es bereits zahlreich. Sie sind allerdings für „normale“ UserInnen nicht zugänglich bzw. bedürfen einer hohen Expertise, um sie überhaupt bedienen zu können.

Letztlich ist für die AnwenderInnen in städtischen Planungsprozessen, die wohl im Wesentlichen die Zielgruppe darstellen werden, im Projekt folgendes geplant: Kostenloser Zugang zu größerräumigen Modellierungen: Aus diversen europäischen und lokalen Datenbanken (zum Beispiel Landnutzungsstrukturen) können europaweit für die interessierenden Regionen Simulationen durchgeführt werden, also zum Beispiel auch für die gesamte Stadt Linz. Die dahinter liegenden Modelle sind zwar nicht sichtbar, werden aber im Hintergrund genutzt. Es kann mit Klimaszenarien und Maßnahmen „gespielt“ werden, um die Wirkung auf größere Flächen eines Gebietes darzustellen.

Worum geht es speziell in Linz?

Der Schwerpunkt für die Stadt Linz im CLARITY-Projekt ist der Aspekt der städtischen Überhitzung und das Setzen möglichst kostengünstiger und möglichst effizienter Maßnahmen, um den Effekt der Hitzeinsel zu reduzieren.

Einerseits wird es Übersichten über die stadtklimatische Entwicklung geben, andererseits werden Details (Bereiche St. Magdalena, Innenstadt, Franckviertel, Ebelsberg, Tabakfabrik) herausgearbeitet werden.

Schließlich werden Vorschläge zur möglichst wirksamen Reduzierung der städtischen Überhitzung zu den einzelnen untersuchten Gebieten erarbeitet und dargestellt.

Auswahl der Testgebiete in Linz

Durchschnittliche jährliche Anzahl der Hitzetage 1971-2000 gegenüber 2021-2050:

Die Anzahl der Hitzetage wird also beim Business-As-Usual-Szenario gerade im Raum Linz deutlich zunehmen.

Durchschnittliche jährliche Anzahl der Tropennächte 1971-2000 gegenüber 2021-2050:

Besonders augenscheinlich ist die Zunahme an Tropennächten, in denen die Temperatur nicht unter 20 °C sinkt. Tropennächte sind fast noch von größerer Bedeutung, da eine nächtliche Abkühlung für die Qualität des Schlafes und damit für die Erholung von großer Bedeutung ist.
 
Durchlüftungsrelevante Windsysteme; Beispiele für Auf- Abbau von Luftströmungen bei bestimmten meteorologischen Bedingungen.

oben: Haselgrabenwind: 21 Uhr, 23 Uhr, 1 Uhr,
unten: Wind im Donaudurchbruch: 1 Uhr, 3 Uhr, 5 Uhr

Das Windsystem Haselgraben ist wie andere Windsysteme auch (zum Beispiel Dießenleitengraben, Donaudurchbruch) schon in den 90er-Jahren sehr genau untersucht worden. Sie hängen stark von den äußeren meteorologischen Bedingungen ab und sind besonders wichtig in den Sommermonaten bei stabilen Hochdruckwetterlagen, weil hier im Stadtgebiet häufig über längere Zeiträume sehr geringe Windgeschwindigkeiten vorherrschen. Daher sind diese speziellen Windsysteme für die Durchlüftung der Stadt von enormer Bedeutung. Sie fließen bei den Klimasimulationen von CLARITY mit ein.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Umweltreferentin Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger und DI Wilfried Hager, Leiter der Abteilung Umweltmanagement der Stadt Linz, anlässlich „Schutz vor Hitze. Linz ist Schwerpunktregion in EU-Projekt“)

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