Presseaussendung vom: 25.02.2019 |

Verleihung des Frauenpreises der Stadt Linz Auszeichnung geht an das autonome Frauenzentrum für den Frauennotruf

Seit 2012 würdigt die Stadt Linz alljährlich herausragendes frauenpolitisches Engagement mit dem mit 3.600 Euro dotierten Frauenpreis. Dazu berichtet Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger: „Der Frauenpreis der Stadt Linz bringt die Wertschätzung für die Arbeit engagierter Frauen zum Ausdruck. Ich freue mich, dieses Jahr den Frauenpreis an das autonome Frauenzentrum für den seit 1999 anerkannten „Frauennotruf“ überreichen zu dürfen. Es ist dies die einzige Fachberatungsstelle für Frauen und Mädchen in Oberösterreich zu sexualisierter und sexueller Gewalt. Seit 20 Jahren leistet das engagierte Team wertvolle Hilfe in extremen, traumatisierenden Notsituationen.“ 

Die Schwerpunkte beim Frauennotruf liegen in der Beratung, Prävention und Öffentlichkeitsarbeit zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Ursachen, Formen und Auswirkungen gehören aufgeklärt. Gesellschaftliche Strukturen müssen abgebaut werden, die sexualisierte Gewalt begünstigen. So kann dieser menschenrechtsverletzenden Gewalt an Frauen und Mädchen vorgebeugt und in weiterer Folge reduziert werden. 

Verliehen wird der Frauenpreis 2019 am 28. Februar um 19 Uhr im Gemeinderatssaal des Alten Rathauses. Würdigen Rahmen bietet der „talk of fem“. Die Veranstaltung findet anlässlich des Internationalen Frauentags statt 

Einstimmige Entscheidung

Insgesamt wurden 31 Projekte für den Frauenpreis 2019 eingereicht. Der Jury gehörten neben Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger die Gemeinderätinnen Arzu Büyükkal, Martina Kreindl, Maria Mayr, Elisabeth Leitner-Rauchdobler und Mag.a Gerlinde Grünn an. Die Entscheidung für das Projekt wurde einstimmig getroffen und wie folgt begründet:

„Das autonome Frauenzentrum (aFZ) kämpft seit fast 40 Jahren an der Seite von Frauen für ihre Rechte. Seit 1999 Jahren ist das aFZ anerkannter „Frauennotruf“ und damit seit 20 Jahren in Oberösterreich einzige Fachberatungsstelle für Frauen und Mädchen zu sexualisierter und sexueller Gewalt. Neben der Beratung und Prozessbegleitung für Mädchen und Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, informiert das aFZ umfassend durch Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit zu allen Formen sexualisierter Gewalt. Das autonome Frauenzentrum kann in diesem Bereich eine einzigartige Expertise in Oberösterreich vorweisen. Darüber hinaus ist das aFZ sowohl ein Beratungs-, Bildungs-, Informations- als auch Kommunikationszentrum für Frauen. Die Mitarbeiterinnen zeichnen sich durch ihr langjähriges und unermüdliches Engagement aus, oft unter schwierigen Bedingungen wie z.B. die derzeitige Fördersituation und die Probleme, welche damit einhergehen. Die Jurorinnen möchten mit der Vergabe des Preises auch die Notwendigkeit betonen, diese wichtige und in Oberösterreich einzigartige Institution mit ausreichend finanziellen Mitteln auszustatten.“

Frauennotruf - Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt

Das aFZ besteht seit 39 Jahren und ist seit 1999 öffentlich anerkannter Frauennotruf für Oberösterreich. Seit 2010 bildet das aFZ gemeinsam mit den anderen vier Frauennotrufen in Österreich in den Bundesländern Wien, Tirol, Salzburg und Steiermark den Bund autonome Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt Österreichs (BAFÖ).

