Presseaussendung vom: 28.02.2019

Jugend für Technik begeistern Neues Projekt mit Linzer Hortkindern kommt sehr gut an

Der Mangel an qualifizierten Fachkräften stellt vor allem bei technischen Berufen eine große Herausforderung für viele Unternehmen dar. Auch der Wirtschaftsstandort Linz ist mit mehr als 210.000 Arbeitsplätzen und einem hohen Anteil an Technik-Unternehmen stark davon betroffen. In Oberösterreich werden in den kommenden zehn Jahren 30.000 zusätzliche ArbeitnehmerInnen mit technischen Ausbildungen benötigt. 

Die Stadt Linz geht in Sachen Technik-Ausbildung nun gemeinsam mit dem Linzer Technikum Paul-Hahn-Straße neue Wege: Ein Pilotprojekt ermöglicht es bereits Hortkindern im Volksschulalter, spielerische Einblicke in einschlägige Ausbildungen zu gewinnen. Dadurch entsteht eine Win-win-win-Situation: Der Innovations- und Industriestandort Linz profitiert langfristig von steigendem Interesse an technischen Berufen. Die Linzer HTLs sprechen darüber hinaus frühzeitig begabte und interessierte Kinder mit ihrem qualitativ hochwertigen Bildungsprogramm an. Die Horte wiederum können den betreuten Schülern ein abwechslungsreiches und praxisorientiertes Programm anbieten. 

„Um dem Fachkräftemangel bereits frühzeitig zu begegnen, setzen wir bei diesem Projekt darauf, das Interesse für Technik bereits bei Volksschulkindern zu wecken. Das Hineinschnuppern in mögliche Bildungswege kann hoffentlich schon bei unseren Hortkindern eine Faszination für einen technischen Schulweg auslösen. Mit mehr als 4.800 städtischen Hortplätzen ist das Potenzial jedenfalls enorm“, zeigt sich Bürgermeister Luger vom Projekt überzeugt.

„Die Kooperation zwischen den städtischen Horten und dem Linzer Technikum war eine erfolgreiche Premiere. Da der Pilotversuch ein gewinnbringendes Projekt verspricht, werden wir die Kooperation in Zukunft fortsetzen“, sagt Vizebürgermeisterin Karin Hörzing.

„Ziel dieses Projektes ist es, den Kindern schon im Volksschulalter die vielfältigen Bildungswege näherzubringen. Das große Interesse der Kinder im Pilotprojekt zeigt, dass diese Initiative in die richtige Richtung geht“, freut sich Bildungsstadträtin Mag.a Eva Schobesberger über das Programm.

HTL Linz bildet Fachkräfte von morgen aus

Damit der Wirtschaftsstandort Linz auch zukünftig auf hohem Niveau punkten kann, ist es unumgänglich, bereits jetzt Strategien zu erarbeiten, um der großen Nachfrage nach bestgeschulten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für Startups und Industriebetriebe nachzukommen. Der prognostizierte TechnikerInnenmangel von weit über 30.000 Beschäftigten in den nächsten zehn Jahren in Oberösterreich bringt Firmen und Industriebetriebe in ernste Schwierigkeiten, speziell im Hinblick auf Hightech-Produkte.

Die HTL Linz an der Paul-Hahn-Straße ist als Ausbildungsstätte von TechnikerInnen für einen hohen Anteil an top ausgebildeten Fachkräften verantwortlich sind. Um dies auch künftig garantieren zu können, ist es notwendig, Kinder bereits frühzeitig zur Technik heranzuführen.

