Presseaussendung vom: 19.11.2018 |

Geht’s den Bäumen gut, geht´s dem Stadtklima gut! Neues Baumpflanzkonzept soll die Nachhaltigkeit und Qualität der städtischen Grünflächen und Wälder sicherstellen

Fast die Hälfte des etwa 96 Quadratkilometer großen Linzer Stadtgebietes ist Grünland - 45 Quadratkilometer bzw. 47 Prozent. Etwa 400 Hektar Park- und Grünanlagen sorgen für Lebensqualität. Dazu kommen 1.724 Hektar Wald, die die Stadt wie ein schützender Gürtel im Norden, Süden und Westen umgeben. „Bäume sind wesentlich für die hohe Lebensqualität der Linzerinnen und Linzer in der Stadt verantwortlich. Sie sind gleichzeitig urbane Klimaanlagen, Naherholungsoasen, Schattenspender, grüne Lunge, Trinkwasserfilter und Lebensraum für Tiere. Bäume sind ökologische Hybride und wahre Multitalente der Stadtnatur“, erklärt der für Stadtnatur und Lebensqualität zuständige Vizebürgermeister Bernhard Baier.

Um den Baumbestand in der Stadt nachhaltig zu sichern, haben Expertinnen und Experten der Abteilung Stadtgrün und Straßenbetreuung gemeinsam mit der Landschaftsarchitektin DI.in Dr.in Barbara Bacher und Mag. Ferdinand Lenglachner (Büro für Vegetationskunde und Naturschutzplanung) eine ganzheitliche Strategie entwickelt, die in vier Kategorien unterteilt ist: Stadt-Parks, Stadt-Wälder, Verkehrsgrün sowie naturnahe Anlagen. „Die Experten-Strategie gibt Antworten auf die aktuellen Herausforderungen und jene der Zukunft geht auf Trends im urbanen Grün-Raum ein. Gewisse Baumarten sind heute den klimatischen Anforderungen und ihren Auswirkungen oft nicht mehr gewachsen. Deshalb werden Baumpflanzungen nach ökologisch nachhaltigen Gesichtspunkten durchgeführt, um eine möglichst lange Lebensdauer zu erreichen. Vielfalt statt Monotonie ist das Motto. „Gut auszusehen alleine, ist zu wenig. Die bewusste Entscheidung für eine Durchmischung der Baumgattungen, -arten und -sorten bietet auch einen guten Schutz vor Krankheiten und Schädlingen. In Linz haben wir mehr als 900 verschiedene Arten und Sorten.“ Denn Bäume leben in der Stadt häufig unter erschwerten Bedingungen. Vor allem bei „Straßenbäumen“ ist der Boden stark verdichtet, die Wurzeln können nur eingeschränkt wachsen, Verkehr, Erschütterungen, die Hitze-Sommer und Schädlinge setzen den Bäumen zu.

So positiv wirkt sich die Stadtnatur auf uns aus

Der stetig gepflegte und weiter entwickelte Baumbestand gliedert Räume, erzeugt Sauerstoff und filtert Staub. In einer mit Bäumen gesäumten Straße ist der Staubgehalt der Luft um mehr als die Hälfte geringer als in einer baumlosen Straße. Ein Baum „schluckt" Lärm und trägt erheblich zur Lebensqualität in der Stadt bei. Er spendet Kühle und Luftfeuchtigkeit. Ein gesunder Baum kann bei ausreichender Wasserversorgung bis zum fünffachen seines Blattgewichtes an Wasser verdunsten. Bei heißen Temperaturen ist der Baum begehrter Schattenspender. Durch den Licht-Schattenwechsel lässt die große Pflanze die Straßen optisch schmäler erscheinen und bewirkt dadurch eine natürliche Tempodrosselung.

Hohe Verantwortung – jeder Baum der gefällt werden muss wird ersetzt

In Linz wird jeder gefällte Baum ersetzt. Ist dies am ursprünglichen Standort nicht möglich, wird ein Ersatzstandort gewählt. Die städtische Baumbilanz fällt daher immer positiv aus. Durchschnittlich werden pro Jahr 350 Bäume aus nachhaltiger, standortangepasster Eigenproduktion nachgepflanzt. Mit dem neu ausgearbeiteten Baumpflanzkonzept wird sichergestellt, dass jeweils für die unterschiedlichen Standorte die passendsten Sorten ausgewählt werden und die Durchmischung passt, sodass eine möglichst lange Lebensdauer gegeben ist.

