Presseaussendung vom: 19.12.2018 |

Zweiter Frauenbericht der Stadt Linz Bericht verdeutlicht Handlungsbedarf in Richtung Geschlechtergerechtigkeit

Die Gleichstellung von Männern und Frauen in allen Bereichen sollte das Ziel jeder Gesellschaft sein. In der Realität bestehen aber nach wie vor Diskriminierungen und Benachteiligungen von Frauen gegenüber Männern. Deshalb ist Frauenberichterstattung wichtig. Geschlechts-spezifische Ungleichheiten innerhalb einer Gesellschaft werden damit aufgedeckt, sichtbar gemacht und Erklärungszusammenhänge können hergestellt werden. Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger sorgte bereits 2011 für die Erstellung des Ersten Linzer Frauenberichts, welcher im Auftrag des Instituts für Frauen- und Geschlechterforschung an der Johannes Kepler Universität (Autorinnen: Dr.in Birgit Buchinger und Mag.a Renate Böhm) verfasst wurde.

Die nun vorliegende Aktualisierung baut auf dem Ersten Frauenbericht auf und wurde erneut durch das Institut für Frauen- und Geschlechterforschung unter der Projektleitung von Univ.-Prof.in Dr.in Doris Weichselbaumer von den AutorInnen Mag.a Julia Schuster PhD, Theresa Fitz MSc, BA und Leonie Kapfer, MA gemeinsam mit Timo Kapelari BSc erstellt. Der Bericht dient als Grundlage für Entscheidungsträgerinnen und -träger, politische Schwerpunkte in der Frauenpolitik zu setzen. „Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung sind die Basis für maßgeschneiderte frauenpolitische Maßnahmen in Linz. Nach sieben Jahren war es jetzt Zeit, die Situation erneut zu erfassen. Anhand der aktuellen Daten wird sichtbar, wo Frauen benachteiligt werden. Der Frauenbericht ist Handlungsauftrag an alle politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebenen. Nur gemeinsam ist es möglich, das Ziel der geschlechtergerechten Gesellschaft zu realisieren“, erklärt Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Die traditionelle Arbeitsteilung birgt vielfache Benachteiligungen und Risiken für die Frauen

Vor allemdie Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt bergen viele langfristige Risiken für Frauen. So sind Frauen in ihrer Erwerbsbeteiligung gegenüber Männern quantitativ vor allem aufgrund von Teilzeit-Arbeitsverhältnissen und qualitativ (bspw. aufgrund von Beschäftigungen in Niedriglohnbranchen, Positionen in niedrigeren Hierarchien) benachteiligt, was zu prekären finanziellen Lagen führen kann, vor allem dann, wenn Kinder vorhanden sind. 

  • Das mittlere monatliche Bruttoeinkommen der unselbstständig erwerbstätigen Linzerinnen betrug im Jahr 2016 1.724 Euro. Frauen verdienten damit durchschnittlich 60,6 Prozent der durchschnittli-chen Einkommen von Männern in Linz. Das geschlechtsspezifische Verdienstgefälle beträgt somit 39,4 Prozent.
  • Auch wenn nur die Einkommen von Vollzeiterwerbstätigen verglichen werden, verdienen Frauen in Oberösterreich durchschnittlich über ein Viertel weniger (26,1 Prozent) als Männer.
  • Trotz steigender Qualifikation sind Frauen in Führungspositionen stark unterrepräsentiert.
  • 90 Prozent aller unselbstständig erwerbstätigen Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor (Männer: 69 Prozent)
  • 48 Prozent aller erwerbstätigen Frauen sind teilzeitbeschäftigt.

Eine Umverteilung der unbezahlten Betreuungsarbeit zwischen den Geschlechtern bleibt die wichtigste politische Empfehlung. Dies ist eine Grundvoraussetzung für eine eigenständige Existenzsicherung von Frauen.

154 Seiten Frauenberichterstattung

Das Institut für Frauen- und Geschlechterforschung an der Johannes Kepler Universität erstellte auf Initiative von Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger den Zweiten Frauenbericht der Stadt Linz, wobei die inhaltliche Erarbeitung von März bis August dieses Jahres stattfand. Das verwendete Datenmaterial stammt vorwiegend vom Amt für Stadtforschung, dem Institut für Gesundheitsplanung, der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer Oberösterreich, dem Amt für Soziales, Jugend und Familie der Stadt Linz, vom Arbeitsmarktservice Oberösterreich, vom Land Oberösterreich und von der Statistik Austria. Der vorliegende Bericht dokumentiert vielfältige Aspekte im Leben der Linzerinnen.

Horizontale soziale Ungleichheitsfaktoren wie Geschlecht, Alter oder ethnische Zugehörigkeit in Verknüpfung mit vertikalen sozialen Ungleichheitsfaktoren wie etwa Bildungsstand, beruflicher Status oder Einkommen wurden in die Analyse einbezogen.

Aufbauend auf dem ersten Bericht

In der überarbeiteten und aktualisierten Version des Frauenberichtes wurde auf Vergleichbarkeit geachtet. So werden zeitliche Veränderungen sichtbar, egal ob es sich um Verbesserungen oder Verschlechterungen handelt. Der zweite Frauenbericht basiert ausschließlich auf quantitativem Datenmaterial. Auf Interviews und Workshops mit Expertinnen und Experten wurde verzichtet, da sich geschlechtsspezifische gesellschaftliche Strukturen in den sieben Jahren nicht so gravierend geändert haben, dass neue inhaltliche Deutungen erforderlich wären. 

Sieben Kapitel

Der aktuelle Bericht ist in sieben Kapitel unterteilt: Soziodemografie, Lebensformen, Bildung, Erwerbstätigkeit, Sozioökonomische Lage, Gesundheiten sowie Repräsentanz und Partizipation.

Wer das Kapitel „Sexualität“ vermisst, das im ersten Frauenbericht vorkam, wird das Thema im Kapitel „Gesundheit“ finden. Auch das Kapitel „Lebensphasen – Lebenslagen“ wurde aufgelöst und die Inhalte den anderen Kapiteln passend zugeteilt.

Der Nutzen für die Linzerinnen

Durch die genaue Berichterstattung werden positive und negative Aspekte der Lebenssituationen von Frauen bzw. auch von unterschiedlichen Gruppen von Frauen sichtbar. Die Daten belegen, wo Handlungsbedarf besteht. Dadurch ist der Frauenbericht ein gutes Handwerkzeug für die Politik, um dem Ziel der Gleichstellung von Mann und Frau Schritt für Schritt näher zu kommen.

(Informationsunterlage für Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger zur Pressekonferenz „Zweiter Frauenbericht der Stadt Linz“)

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Univ.-Prof.in Dr.in Doris Weichselbaumer, Institut für Frauen- und Geschlechterforschung JKU
Mag.a Julia Schuster PhD, Institut für Frauen- und Geschlechterforschung JKU
Mag.a Jutta Reisinger, Frauenbeauftragte der Stadt Linz

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