„Der am 27. Februar 2019 an der HTL Paul-Hahn-Straße abgehaltene Firmenpräsentationstag hat gezeigt, dass es höchst an der Zeit ist, Maßnahmen zu ergreifen, um dem vor der Tür stehenden Fachkräfte- und Ingenieurmangel zu begegnen. Gespräche mit Firmenchefs haben bestätigt, dass jede Initiative begrüßt wird, die Kinder und Jugendliche hin zur Technik führt. Die Arbeit in den technischen Ausbildungsstätten der HTLs wurde dabei sehr gelobt, da dort die Fertigkeiten und das notwendige Know-how praktisch vermittelt und theoretisch gelehrt werden, die in den Betrieben für die Abwicklung von Aufträgen benötigt werden. Der erste Schritt hierbei ist das spielerische Heranführen von Kindern zur Technik. Dabei muss das entfachte Feuer der Begeisterung durch gezieltes Näherbringen an tiefergehende Techniken gefördert werden“, sagt Linzer Technikum Direktor DI Dr. Norbert Ramaseder.

Das Interesse für Technik erst bei 13-14-Jährigen zu wecken, ist eindeutig zu spät. Gemeinsam mit dem Magistrat Linz wurde ein Weg gefunden, Hortkinder zwischen sieben und zehn Jahren spielerisch mit der Technik vertraut zu machen. 

Projekt für 350 Kinder bereits in der Umsetzung

Im Rahmen des Projekts besuchen Linzer Hortkinder die HTL Paul-Hahn-Straße. Durch altersgerechte Workshops in den Fächern Maschinenbau / Mechatronik und Elektrotechnik mit Informationstechnologie wird die Begeisterung an der Technik durch selbstgebastelte Dinge geweckt. Für den Start des Schuljahres 2018 / 2019 wurden zwei Werk-Arbeiten für die Hortkinder ausgewählt. Jedes Kind kann in der vorgegebenen Zeit beide Projekte umsetzen und erhält einen kleinen Einblick in Elektrotechnik sowie Maschinenbau. Bei sämtlichen Arbeiten ist das Einbinden der Kinder und das aktive Mitarbeiten bis hin zum fertigen Projekt besonders wichtig.

1. Projekt: Männchen mit blinkenden Augen

Spielerisch und leicht verständlich soll dabei versucht werden, die Gebiete der Elektrotechnik und der IT den Kindern näherzubringen. Unter Anleitung einer Fachlehrkraft aus dem Bereich Elektrotechnik/IT schnuppern die Hortkinder in folgende Aufgaben hinein:

  • Einfache Löt-Übung der Kontakte unter Anleitung
  • Verlöten der Bauelemente unter Anleitung
  • Kreatives Bemalen des vorbereiteten Männchens
  • Funktionstest mit 9V Batterie / LEDs blinken / Schaltung   

Wenn alles richtig gelötet und angeschlossen wurde, blinken die Augen des Männchens. 

2. Projekt: Handyhalter

Dabei wird das Ziel verfolgt, den Hortkindern spielerisch und leicht verständlich Maschinenbau und Mechatronik näherzubringen. Die jungen Technik-Fans erwartet dabei:

  • das Einfügen eigener Ideen in die bereitgestellte Vorlage 
  • das Ausschneiden der Vorlage aus der Kunststoffplatte 
  • einfache Biegeübung mit definiertem Wärmeeinfluss 

Dass bei den Workshops viel Spaß und Freude mit im Spiel ist, zeigte sich im Pilotprojekt. Trotz Ablauf der zweieinhalb Übungsstunden wollten alle Kinder länger bleiben. Jedes Hortkind darf sich seine geschaffenen Produkte, den mit persönlich graviertem Namen versehenen Handyhalter wie auch das blinkende Männchen, als Andenken mit nach Hause nehmen.

Halbzeit des Projektes

Vom 27. September bis 14. Februar fanden bereits 16 Workshops statt. Dabei absolvierten die Kids je zweieinhalb Stunden für elektrotechnische sowie maschinenbautechnische Aufgaben. In Summe nahmen bisher 148 Hortkinder teil. Für die Linzer HTL bedeutet das Projekt bisher einen Aufwand von 80 Betreuungsstunden, ohne Vorbereitungszeit. Von 28. Februar bis 13. Juni finden 14 weitere Termine mit Hortkindern statt. Bis zum Projektende werden insgesamt fast 350 städtische Hortkinder an den Workshops teilgenommen haben.