Die neue Expertenstrategie umfasst:

1. Die Vielfalt macht es aus - Gute Durchmischung der Baumgattungen: Arten und Sorten

Dies gewährleistet neben einer gestalterischen Vielfalt einen hohen ökologischen Wert. Außerdem bringt es die Sicherheit, dass beim Auftreten von Schädlingen (z.B. Kastanienminiermotte, Massaria bei Platanen, Eschentriebsterben, Borkenkäfer bei Fichten) nur ein geringer Teil der Bäume betroffen ist.

Je nach Kleinklima, Bodenverhältnisse, Platz im Wurzel- und Luftraum werden die Bäume ausgesucht. Bodenansprüche und Klimaanforderungen sind aber je nach Arten unterschiedlich, bei Platz im Luftraum sind aber Varianten bis zu den Sorten zu beachten. Auch wenn seitens Ökologen und Naturschützern oft eine Verwendung von heimischen Pflanzen gefordert wird, ist dies bei städtischen Standorten nicht immer sinnvoll. Viele Bäume asiatischer und amerikanischer Herkunft sind für den Boden und das Klima in der Stadt besser geeignet. Die Entwicklungen zum Klimawandel „Forschungsprojekt Stadtgrün 2021“ und „GALK- Liste“ fließen in die Beurteilungen ein.

Im Wald liegt der Schwerpunkt bei der Naturverjüngung. Hier wird der natürliche Aufwuchs erhalten und gefördert.

3. Gestalterische Aspekte

Auch hier sind Varietäten je nach Arten und Sorten unterschiedlich. Dabei sind nicht nur Platz im Wurzel- und Luftraum sondern auch optische Ansprüche und manchmal historische Gegebenheiten sowie der Eindruck des Ensembles zu beachten.

4. Hohe Pflanzenqualität

Nach Möglichkeit wird ein Großteil der nachzupflanzenden Bäume in der eigenen Baumschule herangezogen.

Dadurch sind sie an das Linzer Stadtklima gewöhnt. Zudem sind sehr kurze Transportwege gegeben.

5. Pflanzzeit

Baumpflanzungen sollen soweit möglich in der idealen Pflanzzeit erfolgen. Das ist im Herbst, ab Ende Oktober.

Professionellen Weg zum Erhalt der Bäume fortsetzen

Die Stadt Linz ist bei der Pflege und Erhaltung der Bäume sehr fortschrittlich. Als erster Anwender Österreichs verwendet der Geschäftsbereich SGS „Tree Motion Sensoren“. Die TMS messen die tatsächliche dynamische Schwingbewegung des Baumes in natürlichem Wind. Die Sensoren werden verwendet, um Informationen über die Standsicherheit des Baumes, also die Verankerungskraft der Wurzeln im Boden, zu erfahren. Bei Überprüfungen festgestellte Mängel werden im Baumkataster erfasst. Gleichzeitig legen die Experten die erforderlichen Maßnahmen fest und fixieren je nach Dringlichkeit ein Erledigungsdatum.

Die Sichtkontrolle (Regelkontrolle) nach ÖNORM L 1122 ist eine fachkundige Befundung eines Baumes vom Boden aus. Zusätzlich werden seit vergangenem Jahr auch Erstkontrollen an Privatfirmen fremd vergeben, um den Bestand in absehbarer Zeit komplett erfassen zu können.

Ergibt die Sichtkontrolle Auffälligkeiten, führt ein Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung eine genaue Untersuchung durch. Ihm steht neben einer fundierten Ausbildung und langjähriger Erfahrung eine umfangreiche technische Ausrüstung zur Verfügung. Bei Bedarf wird der Baum sogar mit einem Schalltomographen untersucht, um verletzungsfrei den Zustand des Holzes prüfen zu können. Der Schalltomograph arbeitet mit Sensoren, die rund um einen Baum angebracht werden und Schallwellen durch den Baum schicken. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Wellen fortbewegen, wird von den Sensoren gemessen. Die Daten über Schallgeschwindigkeit und Distanz formatiert ein Computer zu einem Bild, von dem sich der Gesundheitszustand des Baumes ablesen lässt. Grundsätzlich gilt, je langsamer die Schallgeschwindigkeit, desto kränker ist der Baum. Beispielsweise bewegen sich Schallwellen in einem luftleeren Raum gar nicht oder nur sehr langsam fort – das lässt auf einen Hohlraum im Inneren schließen.