Der Begriff „Frauennotrufe“ ist in einem geschichtlichen Kontext zu verstehen. Aufgrund der tiefgreifenden gesellschaftlichen Tabuisierung und damit einhergehenden Nichtwahrnehmung sexualisierter Gewalt kam es in vielen europäischen Ländern in den 70er und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts zur Gründung von Notrufen und Nottelefonnummern, die als erste Anlaufstelle für Betroffene gedacht waren und ihren Auftrag als „NOTRUF“ vor allem auch in der gesellschaftspolitischen Aufklärungsarbeit sahen. In weiterer Folge entwickelten sich die Frauennotrufe zu spezifischen Beratungseinrichtungen mit den Schwerpunkten Beratung, Begleitung, Prävention und Öffentlichkeitsarbeit zu sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Jede dritte Frau berichtet von sexuellen Gewalterfahrungen

Ein zentraler Aspekt sexualisierter Gewalt ist das hohe Ausmaß betroffener Frauen und Mädchen. Die große gesellschaftliche Relevanz sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen ist seit Jahren wissenschaftlich belegt. Nach der österreichischen Prävalenzstudie zu Gewalt an Frauen und Männern des BMWFJ (Hrsg: Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien) haben 27,7 Prozent der Frauen sexuelle Gewalt in der Kindheit erlebt, 74 Prozent der Frauen wurden bereits sexuell belästigt. 23,3 Prozent der Frauen haben sexuelle Belästigungen im Arbeitsumfeld und insgesamt 51 Prozent an öffentlichen Orten erlebt. Und nicht zuletzt haben 29,5 Prozent der österreichischen. Frauen sexuelle Gewalt erlebt, wobei sich diese zu beinah gleichen Teilen auf sexuelle Gewalt im sozialen Umfeld beziehungsweise in der Partnerschaft und im öffentlichen Raum verteilt. Zusammenfassend berichtet etwa jede 3. Frau von sexuellen Gewalterfahrungen ab dem 16. Lebensjahr. 

Steigende Zahlen bei Sexualdelikten

Einen Hinweis auf das tatsächliche Ausmaß von sexualisierter Gewalt bieten auch die Beratungsstatistiken der autonomen Frauennotrufe Österreichs sowie die jährliche Kriminalstatistik des Bundesministeriums für Inneres, wonach die Zahlen der Gewaltdelikte in Österreich kontinuierlich steigen, dies sowohl bei körperlicher Gewalt, als auch bei den Sexualdelikten“. Die Anzeigen wegen ausgewählter Delikte gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung sind von 2015 auf 2016 um 15 Prozent gestiegen. Durch die Neuformulierung des Paragrafen „Sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen“ (§ 218 StGB) ist die Zahl der Anzeigen vom Jahr 2015 um über 56 Prozent im Jahr 2016 angestiegen. 

Diese steigenden Zahlen und Statistiken zeigen uns, dass sexuelle Gewalt leider noch immer ein großes gesellschaftliches Problem ist, wovon hauptsächlich Frauen betroffen sind.

Leistungen im Schwerpunkt Frauennotruf

Das autonome Frauenzentrum hat im Jahr 2017 insgesamt 247 Klientinnen in insgesamt 1.686 Beratungen als Opfer von sexualisierter Gewalt betreut. (Es wurden hier die Zahlen von 2017 verwendet, da noch keine aktuelle Statistik zum Jahr 2018 vorliegt. Allerdings kann jetzt schon für 2018 eine eklatante Steigerung prognostiziert werden.)

In persönlichen und vertraulichen Beratungsgesprächen erhalten Frauen rechtliche Informationen zu ihren Fragen und psychosoziale Hilfestellung bei der Klärung ihrer Bedürfnisse und Bearbeitung ihrer Anliegen. Ziel ist es, Frauen in Fällen von sexualisierter Gewalt zu informieren, zu beraten und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Beratung erfolgt frauenspezifisch und ganzheitlich: Durch die achtsame Einbeziehung aller Lebensbedingungen werden Frauen in ihren Veränderungsprozessen auf eine Art und Weise unterstützt, in der ihr weibliches Bewusstsein gestärkt und ihr Recht auf Selbstbestimmung und ihre Eigenständigkeit gefördert wird.

In der Prozessbegleitung werden Frauen in einem Strafverfahren, oder in einem anschließenden Zivilverfahren, durch psychosoziale und juristische Prozessbegleitung unterstützt. Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt wu-den, erhalten nicht nur Beratung und Aufklärung, sondern eine Begleitung das ganze Verfahren hindurch - Anzeige bei der Polizei, medizinische Untersuchungen, gerichtliche Einvernahmen. Das aFZ steht bis zum Ende des Verfahrens an der Seite der Betroffenen und engagiert Anwältinnen, die die Rechte der Opfer vor Gericht vertreten. Die Begleitung in solchen Verfahren ist ganz wichtig, da Bezugspersonen oft fehlen, oder gänzlich überfordert sind. 

