Presseaussendung vom: 13.03.2019 |

JKU Studie: Vandalismus junger Menschen in Linz 1.100 SchülerInnen beteiligten sich an der Untersuchung

Vandalismus häufigste Form der Jugendkriminalität

Vandalismus – die absichtliche Verunstaltung, Beschädigung oder Zerstörung fremden Eigentums – markiert eine der häufigsten Erscheinungsformen der Jugendkriminalität. Wenn man den Konsum verbotener Substanzen ausklammert, stellen die verschiedenen Variationen der Sachbeschädigung neben Raufereien und Ladendiebstahl die in Dunkelfeldbefragungen meistberichteten strafbaren Handlungen junger Menschen dar. 12 Prozent aller 2016 in Österreich angezeigten Straftaten fallen in den Bereich der Sachbeschädigungsdelikte (BMI 2017).

Angesichts der Häufigkeit vandalistischer Handlungen verwundert es, dass Sachbeschädigungskriminalität im sozialwissenschaftlichen und kriminologischen Diskurs bis dato nur wenig Beachtung findet. Aus diesem Grund hat die Johannes Kepler Universität Linz, gefördert durch die Stadt Linz sowie die Linz AG, die vorliegende Forschungsarbeit erstellt. 

Die Studie „Vandalismus junger Menschen in Linz“ stellt die Sachbeschädigungsdelinquenz junger Menschen in Linz in den Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Analyse. Gestützt auf eine Zwei-Wellen-Befragung 13-15-jähriger Schülerinnen und Schüler aus Linzer Bildungseinrichtungen (Jahrgangsstufen 7 und 8) wurde untersucht:

  • wie häufig Vandalismushandlungen verübt werden (Verbreitung),
  • welche Faktoren vandalistisches Handeln junger Menschen begünstigen (Ursachen),
  • sowie welche erfolgversprechenden Möglichkeiten der Vandalismusprävention sich anbieten (Verhütung).

„Vandalismus, der von Jugendlichen begangen wird, wirkt sich auf zweierlei Ebenen negativ aus: Einerseits entstehen durch mutwillige Zerstörungen hohe Kosten für Immobilienbesitzer, zu denen auch die Stadt Linz mit ihren Einrichtungen zählt. Die zweite Dimension des Problems ist, dass sich junge Menschen damit aus Langeweile und Frust zu polizeilich bekannten und eventuell auch vorbestraften Täterinnen und Tätern machen. Die Stadt Linz unterstützte diese Studie, weil jeder Euro, der in Prävention investiert wird, die Folgekosten durch Zerstörungsakte minimiert“, erklärt Bürgermeister Klaus Luger.

Ergebnisse: Für rund ein Fünftel der Befragten ist Vandalismus nichts Neues

Vandalismus ist eine der häufigsten Erscheinungsformen der Jugendkriminalität. Gut ein Fünftel (21 Prozent) aller Linzer Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7 und 8 gaben in der Befragung an, in den vergangenen zwölf Monaten zumindest einmal absichtlich fremdes Eigentum verunstaltet, beschädigt oder zerstört zu haben. Jungen sind etwas häufiger als Vandalen in Erscheinung getreten als Mädchen. Die Mehrzahl der Täter und Täterinnen haben dabei im Gruppenverband agiert: Vandalistische Entgleisungen junger Menschen erfolgen meist gemeinsam mit gleichaltrigen Freunden und Bekannten.

Vandalismus verursacht in seiner Gesamtheit enorme finanzielle Schäden. Aufgrund der Vielfalt der auftretenden Begehungsvarianten fällt eine exakte Bezifferung der durch Sachbeschädigungshandlungen entstehenden Kosten allerdings sehr schwer. Wiewohl die monetären Folgen einzelner Vandalenakte oftmals trivial bleiben, resultiert aus der Gesamtmasse der Fälle ein substanzieller volkswirtschaftlicher Verlust.

Teufelskreis: Vandalismus erzeugt weiteren Vandalismus

Vandalismus wirkt selbstverstärkend. Nicht beseitigte Anzeichen früherer mutwilliger Zerstörungsakte (sichtbare Vorschäden) ziehen weitere Sachbeschädigungen nach sich. Spuren der Verwahrlosung und Vernachlässigung eines Raumes signalisieren, dass sich niemand kümmert und auch bei weiteren Verfehlungen niemand einschreiten wird, was zur Enthemmung potenzieller Täterinnen und Täter beiträgt.