Bäume genau im Blick

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Geschäftsbereiches Stadtgrün und Straßenbetreuung betreuen an den Straßen, in den Schulen, Kindergärten, Seniorenzentren und öffentlichen Parkanlagen zirka 40.000 Bäume.
Von diesen Bäumen sind derzeit etwa 25.500 einzeln erfasst und werden regelmäßig nach ÖNORM L 1122 geprüft. Das heißt, dass bei jedem einzelnen Baum Wurzeln, Stamm und Krone begutachtet, allfällige Risikostellen festgestellt und im Baumkataster festgehalten werden.

Gibt es Änderungen in der Norm wird der Baumkataster entsprechend angepasst. Die Daten des Baumkatasters werden in einem zentralen Geoinformationssystem erfasst. Die SGS erstellen und warten zudem einen Pflegeflächenkataster und übertragen die Sicherheitsprüfungen der Spielplätze in dieses Geoinformationssystem. Damit können andere Geschäftsbereiche dieses Datenmaterial nutzen, wie bereits die Kinder und Jugend Services oder die Stadtplanung.

500 ha Wälder im Besitz der Stadt Linz

„Der Wald hat eine bedeutende Erholungs- und Ausgleichwirkung. Mit etwa 18 Prozent des 96 Quadratkilometer großen Stadtgebiets hat Linz einen hohen Wald-Anteil Dieses Niveau müssen wir erhalten bzw. ausbauen“, erklärt Vizebürgermeister Baier. Der Fichten-Borkenkäfer und das Eschentriebsterben haben in den vergangenen Jahren großen Schaden verursacht. Viele Bäume wurden geschlägert. Schätzungen zufolge sind ca. 90 Prozent der Eschen vom Pilz befallen und sterben nach und nach ab. Die Schädlinge verbreiten sich sehr rasch und können in kurzer Zeit bei Fichtenmonokulturen bis zum Totalausfall bei Wäldern führen. Damit verlieren Wälder ihre Erholungs- und Schutzwirkung, vom wirtschaftlichen Schaden ganz abgesehen Bäume mit Käferbefall müssen gefällt und das Schadholz ehestmöglich entsorgt werden, um eine Weiterverbreitung des Schädlings einzudämmen.

Insgesamt 40 Hektar müssen wieder bewaldet werden, das entspricht in etwa einer Fläche von 555 Fußballfeldern. Hauptbetroffen sind die Hänge zum Haselgraben, Linz Süd Ebelsberg und Stadtgebiet Mitte. Neben der Naturverjüngung werden in den kommenden Jahren regionale, standortgerechte Forstpflanzen nachgepflanzt. Pro Hektar benötigt man etwa 700 Bäume, das sind auf 40 Hektar insgesamt 28.000 Bäume. Diese müssen in weiterer Folge über Jahre gepflegt werden – unter anderem ausgemäht und vor Wildverbiss geschützt. Ein Schwerpunkt ist aber die Naturverjüngung. Das heißt, die Bäume die von selbst austreiben, werden besonders gefördert, da sie am besten anwachsen. Hauptbaumarten sind Buche, Eiche, Ahorn, Vogelkirsche, Lärche und Tanne.

Es gilt nun, den Fichtenbestand nach Aufarbeitung der Schäden kontinuierlich durch Laubholz (ohne Esche) zu ersetzen, um einen standortgerechten und  gesunden Waldbestand für die kommenden Generationen zu garantieren.

Urfahr und Linzer Süden haben größten Waldanteil

Entsprechend den geografischen Gegebenheiten und historischen Entwicklungen verfügen Urfahr und der Süden von Linz über den größten Waldanteil.

Verteilung der Linzer Wälder, Grafik: Stadtgrün und Straßenbetreuung

Verteilung der Linzer Wälder, Grafik: Stadtgrün und Straßenbetreuung

Schutzfunktion und Erholungsraum

Die Wälder entlang der Hänge des Haselgrabens erfüllen, so wie jene im Donautal (Urfahrwänd, St. Margarethen) hauptsächlich Schutzfunktionen (teilweise als ausgewiesene Bannwälder) und verhindern Bodenerosion bzw. Steinschlag, während in Urfahr West, in St. Magdalena, am Froschberg, am Freinberg, ebenso wie in Ebelsberg und in Pichling die Erholungsfunktion im Vordergrund steht.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz zum Linzer Baumpflanzkonzept mit Vizebürgermeister Mag. Bernhard Baier)

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