Presseaussendung vom: 21.01.2019

Mobilitäts-Managementkonzepte geben Vorrang für den umweltfreundlichen Stadtverkehr Musterprojekt der Wohnungsgesellschaft GWG in der Linzer Innenstadt

Eine wichtige Weichenstellung für die umweltfreundliche Mobilität brachte eine Mitte 2017 in Kraft getretene Novelle des oberösterreichischen Bautechnikgesetzes. Seitdem muss bei Wohnbauvorhaben im innerstädtischen Bereich mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr nicht unbedingt ein Parkplatz für jede Wohneinheit nachgewiesen werden. Sowohl bei Neubauten als auch bei Aufstockungen ist es oft technisch oder wirtschaftlich unmöglich, jeder Wohnung einen eigenen Parkplatz zuzuordnen.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang aus verkehrs- und stadtplanerischer Sicht, dass eine echte Änderung des bisherigen Mobilitätsverhaltens oft nur nach einem Wohnungswechsel eintritt. Mit der neuen Wohnumgebung ist notwendigerweise auch die Suche nach anderen Verkehrswegen verbunden. Sind statt großer Tiefgaragen attraktive ÖV-Alternativen, Radabstellanlagen und soziale Infrastruktur in der Nähe vorhanden, so fällt der Verzicht auf tägliches Autofahren leichter. Es gilt, hierfür bei vielen erst noch das Bewusstsein zu bilden.

Vor allem gemeinnützige Wohnbauträger können aktiv an dieser Form des Verkehrsmanagements mitwirken. So kann etwa durch Mobilitäts-Managementkonzepte von Verkehrsfachleuten eine Grundlage für die Bewusstseinsbildung geschaffen werden. Als positiver Nebeneffekt wird durch den Reduzierung teurer Tiefgaragenplätze bei den Errichtungskosten gespart, was sich wiederum positiv auf den Mietzins auswirkt. Auch für sozial Schwächere bleibt so das Wohnen im Innenstadtbereich leistbarer.

Die gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) agiert als Vorreiterin und entwickelte gemeinsam mit der stadteigenen Verkehrsplanung und externen Experten als Pilotprojekt ein Verkehrsmanagementkonzept für das Bauvorhaben Schubertstraße 22. Das Eckhaus wird voraussichtlich ab Ende 2019 für 15 geförderte Mietwohnungen (Fertigstellung: Frühjahr 2021) adaptiert. Aus dem Konzept wird ersichtlich, dass mit Umsetzung der Begleitmaßnahmen der übliche Stellplatzschlüssel erheblich reduziert werden kann. Dafür werden u.a. die vorgeschriebenen Fahrradabstellplätze fast verdreifacht. Auch die vorhandene ÖV-Anbindung ist vielfältig und eine umfangreiche Infrastruktur fußläufig erreichbar.

Bürgermeister Klaus Luger
Zusammen mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs leisten nachhaltige Mobilitätskonzepte einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Feinstaubbelastung und somit zur Lebensqualität in Linz. Als innovative Stadt ist es notwendig, unterschiedliche Initiativen zu verfolgen und auch zu unterstützen. Neben dem Ausbau von traditionellen Verkehrswegen wie Radwege, Buslinien und Straßen sollen auch gänzlich neue Lösungen entwickelt werden. Denn: die Mobilität der Zukunft soll in Linz so schnell wie möglich real werden.

Infrastrukturstadtrat Markus Hein
Selbstverständlich müssen große, zukunftsorientierte ÖV-Projekte, wie die zweite Schienenachse, rasch weitergeführt werden. Ebenso wichtig ist es aber, dass bei jedem Einzelnen die Wahrnehmung der bereits bestehenden Verkehrsalternativen zum Auto verbessert wird. Die schnellste Straßenbahn, der komfortabelste Bus und der breiteste Radweg bringt keine echte Verbesserung, wenn sie nicht auch entsprechend von der Bevölkerung angenommen und genutzt wird. Bewusstsein und Infrastruktur gehören unweigerlich zusammen, will man nachhaltig eine Verkehrsveränderung erreichen.

Abbildung 1: Darstellung der ÖV-Anbindungen rund um das Bauvorhaben

Ziele des Mobilitätsmanagements

Für ein durchdachtes Mobilitätsmanagement sprechen gute Gründe. Immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto und bevorzugen öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad oder gehen zu Fuß. Das entlastet die Umwelt und macht das Wohnen kostengünstiger. Denn jeder nicht benötigte Tiefgaragenplatz bewirkt eine erhebliche Kostendämpfung. Bei Neubauvorhaben mit oberirdischen Parkplätzen ist im Sinne der Reduzierung der Bodenversiegelung ebenfalls eine geringere Stellplatzanzahl erstrebenswert.

Abbildung 2: Darstellung der Parkgaragen rund um das Bauvorhaben

Standort Schubertstraße / Schillerstraße ideal für „autoarmes Wohnen“

Das GWG-Projekt Schubertstraße kann als Musterbeispiel für das „autoarme“ Wohnen gelten. Der Innenstadt-Radweg liegt „vor der Haustüre“ und sowohl Bus-,  als auch Straßenbahnlinien sind nur den sprichwörtlichen „Katzensprung“ entfernt. Für den umweltfreundlichen Stadtverkehr sorgt die Linz AG. Vom nahen Hessenplatz ausgehend, führen zahlreiche Buslinien in das Umland. Das externe Verkehrsmanagementkonzept prognostiziert 2,6 Bewohnerinnen und Bewohner je Wohnung, die täglich drei Wege pro Person zurücklegen. Jeweils etwa ein Fünftel mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß, knapp ein Zehntel mit dem Fahrrad. Für die Hälfte der Wege dient das Auto als Verkehrsmittel. Die beiden Garagenplätze im Haus und auch die vorgeschlagenen 48 Fahrrad-Abstellplätze sollen Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge erhalten. Mit Bildungseinrichtungen Nahversorgern, Freizeiteinrichtungen und Parkanlagen ist eine umfangreiche soziale Interaktion möglich, ohne ein Fahrzeug benutzen zu müssen.

Abbildung 3: Abbildung: Darstellung sozialen Infrastruktur und um das Bauvorhaben

Der bundesweite ÖV-Güteklassenplan zeigt, dass Linz sehr gut aufgestellt ist

Nicht nur im konkreten Musterprojekt der GWG sondern auch ganz allgemein zeigt sich, dass Linz mit seinem ÖV gut aufgestellt ist. Mit den einheitlichen ÖV-Güteklassen wurde eine Grundlage zur besseren Vergleichbarkeit bei der ÖV-Erschließung im Rahmen der Siedlungsentwicklung geschaffen. Im ÖV-Güteklassenplan wird farblich angezeigt, welche Bereiche gut und welche schlecht durch den öffentlichen Verkehr erschlossen sind. Auch der Politik wird damit vor Augen gehalten, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Schwachstellen gibt es aber auch in Linz. Vor allem im Bereich der Einfallsrouten oder im Industriegebiet wird Nachholbedarf durch rot eingefärbte Bereiche im Plan aufgezeigt.

Abbildung 4: ÖV-Güteklassenplan

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger und Infrastrukturstadtrat Markus Hein zum Thema Mobilitäts-Managementkonzepte als Leitlinie für Wohnbauprojekte)

Weiterer Gesprächspartner:
Wolfgang Pfeil MBA, Direktor der Wohnungsgesellschaft GWG

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