Insgesamt verzeichnet das autonome Frauenzentrum bei der Betreuung von Frauen und Mädchen als Betroffene von sexualisierter Gewalt eine Steigerungstendenz im Vergleich zu den Vorjahren. Immer mehr Opfer melden sich über die Online Beratung.

Öffentliche Diskussion

Auch medial wird das Thema vermehrt aufgegriffen, wobei Kampagnen wie #metoo oder #timesup einen wichtigen Beitrag zu dieser medialen Präsenz geleistet haben. Auch das Jahr 2018 war geprägt vom Thema sexuelle Gewalt und es wurde endlich eine gesellschaftliche Debatte entfacht und das Bewusstsein für die weite Verbreitung dieser Gewaltform geschaffen.

Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit des aFZ gemeinsam mit dem Frauenbüro der Stadt Linz: 

  • „MIT UNS NICHT“ Schulworkshops zur Prävention sexueller Gewalt. Das Projekt wurde 2012 ins Leben gerufen und wird alljährlich in Kooperation mit dem Frauenbüro Linz durchgeführt.
  • Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse: Bereits seit vielen Jahren bietet das aFZ mit Unterstützung durch das Frauenbüro der Stadt Linz regelmäßig Selbstbehauptungstrainings und Selbstverteidigungskurse an.
  • Workshops, Vorträge und Fortbildungen: Die Mitarbeiterinnen des aFZ erarbeiteten 2018 in insgesamt zehn Workshops mit Mädchen und Frauen (Lehrlinge und Gleichbehandlungsbeauftragte der ÖBB, aber auch Schulklassen, Kunstuni, Firmlinge und Frauen mit Beeinträchtigungen etc.) das Thema sexuelle Gewalt. Ziele: Sensibilisierung für die Formen, Folgen und Auswirkungen von Gewalt an Mädchen und Frauen und Präventionsarbeit gegen sexuelle Gewalt. 
  • Darüber hinaus fanden sieben Fachvorträge zu den Themen sexuelle und sexualisierte Gewalt und deren Formen, Folgen und Auswirkungen und rechtlichen Grundlagen, für Wiedereinsteigerinnen und Sozialeinrichtungen statt. 
  • Das aFZ ist Bestandteil der AK-LaienrichterInnen-Ausbildung mit Seminaren zum Thema „sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“. Ziele: Sensibilisierung der Laienrichterinnen und -richter für die Themen Gleichbehandlung und Diskriminierung, sowie die Darstellung der Auswirkungen von Diskriminierungen auf die Gesundheit der Betroffenen (insbesondere Traumatisierungen und deren Folgen auf Verhaltensweisen von Betroffenen).  
  • Fortbildungen zum Thema „psychosoziale Beratung von Frauen und Mädchen bei sexueller Gewalt“, für MultiplikatorInnen die mit Betroffenen arbeiten.
  • Öffentlichkeitsarbeit im Zuge von Vernetzungen, Fernseh-, Radio- und Zeitungsinterviews, Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen, Newsletter und Facebook Auftritten und vielen mehr. 

Preisverleihung beim „talk of fem 2019“

Anlässlich des Internationalen Frauentages findet die Preisverleihung am 28. Februar 2019 um 19 Uhr im Gemeinderatssaal des Alten Rathauses im Rahmen des diesjährigen „talk of fem“ statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Verleihung des mit 3.600 Euro dotierten Frauenpreises der Stadt Linz an den „Frauennotruf“ durch Frauenstadträtin Mag.a Eva Schobesberger.

Moderiert wird der Abend von der Frauenbeauftragten Mag.a Jutta Reisinger, in Gebärdensprache übersetzt Mag.a Stefanie Gunesch. Die Veranstaltung ist barrierefrei. Nach der Verleihung klingt der „talk of fem“ mit einem Büffet und Musik von DJ Oona aus. 

(Informationsunterlage für die Pressekonferenz zur Verleihung des Linzer Frauenpreises mit Stadträtin Mag.a Eva Schobesberger)

Weitere Gesprächspartnerinnen:
Susanne Wiesmayr, Geschäftsführerin autonomes Frauenzentrum
Mag.a Jutta Reisinger, Frauenbeauftragte der Stadt Linz

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