Wut und Ärger neben Langeweile wichtigste Motive

Die vorsätzlichen Motive für Beschädigungs- und Zerstörungsakte sind breit gefächert. Eine wichtige Rolle spielt oftmals das Bedürfnis, Wut und Ärger abzubauen, sowie der Wunsch, Langeweile zu bekämpfen und diese durch „Spaß“ zu ersetzen. In vielen Fällen formen Ohnmacht, Frustration und fehlende Unterhaltung den motivationalen Hintergrund destruktiver Handlungen junger Menschen.

Gruppe und Gleichaltrige prägen Verhalten

Die Entstehung der Sachbeschädigungsdelinquenz von Kindern und Jugendlichen vollzieht sich im Zusammenwirken von Eigenschaften der handelnden Personen und Merkmalen der physischen wie sozialen Umwelt. Richtet man den Blick auf die Ursachen vandalistischer Betätigung, kommt „moralischen“ Größen eine zentrale Bedeutung zu: Das Studienergebnis zeigt auf, dass junge Menschen eher zu vandalistischen Akten neigen, wenn gleichaltrige Freunde dies ebenfalls tun. Eine wichtige Rolle spielt jedoch auch, inwieweit die befragten Schülerinnen und Schüler Verbotsnormen verinnerlicht haben. Destruktive Handlungen werden vorwiegend dann verübt, wenn die eigenen Freunde dies unterstützen (gutheißen, vorleben und vielleicht sogar aktiv mitmachen) und der persönliche Respekt vor fremdem Eigentum (die Akzeptanz des Vandalismusverbots) gering ausfällt. Kontrollierende Kräfte haben weniger Einfluss: Am ehesten leistet noch die Fähigkeit zur Ausübung von Selbstkontrolle einen Beitrag zur Steuerung der individuellen Vandalismushäufigkeit.

Gegenmaßnahmen müssen auf Einzelfälle zugeschnitten sein

Es existieren zahlreiche Ansätze, wie man Sachbeschädigungen schon im Vorfeld verhindern oder deren Ausmaß und Häufigkeit zumindest eindämmen kann. Von Vorschlägen für bauliche Maßnahmen (z.B. „Target Hardening“, technisch-physikalische Zugangsbeschränkungen, unverzügliche Reparaturen, verbesserte Beleuchtung) über die Förderung der Identifikation der Nutzer mit den betroffenen Objekten und Räumen bis hin zu Konzepten der Überwachung, Ablenkung und Erziehung findet sich in der Literatur eine Vielzahl unterschiedlicher Präventionsstrategien. Im Hinblick auf deren Wirkungspotenzial darf man konkludieren, dass regelmäßig nur eine auf den Einzelfall zugeschnittene Kombination mehrerer Maßnahmen zum Erfolg führen wird.

Methodik: Knapp 1.100 SchülerInnen der 7. und 8. Schulstufe nahmen teil

Die Grundgesamtheit und damit Zielpopulation der Untersuchung umfasst alle in Linz wohnhaften Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8, die eine Schule in der Landeshauptstadt Oberösterreichs besuchen. Die Konzentration auf die genannten Schulstufen gründet in dem Umstand, dass beide noch in den Geltungsbereich der Unterrichtspflicht fallen, was eine flächendeckende und weitgehend unverzerrte Erfassung der entsprechenden Altersjahrgänge ermöglicht. 

Alle 35 Schulen, welche die genannten Kriterien erfüllen, wurden mit der Bitte kontaktiert, jeweils eine 7. und 8. Klasse an einer Umfrage zur Vandalismusdelinquenz junger Menschen teilnehmen zu lassen. 31 Linzer Schulen haben sich zur Mitwirkung bereit erklärt. Auf Schulebene entspricht dies einer Beteiligungsrate von 90 Prozent. Im Herbst des Jahres 2017 wurde die Befragung an 31 in Linz gelegenen Schulen der Sekundarstufe 1 anhand einer computergestützten Schülerbefragung durchgeführt. Es wurden jeweils zufällig eine 7. und eine 8. Klasse ausgewählt, in denen eine Vollerhebung aller anwesenden Schüler und Schülerinnen angestrebt wurde. Nach einer Bereinigung um außerhalb der Stadtgrenzen wohnhafte Teilnehmer konnte eine Nettostichprobe von 1.091 Befragten realisiert werden.

Weitere Gesprächspartner:
Univ.-Ass.in Dr.in Kathrin Stiebellehner 
Assoc.-Prof. Dr. Helmut Hirtenlehner 
Univ.-Prof. Dr. Alois Birklbauer 

(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Klaus Luger zum Thema „Studie: Vandalismus und Sachbeschädigungs-Deliquenz junger Menschen in Linz“)

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