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die für die Heranführung zur Technik gewählten Projekte für die Altersklasse ideal ausgesucht wurden. In einfachen, leicht verständlichen Worten wurden die Kinder in die Technik eingeführt und ihnen mit praktischen Übungen vorgeführt, dass sich Theorie und Praxis decken. Dadurch konnte bei den teilnehmenden Kindern das Interesse geweckt werden. „Ziel für die Zukunft muss es sein, dieses entzündete Feuer im Unterricht mit MINT-Fächern mit praktischen Übungen zu koppeln. Nur so kann zukünftig die ingenieurmäßige Ausbildung im benötigten Umfang sichergestellt werden“, so HTL-Direktor Dr. Ramaseder.  

Eine Fortführung des Projektes für das Schuljahr 2019 / 2020 ist geplant. Anzudenken wäre auch eine Ausdehnung auf ältere Kinder in der Nachmittagsbetreuung der Neuen Mittelschulen oder auf Projekttage in der ersten bzw. letzten Ferienwoche.

Erfahrungsberichte von Hortpädagoginnen

  • Die meisten Kinder hatten im Vorfeld keine Vorstellung von einer HTL. Die Kinder genossen die Führung durch das Schulgebäude. Schmiedeofen oder Roboterteile, Ausstattung, Werkstätten, Klassenräume, alles war für sie beeindruckend, aufregend und neu. Sie lernten etwas kennen, das sie noch nie gesehen hatten und konnten in eine ganz andere Welt voller Maschinen und Arbeitsräumen eintauchen. Erstmals erhielten sie so Einblick in Tätigkeiten einer höheren Schule.
  • Die Kinder durften an Geräten selbst tätig werden, zu denen sie sonst wohl keinen Zugang hätten. Sie waren fasziniert von der Geschwindigkeit eines Laserstrahls, haben kleine Platten erhitzt und diese in Form gebogen, durften selbst löten und ein Männchen basteln, dessen Augen mit Batterien zum Leuchten gebracht werden konnten. Diese selbst hergestellten „Schätze“ haben die Kinder mit Freude und Stolz im Hort und zu Hause präsentiert. Die Endprodukte waren ansprechend und kindgerecht. Sowohl Burschen als auch Mädchen waren begeistert, viele sprachen noch Tage danach vom Erlebten. Einige wollten spontan nach dem Besuch selbst einmal in eine HTL gehen.
  • Die PädagogInnen konnten teilweise selbst neue Lernerfahrungen machen bzw. Inhalte aufgreifen und diese im Hort mit den Kindern vertiefen. So wurde in rückblickenden Gesprächen im Hort versucht, das Erlebte zu reflektieren und den Kindern verstehen zu helfen, wo die Prinzipien ihrer Arbeitsschritte im Wirtschaftskreislauf vorkommen und welche Rolle sie spielen.
  • Die städtischen Hort-MitarbeiterInnen waren von diesem Projekt im ersten Semester vollauf überzeugt. Besonders auch vom sehr engagierten, bestens für die Altersstufe vorbereiteten Lehrerteam, das mit Offenheit für Vorschläge und Veränderungen die Kindergruppen begleitete. Geduldig und für die Altersstufe von Volkschulkindern passend, wurden die vielen Fragen der Kinder geklärt. 
  • Auf jeden Fall wurde bei den Kindern im Volksschulalter bei den Besuchen technisches Interesse geweckt. Die intensiven Konzentrationsphasen und die gestellten Fragen zeugten vom vorhandenen Interesse. Das Feedback der Kinder und auch ihrer Eltern war durchwegs sehr positiv. Die Eltern bedankten sich zudem, dass den Kindern so tolle Exkursionen ermöglicht werden.

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger, Jugend- und Familienreferentin Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, Bildungsstadträtin Mag.a Eva Schobesberger und Linzer Technikum Direktor DI Dr. Norbert Ramaseder zum Projekt „Jugend in die Technik“)

 

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